Hans-Sachs-Verehrung im 19. Jahrhundert
Der Nürnberger Hans Sachs (1494–1576) war ein Schuster und der bekannteste aller Meistersinger. Er erfuhr im 19. Jahrhundert große Verehrung. Ein wichtiger Grund war das historistische Interesse am Mittelalter, in Zuge dessen NMehr

Hans-Sachs-Verehrung im 19. Jahrhundert
Der Nürnberger Hans Sachs (1494–1576) war ein Schuster und der bekannteste aller Meistersinger. Er erfuhr im 19. Jahrhundert große Verehrung. Ein wichtiger Grund war das historistische Interesse am Mittelalter, in Zuge dessen Nürnberg seine Blütezeit um 1500 glorifizierte. Das eindrucksvolle, wenn auch historisch nicht korrekte Kostüm wurde beim jährlichen Handwerkerzug getragen. Ab 1826 feierten die Nürnberger das Nationalfest, den Vorgänger des heutigen Volksfests. Zu Pferderennen, Schießübungen und Ähnlichem kam ab 1832 ein Handwerkerzug mit historischen Kostümen dazu. In Anwesenheit des bayerischen Königspaares vertrat 1833 erstmals ein als Hans Sachs verkleideter Darsteller die Nürnberger Schuhmacher. Der Festzug fand 1832 bis 1842 jährlich statt, pausierte dann, und wurde wieder 1853 bis 1868 abgehalten. Danach kamen die Kostüme ins Germanische Nationalmuseum.


Kostümhistorische Inspiration
Das Gewand des berühmten Schusterpoeten besteht aus einer entgegen historischer Praxis ärmellosen, pelzbesetzten Mantel, Schaube genannt (Z1354). Sie wurde über einem Leibrock (Z1359) und strumpfhosenartigen Beinlingen getragen. Die fast vollständig in Bandschlaufen aufgelösten Ärmel sind Teile des Leibrockes. Um das Kostüm in die Zeit Kaiser Maximilians I. zu versetzen, bediente man sich historischer Zitate wie Samtbesätze, Zierschlitze, Ärmelpuffen und Barett (Z1363). Diese Elemente galten damals als Standardvokabular der Kleidung um 1500.

Zwischen Entwurf und Ausführung
Der Architekt und Denkmalpfleger Carl Alexander Heideloff gestaltete die Kostüme für den Festzug. Das Goldene Ehrenbuch der Gewerbe und Zünfte (1834) stellte die teilnehmenden Handwerksvertreter mit ihren Fahnen vor. Man kann einige Abweichungen zwischen den Zeichnungen und den erhaltenen Kostümen erkennen. Das liegt höchstwahrscheinlich an der langen Nutzungsdauer der Kostüme, ebenso wie an den späteren Reparaturen und Umarbeitungen.

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Made in Augsburg
Die Idee, Saiten durch einen Hammer anzuschlagen, statt diese wie beim Cembalo durch einen Federkiel anzuzupfen, wurde um 1700 in Italien entwickelt. Den entscheidenden Schritt zur Durchsetzung dieser neuen Technologie machte Johann AndrMehr

Made in Augsburg
Die Idee, Saiten durch einen Hammer anzuschlagen, statt diese wie beim Cembalo durch einen Federkiel anzuzupfen, wurde um 1700 in Italien entwickelt. Den entscheidenden Schritt zur Durchsetzung dieser neuen Technologie machte Johann Andreas Stein aus Augsburg, einer der wichtigsten Klavierbauer der Musikgeschichte. Er erfand eine Flügelmechanik, die mit sehr wenigen Bauteilen auskommt, leicht zu warten ist und äußerst sensibel auf den Anschlag des Spielers reagiert. Aufgrund ihrer verschiedenen Bauteile trägt sie heute den Namen „Prellzungenmechanik“. Mit seiner Erfindung begründete Stein die berühmte Wiener Klavierbautradition, da seine Mechanik dort aufgenommen und weiterentwickelt wurde.

