(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steMehr

(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblasene Glas besticht durch seine komplexe Farbgebung und seine verspielte Form. Von antiken römischen Gläsern bezog der Firmengründer Louis Comfort Tiffany die Idee für die irisierende Oberflächenbehandlung. Den perlmuttartigen Glanz erzielte er durch Beimischung von Metallsalzen in die Glasschmelze.

Handwerk und Einzelstück
Auch wenn sein Unternehmen später noch weitere Luxusgüter produzierte, wurde Tiffany zunächst für seine Glasarbeiten weltberühmt. Dazu zählte nicht nur Trinkgeschirr, sondern vor allem Bleiglasfenster und -lampenschirme. Tiffanys Firma expandierte zwar rasant, jedoch war es ihm wichtig, dass seine Glaserzeugnisse handgemacht waren und auch so aussahen. Im Zeitalter der fortschreitenden Massenproduktion hatte die manuelle Fertigung einen luxuriösen und nostalgischen Touch. Tiffany prägte daher den Begriff „Favrile-Glas“ als Kennzeichen seiner Marke. Das Wort stammt von lateinisch „fabrilis“ ab und bedeutet handgemacht.

Vom Malereistudenten zum Geschäftsmann
Da Tiffany in eine reiche Familie geboren wurde, konnte er sich eine lange und intensive künstlerische Ausbildung leisten. Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Europa und Nordafrika und studierte bei mehreren profilierten Landschaftsmalern. Erst nachdem er sein Glasunternehmen schon aufgebaut hatte, übernahm Tiffany auch noch den Juwelierbetrieb seines Vaters. Dadurch entstand ein Imperium, welches bis heute den Luxusgütermarkt prägt.

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Der Wunsch nach ewigem Leben
Ursprünglich war die Skulptur, die heute aufrechtstehend präsentiert wird, als liegende Grabfigur entworfen worden. Die überlebensgroße Darstellung des Grafen Heinrich III. von Sayn zierte die Deckelplatte seines Hochgrabs in Mehr

Der Wunsch nach ewigem Leben
Ursprünglich war die Skulptur, die heute aufrechtstehend präsentiert wird, als liegende Grabfigur entworfen worden. Die überlebensgroße Darstellung des Grafen Heinrich III. von Sayn zierte die Deckelplatte seines Hochgrabs in der Prämonstratenserabtei Sayn. Die Abtei war von seinen Vorfahren gestiftet worden und liegt am Fuß des Familienstammsitzes nahe Koblenz. Der 1247 verstorbene war einer der mächtigsten Herrscher am Mittel- und Niederrhein. Ihm unterstanden mehrere Grafschaften und bedeutende rheinische Stifte.

Wie in der nordeuropäischen Kunst üblich, erscheint der Graf liegend, aber mit geöffneten Augen. Auf diese Weise veranschaulichte man den christlichen Glauben an das ewige Leben. Über seinem auf Kissen gebetteten Kopf bilden die Mauern und Türme einer Stadt einen Baldachin. Sie verkörpern das Himmlische Jerusalem, in das die Toten am Ende aller Tage Eingang finden sollen. Löwe und Drache unter den Füßen des Verstorbenen sind als Zeichen der überwundenen Welt und des Bösen zu verstehen.

Weltlicher Glanz
Heute lässt sich kaum noch ahnen, wie prunkvoll die Grabfigur einst ausgesehen hat. Die ursprüngliche Bemalung ist nicht mehr erhalten. Winzige Farbpartikel in der Holzoberfläche lassen allerdings Rückschlüsse auf die farbige Gestaltung der Skulptur ziehen. Der Dargestellte trug einst ein prächtiges goldgemustertes Gewand, darüber einen roten Mantel mit weißem Pelzfutter. Ein hellblauer Gürtel mit goldener Schnalle, ein rot-grün gemustertes Almosentäschchen, schwarze Schuhe und der rote Blütenkranz auf seinem Haupt vervollständigten die repräsentative Erscheinung des Grafen.

Im Tod vereint
Was die Grabfigur neben ihrer monumentalen Größe und ihrer kunstvollen Ausführung so besonders macht, ist das Kind an der Seite des Verstorbenen. Dargestellt ist die Tochter des Grafen, die nur kurze Zeit nach ihm starb. Offenbar wollte Heinrichs Witwe damit die Legitimität ihrer Tochter bezeugen, was für die Erbfolge von Bedeutung war. Ein Grabmal, auf dem Eltern und Kinder gemeinsam dargestellt werden, ist einzigartig in der Kunst der damaligen Zeit.
 

