Blick in fremde Häuser
Puppenhäuser aus dem 17. Jahrhundert sind äußerst selten. Das GNM besitzt gleich vier Exemplare aus dieser Zeit, von denen das Stromersche Puppenhaus am besten erhalten ist. Der Name rührt von der letzten Besitzerfamilie hMehr

Blick in fremde Häuser
Puppenhäuser aus dem 17. Jahrhundert sind äußerst selten. Das GNM besitzt gleich vier Exemplare aus dieser Zeit, von denen das Stromersche Puppenhaus am besten erhalten ist. Der Name rührt von der letzten Besitzerfamilie her, weil die ursprünglichen Auftraggeber nicht bekannt sind. Am Giebel ist als Datierung 1639 vermerkt. Zwar erinnern einige architektonische Details an Nürnberger Häuser des 17. Jahrhunderts, jedoch ahmt das Puppenhaus kein reales Gebäude nach. Die einheitliche Größe der Wirtschaftsräume kann nicht der Wirklichkeit entsprechen. Die 15 Zimmer bieten dennoch einen einzigartigen Blick in das Alltagsleben gutbetuchter Kaufleute und Patrizier.

Spiel? Nein, Repräsentation!
Zum Spielen waren solche aufwendigen Puppenhäuser nicht gedacht. Sie waren Prunkstücke, die Gäste beeindrucken sollten, und vor allem didaktische Modelle. Der Idealhaushalt im Miniaturformat bereitete Kinder auf die spätere Haushalts- und Geschäftsführung vor. Der überwiegende Teil der mehr als 1000 Ausstattungsstücke stammt noch aus der Entstehungszeit des Puppenhauses.


Hülle und Fülle
Unten, neben dem großen Eingangsportal, liegen auf zwei Ebenen angeordnet die Wirtschafts- und Vorratsräume: der Stall ganz links und die Waschküche ganz rechts. Darüber sind die Schlafkammer der Mägde sowie die getäfelte Kinderstube mit Bettchen, Spielzeug und einem hölzernen Laufwagen. Im ersten Obergeschoss befindet sich im Treppenhaus ein großer Wäscheschrank und rechts davon die Küche mit offenem Feuer und hohem Rauchfang. Ihre üppige Ausstattung erinnert an die sogenannten Prangküchen, die gar nicht zum Kochen, sondern ausschließlich als Repräsentationsräume dienten. Links ist die komfortable Wohnstube zu sehen, die der Kachelofen im Winter wohlig erwärmte. Den Luxus eines Ofens gibt es auch im zweiten Obergeschoss: links im Schlafzimmer mit Himmelbett, Wiege und Waschkasten und rechts im Empfangsraum. Zu einem begüterten Patrizierhaushalt gehörte eine repräsentative Ausstattung mit qualitätsvoller Kunst. In den oberen Stockwerken sind daher Landschafts- und Jahreszeitengemälde sowie Tugend-Allegorien an den Wänden zu sehen.

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Papagei und Königin
Der reich bemalte dreibeinige Klapptisch aus den Niederlanden, dort als „flap-aan-de-wand“ bezeichnet, hat eine zwölfeckige Tischplatte. Ein auf einem Kirschbaum sitzender Papagei im Blumenkranz schmückt die Oberseite. Auf der UnterseMehr

Papagei und Königin
Der reich bemalte dreibeinige Klapptisch aus den Niederlanden, dort als „flap-aan-de-wand“ bezeichnet, hat eine zwölfeckige Tischplatte. Ein auf einem Kirschbaum sitzender Papagei im Blumenkranz schmückt die Oberseite. Auf der Unterseite ist die alttestamentarische Szene des Besuchs der Königin von Saba bei König Salomo gemalt. Lehnte der Tisch zusammengeklappt an der Wand, sah der Betrachter die biblische Darstellung. Als Vorlagen dafür dienten Handwerkern Bilderbibeln. Möbel mit alttestamentarischen Szenen waren typisch für die Hindelooper Wohnkultur und erlebten ihre Blütezeit zwischen 1740 und 1780.

