Die Zeit im Gepäck
Zu der Zeit, als diese Klappsonnenuhr hergestellt wurde, waren mechanische Räderuhren bereits weit verbreitet. An Kirchtürmen und städtischen Rathäusern gaben sie den Takt des öffentlichen Lebens vor. Trotzdem blieben die Mehr

Die Zeit im Gepäck
Zu der Zeit, als diese Klappsonnenuhr hergestellt wurde, waren mechanische Räderuhren bereits weit verbreitet. An Kirchtürmen und städtischen Rathäusern gaben sie den Takt des öffentlichen Lebens vor. Trotzdem blieben die zuvor für die Zeitmessung verwendeten Sonnenuhren weiterhin in Gebrauch. Vor allem auf Reisen waren solche leichten und gut transportablen Klappsonnenuhren unentbehrliche Begleiter. Der eingebaute Kompass half bei der für die Zeitbestimmung nötigen Nord-Süd-Ausrichtung.
Klappbare Reise-Sonnenuhren wurden in Nürnberg seit dem späten 15. Jahrhundert hergestellt. Die Reichsstadt war weit über ihre Grenzen für die Qualität der hier produzierten wissenschaftlichen Geräte bekannt. Taschensonnenuhren waren ein gefragter Exportartikel des Nürnberger Fernhandels.

Andere Orte – andere Zeiten
Mobile Zeitmessung auf Reisen brachte ein Problem mit sich: Je nach Breitengrad war der Stand der Sonne ein anderer. Sonnenuhren hatten feste Ziffernblätter, die jeweils nur an einem bestimmten Ort ihre Gültigkeit hatten. Was man leicht verändern konnte, war die Lage des „Zeigers“. Bei solchen Klappsonnenuhren war das ein sogenannter Polfaden, der zwischen Boden und Deckel aufgespannt war, und dessen Schatten die Zeit auf dem Ziffernblatt markierte. Dessen oberes Ende konnte man an verschiedenen Punkten fixieren.
Üblicherweise enthielten Sonnenuhren ein Verzeichnis der Polhöhen für die wichtigsten europäischen Städte. Bei dieser Klappsonnenuhr wird der Deckel zur „Benutzeroberfläche“: Auf der Landkarte, die auf ihm abgebildet ist, konnte man seinen Standort bestimmen und den Polfaden durch die entsprechende Öffnung auf der Mittelachse ziehen. Bei geöffneter Uhr konnte man dann innen die für diesen Breitengrad gültige Uhrzeit ablesen.

Die Karte
Der Hersteller dieser Sonnenuhr war aller Wahrscheinlichkeit nach Erhard Etzlaub, einer der bedeutendsten Nürnberger Instrumentenbauer seiner Zeit. Bereits 1500 hatte er eine Landkarte entworfen, die vor allem Pilgern im Heiligen Jahr die Hauptwege quer durch Europa nach Rom aufzeigte. Auch die Landkarte auf dem Deckel der Sonnenuhr hatte offenbar vor allem pilgernde Christen im Blick. Sie ist, wie damals üblich, nach Süden ausgerichtet und reicht von Skandinavien bis nach Afrika. Neben Rom und Santiago de Compostela ist am linken oberen Rand auf Höhe des 30. Breitengrads „Mons Sinai“ eingezeichnet. Das am Berg Sinai gelegene Katharinenkloster war ein weiteres wichtiges Pilgerziel des Mittelalters.
 

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Botschafter des Glaubens
Bartholomäus ist einer der zwölf Jünger, die Jesus zu Aposteln ernannte und sie mit der Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft beauftragte. Die Tonfigur gehört zu einer Serie von zwölf sitzenden Aposteln, vonMehr

Botschafter des Glaubens
Bartholomäus ist einer der zwölf Jünger, die Jesus zu Aposteln ernannte und sie mit der Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft beauftragte. Die Tonfigur gehört zu einer Serie von zwölf sitzenden Aposteln, von denen sich heute sechs in der Sammlung des GNM befinden. Ursprünglich hielt Bartholomäus ein Messer in seiner rechten Hand, ein Verweis auf sein Martyrium. Auch die anderen Apostel waren anhand solcher für sie jeweils typischen Attribute zu erkennen. Doch obwohl die meisten dieser Erkennungszeichen verloren gegangen sind, charakterisieren Körperhaltung und Gesichtszüge sie als unterschiedliche Persönlichkeiten.

