Abhilfe für steife Beine
Was auf den ersten Blick wie eine Beinrüstung erscheint, ist tatsächlich ein medizinisches Hilfsmittel aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauweise und sein Aussehen leiten sich vom Harnisch, besser bekannt als Ritterrüstung, ab. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die offene Rückseite. Reste von Lederriemen lassen erkennen, dass man das Bein auf der Hinterseite festzurren konnte. Wahrscheinlich schützte ein ledernes Futter vor Reibung. Das Harnischinstrument erzielte seine therapeutische Wirkung durch die beiden seitlich Mehr

Abhilfe für steife Beine
Was auf den ersten Blick wie eine Beinrüstung erscheint, ist tatsächlich ein medizinisches Hilfsmittel aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauweise und sein Aussehen leiten sich vom Harnisch, besser bekannt als Ritterrüstung, ab. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die offene Rückseite. Reste von Lederriemen lassen erkennen, dass man das Bein auf der Hinterseite festzurren konnte. Wahrscheinlich schützte ein ledernes Futter vor Reibung. Das Harnischinstrument erzielte seine therapeutische Wirkung durch die beiden seitlich befestigten Schrauben. Drehte man sie, so bewegten sich Ober- und Unterteil näher aufeinander zu – das Knie wurde gebeugt. Dadurch konnte man ein versteiftes Bein über viele Tage hinweg wieder beweglich machen. Zur Vorbereitung wurde eine Behandlung mit Wärme und Pflanzenextrakten empfohlen. Die zusätzlichen Schrauben auf der Kniekachel dienten dazu, die Kniescheibe zu stabilisieren. Das langsame Strecken versteifter Glieder findet bis heute medizinische Anwendung und ist als Quengeln bekannt, die Hilfsmittel dafür heißen Quengelschienen oder -orthesen.

Handwerkliche Arbeitsteilung
Das Harnischinstrument wurde mit Sicherheit als therapeutisches Gerät hergestellt und nicht aus dem Beinzeug einer Rüstung umgearbeitet. Dafür sprechen beispielsweise die spezifische Länge, sowie die symmetrische Bauart, die eine Verwendung an beiden Beinen erlaubte. Zwar ist nicht bekannt, wer das Harnischinstrument herstellte, jedoch kann man annehmen, dass es ein Plattner war, der auch Rüstungen anfertigte. Plattner beherrschten das spannungsfreie Treiben sowie gegebenenfalls Härten von Blechen. Die Orthese ist reich mit detaillierten Ätzungen verziert und stellenweise vergoldet. Ätzmalerei war damals ein eigener Berufszweig.

Sächsische Herkunft?
Am Oberschenkel fallen zwei vergoldete Wappen auf, die von Putti gehalten und von Medaillons umrahmt werden. Es sind die Wappen von Sachsen und Dänemark. Im Jahr 1548 heirateten August von Sachsen (1526-1586) und Anna (1532-1585), Tochter von Christian III., dem König von Dänemark und Norwegen. Später, im Jahr 1553, wurde August Kurfürst von Sachsen und übernahm das kursächsische Wappen. Daher kann man das Harnischinstrument auf den Zeitraum zwischen 1553 und 1585/86 datieren. Die Kunstkammer, die August seit Mitte der 1550er Jahre aufbaute, enthielt auch repräsentative wissenschaftliche Instrumente. Laut eines Inventars von 1587 waren darunter auch mehrere Harnischinstrumente, jedoch ist nicht gesichert, dass das vorliegende Exemplar dazuzählte.