Piano und Forte
Die Erfindung des Klaviers in Florenz um 1700 war eine kleine Revolution, nicht nur, weil dadurch der Hammer den Federkiel beim Saitenanschlag ersetzte. Die neuartige Mechanik ermöglichte es, erstmals die Lautstärke allein durch entsprechenden Druck auf die Taste zu regulieren. Register wie beim Cembalo waren nun nicht mehr nötig. Das neue stufenlose Spiel von leise und laut – italienisch „piano e forte“ – war Namensgeber für das Pianoforte, oder kurz: Piano. Wenngleich heute vor allem historische Flügel als Hammerflügel bezeichnet werden, hat das Alter des Instruments auf diese Bezeichnung keinen Einfluss. Auch der moderne Konzertflügel ist technisch betrachtet ein Hammerflügel.

Mozart klingt
Äußerlich unterscheiden sich die frühen Hammerflügel allerdings deutlich von modernen Instrumenten. Statt auf drei, stehen sie meist auf vier oder fünf Beinen. Die heute so typische Lyra mit den Fußpedalen gab es noch nicht. Die Funktion des heutigen rechten Pedals, die Aufhebung der Dämpfung, existierte aber durchaus. Sie wurde durch zwei mit den Knien zu bedienende Hebel unter der Klaviatur betätigt. Ebenfalls augenfällig ist die filigrane, dünnwandige Bauweise. Noch gab es keine Metallstreben oder schwere eiserne Gussplatten über dem Resonanzboden, wie sie der tonnenschwere Saitenzug moderner Flügel erforderlich macht. Dementsprechend waren die frühen Flügel viel leiser als heutige Instrumente. Von Wolfgang Amadeus Mozart wissen wir, dass er die Instrumente aus der Werkstatt Steins sehr schätzte. Zu seiner Zeit galten sie als das Beste, was an Flügeln zu bekommen war.
 

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Ans Tageslicht geholt
Die Tannenberg-Büchse ist die älteste sicher datierbare Handfeuerwaffe Europas. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort, der 1399 zerstörten Burg Tannenberg in Hessen. 1849 fand man sie dort während einer der ersten mittelMehr

Ans Tageslicht geholt
Die Tannenberg-Büchse ist die älteste sicher datierbare Handfeuerwaffe Europas. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort, der 1399 zerstörten Burg Tannenberg in Hessen. 1849 fand man sie dort während einer der ersten mittelalterarchäologischen Ausgrabungen in Deutschland. Sie lag in der Zisterne, die durch die Zerstörung der Burg verschüttet worden war. Dass die Anlage – ebenfalls durch Feuerwaffen – Ende des 14. Jahrhunderts vollständig in Schutt und Asche gelegt und nicht wiederaufgebaut wurde, erwies sich als Glücksfall für die Archäologen. Denn dadurch konnte die Büchse mit Sicherheit auf eine Zeit vor 1399 datiert werden.

Zerstörerische Kraft
Handbüchsen gehören zu den frühesten Feuerwaffen. Sie wurden parallel zu den schwereren Feuergeschützen der Artillerie seit den 1360er Jahren entwickelt. Anders als Kanonen waren sie viel mobiler und konnten von einem oder zwei Männern herumgetragen und abgefeuert werden. Sie bestanden aus einem Metallrohr, das zur besseren Handhabung auf einen langen Holzstock montiert war. Geschossen wurde mit Schwarzpulver und Munition aus Bleikugeln, die von vorne in das Rohr geladen wurden. Durch das seitliche Zündloch brachte eine glühende Lunte das Schwarzpulver zur Explosion, die Kugel wurde „abgefeuert“.
Diese frühen Feuerwaffen bargen für ihre Schützen auch Risiken. Es fehlten Erfahrungen im Umgang mit Pulver und Munition, aber auch Spezialisten zur Herstellung der Waffen. Der Beruf des Büchsenmachers entwickelte sich erst im Laufe des 14. Jahrhunderts. Untersuchungen der Tannenberg-Büchse zeigten, wie porös das Rohr aus gegossener Bronze ist. Möglicherweise wäre es beim Zünden explodiert, was offenbar mit einer ähnlichen Waffe passiert ist, deren Fragmente man in unmittelbarer Nähe gefunden hat. Die Tannenberg-Büchse wurde dagegen nicht abgefeuert. Als man sie fand, steckte in ihrem Lauf noch die Kugel.

Eine neue Art der Kriegführung
Feuerwaffen veränderten die Kriegführung gegen Ende des 14. Jahrhunderts grundlegend. Ermöglicht wurde die neue Waffentechnologie durch die Erfindung des Schwarzpulvers in China. Obwohl die ersten Handfeuerwaffen bereits eine beachtliche Reichweite hatten, schossen sie nur sehr ungenau. Auch in der Schussfrequenz waren sie den damals üblichen Handbögen und Armbrüsten unterlegen. Dennoch setzten sie sich immer mehr durch. Man konnte sie kostengünstig und in großen Mengen herstellen, und es brauchte im Unterschied zu anderen Fernwaffen keine lange Ausbildung, um sie zu bedienen.
 

