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Objekt / Inventarnr.: HG5227

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Pokal des Nürnberger Patriziers Veit Holzschuher (1515-1580) (Pokal mit Deckel (Futteral Inv.Nr. KG 5228))

Inventarnummer: HG5227
Hersteller: Elias Lencker (Meister 1566, gest.1591)
Datierung: um 1565/70
Ort: Nürnberg
Material/Technik: Silber, vergoldet; getrieben, gegossen, ziseliert, graviert, geätzt; Email
Maße: H. mit Deckel 40,5 cm; H. ohne Deckel 27,3 cm; D.(Deckel) 16,3 cm; D.(Cuppa) 14,2 cm; D.(Sockel) 12,7 cm
Marke/Inschrift: Beschauzeichen: N im Rund — Meistermarke: Initialen EL im Rund
Sammlung: Handwerksgeschichte
Kunsthandwerk bis 1800
Beschreibung:
Der Eindruck des Pokals wird einerseits durch den schlanken Aufbau und die Gliederung des Gefäßes hervorgerufen, andererseits durch den Wechsel glänzender glatter und getriebener Oberfläche mit farbig geschmelzter. Die getriebene Bodenplatte stellt in zwei Zonen einen Erdsockel mit Gewässern, vielerlei Gräsern und Getieren dar, auf der ein neben vier Baumstämmen kniender Geharnischter den farbig geschmelzten Holzschuher-Wappenschild hält. Drei Spangen, die aus der Helmzier herausragen, leiten zu der Cuppa über, die in drei Zonen unterteilt ist. Die untere besteht aus einem Wulst mit fünfzehn Emailplättchen mit den Wappen der drei ersten Frauen des Veit Holzschuher, Anna Ölhaffin, Clara Grundtherr, Clara Detzlin sowie deren Ahnenwappen. Den mittleren, zylindrischen Teil der Cuppa nehmen in Treibarbeit weibliche Figuren, Wappenschilde und Akanthusdekor ein. Den oberen Teil der Cuppa schmücken geätzter Mauresken- und Palmettendekor und Inschriften, die sich auf die darunterlaufenden Wappen beziehen: "Veyt/Georgen Holtzschuhers, vn Margaretha/von Plawen Sohn; Anna/Sixt Ölhaffens/vnnd Barbara Rietterin Tochter; Clara/Paulus Grundt/herrn vn Margareta/Im Hof Tochter; Clara/Friderich Detzels/vnd Helena Kem/mererin Tochter". Die getriebenen Wappen flankieren jeweils zwei Tugenden: "Sterck und Gerechtigk; Glaub und Hoffnung; Gedult und Fürsichtigk; Lieb und Messigkeit". - Auf dem gewölbten Deckelrand in Rollwerkkartuschen sechszehn emaillierte Wappen in Vierergruppen: "Meine Vatter/liche Annaten: Holtz/schuher, Löffel/holtz, Kress, Müntz/maister; Meine vo(n) der vatter/liche anfrawe Annate: Gartt/ner, Meichs/ner, Loch/ner, Drack/ler" (nicht graviert, sondern mit Buchstabenpunzen eingeschlagen); "Meiner Muter vo(n) ire/vatter her Annaten: Von/Ploen, Bering/storffer, Erlan/ger, Lann/dawer; Meine vo(n) der muter/liche anfrawe her Annate: Harstor/fer, Schul/ler, Birckhaimer, Stain/linger." Als Deckelknauf drei gegossene Delphine, die einen Spangenhelm mit der Holzschuherschen Helmzier tragen, dem wachsenden gestümmelten Mohren mit Stulphut. Im Deckelinnern eine Gußmedaille des "VEIT HOLTZSCHUHER. NATVS.M.D.XV. DEN. XV. IVNY. An: 1562:"; sein ziseliertes Brustbild mit der Umschrift: "Ernuester lieber herr vnnd gast, Der diss geschirr in hennden hat. Den haist der wirth freundtlich wilkhumb sein, Mit disem trunck vnd bitt den/weyn. Wöllet ausstrynncken on verdruss Weyl es ja in khein überfluss. Denn Gott auch hat, wie Sirach spricht, zu frölig/keyt vnns zugericht. Dem wollet solchs thun zu lob vnnd preyss Verdiennt der Wirth mit höchstem vleyss." - Am Deckel die Meistermarke des Elias Lencker, an der Cuppa, am Unterrand der zylindrischen Einschnürung die gleiche Meistermarke und das Nürnberger Beschauzeichen. Im Testament des Veit Holzschuher (1515-80) hat der Stifter dem Pokal folgendes bestimmt: "Und nachdem ich ain getriben silbervergults trinkgeschirr mit aim deckel hab, so ungeverlich über funf mark wigt, uf welchem mein, auch meiner dreyer hausfrauen seligen vier, acht und sechzehn wappen und agnaten, auch der Holtzschuher stammen getriben, so ist mein will und mainung, daß solches trinkgeschirr allwegen bey dem eltisten meinem sohn als erstlich dem Maximilian Veiten, und dann bey Veit Philipsen, hernacher bey Veit Georgen und forthin, da ich mer eeliche söne bekommen wurde, pleiben solle."