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wMehr

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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Die Gegenwart des biblischen Geschehens
Das Bild vermittelt einen lebendigen Eindruck von einer Bürgerstube des 15. Jahrhunderts. Der Münchner Stadtmaler Gabriel Mälesskircher versetzt die Erzählung aus dem Neuen Testament in die spätmittelalterliche Gegenwart. Vertraute Dinge des täglichen Lebens sollten Gläubigen das biblische Geschehen näherbringen.
Ursprünglich gehörte die Tafel vermutlich zu einem Marienretabel in der Klosterkirche Tegernsee. Mehr

Die Gegenwart des biblischen Geschehens
Das Bild vermittelt einen lebendigen Eindruck von einer Bürgerstube des 15. Jahrhunderts. Der Münchner Stadtmaler Gabriel Mälesskircher versetzt die Erzählung aus dem Neuen Testament in die spätmittelalterliche Gegenwart. Vertraute Dinge des täglichen Lebens sollten Gläubigen das biblische Geschehen näherbringen.
Ursprünglich gehörte die Tafel vermutlich zu einem Marienretabel in der Klosterkirche Tegernsee. Sie zeigt Christus bei einem Gastmahl im Haus des Pharisäers Simon. Während des Essens tritt die Sünderin Maria Magdalena vor Christus, um ihn um Vergebung zu bitten. Als Geste ihrer Reue kniet sie vor ihm, trocknet mit ihren Haaren seine von ihren Tränen benetzten Füße und salbt sie (Lk 7, 36-50).

Zu Gast in gutem Hause
Der Raum, in dem sich die Szene abspielt, ist eine Bilderfindung des Malers. Dennoch enthält er viele Alltagsgegenstände eines wohlhabenden Haushalts. Das der Größe nach auf dem Wandbord aufgereihte Geschirr aus Messing war kostbar und diente gleichzeitig als Raumschmuck. Gleiches gilt für die Glasflaschen und Zinnkannen, die zum Trocknen mit geöffneten Deckeln verkehrt herum aufgehängt sind. Einen besonderen Luxus bot der danebenstehende Waschkasten. Bevor es fließendes Leitungswasser gab, diente er als Wassertank und -spender zugleich. Vor dem Essen konnte man sich mit dem aus dem Hahn laufenden Wasser die Hände waschen. Wahre Multifunktionsmöbel sind die Wendebänke um den Tisch. Ihre Rückenlehnen ließen sich umklappen, sodass man sich nach dem Essen von der anderen Seite auf sie setzen konnte – beispielsweise um näher an den warmen Ofen zu rücken.

Mittelalterliche Tischkultur
Den Mittelpunkt des Gastmahls bildet ein zubereiteter Fasan – auch damals schon eine seltene Delikatesse. Dazu wird weißes Brot gereicht, das vor allem in wohlhabenden Kreisen beliebt war. Als Besteck liegt auf dem weißen Tischtuch nur ein Messer. Gabeln gab es im Mittelalter noch nicht. Außerdem war es üblich, dass jeder sein eigenes Besteck mitbrachte. Bei Einladungen wurden – wie im Bild – nur Teller und Becher aufgedeckt.
Ein Detail, das ebenfalls auffällt, ist der Fächer aus Pfauenfedern, den ein Diener hinter dem Tisch hochhält. Es handelt sich um ein sogenanntes Flabellum, einen Gegenstand aus dem kirchlichen Bereich. Er diente während der Messe oder bei Prozessionen der Kühlung und der Fliegenabwehr. Dass sich ein solches liturgisches Gerät in eine Bürgerstube verirrt, ist wohl als Hinweis auf den außergewöhnlichen Gast zu verstehen.
 

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Ideal und Wahrheit
Ernst und mächtig – so tritt Kaiser Karl der Große (747/8–814) in Albrecht Dürers Bildnis auf. Deswegen wurde es schon oft mit Darstellungen Gottvaters verglichen. Bis heute ist die Vorstellung Kaiser Karls des Großen von diesem Gemälde geprägt. Jedoch heißt es in der Inschrift auf dem Rahmen, dass das Bild der „wahren Gestalt“ Karls nur ähnlich sei. Von dessen Tod bis zur Entstehung von Dürers Werk vergingen fast 700 Jahre. Realitätsgetreue zeitgenössische Porträts Karls des Großen, die Dürer als Vorlage hätten dienen können, gaMehr