Von Deko und Genre
Diesen Tisch erwarb der Sammler und Zoologe Oskar Kling (1851–1926), der das Germanische Nationalmuseum um 1900 maßgeblich beim Aufbau der damals im Entstehen begriffenen Abteilung „Bäuerliche Altertümer“, wie die Sammlung Volkskunde lange hieß, unterstützte. 1898 ließ er die Museumsbeamten wissen, dass gut bemalte Hindelooper Möbel kaum mehr zu haben seien und er in den Niederlanden solche Stücke für das GNM reserviert habe, „die leicht blos zur Zimmerdecoration weggekauft werden, z.B. einen schönen Tisch“. Hindelooper Möbel waren um 1900 als „Volkskunst“ Mode geworden und wurden bereits nachgeahmt. Maler nutzten sie gelegentlich auch als Anregung für niederländische Genredarstellungen.

Hindeloopen: Niederlande in a Nutshell
Der Tisch wurde Teil der ab 1902 im Museum ausgestellten „Hindelooper Stube“. Das am Ijsselmeer gelegene Städtchen hatte seine Blütezeit in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfahren und war vor allem durch dort lebenden Seefahrer, die der Handel nach Indien führte, zu Wohlstand gelangt. Seit der Weltausstellung 1878 in Paris war international das Interesse an der „Hindeloopen-Kultur“ gewachsen. Dort wurde ein begehbares Zimmer gezeigt, das für viel Aufsehen sorgte. Dieses war bereits ein Jahr zuvor in den Niederlanden selbst in einer Ausstellung in Leeuwarden mit großem Erfolg gezeigt worden. Um 1900 hatte sich die Hindelooper Sachkultur, in Räumen zusammengestellt, zum nationalen Symbol der Niederlande schlechthin entwickelt. Museen in Düsseldorf, Berlin und Nürnberg bemühten sich um entsprechende Einrichtungsgegenstände. Im GNM war man stolz, als südlichstes Museum eine „Hindelooper Stube“ präsentieren zu können, nicht zuletzt, um die Wohnkultur der „urdeutschen Westfriesen“ zu visualisieren. In ihren Sachzeugnissen glaubte die Wissenschaft, Reste germanischer Vorzeit entdecken zu können. Damals orientierte man sich beim Zeigen der sogenannten Volksaltertümer an eine Gliederung nach Stämmen und Regionen.
 

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Ein besonderes Geschenk
Wie viele Rüstungen in der Sammlung des GNM war dieser Plattenharnisch für das Turnier bestimmt. Er gehörte zu einer Serie von sechs gleichartigen Harnischen mit Zusatzstücken für verschiedene Disziplinen. In Auftrag Mehr

Ein besonderes Geschenk
Wie viele Rüstungen in der Sammlung des GNM war dieser Plattenharnisch für das Turnier bestimmt. Er gehörte zu einer Serie von sechs gleichartigen Harnischen mit Zusatzstücken für verschiedene Disziplinen. In Auftrag gegeben hat ihn die sächsische Kurfürstin Sophie als Geschenk für ihren Ehemann, Christian I. von Sachsen. Der turnierbegeisterte Kurfürst hatte in seiner Dresdner Residenz eigens einen Platz für Reiterspiele bauen lassen, der 1591 fertiggestellt wurde. Zu Weihnachten jenes Jahres sollte er die Rüstungen als Geschenk bekommen. Christian I. starb jedoch kurz vor dem Fest im Alter von nur 30 Jahren.

Aufgerüstet
Sowohl für das Turnier als auch die Feldschlacht wurden Rüstungen im 16. Jahrhundert als eine Art modularer Bausatz hergestellt. Diese sogenannte Harnischgarnituren konnten – je nach Kampfart oder Turnierdisziplin – zum besseren Schutz mit Zusatzteilen verstärkt werden. Die einzelnen Elemente waren mit Lederriemen verbunden, Schnallen ermöglichten einen raschen Austausch.
In der gezeigten Zusammenstellung ist der Harnisch speziell für den Turnierkampf zu Fuß konzipiert. Schultern und Fingerhandschuhe waren durch die vielen Glieder besonders beweglich, was für den Schwertkampf wichtig war. Da hierbei die Schläge vor allem von oben kamen, ist der Helm mit einem hohen Grat verstärkt. Die Schultern sind so gearbeitet, dass die Rüstung auch für den Reiterkampf geeignet war: Die rechte Schulter ist vor der Achselhöhle offen, so dass genügend Raum für eine Lanze blieb.