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Krieg als Spiel
Die Rüstungen erscheinen wehrhaft und funktional, waren für den Krieg jedoch völlig ungeeignet. Mit Eisenplatten von bis zu neun Millimetern sind sie viel zu schwer – in der Schlacht verwendete man wesentlich dünnere und leichtere Rüstungen. Zudem schränkteMehr

Krieg als Spiel
Die Rüstungen erscheinen wehrhaft und funktional, waren für den Krieg jedoch völlig ungeeignet. Mit Eisenplatten von bis zu neun Millimetern sind sie viel zu schwer – in der Schlacht verwendete man wesentlich dünnere und leichtere Rüstungen. Zudem schränkte der fest verschraubte Helm die Sicht so ein, dass man einem Angriff von der Seite schutzlos ausgeliefert wäre. Die Zweikämpfe, für die diese Rüstungen geschaffen wurden, fanden vor großem Publikum statt. Sie waren speziell für den Reiterkampf im Turnier bestimmt.
Turniere, die sich in Europa seit dem 12. Jahrhundert aus Wehrübungen der Ritter entwickelt hatten, wurden ab dem 13. Jahrhundert zu immer beliebteren Großevents. Gekämpft wurde nach festgelegten Regeln in unterschiedlichen Disziplinen. Ob zu Fuß oder zu Pferd, zu zweit oder als Gruppenkampf, für jede Form des Kampfes gab es die passende Spezialausrüstung.

Zweikampf im Sattel
Zu den beliebtesten Arten der Reiterspiele gehörte das Stechen, heute der Inbegriff des Ritterturniers. Hierbei preschten zwei Ritter zu Pferd mit der eingelegten Lanze aufeinander zu. Ziel war es, sie an Schild, Lanze oder Harnisch des Gegners zu brechen.
Da die Angriffe ausschließlich von vorne kamen, war nur die Körpervorderseite gepanzert. Auch der Helm war auf Lanzenangriffe von vorne optimiert und senkte das Verletzungsrisiko enorm. Zusätzlich waren die Lanzen vorne abgestumpft und mit einem sogenannten Kröning versehen.
Als Extremform des Stechens entwickelte sich fast zeitgleich das Rennen. Hier wurde mit scharfen Lanzen geritten und auch die Ausrüstung war leichter. Diese waghalsigen Zweikämpfe waren beim Publikum besonders beliebt.

Städtischer Rüstungsverleih
Nachdem die Nürnberger Patrizier von den Adelsturnieren im Umland ausgeschlossen worden waren, gründete die Stadt im 15. Jahrhundert ein eigenes Reiterspiel. Als „Gesellenstechen“ wurde es bis 1561 auf dem Hauptmarkt abgehalten. Anders als der Titel vermuten lässt, beteiligten sich vor allem Söhne der städtischen Oberschicht und nicht Handwerksgesellen an den Schaukämpfen. Um zu verhindern, dass sich jeder für teures Geld eine eigene Rüstung eigens für das Gesellenstechen zulegte, fand der Rat eine Lösung: Er ließ einen eigenen Bestand an Rüstungen anfertigen, die dann für das Turnier ausgeliehen werden konnten. Diese Grundausrüstung wurde dann mit einer individuellen Helmzier und einem Schild in den Farben der Familien ergänzt.
 

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Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. NaMehr

Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. Nachdem der sensationelle Rang des Fundes vom Germanischen Nationalmuseum erkannt worden war, konnten die Fragmente einer aufwändigen Restaurierung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz zusammengefügt werden. Ursprünglich hatte der Hut wohl auch eine breite Krempe, von der jedoch nur ein kleines Fragment gefunden wurde.