Ideal und Wahrheit
Ernst und mächtig – so tritt Kaiser Karl der Große (747/8–814) in Albrecht Dürers Bildnis auf. Deswegen wurde es schon oft mit Darstellungen Gottvaters verglichen. Bis heute ist die Vorstellung Kaiser Karls des Großen von diesem Gemälde geprägt. Jedoch heißt es in der Inschrift auf dem Rahmen, dass das Bild der „wahren Gestalt“ Karls nur ähnlich sei. Von dessen Tod bis zur Entstehung von Dürers Werk vergingen fast 700 Jahre. Realitätsgetreue zeitgenössische Porträts Karls des Großen, die Dürer als Vorlage hätten dienen können, gab es nicht.

Der Gründervater des Reichs
Karl der Große trägt die wichtigsten Krönungsinsignien an seinem Körper – die Krone des Heiligen Römischen Reichs, den Krönungsmantel, das Zeremonienschwert, den Reichsapfel und weitere mehr. Heute weiß man, dass alle erst nach seinem Tod entstanden. Ob dies den Zeitgenossen Dürers bewusst war, ist unklar und wohl auch nebensächlich: Es ging vielmehr darum, Karl den Großen als Gründervater des Heiligen Römischen Reichs zu inszenieren und durch die Herrschaftszeichen eine materielle Verbindung zu ihm herzustellen. Alle dargestellten Krönungsinsignien wurden zu diesem Zeitpunkt in Nürnberg aufbewahrt. Da Karl der Große heiliggesprochen war, galten die Objekte als Berührungsreliquien.

Verehrung des Kaisers
Als Dürer vom Rat der Stadt Nürnberg den Auftrag erhielt, dieses Bild und sein Gegenstück (Gm168), das Bildnis des Kaisers Sigismund, zu malen, sollten die beiden als Türen eines Wandschranks bzw. Schreins im Schopperhaus am Nürnberger Hauptmarkt dienen. Für eine Nacht im Jahr befanden sich darin die Reichskleinodien, bestehend aus Krönungsinsignien und den wichtigsten Reliquien des Reichs, bevor sie bei der Heiltumsweisung auf dem Hauptmarkt präsentiert wurden. Die Reichskleinodien, Zeichen der Macht des Heiligen Römischen Reichs, wurden von 1424 bis 1796 in Nürnberg aufbewahrt, was die Stadt immens aufwertete. Die meiste Zeit waren sie verschlossen im Heiltumsschrein (KG187), welcher sich in der Kirche des Heilig-Geist-Spitals befand. Nur während der Heiltumsweisung durfte die Bevölkerung die Reichskleinodien sehen. Gleichzeitig konnten die Menschen einen Ablass erwerben und so ihre Zeit im Fegefeuer verkürzen. Mit der Einführung der Reformation in Nürnberg endete diese Praxis. Damit verloren auch die Kaiserbilder ihre ursprüngliche Funktion und wurden ab 1526 im Rathaus ausgestellt. Dort konnten sie nur wichtige Gäste sehen. Die Stadt Nürnberg ließ in Einzelfällen Kopien der Gemälde anfertigen, die sie zu diplomatischen Anlässen verschenkte.

Verbleib in Nürnberg

Eigentlich hatten sich um das Jahr 1600 der habsburgische Kaiser Rudolf II. und der Wittelsbacher Kurfürst Maximilian I. von Bayern zum Ziel gesetzt, so viele Werke Dürers wie möglich zu kaufen. Dem von ihnen ausgeübten politischen Druck ist es geschuldet, dass fast alle Werke von Dürer aus Nürnberg verschwanden. In Verhandlungen mit Rudolf II. kamen die Kaiserbilder ins Spiel, aber sie „wurden nit begert, weil schlechte Kunst daran“. Aufgrund dieses Urteils befinden sich die Kaiserbildnisse bis heute im Besitz des ursprünglichen Auftraggebers, der Stadt Nürnberg.

