Ein familiäres Bildnis?
Selbstbewusst richtet diese Frau ihren Blick nach vorn. Eine Inschrift auf der Rückseite der Gipsbüste verrät, dass sie die Frauenrechtlerin und Sozialistin Clara Zetkin im Jahr 1901 darstellt. Das ebenfalls sichtbare Monogramm „KMehr

Ein familiäres Bildnis?
Selbstbewusst richtet diese Frau ihren Blick nach vorn. Eine Inschrift auf der Rückseite der Gipsbüste verrät, dass sie die Frauenrechtlerin und Sozialistin Clara Zetkin im Jahr 1901 darstellt. Das ebenfalls sichtbare Monogramm „K. K.“ konnte bisher niemandem zugeordnet werden, jedoch dürfte der Porträtkopf im Umkreis des Malers Georg Friedrich Zundel entstanden sein. Zundel war der zweite Ehemann Zetkins. Er war bekannt für idealisierende Bildnisse von Arbeiter*innen. Die unregelmäßige, „impressionistische“ Oberfläche der Büste passt zu dem Stil, den Zundel und sein Umkreis pflegten. Um 1900 plante er eine eigene kleine Familiengalerie. Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Porträtkopf dazugehörte. Arbeitsspuren, die im Gips stehen gelassen sind, sprechen für eine intime und persönliche Wiedergabe der Dargestellten.

Leben für den Sozialismus
Clara Zetkin war ab 1878 in der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) und ab 1890 in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) tätig. Gemeinsam mit ihrem Ehemann lebte sie in großbürgerlichen Verhältnissen am Rande Stuttgarts. Im Lauf ihrer politischen Karriere „radikalisierte“ Zetkin sich. Ihr
pazifistisches Engagement galt in den 1910er Jahren als subversiv und leitete ihren Bruch mit der SPD ein. 1918 schloss Zetkin sich der neugegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an, für die sie bis zum Ende der Weimarer Republik Mitglied des Reichstags war.

Der Internationale Frauentag
Wenngleich Zetkin sich stark für das Frauenwahlrecht einsetzte, relativierte sie einige feministische Forderungen. Ihrer Ansicht nach werde der Sozialismus eine klassenlose Gesellschaft schaffen, ohne dass Frauenrechte unabhängig davon eingefordert werden müssten. Trotz dieser Ansicht schlug sie 1910 gemeinsam mit Käte Duncker einen Internationalen Frauentag vor, für den der 8. März wenige Jahre später zum festen Datum wurde. Die Nationalsozialisten schafften den Tag umgehend ab. Clara Zetkin ging ins russische Exil, wo sie bald darauf starb. 1977 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Internationalen Frauentag erneut am 8. März zu begehen, um das Erbe emanzipatorischer Bewegungen zu würdigen.

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Die Kunst der Minne
Eine Gartenlandschaft wird zur Spielwiese einer ausgelassenen, in Gruppen arrangierten Hofgesellschaft. Dass das bunte Treiben einen erotischen Hintergrund hat, lässt schon ihre Aufmachung erkennen: Die figurbetont-modische KleiMehr

Die Kunst der Minne
Eine Gartenlandschaft wird zur Spielwiese einer ausgelassenen, in Gruppen arrangierten Hofgesellschaft. Dass das bunte Treiben einen erotischen Hintergrund hat, lässt schon ihre Aufmachung erkennen: Die figurbetont-modische Kleidung der jungen Männer ist ebenso aufreizend wie die tiefen Kleiderdekolletés der Hofdamen. Ihre Spiele folgen den Gesetzen der Minne. Darunter versteht man das an den Höfen des Hochmittelalters zur Kunstform entwickelte Liebeswerben um eine begehrte Frau.


Spielarten der Liebe
Dargestellt sind einige heute noch bekannte Spiele, wie Fangen oder Blindekuh. Aber auch längst vergessene Spiele sind zu sehen: Die linke obere Gruppe vergnügt sich beim „Main Chaude“. Hierbei muss ein Mann mit geschlossenen Augen erraten, wer ihm die Hand auf das Gesäß legt. Direkt darunter treten ein Höfling und eine Edeldame zur sogenannten „Quintaine“ an. In dieser Abwandlung des ritterlichen Lanzenstechens versuchen sich die Gegner durch einen Stoß mit dem Fuß zu Fall zu bringen. Beobachtet wird das heiter-frivole Geschicklichkeitsspiel von der Minnekönigin höchstpersönlich. Ganz rechts macht der Minnestrick einen Höfling zum gefesselten Liebesopfer. Nur die verehrte Dame kann ihn befreien. Im Zentrum des Bildteppichs steht die Minneburg. Sie ist das Sinnbild für die begehrte Frau, die es – wie eine Festung – durch die Minne zu erobern gilt.


