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Objekt / Inventarnr.: MM16

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Segnender Christus aus St. Walpurgis bei St. Michael/Steiermark (Glasgemälde, Rechteckscheibe)

Inventarnummer: MM16
Datierung: um 1295/1297
Ort: St. Michael/Steiermark
Material/Technik: farbiges Hüttenglas mit Schwarzlotmalerei
Maße: mit Rahmen: H. 105,4 cm, B. 40 cm, T. 0,8 cm; lichte Maße: H. 103,7 cm, B. 38,4 cm
Sammlung: Malerei bis 1800 und Glasmalerei
Beschriftung:
Eine von fünf Rechteckscheiben (Inv.-Nr.: MM16, MM17, MM18, MM19, MM20) aus St. Walpurgis bei St. Michael in der Steiermark: Alle Standfiguren werden von einem Langpass gerahmt. Dies ist eine Rahmenform der Spätromanik, die im Alpenraum fortlebte. Sie bildet einen variantenreichen Teppichgrund aus. Die Rankenornamente setzten sich im Sinne eines Gesamtkunstwerks in den Gewölbemalereien fort. Auch die Figuren knüpfen an ältere Vorbilder an. In ihnen erlebt der frühgotische Zackenstil seine letzte Blüte. In den langgezogenen Faltenbahnen kündigt sich der Durchbruch modernerer Formen an.
Christ Blessing. All of the standing figures are surrounded by a keyhole medallion frame. This is a Late Romanesque frame form that per - sisted in the alpine region. It creates a richly varied tapestry ground. The foliage ornamentation is continued in the painted vaults, thus creating that sense of a total work of art. The figures, too, take up earlier prototypes. Here the Early Gothic zigzag style witnesses its last lowering. The appearance of more modern forms is heralded by the elongated lengths of drapery (s.a. Inv.-Nr.: MM17, MM18, MM19, MM20).
Literatur:
August von Essenwein: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Glasgemälde aus älterer Zeit. 2. Auflage. Nürnberg 1898, S. 7. — Ernst Bacher: Frühe Glasmalerei in der Steiermark. Ausst.Kat. Landesmuseum Graz anläßlich der Restaurierung der Glasgemälde von St. Walpurgis. Graz 1975, S. 15-21 (mit älterer Literatur. Rekonstruktion und Lokalisierung der Scheibengruppen nur vermutungsweise möglich: Stifterscheibe, Walpurga, Christusscheibe zeigen selbe Rahmenform, wohl ehem. Mittelbahn des Achsenfensters, wo sich Stifterscheibe vor der Restaurierung 1900/1902 befand. Von den Scheiben im GNM zeigen vier [Muttergottes, Agnes, Benedikt und Bernhard] dieselbe Rahmenform wie die Hl. Katharina in situ, deren Teppichform zu den Maßwerkscheiben in den Seitenbahnen des Chorachsenfensters passt. Ursprünglich zeigte sich ein im Verhältnis zu den bescheidenen Dimensionen des Baus ein nahezu monumentales gemaltes Statuenprogramm als Reflex auf die in der gotischen Kathedrale entwickelten Bildprogramme. Der Bestand zeigt verschiedene Facetten des frühgotischen Zackenstils). — Ernst Bacher: Die mittelalterlichen Glasgemälde in der Steiermark. 1. Teil, Graz und Straßengel (CVMA Österreich III, 1). Wien/Köln/Graz 1979, S. XXVI-XXVII, Abb. 6 (zur stilistischen Nachfolge der Walpurgis-Werkstatt in Steyr, um 1300, und Lilienfeld, um 1325/30 am Beispiel der Christusfigur im GNM; in der Steiermark selbst jedoch keine unmittelbare Nachfolge!). — Elisabeth Oberhaidacher-Herzig: Fundator oder Stifter? Ein Beitrag zur Stifter-Ikonographie in der Glasmalerei des späten 13. Jahrhunderts. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 47, 1993, S. 138-143 (zur Frage des stehenden Stifters Abt Heinrich von Admont, der ab 1275 regierte. Unter ihm erfolgte der Ausbau des Chores 1276-1286, der seine persönliche Grablege werden soll. Sein Spruchband besagt, daß er der Walpurga die Gaben - die Stiftung von Chor und Verglasung - darbringt. Er ist damit der Fundator des Chores und da er 1297 ermordet wurde, wird der jüngst Verstorbene im Typus des stehenden Fundatorenbildes gezeigt). — Elisabeth Oberhaidacher-Herzig. In: Ausst Kat. Himmelslicht. Europäische Glasmalerei im Jahrhundert des Kölner Dombaus (1248-1349). Schnütgen Museum Köln 1998, Nr. 45,1-2, S. 230-231 (Maria mit Kind und Hl. Bernhard (Stifter im Sockelgeschoß einer Fensterbahn, darüber die in seinem Spruchband angesprochene Patronin Walpurga. Verschiedene Facetten des Zackenstils, demnach größere Werkstatt mit verschiedenen Vorlagen oder älteren und jüngeren Kräften: während die Törichten Jungfrauen noch deutliche Elemente aus der Blütezeit des Zackenstils zeigen, weisen die langgezogenen Falten der Heiligen auf den unmittelbar bevorstehenden Durchbruch moderner gotischer Formvorstellungen hin [Bacher]). — Elisabeth Oberhaidacher-Herzig. In: Günter Brucher (Hrsg.) Geschichte der bildenden Kunst in Österreich 2. Gotik. München/London/New York 2000, Nr. 170, S. 419-420 (zusammenfassend). — Daniel Hess. In: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 2). Nürnberg 2007, S. 119, 266-267 [urn:nbn:de:bsz:16-artdok-47176], 420, Kat. 356, Abb. 235. — Elisabeth Oberhaidacher-Herzig: Abbas Admundus Haainricus abhinc oriundus. Die Bildfenster von St. Walpurgis als Memoria für ihren Stifter Abt Heinrich von Admont. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege LXX, 2016, S. 58-67.
 
 
3.3.130726