Globus 1492 – „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste erhaltene Erddarstellung in Kugelform. Schon die Griechen der Antike wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihnen die Zeit überdauerte. Martin Behaim verwendete für die Konzeption des Globus eine Vielzahl antiker und zeitgenössischer Quellen. Jedoch mangelte es noch an exakten Karten und empirischen Erfahrungen. Der Globus fasst das bekannte Wissen über die Welt zusammen und gleicht einer visuellen Enzyklopädie. DWeiterlesen

Globus 1492 – „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste erhaltene Erddarstellung in Kugelform. Schon die Griechen der Antike wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihnen die Zeit überdauerte. Martin Behaim verwendete für die Konzeption des Globus eine Vielzahl antiker und zeitgenössischer Quellen. Jedoch mangelte es noch an exakten Karten und empirischen Erfahrungen. Der Globus fasst das bekannte Wissen über die Welt zusammen und gleicht einer visuellen Enzyklopädie. Daher ist er über und über beschriftet. Darunter findet sich legendenhaftes Wissen über Seeungeheuer und Fabelwesen genauso wie damals aktuelle Erkenntnisse über Ressourcenvorkommen und Reiserouten. Das Objekt zeigt eindrücklich, dass Europa seine Hände nach der ganzen Welt ausstreckte. Als Behaim die Arbeit am Globus im Jahr 1492 aufnahm, landete Christoph Kolumbus gerade erst in Amerika. Daher ist dieser Teil der Welt noch nicht dargestellt, ebenso wie Australien. Die bekannten Kontinente hingegen sind zu groß geraten, weil der Erdumfang unter Berufung auf den antiken Gelehrten Claudius Ptolemäus zu klein gewählt wurde.


Behaims Globus und seine Beweggründe
Martin Behaim war ein Nürnberger Patrizier, der nach Portugal ausgewandert war und dort für den König arbeitete. Er nahm wahrscheinlich an Entdeckungsfahrten Teil und hatte deswegen wohl Zugriff auf exklusives Kartenmaterial. Deshalb ist die Westküste Afrikas schon relativ präzise wiedergegeben. Vielleicht hatten die Portugiesen die Herstellung des Globus sogar unterstützt. Ein weiterer möglicher Beweggrund war die Suche nach Sponsoren für kostspielige Entdeckungs- und Handelsreisen. Behaim hat an vielen Orten vermerkt, dass man dort wertvolle Rohstoffe finden könne. Dazu zählten zum Beispiel Perlen, edle Hölzer und Gewürze. Ihre Kennzeichnung auf dem Globus sollte Investoren dazu bewegen, die Reisen finanziell zu unterstützen.

Spezialisten arbeiten zusammen
Mehrere Nürnberger Handwerker erschufen den Globus in einem arbeitsteiligen Prozess. Ein Glockengießer lieferte eine Lehmkugel, die mit Leinentüchern beklebt wurde. So entstanden durch Abformung zwei hohle Halbkugeln. Auf diese wurden Pergament und Papier aufgebracht. Ein Buchmaler und ein Schreiber gestalteten die Oberfläche. Das Gestell des Globus fertigten ein Schlosser und ein Schreiner. Für diesen aufwendigen Prozess gab es noch keine Vorbilder. Der Globus wurde anschließend im Nürnberger Rathaus aufgestellt und dort vermutlich wichtigen Gästen der Stadt gezeigt. Leider ist er heute nicht mehr gut lesbar. Schuld daran sind Alterung und mehrfache Restaurierungen.

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Die Challenge
Mit nur vierundzwanzig Jahren wurde Johann Wolfgang von Goethe mit den „Leiden des jungen Werthers“ 1774 europaweit berühmt. Nur wenige Jahre später begannen Bildhauer Büsten des Schriftstellers anzufertigen – in späterer Zeit auch Christian Daniel Rauch und Christian Friedrich Tieck. Im Rahmen eines freundschaftlichen Wettstreits arbeiteten sie 1820 parallel an einer Goethe-Büste. Dafür durften die beiden Goethe in Jena besuchen, wo sie jeweils einen Abdruck einer bereits 1807 abgenommenen Lebendmaske Goethes sowie Modelle aus Ton herstelltWeiterlesen

