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Objekt / Inventarnr.: Pl.O.2299

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Grabfigur des Grafen Heinrich III. von Sayn (Figur aus Eichenholz)

Inventarnummer: Pl.O.2299
Hersteller: Heinrich III. von Sayn; um 1190-1247
Datierung: um 1247/ 48
Ort: Mittelrhein; Sayn, ID: 7016800; wohl Koblenz
Material/Technik: Eichenholz - rückseitig ausgehöhlt, Reste der ursprünglichen Farbfassung
Maße: H. (Baldachin ) 293 cm; B. (Kniehöhe ) 78 cm; T. (Kopfregion ) 42 cm, (Unterschenkelgegend ) 22 cm
Sammlung: Skulptur bis 1800
Beschreibung:
Die Skulptur ist liegend auf einer Tumba vorzustellen. Die Gestalt des Grafen wird von einem Baldachin mit turmartiger Architektur überhöht. Zu seinen Füßen liegen Löwe und Drache. Rechts neben ihm seine Tochter. Ursprünglich lag die monumentale, von einem Baldachin überhöhte Figur auf einer Tumba in der ehemaligen Prämonstratenser- Klosterkirche am Fuß der Burg Sayn bei Koblenz. Heinrich III., Inhaber mehrerer Grafschaften und Vogt bedeutender rheinischer Stifte, war einer der mächtigsten Dynastien an Mittel- und Niederrhein. Bald nach seinem Tod folgte ihm seine nachgeborene Tochter ins Grab, die zu seiner Rechten dargestellt ist. Es handelt sich daher um das erste bekannte Grabmal in der deutschen Sepulkralskulptur, das Kinder neben Eltern zeigt. Wie in der nordeuropäischen Kunst üblich, erscheint der Graf liegend, aber mit geöffneten Augen als Ausdruck des christlichen Glaubens an das ewige Leben. Auch die Blütenkränze auf den Häuptern und die Baldachinarchitektur kennzeichnen die Toten als ins ewige Leben, ins Himmlische Jerusalem Eingegangene. Löwe und Drache stellen daher Zeichen der überwundenen Welt und des Bösen dar. Die subtile schnitzerische Gestaltung der Oberfläche und die liebevolle Wiedergabe von Details machen das Holzbildwerk neben seinen Ausmaßen zu einer der bedeutendsten deutschen Grabfiguren des 13. Jahrhunderts.
Beschriftung:
Die Skulptur gehört zu den bedeutendsten Grabfiguren des 13. Jahrhunderts. Der Dargestellte war einer der mächtigsten Dynasten am Mittelrhein. Ursprünglich lag die Figur auf einer Tumba. Seitlich des Grafen erscheint die kurz nach ihm verstorbene Tochter. Erstmals im deutschen Grabmal sind Eltern und Kinder gemeinsam abgebildet. Baldachin und offene Augen sind Ausdruck des Glaubens an die Auferstehung, Löwe und Drache Zeichen der überwundenen Welt.
Literatur:
Stafski, Heinz: Die Bildwerke in Stein, Holz, Ton und Elfenbein bis um 1450 (Die mittelalterlichen Bildwerke Bd. 1). Nürnberg 1965, S. 38 f., Abb. Nr. 16. — Bauch, Kurt: Das mittelalterliche Grabbild. Figürliche Grabmäler des 11. bis 15. Jahrhunderts in Europa. Berlin/New York 1976, S. 74, 93--94. — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. München 1977, S. 36, Nr. 75. — Die Zeit der Staufer. Geschichte, Kunst und Kultur. Kat. der Ausstellung. Stuttgart 1977, Bd. 1, Nr.479 u. Bd. 2, Abb. 279. - Kahsnitz, Rainer: Die Grabfigur Heinrichs III. Sayn. In: Die Gründer von Laach und Sayn. Fürstenbildnisse des 13. Jahrhunderts. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 1992, S. 10--86. — Hess, Daniel: Überleben in der Kunst. In : Mäzene, Schenker, Stifter. Hrsg. v. G. Ulrich Großmann, Nürnberg 2002, S. 43. — Zander-Seidel, Jutta: Das Germanische Nationalmuseum und das Mittelalter, in: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert, Nürnberg 2007, S. 9--25, S. 20. - Grönert, Alexander: Bilder der Architektur, in: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert, Nürnberg 2007, S. 205--213, S. 210. — Frank Matthias Kammel: Figur und Raum. Mittelalterliche Monumentalskulptur, in: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums 2). Nürnberg, 2007, S. 229--239, S. 237--238. - Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert Nürnberg 2007, S. 20, 118--119, 201, 237--239, 418, Kat. 343, Abb. 191, 212. - Schürer, Ralf: Stifter und ihre Bildnisse, in: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert, Nürnberg 2007, S. 114--122, hier S. 118--119. — Mythos Burg. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Dresden 2010, Nr. 5.2., S. 172-173. - Christiane Lauterbach: Adams Apfel. Zitrusfrüchte in der christlichen und jüdischen Kunst. In: Die Frucht der Verheißung. Zitrusfrüchte in Kunst und Kultur. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2011, S. 81-82, Kat.Nr. 2.1. -- Ulrike Neurath-Sippel: Zitrusfrüchte im Totenbrauchtum. In: Ebenda, S. 122. — Jutta Zander-Seidel und Frank Matthias Kammel: Mittelalter. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlung. Nürnberg 2012, (S. 39-62), S. 54 mit Abb. 39.
 
 
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