Handwerkliche Meisterleistung
Als der Plattenharnisch entstand, war die Blütezeit des Plattnerhandwerks bereits vorbei. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war zur Ausrüstung von großen Söldner­heeren vor allem schlichte Massenware für Hunderte von Fußsoldaten gefragt. Der in Augsburg tätige Anton Pfeffenhauser war einer der letzten großen Plattnermeister, der solche Maßanfertigungen schuf. Er veredelte das Metall mit einer technisch sehr schwierigen Bläuung. Dafür wird das polierte Blech gleichmäßig auf etwa 300°C erhitzt, bis die Oberfläche erst rötlich, dann blau anläuft. Zusammen mit den Blattranken in vergoldeter Ätzung zeigt Pfeffenhauser bei diesem Harnisch alle Raffinessen seiner Handwerkskunst.
 

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Ideal und Wahrheit
Ernst und mächtig – so tritt Kaiser Karl der Große (747/8–814) in Albrecht Dürers Bildnis auf. Deswegen wurde es schon oft mit Darstellungen Gottvaters verglichen. Bis heute ist die Vorstellung Kaiser Karls des Großen von diesem GemäldMehr

Ideal und Wahrheit
Ernst und mächtig – so tritt Kaiser Karl der Große (747/8–814) in Albrecht Dürers Bildnis auf. Deswegen wurde es schon oft mit Darstellungen Gottvaters verglichen. Bis heute ist die Vorstellung Kaiser Karls des Großen von diesem Gemälde geprägt. Jedoch heißt es in der Inschrift auf dem Rahmen, dass das Bild der „wahren Gestalt“ Karls nur ähnlich sei. Von dessen Tod bis zur Entstehung von Dürers Werk vergingen fast 700 Jahre. Realitätsgetreue zeitgenössische Porträts Karls des Großen, die Dürer als Vorlage hätten dienen können, gab es nicht.

Der Gründervater des Reichs
Karl der Große trägt die wichtigsten Krönungsinsignien an seinem Körper – die Krone des Heiligen Römischen Reichs, den Krönungsmantel, das Zeremonienschwert, den Reichsapfel und weitere mehr. Heute weiß man, dass alle erst nach seinem Tod entstanden. Ob dies den Zeitgenossen Dürers bewusst war, ist unklar und wohl auch nebensächlich: Es ging vielmehr darum, Karl den Großen als Gründervater des Heiligen Römischen Reichs zu inszenieren und durch die Herrschaftszeichen eine materielle Verbindung zu ihm herzustellen. Alle dargestellten Krönungsinsignien wurden zu diesem Zeitpunkt in Nürnberg aufbewahrt. Da Karl der Große heiliggesprochen war, galten die Objekte als Berührungsreliquien.

Verehrung des Kaisers
Als Dürer vom Rat der Stadt Nürnberg den Auftrag erhielt, dieses Bild und sein Gegenstück (Gm168), das Bildnis des Kaisers Sigismund, zu malen, sollten die beiden als Türen eines Wandschranks bzw. Schreins im Schopperhaus am Nürnberger Hauptmarkt dienen. Für eine Nacht im Jahr befanden sich darin die Reichskleinodien, bestehend aus Krönungsinsignien und den wichtigsten Reliquien des Reichs, bevor sie bei der Heiltumsweisung auf dem Hauptmarkt präsentiert wurden. Die Reichskleinodien, Zeichen der Macht des Heiligen Römischen Reichs, wurden von 1424 bis 1796 in Nürnberg aufbewahrt, was die Stadt immens aufwertete. Die meiste Zeit waren sie verschlossen im Heiltumsschrein (KG187), welcher sich in der Kirche des Heilig-Geist-Spitals befand. Nur während der Heiltumsweisung durfte die Bevölkerung die Reichskleinodien sehen. Gleichzeitig konnten die Menschen einen Ablass erwerben und so ihre Zeit im Fegefeuer verkürzen. Mit der Einführung der Reformation in Nürnberg endete diese Praxis. Damit verloren auch die Kaiserbilder ihre ursprüngliche Funktion und wurden ab 1526 im Rathaus ausgestellt. Dort konnten sie nur wichtige Gäste sehen. Die Stadt Nürnberg ließ in Einzelfällen Kopien der Gemälde anfertigen, die sie zu diplomatischen Anlässen verschenkte.

Verbleib in Nürnberg

Eigentlich hatten sich um das Jahr 1600 der habsburgische Kaiser Rudolf II. und der Wittelsbacher Kurfürst Maximilian I. von Bayern zum Ziel gesetzt, so viele Werke Dürers wie möglich zu kaufen. Dem von ihnen ausgeübten politischen Druck ist es geschuldet, dass fast alle Werke von Dürer aus Nürnberg verschwanden. In Verhandlungen mit Rudolf II. kamen die Kaiserbilder ins Spiel, aber sie „wurden nit begert, weil schlechte Kunst daran“. Aufgrund dieses Urteils befinden sich die Kaiserbildnisse bis heute im Besitz des ursprünglichen Auftraggebers, der Stadt Nürnberg.