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Papagei und Königin
Der reich bemalte dreibeinige Klapptisch aus den Niederlanden, dort als „flap-aan-de-wand“ bezeichnet, hat eine zwölfeckige Tischplatte. Ein auf einem Kirschbaum sitzender Papagei im Blumenkranz schmückt die Oberseite. Auf der UnterseMehr

Papagei und Königin
Der reich bemalte dreibeinige Klapptisch aus den Niederlanden, dort als „flap-aan-de-wand“ bezeichnet, hat eine zwölfeckige Tischplatte. Ein auf einem Kirschbaum sitzender Papagei im Blumenkranz schmückt die Oberseite. Auf der Unterseite ist die alttestamentarische Szene des Besuchs der Königin von Saba bei König Salomo gemalt. Lehnte der Tisch zusammengeklappt an der Wand, sah der Betrachter die biblische Darstellung. Als Vorlagen dafür dienten Handwerkern Bilderbibeln. Möbel mit alttestamentarischen Szenen waren typisch für die Hindelooper Wohnkultur und erlebten ihre Blütezeit zwischen 1740 und 1780.

Von Deko und Genre
Diesen Tisch erwarb der Sammler und Zoologe Oskar Kling (1851–1926), der das Germanische Nationalmuseum um 1900 maßgeblich beim Aufbau der damals im Entstehen begriffenen Abteilung „Bäuerliche Altertümer“, wie die Sammlung Volkskunde lange hieß, unterstützte. 1898 ließ er die Museumsbeamten wissen, dass gut bemalte Hindelooper Möbel kaum mehr zu haben seien und er in den Niederlanden solche Stücke für das GNM reserviert habe, „die leicht blos zur Zimmerdecoration weggekauft werden, z.B. einen schönen Tisch“. Hindelooper Möbel waren um 1900 als „Volkskunst“ Mode geworden und wurden bereits nachgeahmt. Maler nutzten sie gelegentlich auch als Anregung für niederländische Genredarstellungen.

Hindeloopen: Niederlande in a Nutshell
Der Tisch wurde Teil der ab 1902 im Museum ausgestellten „Hindelooper Stube“. Das am Ijsselmeer gelegene Städtchen hatte seine Blütezeit in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfahren und war vor allem durch dort lebenden Seefahrer, die der Handel nach Indien führte, zu Wohlstand gelangt. Seit der Weltausstellung 1878 in Paris war international das Interesse an der „Hindeloopen-Kultur“ gewachsen. Dort wurde ein begehbares Zimmer gezeigt, das für viel Aufsehen sorgte. Dieses war bereits ein Jahr zuvor in den Niederlanden selbst in einer Ausstellung in Leeuwarden mit großem Erfolg gezeigt worden. Um 1900 hatte sich die Hindelooper Sachkultur, in Räumen zusammengestellt, zum nationalen Symbol der Niederlande schlechthin entwickelt. Museen in Düsseldorf, Berlin und Nürnberg bemühten sich um entsprechende Einrichtungsgegenstände. Im GNM war man stolz, als südlichstes Museum eine „Hindelooper Stube“ präsentieren zu können, nicht zuletzt, um die Wohnkultur der „urdeutschen Westfriesen“ zu visualisieren. In ihren Sachzeugnissen glaubte die Wissenschaft, Reste germanischer Vorzeit entdecken zu können. Damals orientierte man sich beim Zeigen der sogenannten Volksaltertümer an eine Gliederung nach Stämmen und Regionen.
 

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Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. DaMehr

Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. Das Prunkstück ist extrem detailreich, verdeutlicht symbolisch den gesellschaftlichen Status seines Besitzers und erfüllt außerdem praktische Zwecke. Der Versuch, all diesen Ansprüchen gleichzeitig zu genügen, ist typisch für Meisterwerke der Goldschmiedekunst um 1500.


Ein Hochseeschiff fernab vom Meer
Das Schiff lässt sich als Karacke identifizieren. Die charakteristischen Bestandteile einer Karacke sind drei Masten, ein bauchiger Rumpf, ein hoher Aufbau am Bug sowie ein hoher Aufbau am Heck, der bereits am Großmast beginnt. Diese Schiffsform war seit dem 14. Jahrhundert unersetzlich für den europäischen Handel und später auch für die koloniale Eroberung. Da Nürnberg zwar eine reiche Handelsstadt war, jedoch weit vom Meer entfernt lag, ist die extrem genaue Wiedergabe des Schiffs durch einen unbekannten Nürnberger Goldschmied besonders bemerkenswert.