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Ein selbstbewusster Kavalier
Im frontalen Gegenüber malte sich Rembrandt mit einer Halsberge (einem „Panzerkragen“ aus Metall) und einer Liebeslocke. Er zeigt sich damit im Kostüm des höfischen Kavaliers. Bei der Liebeslocke, die an Rembrandts verschatteter Kopfseite auf die Schulter herabfällt, handelte es sich um einen Trend der aristokratischen Männermode. Rembrandts Abstammung war jedoch keineswegs adelig. Mit der Kostümierung und dem direkten Blick aus dem Bild zum Betrachter markiert das Nürnberger Bildnis einen Wendepunkt in Rembrandts SelbsMehr

Ein selbstbewusster Kavalier
Im frontalen Gegenüber malte sich Rembrandt mit einer Halsberge (einem „Panzerkragen“ aus Metall) und einer Liebeslocke. Er zeigt sich damit im Kostüm des höfischen Kavaliers. Bei der Liebeslocke, die an Rembrandts verschatteter Kopfseite auf die Schulter herabfällt, handelte es sich um einen Trend der aristokratischen Männermode. Rembrandts Abstammung war jedoch keineswegs adelig. Mit der Kostümierung und dem direkten Blick aus dem Bild zum Betrachter markiert das Nürnberger Bildnis einen Wendepunkt in Rembrandts Selbstdarstellung: Selbstbewusst trägt der junge Maler seinen gesellschaftlichen, geradezu aristokratischen Anspruch vor.

Statussymbole – Die frühen Selbstbildnisse
Diese gesellschaftlichen Ambitionen sind vor allem in den frühen, in Leiden entstandenen Selbstbildnissen Rembrandts ablesbar, bevor er sich in seiner Amsterdamer Zeit ab 1631 als Bürger und später schließlich auch als arbeitender Maler zeigte. Eines der Selbstbildnisse im höfischen Kostüm gelangte schon um 1630 in die Sammlung des englischen Königs. Dies belegt, dass sie von vornherein zum Verkauf und für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Der Diplomat Constantijn Huygens bezeichnete ihn schon damals als überragendes Malergenie, sagte ihm jedoch gleichzeitig einen gewissen Hochmut nach.
Manche Selbstbildnisse Rembrandts in Kostümierung erinnern an sogenannte Tronies – Studien von Gesichtern, mit denen Ausdruck, Mimik und Charakterdarstellungen erprobt wurden. Es scheint, als ob Rembrandt hier Selbstbildnis und Charakterkopf miteinander verband.

Von der Kopie zum Original
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert galt das Nürnberger Selbstbildnis als Kopie eines Gemäldes im Mauritshuis in Den Haag, über dessen Eigenhändigkeit bis in die frühen 1990er Jahre weitgehend Einigkeit herrschte. 1998 untersuchte eine internationale Expertengruppe die beiden Gemälde im Germanischen Nationalmuseum. Mittels Röntgenaufnahmen wurden am Nürnberger Gemälde Veränderungen im Verlauf des Werkprozesses, sogenannte Pentimenti, festgestellt. Sie dokumentieren Rembrandts kreativen Prozess. Hingegen konnte auf der wesentlich glatter ausgeführten Haager Tafel mithilfe der Infrarotreflektografie eine Vorzeichnung sichtbar gemacht werden, deren Linienführung exakt dem Umriss des Nürnberger Kopfes entspricht. Offenbar wurden dessen Konturen mithilfe einer Schablone auf die Haager Tafel übertragen. So konnte bewiesen werden, dass es sich bei der Nürnberger Tafel um das eigenhändige Selbstporträt Rembrandts handelt.