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(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steMehr

(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblasene Glas besticht durch seine komplexe Farbgebung und seine verspielte Form. Von antiken römischen Gläsern bezog der Firmengründer Louis Comfort Tiffany die Idee für die irisierende Oberflächenbehandlung. Den perlmuttartigen Glanz erzielte er durch Beimischung von Metallsalzen in die Glasschmelze.

Handwerk und Einzelstück
Auch wenn sein Unternehmen später noch weitere Luxusgüter produzierte, wurde Tiffany zunächst für seine Glasarbeiten weltberühmt. Dazu zählte nicht nur Trinkgeschirr, sondern vor allem Bleiglasfenster und -lampenschirme. Tiffanys Firma expandierte zwar rasant, jedoch war es ihm wichtig, dass seine Glaserzeugnisse handgemacht waren und auch so aussahen. Im Zeitalter der fortschreitenden Massenproduktion hatte die manuelle Fertigung einen luxuriösen und nostalgischen Touch. Tiffany prägte daher den Begriff „Favrile-Glas“ als Kennzeichen seiner Marke. Das Wort stammt von lateinisch „fabrilis“ ab und bedeutet handgemacht.

Vom Malereistudenten zum Geschäftsmann
Da Tiffany in eine reiche Familie geboren wurde, konnte er sich eine lange und intensive künstlerische Ausbildung leisten. Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Europa und Nordafrika und studierte bei mehreren profilierten Landschaftsmalern. Erst nachdem er sein Glasunternehmen schon aufgebaut hatte, übernahm Tiffany auch noch den Juwelierbetrieb seines Vaters. Dadurch entstand ein Imperium, welches bis heute den Luxusgütermarkt prägt.

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Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten unMehr

Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten und sie dennoch angemessen kleiden, Luft zur Kühlung durchlassen und waschbar sein. Die beiden letzten Ziele erreichte man, indem man Baumwollstoff verwendete. Jedoch ist der Anzug keineswegs ohne Zier: Die weißen Linien, Paspelierung genannt, waren bereits aus der Bademode vertraut. Unter dem Kragen ist eine Raute mit vier gegenständigen „F“ eingestickt. Sie ist das Emblem der Deutschen Turnerschaft und bildet sich aus dem Kürzel des Mottos „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“.

Turnende Frauen
Die Trägerin des Anzugs war Hedwig Sandhagen aus der Hansestadt Uelzen. Sie war ungefähr 17 Jahre alt, als der Anzug entstand. Sie gehörte einer Generation an, für die das Turnen fast selbstverständlich war. Schon in den 1860er Jahren hatte es sich im Schulsport durchgesetzt. Jedoch war es noch bis in die 1920er Jahre verpönt, wenn erwachsene Frauen ernsthaft Sport betrieben und an Wettbewerben teilnahmen. Besonders ihre Kleidung erregte oft Anstoß. Frauen in Hosen wurden als Mannweiber bezeichnet, oder man warf ihnen Ehrlosigkeit vor, weil sie ihre Beine nicht unter einem bodenlangen Rock versteckten. Die Turnerinnen des späten 19. Jahrhunderts trugen meist noch einen zumindest knielangen Rock über ihren Hosen. Später ließ man den Rock weg und ersetzte ihn durch einen halblangen Kittel, so wie bei dem vorliegenden Anzug.

Die Abschaffung des Korsetts
Man kann also sagen, dass die Sportkleidung wichtige Impulse für die Erneuerung der Frauenkleidung gab. Gleiches gilt für die Lebensreform-Bewegung. Sie hatte zum Ziel, das menschliche Leben wieder näher an seinen Naturzustand zurück zu führen. Während die Kleidungsreform sich zunächst auf die Männer konzentrierte, gründeten Frauen in den Jahren 1896 und 1903 Vereine zur Verbesserung der Frauenkleidung. Ihr vorrangigstes Ziel, die Abschaffung des gesundheitsschädlichen Korsetts, konnten die Frauen an vielen Orten umsetzen. Zum Beispiel wurde 1907 in Preußen das Korsett im Schulsport verboten.
 