Ein höfisches Thema?
Ob der Teppich für den privaten oder öffentlichen Raum hergestellt wurde, ist nicht überliefert. Zwei Wappen am rechten Rand verweisen auf die angesehene Tuchhändlerfamilie Diel in Speyer, die diesen Teppich offenbar in Auftrag gegeben hatte. Als Ratgeber der Pfälzer Kurfürsten war ihr der repräsentative Gebrauch von Wandteppichen am Heidelberger Hof geläufig. Großformatige Wandteppiche im häuslichen Bereich waren bis ins 16. Jahrhundert überwiegend dem Adel und der städtischen Oberschicht vorbehalten. Dass ein bürgerlicher Auftraggeber sich ausgerechnet für ein höfisches Motiv wie die Minne entscheidet, ist bemerkenswert. Offenbar wollte die Familie Diel als reiche Tuchhändler durch die Wahl des Themas auch ihr Standesbewusstsein zum Ausdruck bringen.

 

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Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert uMehr

Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert und nur noch gegen Bezugsscheine abgegeben. Die Textilproduktion für militärische Zwecke hatte Vorrang. Bei Bombenangriffen, auf der Flucht und durch Plünderungen waren große Kleidermengen verloren gegangen. Außerdem spendeten viele Menschen im Krieg Stoff zur Wiederverwendung. Das alles hatte zur Folge, dass die textilen Reserven der Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs erschöpft waren. Zusätzlich lag die produzierende Industrie am Boden. Doch die Menschen wussten sich zu helfen.

Quasi Couture
Alte, teilweise schon untragbare Kleidung wurde umgearbeitet, zweckfremde Textilien wurden zu Kleidung verarbeitet. Heute würde man von „Upcycling“ oder „Repurposing“ sprechen. Auch dieser Wintermantel hatte ursprünglich eine andere Funktion: Er war ein Schlafsack aus britischen Armeebeständen. Der schwere Wollstoff ähnelt zumindest von Weitem den voluminösen Stoffen, die in den 1940er beliebt waren. Der kantige Schnitt des Mantels orientiert sich an den damaligen Trends, dazu kommen breit abgesteppte Kanten, große Knöpfe, aufgesetzte Taschen und eine gegürtete Taille. Zusätzlichen Schutz bot eine lose Kapuze zum Umbinden.


Deckenmäntel
Der Mantel ist ein Produkt der Schneiderei Gebrüder Mitzlaff in Würzburg. Jedoch konnten auch noch viele Privatpersonen, vor allem Frauen, selbst schneidern. Sie verarbeiteten etwa alte Decken aus Luftschutzkellern und US-Hilfslieferungen, die im Sommer 1947 in CARE-Paketen verschickt wurden, zu sogenannten Deckenmänteln. Jedes dieser Pakete enthielt zwei ungefärbte Decken, Nähzeug, eine Schere und ein Paar Schuhsohlen. So halfen sich die Menschen über die Winterzeit, in der der Mangel am stärksten zu spüren war.
 

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Schmuck der Völkerwanderungszeit
Die Adlerfibel ist ein Teil des Schatzes von Domagnano in der Republik San Marino, der 1893 gefunden wurde. Sie entstand um 500 n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Funden der Völkerwanderungszeit. Sie besteht aus Gold, welches in ZellentMehr

Schmuck der Völkerwanderungszeit
Die Adlerfibel ist ein Teil des Schatzes von Domagnano in der Republik San Marino, der 1893 gefunden wurde. Sie entstand um 500 n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Funden der Völkerwanderungszeit. Sie besteht aus Gold, welches in Zellentechnik verarbeitet wurde. In die Zellen sind vorwiegend dünn geschliffene Plättchen aus Almandin, einer Granatart, eingelegt. In einigen der Zellen ist noch eine vergoldete Silberfolie erhalten, die den transparenten Edelstein zum Leuchten bringen sollte. Von insgesamt 21 Schmuckteilen aus dem Schatzfund gelangten acht in das Germanische Nationalmuseum – die Adlerfibel, ein Ohrring, fünf Anhänger eines Halskolliers und eine kleine zikadenförmige Fibel. Die anderen Stücke sind in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter das British Museum und der Louvre Abu Dhabi.

