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Objekt / Inventarnr.: Pl.O.2435

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Hl. Sebastian (Figur aus Holz)

Inventarnummer: Pl.O.2435
Hersteller: Johann Richard Eberhard (1734-1813)
Datierung: um 1770
Ort: Allgäu; Hindelang
Material/Technik: Figur Kiefernholz, Sockel Tannenholz - farbig gefasst
Maße: H. 45,5 cm; B. 25 cm; T. 15 cm
Marke/Inschrift: wohl "G ... Thieme"
Sammlung: Skulptur bis 1800
Beschreibung:
Rundplastische Statuette auf Erdsockel mit unregelmäßiger, annähernd runder Grundfläche. Sebastian ist während des Martyriums, noch bei Bewusstsein, dargestellt. Der Heilige steht an einen hochaufragenden, reichverzweigten abgestorbenen Baumstamm gelehnt, dessen diagonal wegstrebende Äste ein Achsensystem markieren, in das die Figur des Heiligen eingespannt erscheint. Die Last des Körpers ruht auf dem in den Erdboden gestemmten linken Fuß; der Unterschenkel des angewinkelten rechten Beins liegt auf einem Aststumpf auf. Der linke Arm ist hinter einem Ast gesenkt ausgestreckt, der rechte zu einem emporwachsenden Ast erhoben. Diese Bewegungen bewirken eine vom aufgesetzten Fuß über die ausschwingende linke Hüfte und die erhobene rechte Schulter verlaufende Kurve, die in dem zur linken Schulter geneigten Kopf endet. Die fast tänzerisch zu nennende Haltung des Heiligen scheint gewählt, um den schlanken, aber muskulösen Körper des jugendlichen Sebastian zur Geltung zu bringen. Dieser Tendenz entspricht die Tatsache, daß die Präsentation des schönen nackten Leibes nur durch drei Pfeillöcher beeinträchtigt wird. Die Nacktheit wird durch ein langes, zwischen den Beinen durchgezogenes Tuch noch gesteigert, das den Körper umspielt und dessen Bewegungen durch Gegenschwünge ausponderiert. Sein unteres Ende stößt zu Seiten des linken Beins nach zweifachem Umbrechen auf den Sockel auf, während das hinter den Rücken geführte, um einen Aststumpf geschlungene obere Ende seitlich weit ausschwingt. Am Sockel unterhalb des linken Fußes liegt Sebastians federgeschmückter Helm als Zeichen seines hohen militärischen Ranges. Der horizontal geteilte Sockel besteht aus einem steilen oberen Stück und einer flacheren, in unregelmäßig weit vorgeschobenen Zungen auslaufenden Erdscholle. Helles, emailartiges Inkarnat, mit rotem und grobem grünen Pigment ausgemischt, an Wangen, Händen, Knien usw. rötlich differenziert, Übergang am Haaransatz weich vertrieben, Augenlider dunkelrot, Pupillen dunkel, Augäpfel weiß, Lippen rot, Zähne zwei weiße Pünktchen, feine dunkelrote Blutspuren um die Pfeillöcher herum, Tuch und Helmkrempe gelbes, darüber rotes Poliment mit Blattvergoldung, Tuchfutter Blattgold auf hellgelbem Poliment, Helm Blattgold auf rotem Poliment, Federbausch gelbes und rotes Poliment und zum Teil vergoldet, zum Teil versilbert, Stamm grünlich-ockerfarben mit dunkelbrauner Lasur, Grassockel leuchtend grün, Steine hell braungrau.
Beschriftung:
Die Marter des an einen Baum gefesselten und durch Pfeile verwundeten Heiligen entwickelte sich seit der Renaissance zum Inbegriff der religiös motivierten Aktdarstellung. Einzigartig ist die ornamentale Auffassung des Bildwerks.
Saint Sebastian. Figure Pine, base spruce, polychromed. The martyrdom of the saint tied to a tree and wounded by arrows developed into the epitome of the religiously motivated depiction of the nude from the Renaissance on. The ornamental interpretation of the sculpture is unique.
Literatur:
Neuerwerbungen des Germanischen Museums 1925--1929. Hrsg. von der Direktion. Nürnberg 1929, Tafel 116. — Rococo Art from Bavaria. Ausst. Kat. Victoria & Albert Museum, London. Bearb. Von Nicolaus Pevsner u.a. London 1956, Nr. 147 — Faszination Meisterwerk. Dürer, Rembrandt, Riemenschneider. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Hrsg. von G. Ulrich Großmann. Nürnberg 2004, S. 218. — Heisig, Alexander: Joseph Matthias Götz (1696--1760). Barockskulptur in Bayern und Österreich (Studien zur christlichen Kunst, Bd. 5). Regensburg 2004, Nr. 77, S. 354--355. — Maué, Claudia: Die Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Teil 2: Bayern, Österreich, Italien, Spanien. Mit kunsttechnologischen Untersuchungen von Katja Telp und Holzartenbestimmungen von Gudrun Weiner. Bestandskatalog (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums). Mainz 2005, Nr. 165, S. 155--158. — Hamm, Johannes: Eine Statuette des hl. Sebastian und ihr Meister. In: Kulturgut. Aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseums, 6. Jg. 2009, H. 20, S. 3--6. — Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 463.
 
 
3.3.130726