Handwerk der Bronzezeit
Die technische Perfektion des Huts ist herausragend. Er wurde mit dem Hammer aus einem einzigen Goldstück herausgetrieben. Nur 310 Gramm wiegt der Kegel. Seine Wandung ist so dünn wie Papier. Er ist bis in die Spitze mit Zierbändern aus unterschiedlichen Ornamenten versehen, darunter Kreise, Räder, mandelförmige Buckel und kleine quergestreifte Kegel – sie stellen wohl den Hut selbst in Miniaturformat dar. Mehr als 20 verschiedene Stempel und sechs Rollstempel wurden für die Punzierung verwendet. Diesen Stil kennen wir von in Westeuropa verbreiteten goldenen Scheiben und Schalen aus der Bronzezeit, die als Vergleichstücke zur Datierung herangezogen werden. Es gibt heute nur drei vergleichbare Kegelhüte aus Gold, die in Museen in Speyer, Berlin und Saint-Germain-en-Laye nahe Paris zu sehen sind. Die Verbreitung der Fundorte dieser und anderer zeremonieller Fundstücke über ganz Europa belegt einen weiträumigen Austausch von technischem Know-how und Glaubensvorstellungen in der Bronzezeit.

Kult der Sonne?
Das Material und die vielen Scheibenmotive sind Hinweise auf einen bronzezeitlichen Sonnenkult. Höchstwahrscheinlich trug eine hochgestellte Persönlichkeit die prächtige Kopfbedeckung bei zeremoniellen kultischen Anlässen. Der Goldhut wurde wohl vergraben, als die damit verbundenen religiösen Vorstellungen erloschen. Für den Nürnberger Goldhut und ein weiteres Exemplar in Speyer gilt außerdem, dass sie scheinbar senkrecht im Boden vergraben wurden.
 

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„Mutter und Kind“
Das Doppelvirginal zählt zu den sogenannten Kielklavieren. Wie bei Cembalo und Spinett werden die Saiten durch Federkiele gezupft. Die Besonderheit dieses Virginals besteht darin, dass es zwei eigenständige Instrumente in sich vereint. Mehr

„Mutter und Kind“
Das Doppelvirginal zählt zu den sogenannten Kielklavieren. Wie bei Cembalo und Spinett werden die Saiten durch Federkiele gezupft. Die Besonderheit dieses Virginals besteht darin, dass es zwei eigenständige Instrumente in sich vereint. Die niederländische Bezeichnung „De Moeder met het Kind“ wurde im Deutschen als „Mutter und Kind“ übernommen. Das Hauptinstrument hat rechts unten eine Aussparung mit einer Klappe, in die das kleine Instrument passgenau hineingeschoben werden kann. Sinnbildlich ist es darin wie das Kind im Bauch einer Mutter geborgen.

Eine flämische Besonderheit
Flandern und insbesondere dessen größte Stadt Antwerpen war eines der Zentren der Cembalo-Baukunst im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts. Doppelvirginale waren eine flämische Spezialität, und bis heute sind nur etwa ein Dutzend dieser außergewöhnlichen Musikinstrumente bekannt. Dieses Instrument wurde 1580 von Marten van der Biest in Antwerpen gebaut.
Schiebt man das kleine Instrument in die dafür vorgesehene Öffnung können zwei Personen miteinander musizieren. Das kleinere „Kind“ kann aber auch direkt über die Klaviatur der „Mutter“ gesetzt werden. Auf diese Weise kann eine Person beide Instrumente gleichzeitig spielen, vergleichbar den Manualen einer Kirchenorgel. Weil das kleinere Instrument eine Oktav höher gestimmt ist, wird das Klangbild dadurch aufgehellt.

Die Frau im Bild
Eine weitere Besonderheit dieses Instruments ist die aufwendige Bemalung. Das Hauptbild auf dem aufgeklappten Deckel ist perspektivisch so angelegt, dass die davor sitzende und spielende Person zu einem Teil der abgebildeten Garten-Szene wird und damit Teil der musizierenden Festgesellschaft. In der flämischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts werden Damen der gehobenen Gesellschaft oft an einem Virginal abgebildet. Aus dieser Charakterisierung als Dameninstrument leitet sich auch der Versuch her, die Bezeichnung „Virginal“ durch das lateinische „Virgo“ für „Jungfrau“ zu erklären. Diese These ist jedoch bis heute umstritten.
 