Die Mode der Ostgoten
Eine Fibel ist eine Art Brosche, mit deren Nadel man einen Umhang verschließen kann. Zur Adlerfibel gab es ein Gegenstück. Die beiden wurden mit einer Kette verbunden und dienten als edler Mantelverschluss. Die Besitzerin des kostbaren Schmuckes war eine Ostgotin aus dem Kreis um König Theoderich, welcher das Vorbild für Dietrich von Bern in der mittelalterlichen Heldendichtung war. Sein Regierungssitz war Ravenna, das nur ca. 70km von Domagnano entfernt liegt. Die Ostgoten waren ein germanischer Stamm, der das Weströmische Reich einnahm und von 493 bis 552 beherrschte. Für die ostgotische Oberschicht war vor allem die Mode des byzantinischen Hofes vorbildhaft.

Kultureller Austausch
Der Schmuck von Domagnano spiegelt den intensiven kulturellen Austausch in der Völkerwanderungszeit wider. Die einzelnen Schmuckstücke lassen gotische, römische und byzantinische Einflüsse erkennen. Ein anschauliches Beispiel ist die Adlerfibel. Der Adler war einerseits Zeichen der römischen Staatsmacht, andererseits steht er in der christlichen Symbolik für die Auferstehung der Seele und für das Bekenntnis zum christlichen Glauben. Auf der Brust trägt er ein Kreuz. Die Trägerin dieses Schmuckstücks gab sich also öffentlich als Christin zu erkennen. Die Ostgoten praktizierten eine Art des Christentums, die man Arianismus nennt. Die arianische Lehre bestritt die Wesensgleichheit von Gott, Sohn und Heiligem Geist.
 

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Ein neuer Klang
Das Instrumentarium des klassischen Orchesters, wie wir es heute aus den Konzertsälen der westlichen Welt kennen, war zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch nicht abgeschlossen. Einige Instrumente waren noch gar nicht erfunden, darunter die Mehr

Ein neuer Klang
Das Instrumentarium des klassischen Orchesters, wie wir es heute aus den Konzertsälen der westlichen Welt kennen, war zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch nicht abgeschlossen. Einige Instrumente waren noch gar nicht erfunden, darunter die Klarinette. Ihr Ursprung liegt in der Zeit um 1700 und wurde vom sogenannten Chalumeau angeregt. Das ist ein einfaches Holzrohr mit zylindrischer Innenbohrung, sechs Grifflöchern vorn und einem weiteren für den Daumen hinten. Frühe Typen sind ohne Klappen, seit dem 18. Jahrhundert finden sich häufig zwei, später eine weitere zum Überblasen. Entscheidend ist das schnabelartige Mundstück. Dieses ähnelt zwar einer Blockflöte, doch wird beim Chalumeau ein einzelnes Rohrblatt mit einer Schnur darauf befestigt, was beim Anblasen für den charakteristischen Klang sorgt.

Innovation aus Nürnberg

Der Holzblasinstrumentenbau ist in Nürnberg seit dem frühen 16. Jahrhundert nachweisbar. Die berühmteste Familie des Nürnberger Holzblasinstrumentenbaus waren die Denner. Johann Christoph Denner entwickelte das Chalumeau in mehreren Lagen (Diskant, Alt, Tenor, Bass). Damit war der Schritt zur Erfindung der Klarinette in seiner Werkstatt nicht mehr weit. Wie an der Klarinette seines Sohnes Jakob aus der Zeit um 1720 zu sehen ist, entstand die Klarinette aus der Kombination einer Blockflöte mit sieben Grifflöchern und der Innenbohrung eines Chalumeaus. Die beiden Klappen ordnete Denner so an, dass nun ein „sauberes“ Überblasen möglich war. So stand ein zweites und höheres Tonregister zur Verfügung.