Die Kunst der Modellierung
Bemerkenswert ist der üppige Faltenwurf seines Gewands. Der namentlich nicht bekannte Künstler wandte dabei eine besondere Technik an: Die gleichmäßige Wandstärke lässt erkennen, dass er mit ausgewalzten Tonplatten arbeitete, die er zu einer Hohlfigur zusammenfügte. Offenbar stabilisierte er sie mit einer Hand von innen, während er die äußere Form mit einem Modellierholz herausarbeitete.
Ursprünglich waren die Apostel farbig gestaltet. Drei weitere Figuren der Zwölfergruppe, die heute noch in der Nürnberger Jakobskirche erhalten sind, geben einen Eindruck von dieser Bemalung. Bei den Aposteln im GNM wurde die Farbfassung dagegen Ende des 19. Jahrhunderts abgelaugt. Dadurch lassen sich bestimmte Details des komplizierten Herstellungs­verfahrens besser erkennen. So deuten die kleinen Löcher an den Seiten der Köpfe auf eine Stütze hin, mit der diese beim Trocknen und Brennen stabilisiert wurden.

Von allen Seiten schön
Die zwölf Tonfiguren, die um 1420 in Nürnberg geschaffen wurden, sind sowohl technisch als auch künstlerisch von herausragender Qualität. Wahrscheinlich waren sie für einen Johannesaltar in der Lorenzkirche bestimmt, der an der Schwelle zum Chorraum stand. Die Apostelfiguren sind auf allen Seiten mit höchster Sorgfalt ausgearbeitet. Vermutlich ließ sich die Rückwand dieses Altaraufsatzes aufklappen, so dass zumindest zeitweise auch die Rückseiten der Tonapostel sichtbar waren.
 

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Ans Tageslicht geholt
Die Tannenberg-Büchse ist die älteste sicher datierbare Handfeuerwaffe Europas. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort, der 1399 zerstörten Burg Tannenberg in Hessen. 1849 fand man sie dort während einer der ersten mittelMehr

Ans Tageslicht geholt
Die Tannenberg-Büchse ist die älteste sicher datierbare Handfeuerwaffe Europas. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort, der 1399 zerstörten Burg Tannenberg in Hessen. 1849 fand man sie dort während einer der ersten mittelalterarchäologischen Ausgrabungen in Deutschland. Sie lag in der Zisterne, die durch die Zerstörung der Burg verschüttet worden war. Dass die Anlage – ebenfalls durch Feuerwaffen – Ende des 14. Jahrhunderts vollständig in Schutt und Asche gelegt und nicht wiederaufgebaut wurde, erwies sich als Glücksfall für die Archäologen. Denn dadurch konnte die Büchse mit Sicherheit auf eine Zeit vor 1399 datiert werden.

Zerstörerische Kraft
Handbüchsen gehören zu den frühesten Feuerwaffen. Sie wurden parallel zu den schwereren Feuergeschützen der Artillerie seit den 1360er Jahren entwickelt. Anders als Kanonen waren sie viel mobiler und konnten von einem oder zwei Männern herumgetragen und abgefeuert werden. Sie bestanden aus einem Metallrohr, das zur besseren Handhabung auf einen langen Holzstock montiert war. Geschossen wurde mit Schwarzpulver und Munition aus Bleikugeln, die von vorne in das Rohr geladen wurden. Durch das seitliche Zündloch brachte eine glühende Lunte das Schwarzpulver zur Explosion, die Kugel wurde „abgefeuert“.
Diese frühen Feuerwaffen bargen für ihre Schützen auch Risiken. Es fehlten Erfahrungen im Umgang mit Pulver und Munition, aber auch Spezialisten zur Herstellung der Waffen. Der Beruf des Büchsenmachers entwickelte sich erst im Laufe des 14. Jahrhunderts. Untersuchungen der Tannenberg-Büchse zeigten, wie porös das Rohr aus gegossener Bronze ist. Möglicherweise wäre es beim Zünden explodiert, was offenbar mit einer ähnlichen Waffe passiert ist, deren Fragmente man in unmittelbarer Nähe gefunden hat. Die Tannenberg-Büchse wurde dagegen nicht abgefeuert. Als man sie fand, steckte in ihrem Lauf noch die Kugel.

Eine neue Art der Kriegführung
Feuerwaffen veränderten die Kriegführung gegen Ende des 14. Jahrhunderts grundlegend. Ermöglicht wurde die neue Waffentechnologie durch die Erfindung des Schwarzpulvers in China. Obwohl die ersten Handfeuerwaffen bereits eine beachtliche Reichweite hatten, schossen sie nur sehr ungenau. Auch in der Schussfrequenz waren sie den damals üblichen Handbögen und Armbrüsten unterlegen. Dennoch setzten sie sich immer mehr durch. Man konnte sie kostengünstig und in großen Mengen herstellen, und es brauchte im Unterschied zu anderen Fernwaffen keine lange Ausbildung, um sie zu bedienen.
 

