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Objekt / Inventarnr.: MM15

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Hl. Mauritius vor Flechtbandgrund (Glasgemälde, spitzbogige Scheibe)

Inventarnummer: MM15
Datierung: um 1250 bis 1270
Ort: Tirol oder Rheinland
Material/Technik: farbiges Hüttenglas mit Schwarzlotmalerei, mittelalterliches Bleinetz
Maße: mit Rahmen: H. 96,5 cm, B. 45,5 cm, T. 1,5 cm; lichte Maße: H. 93,4 cm, B. 42,5 cm
Marke/Inschrift: S.MAURICIUS
Sammlung: Malerei bis 1800 und Glasmalerei
Beschreibung:
Spitzbogig geschlossene Scheibe mit frontal stehendem jugendlichem Ritterheiligen mit Lanze und Schild vor Flechtbandgrund mit eingelassenen roten, gelben und blauen Quadraten. In der für die Kunst der Glasmalerei des 13. Jahrhunderts in Deutschland typischen Vielfarbigkeit steht der jugendliche Ritterheilige in voller Rüstung mit Schild und Speer vor einem Flechtband-Hintergrund, in den farbige Quadrate eingelassen sind. Flechtwerk-Ornamente waren in zisterziensischen Verglasungen verbreitet und entsprachen den strengen Ordensvorschriften, die figürliche und farbige Glasgemälde untersagten. Da diese Verbote im 13. Jahrhundert zusehends aufgeweicht wurden, und sich die zisterziensischen Ornamente auch außerhalb des Ordens immer größerer Popularität erfreuten, ist die Herkunft der Scheibe nicht genauer einzugrenzen. Das Gesicht des Hl. Mauritius wurde im 19. Jahrhunderts erneuert.
Beschriftung:
Der jugendliche Ritterheilige steht in antiker Rüstung vor einem Flechtband-Hintergrund, in den farbige Quadrate eingelassen sind. In zisterziensischen Verglasungen waren solche Ornamente verbreitet. Die Ordensvorschriften untersagten figürliche und farbige Fenster. Da solche Muster auch außerhalb des Ordens immer populärer wurden, ist die Herkunft der Scheibe schwer einzugrenzen. Nach Angaben des Vorbesitzers stammt sie aus Tirol, findet dort aber keine erhaltenen Vergleichsstücke.
Saint Maurice against an Interlaced Ground. The youthful saint as a knight in antique armor stands against an interlaced background in which colorful squares have been inserted. Such decoration was quite widespread in Cistercian glazing. The rules of the Order forbade figurative and colored windows. As such patterns were becoming ever more popular even outside the Order, it is difficult to narrow down the panel's provenance. According to information from the previous owner, it comes from Tyrol, but no comparable pieces have survived there.
Literatur:
August von Essenwein. In: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 29, 1882, Sp. 120-122, Fig. 4 (Glasgemälde des 13. Jh., vor einer Reihe von Jahren von einem Antiquar in München gekauft, "dessen Mitteilungen es wahrscheinlich machen, dass die Scheibe aus Tirol stammt". Es folgt eine Beschreibung der Rüstung; das Glasgemälde ist in einer Zeichnung abgebildet). — August Essenwein: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Glasgemälde aus älterer Zeit. Nürnberg 1883, S. 6, Taf. III (Abb. der damals unter Inv. MM 11 aufgeführten Scheibe in einer Strichzeichnung; angeblich aus Tirol, 1260-1290). — August Essenwein: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Glasgemälde aus älterer Zeit. 2. Auflage. Nürnberg 1898, S. 7 (angebl. aus Tirol, 1260--1290). — Heinrich Oidtmann: Die rheinischen Glasmalereien vom 12. bis 16. Jahrhundert, 1. Band. Düsseldorf 1912, S. 131, Abb. 195 (zwischen 1260 und 1290; angeblich aus Tirol, Angabe erscheint jedoch zweifelhaft; wohl aus derselben Werkstatt wie Glasgemälde aus Coisdorf, deren Gesichter leider erneuert sind, aber bei Johannes eine ähnliche Behandlung des Haupthaares zeigen; die Scheibe ist nur als Zeichnung abgebildet). — Hermann Schmitz: Die Glasgemälde des königlichen Kunstgewerbe-Museums in Berlin. Berlin 1913, 1, S. 12 (zur Gruppe des rheinischen Zackenstils gehörend). — Franz Kieslinger: Die Glasmalerei in Österreich. Ein Abriss ihrer Geschichte. Wien 1920, S. 18-19, Abb. 4 (zweifelt die vom Vorbesitzer laut Inventarkarte angebliche Herkunft aus Tirol als "vielleicht verschleiernde Angabe" an; bezeichnet den Hl. als Georg; Abb. nach der Strichzeichnung im Bestandskatalog von Essenwein 1883; antikisierende Rüstung; zum Vergleich bietet sich Scheibe aus Coisdorf). — Hans Wentzel: Meisterwerke der Glasmalerei, Berlin 1951, S. 24, 86, Abb. 51 (ähnliche Haartracht und Physiognomie wie Köpfe in Bücken sowie Glasgemälde der Hll. Georg und Mauritius in Heimersheim an der Ahr, Abb. 52f.; Datierung Mitte 13. Jh., rheinisch-westfälisch; in Verbindung von Figur und Flechtbandgrund wie Coisdorf.). — Hans Wentzel: Meisterwerke der Glasmalerei. 2. Aufl. Berlin 1954, S. 88, Abb. 51 (Mitte 13. Jh., intakt, rheinisch-westfälisch?; die Verbindung von Figur und Grund entspricht der Kreuzigungsscheibe von Coisdorf). — Rainer Kahsnitz. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. München 1977, Nr. 77 (Rheinland?, um 1250; Gesicht ersetzt und nach dem Vorbild des alten Zustands erneuert). — Daniel Hess. In: GNM. Führer durch die Sammlungen 2001, S. 50 (Rheinland?, um 1250; Gesicht erneuert). — Daniel Hess. In: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 2). Nürnberg 2007, S. 264-265 [urn:nbn:de:bsz:16-artdok-47176], 373, 420, Kat. 359, Abb. 234.
 
 
3.3.130726