Clarinetto
Ihren Namen verdankt die Klarinette einer gewissen klanglichen Verwandtschaft zur Trompete. Diese hatte im 18. Jahrhundert noch keine Ventile, weshalb man in tieferen Lagen alleine mit der Lippenspannung nur wenige Töne darauf spielen konnte. Erst in der höheren, der sogenannten Clarin-Lage, war es einem geübten Bläser möglich, durchgehende Tonleitern zu spielen. Genau dieselbe Tonlage ist es, die durch einfaches Überblasen auf der Klarinette nun möglich war. Ihre Bezeichnung „Clarinetto“ für „kleine (hohe) Trompete“ verdankt sie wahrscheinlich dem trompetenähnlichen Klang in der Clarin-Lage. Der weiche und warme Klang der tiefen Töne, die noch immer als Chalumeauregister bezeichnet werden, verschaffte der Klarinette seit der Verwendung durch Wolfgang Amadeus Mozart einen festen Platz im Orchester. Die weitere Entwicklung von Instrument und dem klanglichen und spielerischen Anspruch durch zeitgenössische Komponisten bedingten sich gegenseitig. Im 19. Jahrhundert führte das schließlich zu der Klarinette, wie wir sie heute kennen.

 

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Ein Zimmer zieht um
Als im Jahr 1901 die gesamte Inneneinrichtung eines barocken Wohnhauses in Aachen versteigert wurde, erwarb das Germanische Nationalmuseum den „kleinen Gobelinsaal“. Die geschnitzten WandvertäfeluMehr

Ein Zimmer zieht um
Als im Jahr 1901 die gesamte Inneneinrichtung eines barocken Wohnhauses in Aachen versteigert wurde, erwarb das Germanische Nationalmuseum den „kleinen Gobelinsaal“. Die geschnitzten Wandvertäfelungen aus Holz und die Bildteppiche wurden ins Museum transferiert, wo sie bis heute den ursprünglichen Raumeindruck wiedergeben. Nur die stuckierte Decke sowie die Möbel fehlen. Ein Kamin aus einem Schloss in Lüttich ergänzt das Ensemble, da das Original in Aachen verblieb. Die Holzsichtigkeit der Vertäfelungen ist besonders charakteristisch für den Aachener Kunsthandwerksstil des 18. Jahrhunderts. Statt sie farbig zu bemalen oder zu vergolden, erhielten sie nur einen Wachsüberzug. So kann die natürliche Maserung des Eichenholzes zur Geltung kommen. Die geschnitzten Ornamente beinhalten viele Masken und Muscheln, sind aber noch streng symmetrisch angeordnet. Daher kann man das Aachener Zimmer, welches um 1740 entstand, als Werk des frühen Rokokos bezeichnen.

Der Moses-Saal
Die Bildteppiche sind Wirkarbeiten und daher besonders detailliert und leuchtkräftig. Allerdings sind die Textilien sehr lichtanfällig, so dass die Farben heute verblasst sind. Die Signatur auf den Teppichen verrät, dass sie in der Werkstatt der Brüsseler Familie van der Borght entstanden. Brüssel war damals ein wichtiges Zentrum für die Herstellung repräsentativer Bildwirkereien. Die Teppiche aus dem Aachener Zimmer zeigen Szenen aus dem Leben Moses‘: Von seiner Auffindung als Kleinkind am Nil, über die Teilung des roten Meeres, bis hin zum Zerbrechen der Gesetzestafeln. Passend zum „kleinen Gobelinsaal“ im Erdgeschoss gab es noch einen „großen Gobelinsaal“ im ersten Stock des Aachener Hauses. Dessen Wandteppiche stellten die fünf Erdteile dar, jedoch sind sie heute nicht mehr vollständig erhalten.

Das Wespienhaus
Johann von Wespien war der Auftraggeber des repräsentativen Aachener Wohnhauses. Er war ein äußerst wohlhabender Tuchfabrikant, der reich geheiratet hatte. 1756 bis 1759 war er Aachens Bürgermeister. Sein Haus in der Kleinmarschierstraße wurde 1734-1737 erbaut, jedoch sollte die Vervollständigung der Inneneinrichtung noch viel länger dauern. Als Architekt diente Johann Joseph Couven, der an mehreren Bauvorhaben Wespiens beteiligt war. Couven stimmte die Fassade und das innere Dekorationsschema harmonisch aufeinander ab, weswegen dieses Haus später als sein bestes Werk galt. Da Wespien keine Nachkommen hinterließ, kam das Haus in den Besitz einer anderen Familie, die 1901 aus Geldnot die Inneneinrichtung versteigern musste. 1943 wurde es bei einem Luftangriff fast vollständig zerstört und nicht wiederaufgebaut.