Die Challenge
Mit nur vierundzwanzig Jahren wurde Johann Wolfgang von Goethe mit den „Leiden des jungen Werthers“ 1774 europaweit berühmt. Nur wenige Jahre später begannen Bildhauer Büsten des Schriftstellers anzufertigen – in späterer Zeit auch Christian Daniel Rauch und Christian Friedrich Tieck. Im Rahmen eines freundschaftlichen Wettstreits arbeiteten sie 1820 parallel an einer Goethe-Büste. Dafür durften die beiden Goethe in Jena besuchen, wo sie jeweils einen Abdruck einer bereits 1807 abgenommenen Lebendmaske Goethes sowie Modelle aus Ton herstellten. Die Gipsfassung – heute im Besitz des GNM – entstand wohl im nächsten Arbeitsschritt. Sie befand sich ursprünglich in Rauchs Berliner Werkstatt und diente vermutlich als Vorlage für die eigentliche Marmorbüste.


Unikat und Masse
Diese Gipsbüste war nicht das fertige Kunstwerk Rauchs, sondern lediglich ein Werkstattzwischenschritt. Die glatte Lackoberfläche ermöglichte Abgüsse mit weichen Massen wie Gips. Punkte, Kreise und Löcher weisen zudem auf eine Vervielfältigung mittels Punktiergerät in Stein oder Marmor hin. Jedes Exemplar wurde per Hand und teilweise mit unterschiedlichen Techniken angefertigt, wodurch Übertragungsfehler und individuelle Merkmale entstanden. Obwohl es eine Vielzahl dieser Repliken gibt, ist doch jede ein Unikat.

„Dichtung und Wahrheit“
Unter den zahlreichen Goethe-Bildnissen und Denkmälern erlangte die Büste von Rauch eine dauerhafte Wertschätzung. Er wählte für seine Goethe-Büste die antike Darstellungsform der Herme, ein Kopfbildnis auf einer rechteckigen, pfeilerartigen Basis. Klassisch antike und idealisierende Merkmale wie das volle und lockige Haar, die stark ausgeprägte Stirn sowie der muskulöse nackte Oberkörper – Goethe war zum Zeitpunkt der Entstehung bereits 70 Jahre alt – werden mit realistischen, lebensnahen Darstellungen von Augen, Nase und Mund verbunden. Eine Darstellungsform, die nicht nur beim antikebegeisterten Goethe höchstpersönlich für Wohlgefallen sorgte. So entstanden aufgrund der hohen Nachfrage zahlreiche Repliken dieser Büste in Gips oder Marmor, die heute in verschiedenen Museen zu sehen sind, auch im GNM.

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Nur scheinbar alltäglich
Eine solche Darstellung von Maria und Elisabeth mit ihren Kindern bei der häuslichen Arbeit ist ein sehr ungewöhnliches Thema in der Kunst. Die Gottesmutter mit dem aufgeklappten Buch auf dem Schoß hält eine Spindel in der Hand. Elisabeth wickelt das goldene Garn auf eine Haspel. Zu ihren Füßen sitzen ihre Kinder. Jesus hält in der ausgestreckten Hand einen Löffel mit Brei. Beide umfassen den Stiel einer Pfanne, Johannes der Täufer wendet sich mit einem Schriftband an seine Mutter Elisabeth: „Sichin mu(o)ter ihWeiterlesen

Nur scheinbar alltäglich
Eine solche Darstellung von Maria und Elisabeth mit ihren Kindern bei der häuslichen Arbeit ist ein sehr ungewöhnliches Thema in der Kunst. Die Gottesmutter mit dem aufgeklappten Buch auf dem Schoß hält eine Spindel in der Hand. Elisabeth wickelt das goldene Garn auf eine Haspel. Zu ihren Füßen sitzen ihre Kinder. Jesus hält in der ausgestreckten Hand einen Löffel mit Brei. Beide umfassen den Stiel einer Pfanne, Johannes der Täufer wendet sich mit einem Schriftband an seine Mutter Elisabeth: „Sichin mu(o)ter ihesus tu(o)t mir“ (Sieh hin, Mutter, was Jesus mir tut). Hinter dieser Szene versteckt sich eine theologische Aussage: So, wie Jesus Johannes von dem Brei gibt, versorgt er auch die Menschheit mit Seelennahrung. Das vordergründig alltägliche Geschehen hat also eine tiefere religiöse Bedeutung und betont zugleich die menschliche Natur des Gottessohnes.

