Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten unMehr

Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten und sie dennoch angemessen kleiden, Luft zur Kühlung durchlassen und waschbar sein. Die beiden letzten Ziele erreichte man, indem man Baumwollstoff verwendete. Jedoch ist der Anzug keineswegs ohne Zier: Die weißen Linien, Paspelierung genannt, waren bereits aus der Bademode vertraut. Unter dem Kragen ist eine Raute mit vier gegenständigen „F“ eingestickt. Sie ist das Emblem der Deutschen Turnerschaft und bildet sich aus dem Kürzel des Mottos „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“.

Turnende Frauen
Die Trägerin des Anzugs war Hedwig Sandhagen aus der Hansestadt Uelzen. Sie war ungefähr 17 Jahre alt, als der Anzug entstand. Sie gehörte einer Generation an, für die das Turnen fast selbstverständlich war. Schon in den 1860er Jahren hatte es sich im Schulsport durchgesetzt. Jedoch war es noch bis in die 1920er Jahre verpönt, wenn erwachsene Frauen ernsthaft Sport betrieben und an Wettbewerben teilnahmen. Besonders ihre Kleidung erregte oft Anstoß. Frauen in Hosen wurden als Mannweiber bezeichnet, oder man warf ihnen Ehrlosigkeit vor, weil sie ihre Beine nicht unter einem bodenlangen Rock versteckten. Die Turnerinnen des späten 19. Jahrhunderts trugen meist noch einen zumindest knielangen Rock über ihren Hosen. Später ließ man den Rock weg und ersetzte ihn durch einen halblangen Kittel, so wie bei dem vorliegenden Anzug.

Die Abschaffung des Korsetts
Man kann also sagen, dass die Sportkleidung wichtige Impulse für die Erneuerung der Frauenkleidung gab. Gleiches gilt für die Lebensreform-Bewegung. Sie hatte zum Ziel, das menschliche Leben wieder näher an seinen Naturzustand zurück zu führen. Während die Kleidungsreform sich zunächst auf die Männer konzentrierte, gründeten Frauen in den Jahren 1896 und 1903 Vereine zur Verbesserung der Frauenkleidung. Ihr vorrangigstes Ziel, die Abschaffung des gesundheitsschädlichen Korsetts, konnten die Frauen an vielen Orten umsetzen. Zum Beispiel wurde 1907 in Preußen das Korsett im Schulsport verboten.
 

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Vom Machen der Schachteln
Unter Schachteln verstand man bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ausschließlich solche massenweise produzierten Behältnisse aus Holzspänen. Hergestellt wurden sie in Regionen mit reichem Nadelbaumbestand wie dem Thüringer Wald, Mehr

Vom Machen der Schachteln
Unter Schachteln verstand man bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ausschließlich solche massenweise produzierten Behältnisse aus Holzspänen. Hergestellt wurden sie in Regionen mit reichem Nadelbaumbestand wie dem Thüringer Wald, Böhmen und Oberbayern, wo Berchtesgaden ein Zentrum des Schachtelmacherhandwerks war.

Ein schmales, dünnes Holzbrett wurde zunächst lange in Wasser eingeweicht. Der Span ließ sich danach biegen und um einen hölzernen Formstock legen. Anschließend entfernte der Handwerker den Formstock und trocknete die gebogene Zarge am Ofen. Diese wurde verleimt und meistens mit einer gespaltenen Weidenrute zusammengenäht, wie dies auch hier der Fall ist. Deckel und Boden bestanden meist aus astfreiem Tannenholz. Viele Schachteln blieben unbemalt, gerade wenn sie dem Handel oder zum Transport dienten. Doch diese sind im Museum viel seltener überliefert als die von sogenannten Schachtelmalern aufwändig bemalten Exemplare.