Viel zu entdecken
Die zahlreichen Details machen den Tafelaufsatz zu einem unterhaltsamen Blickfang für die Festgäste. 74 Figuren bilden eine erstaunliche Bandbreite an Aktivitäten ab. Viele davon sind typisch für die Seefahrt, wie zum Beispiel das Beladen, die Arbeit an den Segeln oder die Feindesabwehr. Man findet jedoch auch unerwartete Figuren, wie eine Wäsche waschende Frau, einen Mönch mit Kutte, und einen Matrosen, der am Bordrand sein Hinterteil entblößt. Auf dem geblähten Segel – am vorderen, sogenannten Fockmast – findet sich das „N“ als Zeichen der Nürnberger Silberbeschau, das Qualitätssiegel der Nürnberger Silberproduktion. Der Drache am Bug des Schiffs sowie die Meerfrau im Sockel verleihen dem Tafelaufsatz eine fantastische Note.

Die Besitzer und Namensgeber
Das Schiff bezieht seinen Namen von der Nürnberger Familie Schlüsselfelder. Ihr Wappen mit drei Schlüsseln ist auf der Fahne am Fockmast, über dem geblähten Segel, zu sehen. Der Auftraggeber war wohl Wilhelm Schlüsselfelder der Ältere, der sein Vermögen im Silberbergbau und -handel verdient hatte, aber noch kein Angehöriger des Patriziats war. Silberne Schiffe auf einer Festtafel waren im Mittelalter ein Privileg des höchsten Adels. Dass ein Kaufmann ein solches Werk in Auftrag gab, zeigt das Selbstbewusstsein des städtischen Bürgertums am Anfang der Neuzeit. Auch das passgenaue Futteral (HG2148) ist erhalten.

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Göttlicher Geleitschutz
Die Figurengruppe verbildlicht die Geschichte von Tobias und dem Engel, die in den apokryphen Schriften des Alten Testaments überliefert ist. Tobias begibt sich darin auf eine gefahrvolle Reise, um das in der Ferne voMehr

Göttlicher Geleitschutz
Die Figurengruppe verbildlicht die Geschichte von Tobias und dem Engel, die in den apokryphen Schriften des Alten Testaments überliefert ist. Tobias begibt sich darin auf eine gefahrvolle Reise, um das in der Ferne von seinem Vater hinterlegte Vermögen zurückzuholen. Auf dessen Rat hin engagiert er einen Reisebegleiter als Geleitschutz. Er ahnt nicht, dass es sich dabei um den Erzengel Raphael handelt, der ihm unerkannt auf der Reise zur Seite steht. Unter anderem hilft er Tobias, im Fluss Tigris einen gefährlichen Fisch zu fangen. Dessen Gallenblase, die er von seiner Reise mit nach Hause bringt, hat heilkräftige Wirkung und gibt seinem erblindeten Vater das Augenlicht zurück.
Wie für Tobias ist Raphael auch für Betrachter der Figurengruppe nicht als Engel erkennbar, Veit Stoß hat ihn ohne Flügel dargestellt. Andere Details, die den erzählerischen Zusammenhang der Geschichte ursprünglich verbildlichten, gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Dazu gehört der Fisch, den Tobias an einer Schnur in seiner linken Hand bei sich trug, und die Dose mit der Fischgalle, die Raphael auf der erhobenen Hand präsentierte.

Ein spätes Meisterwerk
Veit Stoß hat wie bei vielen seiner Werke auf eine farbige Fassung des Holzes verzichtet. Doch obwohl man die Struktur des Lindenholzes erkennen kann, ist die Illusion der vom Wind gebauschten Stoffe beinahe perfekt. Mit seiner Schnitzkunst gewinnt er dem Material eine Leichtigkeit ab, die die ganze Meisterschaft des damals fast 70jährigen Künstlers offenbart. Als „miracolo di legno“, ein „Wunder aus Holz“, rühmte später der italienische Kunstschriftsteller Giorgio Vasari ein vergleichbares Werk von Veit Stoß in Florenz.