Ein Altar zu Ehren der Jungfrau
Die Tafel gehörte zu einem Flügel des monumentalen Marienretabels vom Hochaltar der Nürnberger Frauenkirche. In geöffnetem Zustand waren neben der Darstellung von Maria und Elisabeth drei weitere Szenen aus dem Marienleben vor feierlichem Goldgrund zu sehen. Die Rückseite der Tafel, die die Gefangennahme Christi zeigt, war zusammen mit anderen Darstellungen des Leidenswegs Christi bei geschlossenen Altarflügeln sichtbar.

Anspielungen auf den Reliquienschatz
Die Marienszenen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Reliquienschatz der Frauenkirche. Zu ihm gehörten hochkarätige Marienreliquien, wie der goldene Gürtel der Jungfrau, den Kaiser Karl IV. der Kirche geschenkt hatte. Unter den Reliquien befanden sich auch Überreste des Garns, das Maria der Legende nach für den Vorhang des Tempels in Jerusalem gesponnen haben soll. Im Bild ist beides im realen Leben Mariens verortet.
Bei kunsttechnologischen Untersuchungen fanden sich unter der Goldschicht hinter Maria und Elisabeth Spuren eines dunkelblauen Vorhangs. Dieser spielte auf eine weitere Marienreliquie der Frauenkirche an, „ein stucklein eins portleins“, wie es in einer Beschreibung von 1442 heißt. Gemeint ist die Borte des Tempelvorhangs, die Maria selber gewirkt haben soll. Wenn an Festtagen der Altar geöffnet und der Reliquienschatz in der Kirche ausgestellt war, dann machte die Wechselbeziehung von Bildern und Reliquien das Heilsgeschehen unmittelbar anschaulich.
 

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Es klingelt und funkelt
Jedesmal, wenn die Trägerin dieser Goldhaube den Kopf wandte, ertönte ein zartes Klingeln, und die Flindern glänzten und funkelten. Flindern sind kleine Metallplättchen, ähnlich den heutigen Pailletten. Die Basis dieses Kopfschmucks bildet eine geknüpfte Seidenhaube, die mit einem Leinenpolster in Form gebracht ist. Aus der Oberfläche ragen unzählige, mit Seidenfäden umwundene Drahtstifte heraus, in die die vergoldeten Kupferplättchen eingehängt sind. Sie waren dadurch beweglich und erzielten so die besonderen visuellen und Weiterlesen

Es klingelt und funkelt
Jedesmal, wenn die Trägerin dieser Goldhaube den Kopf wandte, ertönte ein zartes Klingeln, und die Flindern glänzten und funkelten. Flindern sind kleine Metallplättchen, ähnlich den heutigen Pailletten. Die Basis dieses Kopfschmucks bildet eine geknüpfte Seidenhaube, die mit einem Leinenpolster in Form gebracht ist. Aus der Oberfläche ragen unzählige, mit Seidenfäden umwundene Drahtstifte heraus, in die die vergoldeten Kupferplättchen eingehängt sind. Sie waren dadurch beweglich und erzielten so die besonderen visuellen und akustischen Effekte. Die im Nacken gebundenen Bänder blieben beim Tragen unsichtbar. Sie gaben dem Kopfputz Halt.

Mode für den ersten Stand
Die Menschen in Nürnberg waren im 17. Jahrhundert in fünf Stände eingeteilt, von denen die ersten vier allerdings nur ca. 1% der Bevölkerung ausmachten. Kleiderordnungen regelten genau, welcher Stand wann welche Kleidung und Schmuck tragen durfte. In einer Nürnberger Kleiderordnung von 1657 stand explizit, dass eine Flinderhaube mit „eingehängten Plättlein“ Frauen des ersten Stands vorbehalten war. Es gab auch Flinderhauben mit „aufgehefften“ – also festgenähten – „Plättlein“, bei denen das Spiel mit den Lichtreflexen aber längst nicht so wirkungsvoll war. Diese schlichtere Haube durften Frauen bis in den dritten Stand tragen.


Traditionsbewusst oder altmodisch?
Die Flinderhaube galt im 17. Jahrhundert als ehrbar und standesbewusst, aber auch als konservativ. Statt zum althergebrachten „teutschen Habit“ zu greifen, kleidete sich die modebewusste Nürnbergerin nun lieber nach französischer Art. Und während es früher vorgeschrieben war, dass verheiratete Frauen ihre Haare komplett mit einer Haube bedecken mussten, trugen sie nun haarsichtige Kopfbedeckungen wie Hut und Barett. Die Flinderhaube kam 1859, nur wenige Jahre nach der Gründung, in die Sammlung des Germanischen Nationalmuseums.