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Ein einzigartiger Fund
Auf diesen römischen Paradehelm aus der Zeit zwischen 175 und 250 nach Christi Geburt stieß man 1974 bei einem Wettpflügen in Theilenhofen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken. Es war ein einzigartiger Fund: Zuvor kannte man Helme dieser Art nur durch Darstellungen und Fragmente, und nun war erstmals ein vollständig rekonstruierbares Exemplar aufgetaucht. Der Helm wurde auf dem Areal des zum Kastell Iciniacum gehörenden Lagerdorfes gefunden..


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Ein einzigartiger Fund
Auf diesen römischen Paradehelm aus der Zeit zwischen 175 und 250 nach Christi Geburt stieß man 1974 bei einem Wettpflügen in Theilenhofen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken. Es war ein einzigartiger Fund: Zuvor kannte man Helme dieser Art nur durch Darstellungen und Fragmente, und nun war erstmals ein vollständig rekonstruierbares Exemplar aufgetaucht. Der Helm wurde auf dem Areal des zum Kastell Iciniacum gehörenden Lagerdorfes gefunden..


Symbole der Macht
Der Helm ist aus mehreren Bronzeblechen zusammengesetzt. In Resten kann man erkennen, dass er ursprünglich völlig verzinnt gewesen war und damit silberhell glänzte. Ein Adler, Symbol des höchsten Gottes Jupiter und der römischen Staatsmacht, bekrönt den Helm. In Scheitelrichtung weist der Helm drei eindrucksvolle Kämme auf. Der mittlere wurde ursprünglich von einem hohen Helmbusch geziert, worauf die Befestigungslöcher an den Enden hinweisen. Zwei Löwen, Symbole für Macht, zieren die äußeren Kämme des Helms. Als Gesichtsschutz dienen bewegliche Wangenklappen. Sie zeigen Flachreliefs von Adlern mit Siegeskränzen im Schnabel. Auf dem Stirnband prangt eine Gravur des Kriegsgottes Mars zwischen zwei Feldzeichen. Links und rechts davon ist jeweils eine Siegesgöttin zu sehen. Das Stirnband wird seitlich von unheilabwehrenden Medusenköpfen abgeschlossen.


Schutz oder Zier?
Derartige Paradehelme wurden nicht im Kampf, sondern bei militärischen Reiterübungen getragen. Innen wurde wohl zusätzlich ein Kopfschutz aus Leder befestigt. Ähnliche, aber nicht ganz so aufwendig gestaltete Helme kennt man etwa von Darstellungen auf dem 312-315 errichteten Triumphbogen des Kaisers Constantin in Rom.

 

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Absolute Präzision
Ein Torquetum wurde zur Vermessung der Welt und des Himmels genutzt. Es zeigt modellhaft die Lage von Horizont und Äquator und dient zur Bestimmung des Sonnenstands - und damit der Zeit. Man verwendete Torqueten auch zur Berechnung von Längen, Höhen und Breiten. Dadurch ließen sich Sternpositionen genau bestimmen, man konnte aber auch die Höhe von Bergen oder Bauwerken ermitteln. Daneben wurde es, wie die meisten astronomischen Geräte, für astrologische Berechnungen eingesetzt.
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Absolute Präzision
Ein Torquetum wurde zur Vermessung der Welt und des Himmels genutzt. Es zeigt modellhaft die Lage von Horizont und Äquator und dient zur Bestimmung des Sonnenstands - und damit der Zeit. Man verwendete Torqueten auch zur Berechnung von Längen, Höhen und Breiten. Dadurch ließen sich Sternpositionen genau bestimmen, man konnte aber auch die Höhe von Bergen oder Bauwerken ermitteln. Daneben wurde es, wie die meisten astronomischen Geräte, für astrologische Berechnungen eingesetzt.
Seinen Namen verdankt das Torquetum seinen drehbaren Scheiben, Zeigern und Bogenstücken – „torquere“ ist das lateinische Wort für „drehen“. Für das reibungslose Zusammenspiel der dreidimensional angeordneten Bestandteile ist äußerste Präzision gefragt. Dies gilt sowohl für die Bearbeitung des Metalls als auch für die eingravierten Maßsysteme zum Ablesen der Werte.