Export eines Bildthemas
Die 1516 geschaffene Figurengruppe war als Stiftung für die Nürnberger Dominikanerkirche bestimmt. Auftraggeber war der der aus Florenz stammende Fernhandelskaufmann Raffaelo Torrigiani, der sich mehrmals in der Reichsstadt aufgehalten hatte. Das in seiner Heimat verbreitete Bildthema war in der Kunst nördlich der Alpen weitgehend unbekannt. Bei der Wahl mag eine Rolle gespielt haben, dass es sich beim Erzengel Raphael um seinen Namenspatron handelt. Vor allem aber wollte der Kaufmann sich wohl – wie der junge Tobias – bei seinen weiten und gefährlichen Handelsreisen unter den Schutz einer göttlichen Macht stellen.
 

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Blick in fremde Häuser
Puppenhäuser aus dem 17. Jahrhundert sind äußerst selten. Das GNM besitzt gleich vier Exemplare aus dieser Zeit, von denen das Stromersche Puppenhaus am besten erhalten ist. Der Name rührt von der letzten Besitzerfamilie hMehr

Blick in fremde Häuser
Puppenhäuser aus dem 17. Jahrhundert sind äußerst selten. Das GNM besitzt gleich vier Exemplare aus dieser Zeit, von denen das Stromersche Puppenhaus am besten erhalten ist. Der Name rührt von der letzten Besitzerfamilie her, weil die ursprünglichen Auftraggeber nicht bekannt sind. Am Giebel ist als Datierung 1639 vermerkt. Zwar erinnern einige architektonische Details an Nürnberger Häuser des 17. Jahrhunderts, jedoch ahmt das Puppenhaus kein reales Gebäude nach. Die einheitliche Größe der Wirtschaftsräume kann nicht der Wirklichkeit entsprechen. Die 15 Zimmer bieten dennoch einen einzigartigen Blick in das Alltagsleben gutbetuchter Kaufleute und Patrizier.

Spiel? Nein, Repräsentation!
Zum Spielen waren solche aufwendigen Puppenhäuser nicht gedacht. Sie waren Prunkstücke, die Gäste beeindrucken sollten, und vor allem didaktische Modelle. Der Idealhaushalt im Miniaturformat bereitete Kinder auf die spätere Haushalts- und Geschäftsführung vor. Der überwiegende Teil der mehr als 1000 Ausstattungsstücke stammt noch aus der Entstehungszeit des Puppenhauses.


Hülle und Fülle
Unten, neben dem großen Eingangsportal, liegen auf zwei Ebenen angeordnet die Wirtschafts- und Vorratsräume: der Stall ganz links und die Waschküche ganz rechts. Darüber sind die Schlafkammer der Mägde sowie die getäfelte Kinderstube mit Bettchen, Spielzeug und einem hölzernen Laufwagen. Im ersten Obergeschoss befindet sich im Treppenhaus ein großer Wäscheschrank und rechts davon die Küche mit offenem Feuer und hohem Rauchfang. Ihre üppige Ausstattung erinnert an die sogenannten Prangküchen, die gar nicht zum Kochen, sondern ausschließlich als Repräsentationsräume dienten. Links ist die komfortable Wohnstube zu sehen, die der Kachelofen im Winter wohlig erwärmte. Den Luxus eines Ofens gibt es auch im zweiten Obergeschoss: links im Schlafzimmer mit Himmelbett, Wiege und Waschkasten und rechts im Empfangsraum. Zu einem begüterten Patrizierhaushalt gehörte eine repräsentative Ausstattung mit qualitätsvoller Kunst. In den oberen Stockwerken sind daher Landschafts- und Jahreszeitengemälde sowie Tugend-Allegorien an den Wänden zu sehen.

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten koMehr

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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„Mutter und Kind“
Das Doppelvirginal zählt zu den sogenannten Kielklavieren. Wie bei Cembalo und Spinett werden die Saiten durch Federkiele gezupft. Die Besonderheit dieses Virginals besteht darin, dass es zwei eigenständige Instrumente in sich vereint. Mehr

„Mutter und Kind“
Das Doppelvirginal zählt zu den sogenannten Kielklavieren. Wie bei Cembalo und Spinett werden die Saiten durch Federkiele gezupft. Die Besonderheit dieses Virginals besteht darin, dass es zwei eigenständige Instrumente in sich vereint. Die niederländische Bezeichnung „De Moeder met het Kind“ wurde im Deutschen als „Mutter und Kind“ übernommen. Das Hauptinstrument hat rechts unten eine Aussparung mit einer Klappe, in die das kleine Instrument passgenau hineingeschoben werden kann. Sinnbildlich ist es darin wie das Kind im Bauch einer Mutter geborgen.