 

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Schmuck der Völkerwanderungszeit
Die Adlerfibel ist ein Teil des Schatzes von Domagnano in der Republik San Marino, der 1893 gefunden wurde. Sie entstand um 500 n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Funden der Völkerwanderungszeit. Sie besteht aus Gold, welches in Zellentechnik verarbeitet wurde. In die Zellen sind vorwiegend dünn geschliffene Plättchen aus Almandin, einer Granatart, eingelegt. In einigen der Zellen ist noch eine vergoldete Silberfolie erhalten, die den transparenten Edelstein zum Leuchten bringen sollte. Von insgesamt 21 Schmuckteilen aus dem SchatWeiterlesen

Schmuck der Völkerwanderungszeit
Die Adlerfibel ist ein Teil des Schatzes von Domagnano in der Republik San Marino, der 1893 gefunden wurde. Sie entstand um 500 n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Funden der Völkerwanderungszeit. Sie besteht aus Gold, welches in Zellentechnik verarbeitet wurde. In die Zellen sind vorwiegend dünn geschliffene Plättchen aus Almandin, einer Granatart, eingelegt. In einigen der Zellen ist noch eine vergoldete Silberfolie erhalten, die den transparenten Edelstein zum Leuchten bringen sollte. Von insgesamt 21 Schmuckteilen aus dem Schatzfund gelangten acht in das Germanische Nationalmuseum – die Adlerfibel, ein Ohrring, fünf Anhänger eines Halskolliers und eine kleine zikadenförmige Fibel. Die anderen Stücke sind in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter das British Museum und der Louvre Abu Dhabi.

Die Mode der Ostgoten
Eine Fibel ist eine Art Brosche, mit deren Nadel man einen Umhang verschließen kann. Zur Adlerfibel gab es ein Gegenstück. Die beiden wurden mit einer Kette verbunden und dienten als edler Mantelverschluss. Die Besitzerin des kostbaren Schmuckes war eine Ostgotin aus dem Kreis um König Theoderich, welcher das Vorbild für Dietrich von Bern in der mittelalterlichen Heldendichtung war. Sein Regierungssitz war Ravenna, das nur ca. 70km von Domagnano entfernt liegt. Die Ostgoten waren ein germanischer Stamm, der das Weströmische Reich einnahm und von 493 bis 552 beherrschte. Für die ostgotische Oberschicht war vor allem die Mode des byzantinischen Hofes vorbildhaft.

Kultureller Austausch
Der Schmuck von Domagnano spiegelt den intensiven kulturellen Austausch in der Völkerwanderungszeit wider. Die einzelnen Schmuckstücke lassen gotische, römische und byzantinische Einflüsse erkennen. Die Adlerfibel ist ein anschauliches Beispiel. Der Adler war einerseits Zeichen der römischen Staatsmacht, andererseits steht er in der christlichen Symbolik für die Auferstehung der Seele und für das Bekenntnis zum christlichen Glauben. Auf der Brust trägt er ein Kreuz. Die Trägerin dieses Schmuckstücks gab sich also öffentlich als Christin zu erkennen. Die Ostgoten praktizierten eine Art des Christentums, die man Arianismus nennt. Die arianische Lehre bestritt die Wesensgleichheit von Gott, Sohn und Heiligem Geist.

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Freigeist Heine
Denkmäler sind mit Öffentlichkeit und kollektiver Erinnerung untrennbar verbunden. Nationen, Länder oder Städte stellen ihre Helden und Heldinnen auf einen Sockel, um damit an eine Person, ihr Handeln und Wirken auf und für die Gemeinschaft zu erinnern. Mit dieser kleinformatigen Figur des Dichters Heinrich Heine greift Theodor von Gosen auf eine Tradition zurück, Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft oder Philosophie als Sitzfiguren zu porträtieren. Mit der Feder in der Hand wirkt die kleine Bronze wie eine Momentaufnahme, als köWeiterlesen