Bilderkosmos
Entworfen hat dieses Torquetum der damals europaweit bekannte Mathematiker und Astronom Johannes Praetorius. Was vor allem ins Auge fällt, ist die kunstvolle Ausgestaltung des von vier kleinen Löwen getragenen Instruments. Das Messing wurde mit unterschiedlichen handwerklichen Techniken bearbeitet und vergoldet. Neben den feinen, rein funktionalen Skalen sind alle Flächen vollständig mit bildlichen Darstellungen bedeckt. Dazu gehören unter anderem Themen der Bibel und ein Jahreszeiten-Zyklus, aber auch Männer bei Vermessungsarbeiten mit unterschiedlichen Instrumenten. Als Vorlagen nutzte der namentlich nicht bekannte Graveur W.W. wissenschaftliche Bücher und Serien von Stichen.


Bürgerliche Kunstkammer
In Auftrag gegeben wurde das Torquetum vom Nürnberger Arzt Melchior Ayrer. Es könnte ihm in seiner medizinischen Praxis zur Ermittlung günstiger Zeitpunkte für bestimmte Heilbehandlungen und Eingriffe gedient haben. Vor allem war es ein sehr repräsentatives Objekt. Ayrer hatte es bei Praetorius zusammen mit anderen, ebenso kunstvoll gestalteten wissenschaftliche Instrumenten in Auftrag gegeben. Selbstbewusst ließ er sein Familienwappen neben der Signatur von Praetorius anbringen.
Mit seiner kostbaren Instrumentensammlung konnte sich der Arzt selbst mit adligen Machthabern messen: Die bei Praetorius in Auftrag gegebenen Stücke haben die Qualität vergleichbarer Instrumente in der Kunstkammer des Kurfürsten August von Sachsen. Einige Geräte von Praetorius besaß der Kurfürst sogar in fast identischer Ausführung.
 

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Schritt für Schritt
In der Barockzeit gehörte neben Fechten und Reiten auch der Tanz zur Bildung der gehobenen Schichten. Der Tanzlehrer bzw. Tanzmeister gab Takt und auch Ton auf der Geige an, um die korrekten Schrittfolgen und Bewegungen zu unterrichten. Wollte er die Hände frei haben, um beispielsweise die typischen grazilen Armbewegungen vorzuführen, konnte er die kleine Geige einfach in seine Rocktasche stecken. In Frankreich wurden diese Instrumente deshalb „Pochette“ genannt: Täschchen.

MusikalMehr

Schritt für Schritt
In der Barockzeit gehörte neben Fechten und Reiten auch der Tanz zur Bildung der gehobenen Schichten. Der Tanzlehrer bzw. Tanzmeister gab Takt und auch Ton auf der Geige an, um die korrekten Schrittfolgen und Bewegungen zu unterrichten. Wollte er die Hände frei haben, um beispielsweise die typischen grazilen Armbewegungen vorzuführen, konnte er die kleine Geige einfach in seine Rocktasche stecken. In Frankreich wurden diese Instrumente deshalb „Pochette“ genannt: Täschchen.

Musikalisch überholt
Ihren Ursprung hat die Tanzmeistergeige in der Rebec, einer Vorgängerin der heute bekannten Violine. Das kleine, birnenförmige Streichinstrument mit bis zu fünf Saiten stammte aus dem Orient und verbreitete sich seit dem späten Mittelalter in ganz Europa und darüber hinaus. Im Bereich der europäischen Kunstmusik wurde die Pochette weitgehend durch die Violine abgelöst, außer von den Tanzmeistern. So berichtet auch Mozarts Vater Leopold in seiner Violinschule von 1756: „Eine schon fast veraltete Art der Geigen sind die kleinen Sack- oder Spitzgeiglein welche mit 4. oder auch nur mit 3. Seyten bezogen sind. Sie wurden, wegen der Bequemlichkeit sie in den Schubsack zu stecken, gemeiniglich von den Herren Tanzmeistern bey Unterweisung ihrer Lehrlinge gebraucht.“