Handel mit dem Höfischen
Solche Behältnisse wurden teilweise von Verlegern über Messen wie in Braunschweig oder Leipzig vertrieben. Ein Knotenpunkt der Distribution war auch Nürnberg, wo besonders viele Waren aus Thüringen und Berchtesgaden gehandelt wurden. In die Haushalte gelangten die Stücke vielfach über Wanderhändler.
Auf dem Deckel ist ein höfisches Paar aus der Zeit um 1780 dargestellt. Der Herr, der sich vor der Dame verbeugt, trägt einen roten Rock, eine Kniebundhose und einen Dreispitz. Die Dame kleidet eine Haube, ein Schultertuch (Fichu) und ein langes Kleid. Farblich abgestimmte Blumen und ein Baum bilden einen landschaftlichen Hintergrund. Über dem Paar steht geschrieben: „Mein Herz in mir / Theil ich mit dir“. Derartige (Liebes-)Paare und ähnliche Sprüche bildeten ein besonders beliebtes Sujet auf den meist ovalen Spanschachteln.

In Liebe und Erinnerung
Bei solchen Schachteln handelte es sich um Liebesgaben in der Tradition mittelalterlicher Minnegaben. Vor allem in ländlichen Regionen verschenkten Männer sie gerne an die Liebste. Meist gehörten sie sozial niedrigeren Schichten an als die abgebildeten Paare. Die Behältnisse gaben also nicht ihre eigene Lebenswelt wieder, sondern eine fremde, möglicherweise angestrebte. Letztlich bildeten die Schachteln in der ländlich-bäuerlichen Lebenswelt ein Statussymbol und waren Teil der mobilen Ausstattung.
Meist verwahrte man Hauben, Bänder, Tücher, aber auch Briefe und andere Erinnerungsstücke in den schmuckvoll bemalten Schachteln.
 

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Nachziehen und Reiten
Das ungefähr 300 Jahre alte Räderpferd ist 76cm hoch und damit groß genug, dass ein Kind darauf platznehmen konnte. Die Bodenplatte hat mehrere Löcher, von denen das vorderste zum Festbinden einer Schnur diente. Das PferMehr

Nachziehen und Reiten
Das ungefähr 300 Jahre alte Räderpferd ist 76cm hoch und damit groß genug, dass ein Kind darauf platznehmen konnte. Die Bodenplatte hat mehrere Löcher, von denen das vorderste zum Festbinden einer Schnur diente. Das Pferd ist damit gleichzeitig ein Reit- und ein Nachziehspielzeug. Seine Proportionen unterscheiden sich stark von der Natur – die stämmigen Beine stehen in Kontrast zum zierlichen Kopf. Das Zaumzeug und die Mähne sind mit eingeritztem Dekor verziert: Neben Zacken und Fischgräten findet man links und rechts auch je eine Wirbelrosette.


Identität trifft Ideologie
Das GNM kaufte das Pferd 1903 von einem Antiquitätenhändler in Davos (Schweiz). Seinen ersten Standort im Museum hatte es in der „Klettgauer Bauernstube“, die die Kultur der deutsch-schweizerischen Grenzlandschaft wiedergeben sollte. Doch später wurde das Spielzeug aus diesem Kontext entfernt und als niederdeutsch bezeichnet. Es war eine willkommene Projektionsfläche für Deutschnationalisten, die darin ein Stück „ihrer“ Geschichte und Identität sahen. Die Verzierungen auf der Mähne bezeichneten sie ab den 1920er Jahren als Lebensrute und Sonnenwirbel, zwei Symbole, die auf germanischen Runen basieren sollen. Dieser Deutung folgte auch die Volkskunde in Zeiten des Nationalsozialismus.

Naturwissenschaftlich betrachtet
Erst das zufällige Entdecken eines ähnlichen Räderpferds aus dem Engadiner Museum in St. Moritz führte die Forschung auf eine entscheidende Spur. Das dortige Exemplar stammt, ebenso wie ein weiteres in Privatbesitz, aus dem Kanton Graubünden. 2014/15 führte das GNM eine dendrochronologische Untersuchung an seinem Pferd durch. Die Datierung der Holzprobe ergab, dass der jüngste Jahrring von 1696 stammt. Das Fichtenholz wuchs höchstwahrscheinlich in den Nordalpen (Schweiz). Die Zuschreibung als Graubündener Spielzeug aus der Zeit um 1700 war damit erstmalig gesichert. So konnte eine naturwissenschaftliche Methode dabei helfen, ideologisch geleitete Falschannahmen der Vergangenheit auszuräumen.