Freigeist Heine
Denkmäler sind mit Öffentlichkeit und kollektiver Erinnerung untrennbar verbunden. Nationen, Länder oder Städte stellen ihre Helden und Heldinnen auf einen Sockel, um damit an eine Person, ihr Handeln und Wirken auf und für die Gemeinschaft zu erinnern. Mit dieser kleinformatigen Figur des Dichters Heinrich Heine greift Theodor von Gosen auf eine Tradition zurück, Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft oder Philosophie als Sitzfiguren zu porträtieren. Mit der Feder in der Hand wirkt die kleine Bronze wie eine Momentaufnahme, als könne man Heine beim Nachdenken zusehen. Die betonte Lässigkeit, mit der er zurückgelehnt den Kopf zur Seite neigt, zeigt uns einen Freigeist und eine Leichtigkeit, der Heine in der deutschen Literatur auch stilistisch ein Denkmal setzte. Der Person Heine stand Deutschland jedoch lange kritisch gegenüber.


Ein deutscher Dichter?
Heinrich Heine gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Infolge seiner Begeisterung für die französische Julirevolution zog Heine 1831 nach Paris. Als Anhänger der Revolution und scharfer Kritiker der deutschen Kleinstaaterei erhielt er ab 1833 zunächst in Preußen Publikationsverbot, ab 1835 in allen Gebieten des Deutschen Bundes. Damit wurde Frankreich – der „Erbfeind“ Deutschlands –, für Heine zum Exil, wo er bis zu seinem Tod 1856 lebte. 1897 sollte in Heines Geburtsstadt Düsseldorf zum hundertsten Geburtstag ein Denkmal zu seinen Ehren errichtet werden. Dagegen regte sich allerdings erbitterter Widerstand. Denn spätestens seit dem Sieg über Frankreich und der deutschen Reichsgründung 1871 hatten Nationalismus und Deutschtümelei immer mehr zugenommen. Ein Denkmal für Heine sei ein Angriff gegen die „deutsche Art“. Er sei „durch und durch Jude, kein echter Deutscher“, sein Internationalismus eine „vaterlandslose Frivolität“.

Denkmal für zuhause
Die Ausführung des geplanten Denkmals, ein Loreley-Brunnen nach einem Entwurf von Ernst Herter, wurde auf deutschem Boden verhindert. Eine Initiative des deutschen Sängervereins Arion in New York engagierte sich schließlich für die Umsetzung, sodass der Brunnen im Stadtteil Bronx in einem kleinen Park aufgestellt und 1899 eingeweiht wurde. Eine öffentliche Ehrung Heines in Deutschland war hingegen unmöglich und konnte letztlich nur im privaten Umfeld stattfinden. 1898 setzte Theodor von Gosen seine knapp 44 cm hohe Arbeit ohne Auftrag und als Zimmerdenkmal um. Diese Denkmalform ist Ausdruck eines sich emanzipierenden Bürgertums, das im häuslichen Bereich eine persönliche Kultur des Erinnerns pflegte.

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Eine Heizung als Schauobjekt
Kachelöfen sind eine Erfindung des Mittelalters. Spätestens im 15. Jahrhundert setzten sie sich als neue Form der Raumheizung durch. Sie waren Teil der Innenausstattung von Wohnstuben Weiterlesen

Eine Heizung als Schauobjekt
Kachelöfen sind eine Erfindung des Mittelalters. Spätestens im 15. Jahrhundert setzten sie sich als neue Form der Raumheizung durch. Sie waren Teil der Innenausstattung von Wohnstuben und offiziellen Räumen und dienten gleicher­maßen dem Raumschmuck als auch der Repräsentation. Entsprechend kunstvoll ist meist ihre Gestaltung, wie bei diesem Ofen: Fast vollständig ist er aus glasierten Kacheln in leuchtenden Farben aufgebaut. Auf den Figurenfeldern erkennt man verschiedene Apostel, die Wappen verweisen auf den Würzburger Bischof Lorenz von Bibra, Würzburger Domherren, die Stadt Ochsenfurt und fränkische Adelsfamilien.
Die Bildmotive geben einen Hinweis auf die Herkunft des Kachelofens. Er stammt aus dem ehemaligen Amtshaus des Würzburger Domkapitels in Ochsenfurt, dem heutigen Rathaus. Damals verband sich kirchliche und weltliche Macht an diesem Ort, denn die Mitglieder des Domkapitels hatten gleichzeitig die Herrschaft über die Stadt inne. Auch wenn einige der Kacheln später ergänzt wurden, ist ein solcher, fast vollständig erhaltener Kachelofen aus dieser frühen Zeit eine Seltenheit.