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Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konntMehr

Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konnte man ohne das von Sonnenuhren benötigte Tageslicht auch nachts die genaue Zeit ablesen. Auf ihrer zweidimensionalen Scheibe bilden sie das Himmelsgewölbe über einem bestimmten Standpunkt auf der Erde ab. Mit verschiedenen gravierten Einlegescheiben kann man das Gerät auf den jeweiligen Breitengrad einstellen.
Die vielfachen Mess- und Orientierungsfunktionen machten Astrolabien zu einem wichtigen Instrument der Seefahrt. Zusammen mit gedruckten Tabellen erleichterten sie die Navigationsmöglichkeiten von Hochseeseglern.

Antikes Erbe – arabische Herkunft
Entwickelt wurden Astrolabien von griechischen Wissenschaftlern in der Antike. Sie wurden im islamisch-arabischen Kulturraum intensiv genutzt und gelangten im Mittelalter zurück nach Europa. Auch dieses Astrolabium stammt aus dem Nahen Osten. Die eingravierten Namen in arabischer Schrift bezeugen, dass es im 12. oder 13. Jahrhundert vom arabischen Meister Al-Sahl al-Nisaburi für den Herrscher der syrischen Stadt Hama hergestellt wurde. Die Datierung schwankt um hundert Jahre, da es in Hama drei Fürsten gleichen Namens gab. Eine Besonderheit dieses Astrolabiums sind die zwölf arabisch beschrifteten Tänzer und Fabelwesen, die auf der Rückseite als „Sternenzeiger“ dienen. Als Weltmodelle waren so aufwendig gestaltete Astrolabien beliebte Statussymbole von Herrschern.

Ein reines Schaustück?
Auf welchen Wegen dieses Astrolabium nach Nürnberg kam, ist nicht bekannt. Es soll sich im Spätmittelalter im Besitz des Johannes Regiomontanus befunden haben. Der Mathematiker und Astronom war 1471 nach Nürnberg gezogen, wo er systematische Beobachtungen des Himmels mit selbst konstruierten Geräten betrieb. Die Reichsstadt war für ihre Metallhandwerke berühmt und im 15./16. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren für den Bau wissenschaftlicher Instrumente.
Ob das Astrolabium des al-Sahl al-Nisaburi jemals praktisch zum Einsatz kam, ist höchst zweifelhaft. Denn die zugrunde liegenden Fixsternpositionen waren zu seinem Entstehungszeitpunkt bereits veraltet. Möglicherweise handelt es sich um ein reines Schaustück. In Nürnberg gelangte es in die Sammlung der Stadtbibliothek. 1877 kam es als Dauerleihgabe an das GNM, das mit 14 Astrolabien eine der bedeutendsten Sammlung dieser Instrumente weltweit beherbergt.
 

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Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird aMehr

Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird auf das 1. Drittel des 17. Jahrhunderts datiert und stammt aus dem süddeutschen Raum. Brettspiele waren damals in allen gesellschaftlichen Schichten beliebt. An den Fürstenhöfen bestanden die Bretter aus kostbaren Materialien wie Elfenbein, Ebenholz und Perlmutt. Sie zeigten den Wohlstand ihrer Besitzer. Manche dienten nur der Repräsentation und eigneten sich gar nicht zur Benutzung, weil die Spielsteine zu groß waren. Beliebte Spiele am Hof waren Schach und Tric Trac, das heutige Backgammon. Mühle und das Gänsespiel waren hingegen einfacher zu lernen und galten als Spiele für alle Gesellschaftsschichten.

Gänsemarsch
Laufspiele mit Spiralform existierten schon im alten Ägypten, jedoch taucht speziell das Gänsespiel erstmals im Europa des 15. oder 16. Jahrhunderts auf. Durch Würfeln rückt man vorwärts. Die Spielfelder und ihre Bedeutung variieren zwar, jedoch gibt es wiederkehrende Elemente. Die Gänsefelder ermöglichen, dass man noch einmal zieht. Die Herberge (19) und das Gefängnis (52) bedeuten ein- oder mehrmals aussetzen. Landet man auf dem Labyrinth (42), so muss man einige Felder zurückziehen. Der Tod (58) zwingt zum Neuanfang auf Feld 1. Insgesamt kann man das Spielfeld als Lebensweg deuten, wobei der Ausweg am Ende für das Paradies steht.