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Von der Rennbahn ins Kinderzimmer
Modern, ja fast futuristisch erscheint das Automobil-Spielzeug, das August Geigenberger 1903 entworfen hat (Entwurfszeichnung LGA9847/3). Es ist stromlinienförmigMehr

Von der Rennbahn ins Kinderzimmer
Modern, ja fast futuristisch erscheint das Automobil-Spielzeug, das August Geigenberger 1903 entworfen hat (Entwurfszeichnung LGA9847/3). Es ist stromlinienförmig und auf einfache Formen und Farben reduziert. Dennoch entbehrt es nicht eines gewissen Humors, beispielsweise durch die überlangen Arme des Fahrers. Um 1900 waren Automobile noch kein alltäglicher Anblick, und viele Menschen standen ihnen skeptisch gegenüber. Seit 1895 gab es allerdings in Frankreich schon erste Autorennen. Um 1900 fuhren dann bereits raketenförmige Spezialanfertigungen bei diesen Rennen mit, deren Fotos vielleicht sogar Geigenberger zu seinem Entwurf inspirierten.


Karikatur und Kinderbuch
Der Künstler betrieb zusammen mit seinem Bruder Otto in Wasserburg am Inn eine kunstgewerbliche Werkstatt. Vorher lebte er zu Ausbildungszwecken mehrere Jahre lang in München, wo er die Königliche Kunstgewerbeschule besuchte. Hier erhielt er entscheidende künstlerische Impulse im Sinne des Jugendstils. Seine karikaturesken Illustrationen verkaufte er unter anderem an die Zeitschrift Jugend. 1902 schuf er ein Kinderbuch mit dem Titel „Der tapfere Ingobert“.

Spielzeug für eine neue Zeit
Das Bayerische Gewerbemuseum Nürnberg rief 1903 einen Wettbewerb für neuartiges Holzspielzeug aus. Die Lebensreformbewegung, die vor allem in bildungsbürgerlichen Haushalten Anklang fand, forderte naturnahes Spielzeug, dessen einfache Formen der kindlichen Fantasie Raum geben sollten. In diesem Sinne muss man auch Geigenbergers hochgelobte Beiträge zum Wettbewerb verstehen. Die vorliegende Ausführung des Automobils stammt vom Nürnberger Holzbildhauer Jean Stöttner. Um das lokale Handwerk zu fördern, verbreitete das Kultusministerium 1904 die prämierten Entwürfe aus dem Wettbewerb zum Nachbau in Berchtesgaden, Oberammergau und Partenkirchen. Jedoch blieb die handwerkliche Herstellung von Reformspielzeug eine Randerscheinung, da sie nicht mit der industriellen Massenproduktion mithalten konnte.

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Erst der Einband, dann das Buch
Der Prunkeinband entstand mehrere Jahrzehnte bevor das dazu gehörige Buch überhaupt geschaffen wurde. Gestiftet hatten ihn Kaiserin Theophanu und ihr minderjähriger Sohn Otto in die Abtei Echternach bei Trier. Hier eMehr

Erst der Einband, dann das Buch
Der Prunkeinband entstand mehrere Jahrzehnte bevor das dazu gehörige Buch überhaupt geschaffen wurde. Gestiftet hatten ihn Kaiserin Theophanu und ihr minderjähriger Sohn Otto in die Abtei Echternach bei Trier. Hier entstand um 1030 auch die Handschrift dafür, der berühmte Codex Aureus. Das „goldene Buch“ ist eine Evangelienschrift, deren Bezeichnung wörtlich zu verstehen ist: Die Mönche der Abtei Echternach schrieben sie mit Goldtinte auf purpurfarbene Seiten. Das reich bebilderte Manuskript ist eine der bedeutendsten und wertvollsten Handschriften des frühen Mittelalters. Es wird heute getrennt vom Bucheinband in der Bibliothek des GNM aufbewahrt, um beide Werke optimal bewahren zu können
(Hs. 156142).

Höchste Handwerkskunst
Der kostbare Buchdeckel wurde in Trier bei einer der führenden Goldschmiede­werkstätten der Zeit in Auftrag gegeben. Diese war vor allem bekannt für ihre besondere Technik der Emailkunst, das sogenannte Zellenschmelz-Verfahren: Dünne aufgelötete Goldstege bildeten ein Muster, in das jeweils eine Masse aus geschmolzenem Glas in verschiedenen Farben eingefüllt wurde.
Die Elfenbeintafel im Zentrum war zumindest teilweise farbig bemalt und vergoldet. Sie enthält eine frühe Darstellung der Kreuzigung Christi. Von rechts reicht der römische Soldat Stephaton Christus einen angefeuchteten Essigschwamm; Longinus fügt Christus später mit einer Lanze die Seitenwunde zu. Kreuzigungsdarstellungen gewannen in den folgenden Jahrhunderten immer mehr an Bedeutung und gehörten im Spätmittelalter zu den am häufigsten dargestellten Bildthemen.