Der Luxus von Wärme
Kachelöfen hielten zunächst Einzug in die Häuser der Oberschicht, in Adelsresidenzen, Klöster, Rat- und Kaufmannshäuser. Sie waren vor allem in den mittelalterlichen Städten verbreitet, bis sie mehr und mehr auch die Bauernstuben der ländlichen Gegenden erreichten.
Mit ihrer langanhaltenden Wärme bedeuteten Kachelöfen eine erhebliche Verbesserung der Wohnqualität. Zuvor nutzte man zum Heizen fast ausschließlich offene Kamine. Diese leiteten einen Großteil der Wärme ungenutzt durch den Schornstein ab, zudem zog ihr Rauch oft in die Stuben. Ein Kachelofen dagegen ist so konstruiert, dass der Rauch lange in der Heizkammer gehalten wird, bevor er auf der Rückseite durch die Wand in Küche oder Flur geleitet wird. Die oft mit Modeln hergestellten Kacheln hatten auch eine praktische Funktion: Die plastisch gestalteten Schmuckreliefs vergrößerten die Oberfläche, so dass der Ofen deutlich mehr Wärme nach außen abgab.

Brandschutz
Die geschlossene Konstruktion von Kachelöfen hatte vor allem in den eng bebauten Städten noch einen weiteren Vorteil. Jede offene Feuerstelle im Haus erhöhte die Gefahr eines Wohnungsbrandes, der schnell zum Flächenbrand werden konnte. In den winkligen Gassen mit ihren meist aus Holz konstruierten Häusern verbreitete sich Feuer in Windeseile. Die Einführung von Kachelöfen reduzierte diese Gefahr erheblich und trug zur Sicherheit der Bewohner bei.

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Ein individuelles Bildnis
Das Bildnis des Grafen Georg von Löwenstein ist eines der frühesten erhaltenen Porträts eines deutschen Malers. In verblüffender Naturtreue erfasst es die individuellen Züge des greisen Klerikers. Die gealterte Haut, das schütter werdende Haar und die an der Schläfe hervortretende Ader wurden vom Maler genauestens beobachtet und mit feinem Pinselstrich wiedergegeben. Der so lebensnah dargestellte Georg von Löwenstein stammte aus einer fränkischen Adelsfamilie und war ein einflussreicher Domherr in Bamberg…Weiterlesen

Ein individuelles Bildnis
Das Bildnis des Grafen Georg von Löwenstein ist eines der frühesten erhaltenen Porträts eines deutschen Malers. In verblüffender Naturtreue erfasst es die individuellen Züge des greisen Klerikers. Die gealterte Haut, das schütter werdende Haar und die an der Schläfe hervortretende Ader wurden vom Maler genauestens beobachtet und mit feinem Pinselstrich wiedergegeben. Der so lebensnah dargestellte Georg von Löwenstein stammte aus einer fränkischen Adelsfamilie und war ein einflussreicher Domherr in Bamberg.

Blickwechsel
Zu dem Porträt gehörte ursprünglich ein zweites Gemälde, das sich heute im Kunstmuseum Basel befindet. Es zeigt Christus als Schmerzensmann mit den Wundmalen seiner Kreuzigung. Die beiden Tafeln waren durch Scharniere zu einem aufklappbaren Bildpaar verbunden, einem sogenannten Diptychon. Öffnete man sie, traten Christusdarstellung und Porträt in direkte Beziehung: Georg von Löwenstein, der beim Lesen in seinem Gebetbuch inne zu halten scheint, richtet seinen Blick direkt auf den Erlöser. Durch die Gegenüberstellung hat er den Gegenstand seiner inneren Betrachtungen gleichsam vor Augen. Der Schmerzensmann wurde im Mittelalter als Verkörperung von Gottes Barmherzigkeit interpretiert. Mit ihm verbunden ist die Hoffnung der Menschen auf ein gnädiges Urteil über die Seele nach dem Tod. Deshalb wird vermutet, dass Löwenstein das Bildnis anlässlich seiner Testamentssetzung 1456 in Auftrag gab.

