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Objekt / Inventarnr.: HG8215

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Löwenkasten oder Leopardenkasten (Kasten aus Holz)

Inventarnummer: HG8215
Datierung: 2. Hälfte 13. Jh.
Ort: Thüringen;
Material/Technik: Holz, mit Pergament überzogen, innen und ursprünglich auch außen versilbert
Maße: H. 36 cm; L. 45 cm; B. 23 cm
Sammlung: Handwerksgeschichte
Kunsthandwerk bis 1800
Beschreibung:
Der Kasten ist in Form eines kauernden Tieres gearbeitet, dessen massiger Leib auf kurzen Füßen ruht. Die obere Hälfte bildet den abnehmbaren Deckel, der - den erkennbaren Spuren von Nägeln nach zu schließen - früher über Scharniere mit dem Körper verbunden war. Darüber hinaus sind Spuren eines vorderseitigen Schlosses und eines am Rücken befestigten Henkels zu erkennen. Die aus Holz gefertigte Figur wurde mit Pergament überzogen, das als Substrat für einen flach reliefierten Kreidegrund diente. Am Halsansatz ist eine Mähne zu erkennen, die das Geschöpf als Löwen oder Leoparden kennzeichnet, auf dem übrigen Körper Rankengebilde und auf der Brust ein sitzendes Paar mit einem gemalten auffliegenden Vogel. Auf den vorderseitig sichtbaren Schenkeln des Tieres befinden sich zwei Wappenschilde, deren Heroldszeichen nicht mehr eindeutig erkennbar sind. Aus der älteren Literatur kann man entnehmen, dass noch um 1900 auf dem heraldisch rechten Schild ein steigender gekrönter Löwe zu erkennen war, der - wie der gesamte Kasten selbst - im Einklang mit seiner Provenienz als das Wappentier der Grafen von Schwarzburg interpretiert wird.
Literatur:
Lehfeldt, Paul: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Bd. 20: Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Amtsgerichtsbezirke Königsee, Oberweissbach und Leutenberg. Jena 1894, S. 220--221. — Neuerwerbungen des GNM 1921--24, Nürnberg 1925, Taf. 108. — Kohlhaussen, Heinrich: Minnekästchen im Mittelalter. Berlin 1928, Nr. 154, Taf. 14. — Kohlhaussen, Heinrich: Der Schwarzburger Leopardenkasten der Stauferzeit im Germanischen Nationalmuseum. In: Nürnberger Schau. Monatsschrift der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg. Herausgegeben von Oberbürgermeister Willy Liebel, Januar 1941, Heft 1, S. 10--11. — Deutsche Kunst und Kultur im GNM, Nürnberg 1952, Nr. 161, Taf. 45. — Colsman, Gudrun: Die Denkmale der deutschen Kaiser und Könige im 14. Jahrhundert (Geschichte und Deutung). Maschschr. Phil. Diss. Göttingen 1955, S. 177--178, Nr. 120. — Zum Vergleich: Bayerische Frömmigkeit. Kult und Kunst in 14 Jahrhunderten. Ausst. Kat. München/Zürich 1960, S. 99, Taf. XXIII. — Zum Vergleich: Romanische Kunst in Österreich. Ausst. Kat. Krems a. d. Donau 1964, S. 191, Nr. 151. — Germanisches Nationalmuseum. Ausgewählte Werke, Nürnberg 1971, Taf. 17. — Die Staufer. Geschichte, Kunst und Kultur. Ausst. Kat. Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1977, Bd. 1, Nr. 526, Bd. 2, Abb. 317. — Muratova, Xenia; Poirion, Daniel: Le Bestiaire. Faksimile des Bestiariums Oxford, Bodleian Library Ms. Ashmole 1511. 1988, Abb. S. 69. — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. 4. überarb. Aufl. Nürnberg 1994, Nr. 49. — Unbehaun, Lutz: Zeugen und Zeugnisse. In: Thüringen im Mittelalter. Die Schwarzburger (Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte, Bd. 3). Ausst. Kat. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt 1995, (S. 273--317), S. 275 und Abb. auf Schutzumschlag — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2001, S. 39. — Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 2). Nürnberg 2007, S. 197, Abb. 177, S. 396, Kat. 91. — Mythos Burg. Hrsg. von G. U. Großmann. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2010, S. 198, Nr. 5.34 (Ralf Schürer).
 
 
3.3.130726