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Ein vollständiges Set
Die beiden Jakobsmuscheln verraten, wofür dieser Reitermantel benutzt wurde: Es handelt sich um den wasserabweisenden Überwurf eines Pilgers. Er bildet ein Set zusammen mit einem Wollfilzmantel (Mehr

Ein vollständiges Set
Die beiden Jakobsmuscheln verraten, wofür dieser Reitermantel benutzt wurde: Es handelt sich um den wasserabweisenden Überwurf eines Pilgers. Er bildet ein Set zusammen mit einem Wollfilzmantel (T550), einem Hut (T552), einem Pilgerstab (T554) und einem Rosenkranz (KG303). All diese Gegenstände gehörten Stephan III. Praun aus Nürnberg. Auf einem Bild, welches wohl erst nach seinem Tod entstand, sieht man ihn – mit leichten Abweichungen – in der ganzen Garnitur (Gm655). Der schwarze Ledermantel ist kreisrund geschnitten, hat einen Stehkragen und hinten einen „Reiterschlitz“, der die Bewegungsfreiheit des Trägers erhöhte. Er ist vergleichbar mit spanischen Reitermänteln dieser Zeit, wenn auch nicht sicher belegt ist, dass alle Teile der Garnitur in Spanien hergestellt wurden.

Gründe für die Pilgerreise
Der 26-jährige Protestant Stephan III. Praun hielt sich 1570 am spanischen Königshof in Madrid auf und begann von dort aus per Pferd seine Pilgerreise nach Santiago de Compostela. An diesem wichtigsten Pilgerort (West-) Europas befindet sich die Grabstätte des Apostels Jakobus des Älteren. Der lange, beschwerliche Weg war für die Gläubigen gleichermaßen eine Prüfung wie auch eine Chance, für ihr Seelenheil vorzusorgen. Eigentlich hatte Luther das Wallfahrtswesen kritisiert. Dennoch nahmen auch viele Angehörige des protestantischen Glaubens den Weg auf sich. Vermutlich spielte gesellschaftlicher Statuszuwachs bei dieser Entscheidung eine Rolle.

Die Jakobsmuschel
Pilgernde schmückten sich nach ihrer Rückkehr gerne mit den Abzeichen ihrer Reise. Das wichtigste Symbol ist bis heute die Jakobsmuschel. Ihre fächerförmigen Rippen wurden immer wieder verglichen mit einer vereinfachten Darstellung der Pilgerwege, die in Santiago de Compostela münden. Noch bis heute werden die Jakobswege mit einem gelben Strahlenkranz ausgeschildert, der an die Rippen auf der Jakobsmuschel erinnert. Außerdem sollen Pilgerreisende die Muscheln als Trinkschalen verwendet haben.

Seltene Relikte
Kleidung aus der Zeit vor dem 18. Jahrhundert hat sich selten erhalten. Oft wurde sie bis aufgetragen oder aber umgearbeitet. UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Schädlingsbefall verursachen Schäden an Textilien. Umso erstaunlicher ist es, dass diese Garnitur komplett erhalten blieb, und sogar die Biografie ihres Besitzers bekannt ist.
 

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Ein ungewöhnlicher Fundort
Dieser kleine Silberbecher des ausgehenden 8. Jahrhunderts wurde 1928 bei Pettstadt in der Nähe von Bamberg aus der Regnitz ausgebaggert. Wie er in den Fluss kam, ist nicht geklärt. Das Stück ist aufwändig dekoriert. Vergoldete OrnameMehr

Ein ungewöhnlicher Fundort
Dieser kleine Silberbecher des ausgehenden 8. Jahrhunderts wurde 1928 bei Pettstadt in der Nähe von Bamberg aus der Regnitz ausgebaggert. Wie er in den Fluss kam, ist nicht geklärt. Das Stück ist aufwändig dekoriert. Vergoldete Ornamentstreifen liegen kreisförmig um den oberen Rand sowie die Standfläche des Bechers. Vier senkrechte Streifen verbinden die beiden Kreise. Ihr Dekor besteht aus verschlungenem pflanzlichen Flechtwerk, vermutlich Weinranken, in die stilisierte Tiere eingeflochten sind. Mit bloßem Auge sind diese stark abstrahierten Ornamente jedoch kaum zu erkennen. Derartige Ornamente finden sich auf dem europäischen Festland vor allem an Kunstobjekten aus der Regierungszeit Karls des Großen. Ihr Ursprung liegt in nordenglischen Vorbildern des späten 7. und 8. Jahrhunderts, die im Zuge der angelsächsischen Mission auf den Kontinent gelangten.