Eine neue Bildgattung entsteht
Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert finden sich in der Malerei Europas die ersten eigenständigen Porträts. Die frühesten überlieferten Beispiele zeigen ausschließlich Angehörige des Hochadels. Im 15. Jahrhundert ließen sich dann zunehmend auch Angehörige des niederen Adels, des Klerus und der städtischen Oberschicht im Porträt darstellen. Ihr Bedürfnis war es, der eigenen Person Bedeutung zu verleihen und ein Andenken zu sichern. Häufig standen diese Bildnisse in einem religiösen Zusammenhang. Bei dem Bildnis Löwensteins wird dies durch die Gegenüberstellung mit Christus deutlich.
Hans Pleydenwurff kam mit seiner detailgenauen Wiedergabe dem Wunsch nach persönlicher Repräsentation entgegen. Die entscheidenden Anregungen für den realistischen Malstil des Löwenstein-Bildnisses hat er wohl direkt in den Niederlanden erworben. Seine Werkstatt übernahm später Michael Wolgemut, der wiederum zum Lehrer von Albrecht Dürer wurde.
 

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Abhilfe für steife Beine
Was auf den ersten Blick wie eine Beinrüstung erscheint, ist tatsächlich ein medizinisches Hilfsmittel aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauweise und sein Aussehen leiten sich vom Harnisch, besser bekannt als Ritterrüstung, ab. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die offene Rückseite. Reste von Lederriemen lassen erkennen, dass man das Bein auf der Hinterseite festzurren konnte. Wahrscheinlich schützte ein ledernes Futter vor Reibung. Das Harnischinstrument erzielte seine therapeutische Wirkung durch die beiden seitlich Weiterlesen

Abhilfe für steife Beine
Was auf den ersten Blick wie eine Beinrüstung erscheint, ist tatsächlich ein medizinisches Hilfsmittel aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauweise und sein Aussehen leiten sich vom Harnisch, besser bekannt als Ritterrüstung, ab. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die offene Rückseite. Reste von Lederriemen lassen erkennen, dass man das Bein auf der Hinterseite festzurren konnte. Wahrscheinlich schützte ein ledernes Futter vor Reibung. Das Harnischinstrument erzielte seine therapeutische Wirkung durch die beiden seitlich befestigten Schrauben. Drehte man sie, so bewegten sich Ober- und Unterteil näher aufeinander zu – das Knie wurde gebeugt. Dadurch konnte man ein versteiftes Bein über viele Tage hinweg wieder beweglich machen. Zur Vorbereitung wurde eine Behandlung mit Wärme und Pflanzenextrakten empfohlen. Die zusätzlichen Schrauben auf der Kniekachel dienten dazu, die Kniescheibe zu stabilisieren. Das langsame Strecken versteifter Glieder findet bis heute medizinische Anwendung und ist als Quengeln bekannt, die Hilfsmittel dafür heißen Quengelschienen oder -orthesen.

Handwerkliche Arbeitsteilung
Das Harnischinstrument wurde mit Sicherheit als therapeutisches Gerät hergestellt und nicht aus dem Beinzeug einer Rüstung umgearbeitet. Dafür sprechen beispielsweise die spezifische Länge, sowie die symmetrische Bauart, die eine Verwendung an beiden Beinen erlaubte. Zwar ist nicht bekannt, wer das Harnischinstrument herstellte, jedoch kann man annehmen, dass es ein Plattner war, der auch Rüstungen anfertigte. Plattner beherrschten das spannungsfreie Treiben sowie gegebenenfalls Härten von Blechen. Die Orthese ist reich mit detaillierten Ätzungen verziert und stellenweise vergoldet. Ätzmalerei war damals ein eigener Berufszweig.

Sächsische Herkunft?
Am Oberschenkel fallen zwei vergoldete Wappen auf, die von Putti gehalten und von Medaillons umrahmt werden. Es sind die Wappen von Sachsen und Dänemark. Im Jahr 1548 heirateten August von Sachsen (1526-1586) und Anna (1532-1585), Tochter von Christian III., dem König von Dänemark und Norwegen. Später, im Jahr 1553, wurde August Kurfürst von Sachsen und übernahm das kursächsische Wappen. Daher kann man das Harnischinstrument auf den Zeitraum zwischen 1553 und 1585/86 datieren. Die Kunstkammer, die August seit Mitte der 1550er Jahre aufbaute, enthielt auch repräsentative wissenschaftliche Instrumente. Laut eines Inventars von 1587 waren darunter auch mehrere Harnischinstrumente, jedoch ist nicht gesichert, dass das vorliegende Exemplar dazuzählte.

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