Modisches Accessoire
Zum Benimm- und Tanzunterricht gehörte auch die bestimmten Regeln folgende Symbolsprache des Fächers, den Menschen von Welt immer mit sich führten. Mit einer Geige in der Hand wäre diese Sprache jedoch nicht zu vermitteln. Der Fächer hat deshalb eher symbolische Funktion und ist vor allem ein elegantes Accessoire. Der originale Fächer dieser Tanzmeistergeige aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist nicht mehr erhalten. Bevor das Instrument in den 1960er Jahren ins Museum kam, ließ der Vorbesitzer den Fächer nach einem vergleichbaren Instrument in einer Berliner Sammlung rekonstruieren.
 

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Von der Rennbahn ins Kinderzimmer
Modern, ja fast futuristisch erscheint das Automobil-Spielzeug, das August Geigenberger 1903 entworfen hat (Entwurfszeichnung LGA9847/3). Es ist stromlinienförmig und auf einfache Formen und Farben reduziert. Dennoch entbehrt es nicht eines gewissen Humors, beispielsweise durch die überlangen Arme des Fahrers. Um 1900 waren Automobile noch kein alltäglicher Anblick, und viele Menschen standen ihnen skeptisch gegenüber. Seit 1895 gab es allerdings in Frankreich schon eMehr

Von der Rennbahn ins Kinderzimmer
Modern, ja fast futuristisch erscheint das Automobil-Spielzeug, das August Geigenberger 1903 entworfen hat (Entwurfszeichnung LGA9847/3). Es ist stromlinienförmig und auf einfache Formen und Farben reduziert. Dennoch entbehrt es nicht eines gewissen Humors, beispielsweise durch die überlangen Arme des Fahrers. Um 1900 waren Automobile noch kein alltäglicher Anblick, und viele Menschen standen ihnen skeptisch gegenüber. Seit 1895 gab es allerdings in Frankreich schon erste Autorennen. Um 1900 fuhren dann bereits raketenförmige Spezialanfertigungen bei diesen Rennen mit, deren Fotos vielleicht sogar Geigenberger zu seinem Entwurf inspirierten.


Karikatur und Kinderbuch
Der Künstler betrieb zusammen mit seinem Bruder Otto in Wasserburg am Inn eine kunstgewerbliche Werkstatt. Vorher lebte er zu Ausbildungszwecken mehrere Jahre lang in München, wo er die Königliche Kunstgewerbeschule besuchte. Hier erhielt er entscheidende künstlerische Impulse im Sinne des Jugendstils. Seine karikaturesken Illustrationen verkaufte er unter anderem an die Zeitschrift Jugend. 1902 schuf er ein Kinderbuch mit dem Titel „Der tapfere Ingobert“.

Spielzeug für eine neue Zeit
Das Bayerische Gewerbemuseum Nürnberg rief 1903 einen Wettbewerb für neuartiges Holzspielzeug aus. Die Lebensreformbewegung, die vor allem in bildungsbürgerlichen Haushalten Anklang fand, forderte naturnahes Spielzeug, dessen einfache Formen der kindlichen Fantasie Raum geben sollten. In diesem Sinne muss man auch Geigenbergers hochgelobte Beiträge zum Wettbewerb verstehen. Die vorliegende Ausführung des Automobils stammt vom Nürnberger Holzbildhauer Jean Stöttner. Um das lokale Handwerk zu fördern, verbreitete das Kultusministerium 1904 die prämierten Entwürfe aus dem Wettbewerb zum Nachbau in Berchtesgaden, Oberammergau und Partenkirchen. Jedoch blieb die handwerkliche Herstellung von Reformspielzeug eine Randerscheinung, da sie nicht mit der industriellen Massenproduktion mithalten konnte.

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