Kein gewöhnlicher Becher
Der Silberbecher wurde ursprünglich mit einem Deckel verschlossen. Die aufstrebenden Ornamentstreifen ähneln Säulen. Sie wirken wie architektonische Stützen des Deckels, so dass der Eindruck eines kleinen überdachten Rundtempels entsteht. Solche Rundtempel tauchen in der Kunst der Karolingerzeit wiederholt als Zeichen des himmlischen Jerusalem, als Bild des Heiligen Grabes oder als Lebensbrunnen auf. Die Verbindung von Tier- und Pflanzenmotiven im Rankenwerk deutet auf den christlichen Lebensbaum hin. Dies deckt sich mit der Vermutung, dass der Becher ein sakrales Objekt war, eine sogenannte Pyxis zur Aufbewahrung der geweihten Hostien für den Gottesdienst.

Die Slawenmission

Nach Pettstadt könnte der Becher am Ende des 8. Jahrhunderts im Rahmen der Slawenchristianisierung gelangt sein, die Karl der Große initiiert hatte. Zwischen Main und Regnitz, im heutigen Nordostbayern, lebten damals heidnische Slawen. Karl der Große beauftragte den Bischof von Würzburg mit ihrer Missionierung. Gleichzeitig festigte er damit den östlichen Rand seines Reiches.
 

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Beschützerin der Kunst
Die römische Göttin Minerva – bei den Griechen bereits als Athene verehrt – galt in der antiken Mythologie als Hüterin des Wissens und Göttin der Weisheit. Darüber hinaus sprach man ihr auch Einfluss auf die Geschicke Mehr

Beschützerin der Kunst
Die römische Göttin Minerva – bei den Griechen bereits als Athene verehrt – galt in der antiken Mythologie als Hüterin des Wissens und Göttin der Weisheit. Darüber hinaus sprach man ihr auch Einfluss auf die Geschicke des Staates und die taktische Kriegsführung zu. Entsprechend wehrhaft ist sie hier mit einem prächtigen Federhelm, einem Schuppenpanzer und wadenhohen Stiefeln ausgerüstet. Ihr Schild ist mit dem Haupt der Medusa geschmückt, dessen Anblick der Sage nach alle Gegner zu Stein erstarren ließ.
An der Hand führt sie einen Knaben, der vertrauensvoll zu ihr aufschaut. Mit dem Buch und einer Zeichenrolle unter dem Arm ist er als Verkörperung der Künste dargestellt. Weitgehend unbekleidet und wehrlos vertraut er sich der sicheren Führung der Schutzgöttin an.

Die Leichtigkeit des Rokoko
Die über drei Meter hohe Skulptur war eine von mindestens zwölf Darstellungen mythologischer Götter und Heroen im Park von Schloss Seehof bei Bamberg. Geschaffen hat sie der aus Böhmen stammende Bildhauer Ferdinand Tietz (1708-1777). Mit 28 Jahren war er nach Würzburg gekommen, wo er neben Arbeiten an der neuen Residenz auch kirchliche und bürgerliche Aufträge übernahm. Nach seiner Übersiedlung ins nahe gelegene Bamberg wurde er zum Hofbildhauer des dortigen Fürstbischofs. Tietz betrieb eine große Werkstatt mit fünf Gesellen und gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des süddeutschen Rokoko. Für den Zeitstil typisch sind die leichte, tänzerische Wendung des Körpers und die gebauschten, die Figur in weiten Bögen umspielenden Gewänder.

Garten der Götter
Schloss Seehof war die Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe und diente vor allem als Jagdschloss. Die weitläufigen Parkanlagen, für die auch die Skulpturen geschaffen wurden, bildeten mit ihren Orangerien, Fontänen Alleen, Hecken und Terrassen ein besonderes Gartenkunstwerk. Sie waren nicht so sehr an französische Vorbilder angelehnt, die auf die Repräsentation absolutistischer Macht abzielten, sondern an die sehr viel intimer gestalteten Gärten italienischer Villen oder holländischer Anlagen. Der Garten lud ein zum Lustwandeln, zu Rückzug und Muße. Er konnte aber auch ein Ort der Repräsentation sein und bot dann die reizvolle Kulisse für Feste und Veranstaltungen. Eine Skulptur wie die der Minerva war Teil dieser Inszenierung. Als Schutzpatronin der Künste war sie ein Sinnbild der Kunst- und Wissenschaftsförderung der Bamberger Fürstbischöfe.
 

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