Ein Kind als Stifter
Um die Elfenbeintafel herum ist eine ganze Reihe von feinen, heute nur schwer erkennbaren Figuren in das dünne Goldblech des Deckels getrieben. Darunter befinden sich Maria und Heilige, die mit der Abtei Echternach verbunden sind, sowie Symboltiere der Evangelisten und Personifikationen der vier Paradiesflüsse. Sie versinnbildlichen die Ausbreitung des Evangeliums in alle vier Himmelsrichtungen.
In Gestalt aufrechtstehender Stifterfiguren präsentieren sich Kaiserin Theophanu und ihr Sohn gleichrangig zwischen den Heiligen. Sie betonen damit die enge Verbindung von Herrscherhaus und Kirche. Die Inschrift neben dem minderjährigen Thronfolger ermöglicht auch eine ungefähre Datierung: Den Titel „Otto III.“ erhielt er 983, als er im Alter von drei Jahren zum deutschen König gekrönt wurde. Der Einband muss also danach, spätestens aber im Todesjahr von Theophanu 991 entstanden sein.
 

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Ideale Reisebegleiter
Sonnenuhren verwendete man bereits in der Antike zur Zeitmessung. Für gewöhnlich sind sie fest an einem Ort installiert, da ihr Ziffernblatt jeweils nur für einen bestimmten Breitengrad ausgelegt ist. Im 15. JahrhundertMehr

Ideale Reisebegleiter
Sonnenuhren verwendete man bereits in der Antike zur Zeitmessung. Für gewöhnlich sind sie fest an einem Ort installiert, da ihr Ziffernblatt jeweils nur für einen bestimmten Breitengrad ausgelegt ist. Im 15. Jahrhundert wurde die mobile Klappsonnenuhr erfunden. Obwohl es zu der Zeit bereits mechanische Räderuhren gab, waren diese Taschen-Sonnenuhren ihnen in mancher Hinsicht überlegen: Sie waren klein, leicht und nicht so störanfällig wie die durch Räderwerke betriebenen Uhren. Daher waren Klappsonnenuhren besonders bei Reisenden beliebt und verbreiteten sich in ganz Europa.

Die Tücken der mobilen Zeitmessung
Anstelle eines starren Zeigers haben Klappsonnenuhren einen sogenannten Polfaden, der sich beim Öffnen aufspannt. Er dient als Schattenwerfer auf dem kreisförmigen Ziffernblatt. In die Bodenplatte dieser Uhr ist außerdem ein Kompass eingelassen. Er ist wichtig für die genaue Ausrichtung des Polfadens parallel zur Erdachse. Im Deckel befindet sich eine Tageslängenanzeige. Sie gibt die für die Sonnenuhr so wichtigen Lichtstunden pro Tag an, die Monate sind mit den entsprechenden Tierkreiszeichen versehen.
Die größte Schwierigkeit der mobilen Zeitmessung ergibt sich aus den unterschiedlichen Sonnenständen an verschiedenen Orten. Bei einer solchen Klappsonnenuhr gleicht man diese geografischen Unterschiede aus, indem man den Winkel des Polfadens verändert. Im Deckel der Uhr ist daher eine Liste der wichtigsten europäischen Handelsstädte mit ihrem jeweiligen Breitengrad eingraviert. Auf der Mittelachse konnte man den Polfaden im entsprechenden Bohrloch neben dem Breitengrad fixieren. Damit war die Uhr auf die richtige Ortszeit „eingestellt“.

Eine Dynastie von Uhrenmachern
Vor allem Nürnberg und Augsburg entwickelten sich im 16. Jahrhundert zu bekannten Produktionsstätten von Klappsonnenuhren. In Nürnberg war die Familie Reinmann mit Meistern in mehreren Generationen als Kompass- und Instrumentenbauer tätig. Paulus Reinmann war einer der wenigen, die Sonnenuhren aus verschiedenen Werkstoffen – Holz, Metall und Elfenbein – herstellte. Seine Klappsonnenuhren waren unter Liebhabern weit über die Landesgrenzen hinweg begehrt. Seine Signatur auf dem Gehäuse kann als Qualitätsgarantie verstanden werden.
 

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