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Ein intensiver Blick
Alexej von Jawlensky malte das Bild „Kopf in Schwarz und Grün“ vermutlich im Jahr 1913. Die Datierung vermerkte er jedoch erst nachträglich. Ein länglicher Kopf mit großen Augen füllt die gesamte Bildhöhe aus. Das schematische Gesicht ist in BlauMehr

Ein intensiver Blick
Alexej von Jawlensky malte das Bild „Kopf in Schwarz und Grün“ vermutlich im Jahr 1913. Die Datierung vermerkte er jedoch erst nachträglich. Ein länglicher Kopf mit großen Augen füllt die gesamte Bildhöhe aus. Das schematische Gesicht ist in Blaugrün-, Rosa und Rottönen gehalten, der Hintergrund ist dunkelblau und schwarz. Stellenweise schaut die braune Malpappe hervor. Durch kräftige Umrisslinien verlieh Jawlensky den Gesichtszügen eine Intensität, die an urzeitliche Bilder oder christlich-orthodoxe Ikonen erinnert.

Farbiges Leuchten
Von 1902 bis 1908 setzte Jawlensky sich intensiv mit der Pariser Avantgarde auseinander und entwickelte daraufhin seinen eigenen Stil. Wichtige Einflüsse waren für ihn die Kunst von Paul Signac, Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Paul Gauguin. Jawlensky wurde außerdem angeregt vom „Cloisonnisme“ (frz. cloisonner: abtrennen), den der Künstler Emile Bernard mitentwickelt hatte. Dieser Stil sollte einen ähnlichen Effekt erzielen wie Kirchenfenster, deren schwarze Bleifassungen dem farbigen Leuchten der Glasstücke Tiefe verleihen. Wie viele andere Künstler seiner Zeit versuchte Jawlensky seine künstlerischen Anliegen theoretisch zu untermauern. Der damals in Malerkreisen häufig gebrauchte Begriff „Synthese“ bedeutete für ihn Formverknappung und Vereinfachung mittels Konturierung.

München und die Avantgarde
Während seiner künstlerischen Ausbildung in Sankt Petersburg war Jawlensky unter anderem Schüler Marianne von Werefkins. Die beiden lebten ab 1896 zusammen in München und entwickelten eine künstlerisch fruchtbare Freundschaft mit Gabriele Münter und Wassily Kandinsky. 1909 war Jawlensky Mitbegründer der „Neuen Künstlervereinigung München“, von der sich zwei Jahre später ohne seine Beteiligung die Gruppe „Blauer Reiter“ abspaltete. Jawlenskys Münchener Schaffensperiode wurde jäh durch den Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 unterbrochen. Alle russischen Staatsbürger hatten das Deutsche Reich binnen 48 Stunden zu verlassen, weswegen er Zuflucht in der Schweiz suchte. Erst 1921 kehrte er nach Deutschland zurück.

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Silber trifft auf Elfenbein
Friedrich Adler entwarf 1910 die silberne Prunkbowle, deren Umsetzung die Nürnberger Goldschmiedewerkstatt J. C. Wich übernahm. Sie ist nicht als Gebrauchsgegenstand, sondern als Schaustück zu verstehen. Dem zylindrischen UnteMehr

Silber trifft auf Elfenbein
Friedrich Adler entwarf 1910 die silberne Prunkbowle, deren Umsetzung die Nürnberger Goldschmiedewerkstatt J. C. Wich übernahm. Sie ist nicht als Gebrauchsgegenstand, sondern als Schaustück zu verstehen. Dem zylindrischen Unterbau der Bowle sind gedrechselte Elfenbeinsäulchen vorgelagert. Die eigentliche Schale ist trompetenförmig und zeigt stilisiertes Rankenwerk vor patiniertem Grund. Auf dem Deckel verbinden sich sphärische Dreiecke zu flachen Zeltspitzen. Der Knauf ist eine Arbeit aus durchbrochenem Elfenbein, durch deren Löcher man die vergoldete Figur eines Trinkenden erkennt. Die Elfenbein-Arbeiten stammen von Adlers Schüler und Mitarbeiter Emil Kellermann.