Eine flämische Besonderheit
Flandern und insbesondere dessen größte Stadt Antwerpen war eines der Zentren der Cembalo-Baukunst im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts. Doppelvirginale waren eine flämische Spezialität, und bis heute sind nur etwa ein Dutzend dieser außergewöhnlichen Musikinstrumente bekannt. Dieses Instrument wurde 1580 von Marten van der Biest in Antwerpen gebaut.
Schiebt man das kleine Instrument in die dafür vorgesehene Öffnung können zwei Personen miteinander musizieren. Das kleinere „Kind“ kann aber auch direkt über die Klaviatur der „Mutter“ gesetzt werden. Auf diese Weise kann eine Person beide Instrumente gleichzeitig spielen, vergleichbar den Manualen einer Kirchenorgel. Weil das kleinere Instrument eine Oktav höher gestimmt ist, wird das Klangbild dadurch aufgehellt.

Die Frau im Bild
Eine weitere Besonderheit dieses Instruments ist die aufwendige Bemalung. Das Hauptbild auf dem aufgeklappten Deckel ist perspektivisch so angelegt, dass die davor sitzende und spielende Person zu einem Teil der abgebildeten Garten-Szene wird und damit Teil der musizierenden Festgesellschaft. In der flämischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts werden Damen der gehobenen Gesellschaft oft an einem Virginal abgebildet. Aus dieser Charakterisierung als Dameninstrument leitet sich auch der Versuch her, die Bezeichnung „Virginal“ durch das lateinische „Virgo“ für „Jungfrau“ zu erklären. Diese These ist jedoch bis heute umstritten.
 

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Schritt für Schritt
In der Barockzeit gehörte neben Fechten und Reiten auch der Tanz zur Bildung der gehobenen Schichten. Der Tanzlehrer bzw. Tanzmeister gab Takt und auch Ton auf der Geige an, um die korrekten Schrittfolgen und Bewegungen zu unterrichteMehr

Schritt für Schritt
In der Barockzeit gehörte neben Fechten und Reiten auch der Tanz zur Bildung der gehobenen Schichten. Der Tanzlehrer bzw. Tanzmeister gab Takt und auch Ton auf der Geige an, um die korrekten Schrittfolgen und Bewegungen zu unterrichten. Wollte er die Hände frei haben, um beispielsweise die typischen grazilen Armbewegungen vorzuführen, konnte er die kleine Geige einfach in seine Rocktasche stecken. In Frankreich wurden diese Instrumente deshalb „Pochette“ genannt: Täschchen.

Musikalisch überholt
Ihren Ursprung hat die Tanzmeistergeige in der Rebec, einer Vorgängerin der heute bekannten Violine. Das kleine, birnenförmige Streichinstrument mit bis zu fünf Saiten stammte aus dem Orient und verbreitete sich seit dem späten Mittelalter in ganz Europa und darüber hinaus. Im Bereich der europäischen Kunstmusik wurde die Pochette weitgehend durch die Violine abgelöst, außer von den Tanzmeistern. So berichtet auch Mozarts Vater Leopold in seiner Violinschule von 1756: „Eine schon fast veraltete Art der Geigen sind die kleinen Sack- oder Spitzgeiglein welche mit 4. oder auch nur mit 3. Seyten bezogen sind. Sie wurden, wegen der Bequemlichkeit sie in den Schubsack zu stecken, gemeiniglich von den Herren Tanzmeistern bey Unterweisung ihrer Lehrlinge gebraucht.“

Modisches Accessoire
Zum Benimm- und Tanzunterricht gehörte auch die bestimmten Regeln folgende Symbolsprache des Fächers, den Menschen von Welt immer mit sich führten. Mit einer Geige in der Hand wäre diese Sprache jedoch nicht zu vermitteln. Der Fächer hat deshalb eher symbolische Funktion und ist vor allem ein elegantes Accessoire. Der originale Fächer dieser Tanzmeistergeige aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist nicht mehr erhalten. Bevor das Instrument in den 1960er Jahren ins Museum kam, ließ der Vorbesitzer den Fächer nach einem vergleichbaren Instrument in einer Berliner Sammlung rekonstruieren.
 

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