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Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert uMehr

Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert und nur noch gegen Bezugsscheine abgegeben. Die Textilproduktion für militärische Zwecke hatte Vorrang. Bei Bombenangriffen, auf der Flucht und durch Plünderungen waren große Kleidermengen verloren gegangen. Außerdem spendeten viele Menschen im Krieg Stoff zur Wiederverwendung. Das alles hatte zur Folge, dass die textilen Reserven der Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs erschöpft waren. Zusätzlich lag die produzierende Industrie am Boden. Doch die Menschen wussten sich zu helfen.

Quasi Couture
Alte, teilweise schon untragbare Kleidung wurde umgearbeitet, zweckfremde Textilien wurden zu Kleidung verarbeitet. Heute würde man von „Upcycling“ oder „Repurposing“ sprechen. Auch dieser Wintermantel hatte ursprünglich eine andere Funktion: Er war ein Schlafsack aus britischen Armeebeständen. Der schwere Wollstoff ähnelt zumindest von Weitem den voluminösen Stoffen, die in den 1940er beliebt waren. Der kantige Schnitt des Mantels orientiert sich an den damaligen Trends, dazu kommen breit abgesteppte Kanten, große Knöpfe, aufgesetzte Taschen und eine gegürtete Taille. Zusätzlichen Schutz bot eine lose Kapuze zum Umbinden.


Deckenmäntel
Der Mantel ist ein Produkt der Schneiderei Gebrüder Mitzlaff in Würzburg. Jedoch konnten auch noch viele Privatpersonen, vor allem Frauen, selbst schneidern. Sie verarbeiteten etwa alte Decken aus Luftschutzkellern und US-Hilfslieferungen, die im Sommer 1947 in CARE-Paketen verschickt wurden, zu sogenannten Deckenmänteln. Jedes dieser Pakete enthielt zwei ungefärbte Decken, Nähzeug, eine Schere und ein Paar Schuhsohlen. So halfen sich die Menschen über die Winterzeit, in der der Mangel am stärksten zu spüren war.
 

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(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steMehr

(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblasene Glas besticht durch seine komplexe Farbgebung und seine verspielte Form. Von antiken römischen Gläsern bezog der Firmengründer Louis Comfort Tiffany die Idee für die irisierende Oberflächenbehandlung. Den perlmuttartigen Glanz erzielte er durch Beimischung von Metallsalzen in die Glasschmelze.

Handwerk und Einzelstück
Auch wenn sein Unternehmen später noch weitere Luxusgüter produzierte, wurde Tiffany zunächst für seine Glasarbeiten weltberühmt. Dazu zählte nicht nur Trinkgeschirr, sondern vor allem Bleiglasfenster und -lampenschirme. Tiffanys Firma expandierte zwar rasant, jedoch war es ihm wichtig, dass seine Glaserzeugnisse handgemacht waren und auch so aussahen. Im Zeitalter der fortschreitenden Massenproduktion hatte die manuelle Fertigung einen luxuriösen und nostalgischen Touch. Tiffany prägte daher den Begriff „Favrile-Glas“ als Kennzeichen seiner Marke. Das Wort stammt von lateinisch „fabrilis“ ab und bedeutet handgemacht.

Vom Malereistudenten zum Geschäftsmann
Da Tiffany in eine reiche Familie geboren wurde, konnte er sich eine lange und intensive künstlerische Ausbildung leisten. Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Europa und Nordafrika und studierte bei mehreren profilierten Landschaftsmalern. Erst nachdem er sein Glasunternehmen schon aufgebaut hatte, übernahm Tiffany auch noch den Juwelierbetrieb seines Vaters. Dadurch entstand ein Imperium, welches bis heute den Luxusgütermarkt prägt.