Beschriftung:
Sammelkommentar: Willkomm-Pokale wurden zu feierlichen Anlässen und zur Begrüßung besonderer Gäste benutzt. Meist waren sie aus wertvollen Materialien und mit großem künstlerischen Aufwand gefertigt. Edelmetalle oder delikates Glas aus Venedig oder 'à la façon de Venise' waren bevorzugte Werkstoffe. Sie wurden mit den Wappen oder dem Stammbaum der Eigentümer dekoriert. Jahrhunderte lang im Familienbesitz erhielten die Gefäße gleichsam denkmalartigen Charakter und waren Gegenstand familiärer Identifikation.
Cup of the Nuremberg Patrician Veit Holzschuher (1515-1580). Silver, gilded, enamel. Summary: Welcome Cups were used on festive occasions and for greeting special guests. They were usually of valuable materials and elaborately and artistically crafted. Precious metals or delicate glass from Venice or made in the Venetian tradition were preferred materials. They were decorated with the coats of arms or the family tree of the owners. Having been in the family for centuries, the vessels became objects of family identification and acquired an almost memorial-like status.
Literatur:
Anzeiger des Germanischen Nationalmuseum 1893, S. 66 (Erwerbsanzeige) — Bösch, Hans: Ein Pokal des Nürnberger Goldschmiedes Elias Lencker. In: Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum 1894, S. 3--8. — Rosenberg, Marc: Der Goldschmiede Merkzeichen. 3. Auflage, Bd. 3. Frankfurt am Main 1925, Nr. 3951a. — Kris, Ernst: Der Stil "Rustique" - Die Verwendung des Naturabgusses bei Wenzel Jamnitzer und Bernhard Palissy. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, NF 1, 1926, S. 137--208, hier S. 166. — Kohlhaußen, Heinrich: Der Veit Holzschuher-Pokal von Elias Lencker im Germanischen Nationalmuseum. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. NF 13, 1938/1939, S. 114--120. — Germanisches Nationalmuseum. 85 Jahresbericht, 1939. S. 23--26 (Erwerbsbericht). — Scholz, Renate: Goldschmiedearbeiten. Renaissance und Barock (Bilderhefte des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg 11). Hamburg 1974, Nr. 5 (weiterer Holzschuher-Pokal). — Hernmarck, Carl: The Art of the European Silversmith 1430--1830. London/New York 1977, S. 97 und Abb. 104. — Bachtler, Monika: Die Nürnberger Goldschmiedefamilie Lencker. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1978, (S. 71--122), Nr. 18 u. Abb. 40, S. 119. — Wenzel Jamnitzer und die Nürnberger Goldschmiedekunst 1500--1700. Goldschmiedearbeiten- Entwürfe, Modelle, Medaillen, Ornamentstiche, Schmuck, Porträts. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Hrsg. v. Gerhard Bott. München 1985, Nr. 46, S. 240--241. — Deutsche Goldschmiedekunst vom 15. bis zum 20. Jahrhundert aus dem Germanischen Nationalmuseum. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg; Stadtmuseum, Ingolstadt; Deutsches Goldschmiedehaus, Hanau. Bearb. v. Klaus Pechstein u. a. München 1987, Nr. 10, S. 104--106. — Nürnberger Goldschmiedekunst 1541--1868, 2 Bde. Bd. 1: Meister, Werke, Marken. Bearb. v. Karin Tebbe u. a. Nürnberg 2007. Teil 1, Nr. 514.01, S. 250 (Karin Tebbe); Bd. 2: Goldglanz und Silberstrahl. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Bearb. v. Karin Tebbe u. a. Nürnberg 2007, S. 176 und Nr. 55, S. 273. — Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 165, 185, 391, Abb. 127.
 
 
3.3.130726