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Objekt / Inventarnr.: Pl.O.2721

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Maria Immaculata (Figur aus Ton)

Inventarnummer: Pl.O.2721
Hersteller: Roman Anton Boos (1733-1810)
Datierung: um 1780/1790
Ort: Oberbayern; München ID: 7004333; München
Material/Technik: roter Ton - gebrannt
Maße: H. 53 cm; B. 16 cm; T. 14 cm
Sammlung: Skulptur bis 1800
Beschreibung:
Rundplastische Gewandfigur. Auf der unten begradigten Weltkugel steht hochaufgerichtet die als unverschleierte junge Frau wiedergegebene Maria. Die Figur ist in kaum merklichem Kontrapost aufgebaut, wobei das rechte Bein als Standbein dient, die linke Schulter etwas angehoben und zurückgenommen ist und der Kopf zur rechten Seite gedreht ist. Maria setzt den rechten Fuß fest auf den Nacken der sich um den Erdball ringelnden, einen Apfel im Maul haltenden Schlange und stellt den entlasteten linken Fuß ganz leicht vor. Die über dem Herzen gekreuzten Hände betonen die Linkswendung des Oberkörpers; der linke Arm durchstößt den geschlossenen Kontur der linken Körperseite. Der gesenkte Blick der von den schweren Lidern fast verschlossenen Augen scheint den Betrachter zu suchen. Maria trägt ein langes Untergewand mit engen langen Ärmeln, darüber ein mäßig weites Obergewand mit rundem, kaum vom Untergewand abgesetztem Halsausschnitt und weiten, oberhalb der Ellenbogen endenden Puffärmeln, das durch zwei schmale Gürtel in Taille und in Hüfthöhe leicht hochgerafft wird. Ein über der rechten Schulter liegendes Manteltuch hängt über den Rücken, wird über der linken Hüfte von einem schräg über die rechte Schulter und vor die Brust gezogenen Band gehalten und fällt mit wellenförmig angeordneten Saumlinien seitlich herab. An den Füßen trägt Maria Sandalen. Marias Haare sind über der Stirn gescheitelt und mit drei Rosen geschmückt. Die Haare sind seitlich zurückgekämmt und am Oberkopf zu einem lockeren Knoten geschlungen, aus dem drei lange Strähnen über den Rücken und eine kürzere Locke über die linke Schulter fallen. Die Erdkugel zeigt die Erdteile Afrika, Asien und Amerika, Marias Füße bedecken Europa. Geprägt von der Vorstellung, dass Maria als künftige Mutter des Erlösers unbefleckt, ohne den Makel der Erbsünde, in die Welt hineingeboren worden sei, entstand im späten 16. Jahrhundert der neue Bildtypus der Immaculata. Maria steht auf der von einer Schlange umwundenen Weltkugel und tritt mit dem rechten Fuß auf das Tier, das mit dem Apfel vom Baum der Erkenntnis im Maul die Ebsünde darstellt.
Beschriftung:
Sammelkommentar: Das Modell einer Marmorstatue der Minerva für Schloss Nymphenburg und einer Immaculata dokumentieren den Wandel vom Rokoko zum Klassizismus in der bayerischen Residenzstadt. Boos war dort als Hofbildhauer und Akademielehrer tätig.
The Immaculate Conception. Red clay, fired. Summary: The model for a marble statue of Minerva for the Nymphenburg Residence and an Immaculata document the transition from Rococo to Neoclassicism in the Bavarian royal capital. Boos was employed there as court sculptor and as a teacher at the Academy.
Literatur:
Schönberger, Arno: Deutsche Plastik des Barock. Königstein im Taunus 1963, S. 18. — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Bearb. von Peter Strieder u.a. München 1977, Nr. 322, S. 126. — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Hrsg. von G. Ulrich Großmann. Nürnberg 2001, S. 151. — Faszination Meisterwerk. Dürer, Rembrandt, Riemenschneider. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Hrsg. von G. Ulrich Großmann. Nürnberg 2004, S. 219. — Maué, Claudia: Die Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Teil 2: Bayern, Österreich, Italien, Spanien. Mit kunsttechnologischen Untersuchungen von Katja Telp und Holzartenbestimmungen von Gudrun Weiner. Bestandskatalog (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums). Mainz 2005, Nr. 135, S. 88--89. — Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 3). Nürnberg 2010, S. 484. — Mit Leib und Seele. Münchner Rokoko von Asam bis Günther. Hrsg. von Roger Diederen und Christoph Kürzeder. Ausst.Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München. München 2014, Nr. 121, S. 388-389.
 
 
3.3.130726