In der Zwickmühle
Im Gegensatz zum Gänsespiel basiert Mühle auf Taktik. Ziel ist es, alle Steine des Gegenübers wegzunehmen, indem man Dreierreihen, die sogenannten Mühlen, bildet. Man spielt mit zweimal neun Steinen unterschiedlicher Farbe. Das Spiel könnte aus antiker Zeit stammen, sicher nachweisbar ist es jedoch erst im byzantinischen Europa. Schon im Mittelalter existierten für Mühle – ebenso wie für Schach und Backgammon – Wettaufgaben, die man aus heutigen Zeitungen als Schachrätsel kennt.

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Die Zeit im Gepäck
Zu der Zeit, als diese Klappsonnenuhr hergestellt wurde, waren mechanische Räderuhren bereits weit verbreitet. An Kirchtürmen und städtischen Rathäusern gaben sie den Takt des öffentlichen Lebens vor. Trotzdem blieben die Mehr

Die Zeit im Gepäck
Zu der Zeit, als diese Klappsonnenuhr hergestellt wurde, waren mechanische Räderuhren bereits weit verbreitet. An Kirchtürmen und städtischen Rathäusern gaben sie den Takt des öffentlichen Lebens vor. Trotzdem blieben die zuvor für die Zeitmessung verwendeten Sonnenuhren weiterhin in Gebrauch. Vor allem auf Reisen waren solche leichten und gut transportablen Klappsonnenuhren unentbehrliche Begleiter. Der eingebaute Kompass half bei der für die Zeitbestimmung nötigen Nord-Süd-Ausrichtung.
Klappbare Reise-Sonnenuhren wurden in Nürnberg seit dem späten 15. Jahrhundert hergestellt. Die Reichsstadt war weit über ihre Grenzen für die Qualität der hier produzierten wissenschaftlichen Geräte bekannt. Taschensonnenuhren waren ein gefragter Exportartikel des Nürnberger Fernhandels.

Andere Orte – andere Zeiten
Mobile Zeitmessung auf Reisen brachte ein Problem mit sich: Je nach Breitengrad war der Stand der Sonne ein anderer. Sonnenuhren hatten feste Ziffernblätter, die jeweils nur an einem bestimmten Ort ihre Gültigkeit hatten. Was man leicht verändern konnte, war die Lage des „Zeigers“. Bei solchen Klappsonnenuhren war das ein sogenannter Polfaden, der zwischen Boden und Deckel aufgespannt war, und dessen Schatten die Zeit auf dem Ziffernblatt markierte. Dessen oberes Ende konnte man an verschiedenen Punkten fixieren.
Üblicherweise enthielten Sonnenuhren ein Verzeichnis der Polhöhen für die wichtigsten europäischen Städte. Bei dieser Klappsonnenuhr wird der Deckel zur „Benutzeroberfläche“: Auf der Landkarte, die auf ihm abgebildet ist, konnte man seinen Standort bestimmen und den Polfaden durch die entsprechende Öffnung auf der Mittelachse ziehen. Bei geöffneter Uhr konnte man dann innen die für diesen Breitengrad gültige Uhrzeit ablesen.

Die Karte
Der Hersteller dieser Sonnenuhr war aller Wahrscheinlichkeit nach Erhard Etzlaub, einer der bedeutendsten Nürnberger Instrumentenbauer seiner Zeit. Bereits 1500 hatte er eine Landkarte entworfen, die vor allem Pilgern im Heiligen Jahr die Hauptwege quer durch Europa nach Rom aufzeigte. Auch die Landkarte auf dem Deckel der Sonnenuhr hatte offenbar vor allem pilgernde Christen im Blick. Sie ist, wie damals üblich, nach Süden ausgerichtet und reicht von Skandinavien bis nach Afrika. Neben Rom und Santiago de Compostela ist am linken oberen Rand auf Höhe des 30. Breitengrads „Mons Sinai“ eingezeichnet. Das am Berg Sinai gelegene Katharinenkloster war ein weiteres wichtiges Pilgerziel des Mittelalters.
 

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