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Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konntMehr

Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konnte man ohne das von Sonnenuhren benötigte Tageslicht auch nachts die genaue Zeit ablesen. Auf ihrer zweidimensionalen Scheibe bilden sie das Himmelsgewölbe über einem bestimmten Standpunkt auf der Erde ab. Mit verschiedenen gravierten Einlegescheiben kann man das Gerät auf den jeweiligen Breitengrad einstellen.
Die vielfachen Mess- und Orientierungsfunktionen machten Astrolabien zu einem wichtigen Instrument der Seefahrt. Zusammen mit gedruckten Tabellen erleichterten sie die Navigationsmöglichkeiten von Hochseeseglern.

Antikes Erbe – arabische Herkunft
Entwickelt wurden Astrolabien von griechischen Wissenschaftlern in der Antike. Sie wurden im islamisch-arabischen Kulturraum intensiv genutzt und gelangten im Mittelalter zurück nach Europa. Auch dieses Astrolabium stammt aus dem Nahen Osten. Die eingravierten Namen in arabischer Schrift bezeugen, dass es im 12. oder 13. Jahrhundert vom arabischen Meister Al-Sahl al-Nisaburi für den Herrscher der syrischen Stadt Hama hergestellt wurde. Die Datierung schwankt um hundert Jahre, da es in Hama drei Fürsten gleichen Namens gab. Eine Besonderheit dieses Astrolabiums sind die zwölf arabisch beschrifteten Tänzer und Fabelwesen, die auf der Rückseite als „Sternenzeiger“ dienen. Als Weltmodelle waren so aufwendig gestaltete Astrolabien beliebte Statussymbole von Herrschern.

Ein reines Schaustück?
Auf welchen Wegen dieses Astrolabium nach Nürnberg kam, ist nicht bekannt. Es soll sich im Spätmittelalter im Besitz des Johannes Regiomontanus befunden haben. Der Mathematiker und Astronom war 1471 nach Nürnberg gezogen, wo er systematische Beobachtungen des Himmels mit selbst konstruierten Geräten betrieb. Die Reichsstadt war für ihre Metallhandwerke berühmt und im 15./16. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren für den Bau wissenschaftlicher Instrumente.
Ob das Astrolabium des al-Sahl al-Nisaburi jemals praktisch zum Einsatz kam, ist höchst zweifelhaft. Denn die zugrunde liegenden Fixsternpositionen waren zu seinem Entstehungszeitpunkt bereits veraltet. Möglicherweise handelt es sich um ein reines Schaustück. In Nürnberg gelangte es in die Sammlung der Stadtbibliothek. 1877 kam es als Dauerleihgabe an das GNM, das mit 14 Astrolabien eine der bedeutendsten Sammlung dieser Instrumente weltweit beherbergt.
 

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten koMehr

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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Beschützerin der Kunst
Die römische Göttin Minerva – bei den Griechen bereits als Athene verehrt – galt in der antiken Mythologie als Hüterin des Wissens und Göttin der Weisheit. Darüber hinaus sprach man ihr auch Einfluss auf die Geschicke Mehr

Beschützerin der Kunst
Die römische Göttin Minerva – bei den Griechen bereits als Athene verehrt – galt in der antiken Mythologie als Hüterin des Wissens und Göttin der Weisheit. Darüber hinaus sprach man ihr auch Einfluss auf die Geschicke des Staates und die taktische Kriegsführung zu. Entsprechend wehrhaft ist sie hier mit einem prächtigen Federhelm, einem Schuppenpanzer und wadenhohen Stiefeln ausgerüstet. Ihr Schild ist mit dem Haupt der Medusa geschmückt, dessen Anblick der Sage nach alle Gegner zu Stein erstarren ließ.
An der Hand führt sie einen Knaben, der vertrauensvoll zu ihr aufschaut. Mit dem Buch und einer Zeichenrolle unter dem Arm ist er als Verkörperung der Künste dargestellt. Weitgehend unbekleidet und wehrlos vertraut er sich der sicheren Führung der Schutzgöttin an.

Die Leichtigkeit des Rokoko
Die über drei Meter hohe Skulptur war eine von mindestens zwölf Darstellungen mythologischer Götter und Heroen im Park von Schloss Seehof bei Bamberg. Geschaffen hat sie der aus Böhmen stammende Bildhauer Ferdinand Tietz (1708-1777). Mit 28 Jahren war er nach Würzburg gekommen, wo er neben Arbeiten an der neuen Residenz auch kirchliche und bürgerliche Aufträge übernahm. Nach seiner Übersiedlung ins nahe gelegene Bamberg wurde er zum Hofbildhauer des dortigen Fürstbischofs. Tietz betrieb eine große Werkstatt mit fünf Gesellen und gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des süddeutschen Rokoko. Für den Zeitstil typisch sind die leichte, tänzerische Wendung des Körpers und die gebauschten, die Figur in weiten Bögen umspielenden Gewänder.

Garten der Götter
Schloss Seehof war die Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe und diente vor allem als Jagdschloss. Die weitläufigen Parkanlagen, für die auch die Skulpturen geschaffen wurden, bildeten mit ihren Orangerien, Fontänen Alleen, Hecken und Terrassen ein besonderes Gartenkunstwerk. Sie waren nicht so sehr an französische Vorbilder angelehnt, die auf die Repräsentation absolutistischer Macht abzielten, sondern an die sehr viel intimer gestalteten Gärten italienischer Villen oder holländischer Anlagen. Der Garten lud ein zum Lustwandeln, zu Rückzug und Muße. Er konnte aber auch ein Ort der Repräsentation sein und bot dann die reizvolle Kulisse für Feste und Veranstaltungen. Eine Skulptur wie die der Minerva war Teil dieser Inszenierung. Als Schutzpatronin der Künste war sie ein Sinnbild der Kunst- und Wissenschaftsförderung der Bamberger Fürstbischöfe.
 

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Ein Vorläufer des Waschbeckens
Im Spätmittelalter führten die Bedürfnisse des aufstrebenden Bürgertums in den Städten zur Entwicklung neuer Möbelgattungen. Dazu gehört auch der Waschkasten. Er brachte „fließendes“ Wasser in die Stuben, langeMehr

Ein Vorläufer des Waschbeckens
Im Spätmittelalter führten die Bedürfnisse des aufstrebenden Bürgertums in den Städten zur Entwicklung neuer Möbelgattungen. Dazu gehört auch der Waschkasten. Er brachte „fließendes“ Wasser in die Stuben, lange bevor es Wasserleitungen in den Wohnhäusern gab. Denn damals musste jeder Liter, den man trank, zum Kochen, Putzen oder für die eigene Hygiene verwendete, von einem der vielen öffentlichen Brunnen geholt werden. Waschkästen machten die Nutzung des Wassers in den Wohnungen deutlich komfortabler, da sie ganz ähnlich funktionierten wie heutige Waschbecken.

Mit Hilfe der Schwerkraft
Der obere Teil des Waschkastens dient dabei als Wasserspeicher. Hinter der kleinen Tür ist ein Behälter eingebaut, der mit Brunnenwasser gefüllt wurde. Drehte man den Hahn darunter auf, lief frisches Wasser in ein Metallbecken und man konnte sich bequem die Hände waschen. Das Abwasser floss in einen Auffangbehälter im unteren Teil des Schranks. Von dort musste es dann wieder entsorgt werden.

Ein Luxus der Reichen

Waschkästen gab es zunächst nur in wohlhabenden Häusern. Meist standen sie in der Stube, in der auch gegessen wurde. Das Händewaschen war ein wichtiger Teil der Tischhygiene. Da Gabeln damals noch nicht zum Essbesteck gehörten, aß man mit Messer und Löffel – und mit den Händen. Zeitgenössische „Tischzuchten“, Anweisungen zum rechten Verhalten, forderten daher eine gründliche Reinigung der Hände vor und nach dem Essen.
 

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