Tradition und Innovation
Adler und Kellermann lernten sich bei den kunstgewerblichen Meisterkursen des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg kennen. Von 1910 bis 1913 leitete Adler vier der insgesamt elf Meisterkurse, die die Qualität und aktuelle Strömungen der bayerischen Kunstindustrie fördern sollten. Aus Adlers und Kellermanns Lehrer-Schüler-Beziehung entwickelte sich eine mehrjährige Zusammenarbeit. In der Prunkbowle setzten sie sowohl traditionelle als auch innovative Impulse um. Die Durchbrucharbeit am Knauf ist dafür beispielhaft: Einerseits kann man sie auf die stilisierten Naturdarstellungen in Erich Haeckels Bildband „Kunstformen der Natur“ (1904; besonders Tafel 22), zurückführen; andererseits bekrönten durchbrochene Sphären schon in der Elfenbeinschnitzerei des 17. Jahrhunderts zahlreiche Pokale.

Erster Weltkrieg und Holocaust
Das Bayerische Gewerbemuseum kaufte die Prunkbowle gleich nach ihrer Entstehung für die Lehrsammlung an. Als das Stück 1914 für eine Ausstellung nach Lyon verliehen wurde, brach der Erste Weltkrieg aus, woraufhin Frankreich die Rücksendung der Leihgaben verweigerte. Die Prunkbowle fand ihren Weg auf den Kunstmarkt, konnte 1976 aber für das Museum zurückgekauft werden. Adler selbst war noch bis 1933 extrem erfolgreich und gefragt. Dann verhängten die Nationalsozialisten ein Arbeitsverbot über den jüdischen Kunsthandwerker und Lehrer. Letztendlich konnte nur ein Teil seiner Familie fliehen. 1942 wurde Adler im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

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Ein seltener Fund
Im späten Mittelalter besaß nahezu jeder Ritter einen solchen Helm für den Krieg oder das Turnier. Dennoch sind heute nur noch weniger als 20 dieser originalen Helme erhalten. Gutes Eisen hatte damals einen hohen MaterialweMehr

Ein seltener Fund
Im späten Mittelalter besaß nahezu jeder Ritter einen solchen Helm für den Krieg oder das Turnier. Dennoch sind heute nur noch weniger als 20 dieser originalen Helme erhalten. Gutes Eisen hatte damals einen hohen Materialwert. Unbrauchbare oder veraltete Helme wurden daher in großer Zahl umgeformt und das teure Material wiederverwendet.
Dass dieser Helm die Jahrhunderte überdauerte, verdanken wir einem Brauch, der im 14. Jahrhundert aufkam: Zur Erinnerung an einen verstorbenen Ritter hängte man dessen Wappenschild zusammen mit dem Helm in der Kirche auf. Oft wurden dafür dünnwandige Nachbildungen verwendet. Erst 1924 entdeckte man, dass sich auf dem Totenschild des Hans Rieter zu Kornburg in der Allerheiligenkirche Kleinschwarzenlohe ein originaler Helm befand.

Rundum geschützt
Topfhelme waren die ersten vollständig geschlossenen Helme. Sie wurden aus mehreren miteinander vernieteten Eisenplatten gefertigt. Das obere Scheitelstück dieses Helms wurde sehr aufwendig aus einem Stück getrieben. Unterhalb der schmalen Sehschlitze erkennt man eine Reihe von Löchern, die das Atmen erleichtern sollten. Der kreuzförmige Durchbruch links war für eine Rüstkette bestimmt, die den Helm mit der Rüstung verband. Nicht erhalten ist die sogenannte Helmzier, ein Aufsatz, der den Helm mit den persönlichen Erkennungszeichen des Ritters versah.

Nicht für jeden Kampf geeignet
Topfhelme waren vor allem ein wirksamer Schutz vor Angriffen von Reitern mit der Lanze. Sie wurden daher ausschließlich von Rittern getragen. Die geschlossene Form brachte aber auch Nachteile mit sich: Sie behinderte vor allem die Sicht, die Beweglichkeit und die Atmung. Das konnten auch Atemlöcher und Sehschlitze nicht verhindern. Eine ausreichende Luftversorgung war angesichts der schweren körperlichen Anstrengung eines Kampfes entscheidend. Zum Nahkampf mit Schwert und Dolch nahmen Ritter ihren Helm daher meistens ab.

Alter Adel
Die Verwendung für den Totenschild hatte Anfang des 17. Jahrhunderts einige Veränderungen des Helms zur Folge. Dazu gehören die Farbfassung und die goldenen Schmuckstreifen, das Aufhängeloch, die Spangen vor den Sehschlitzen und der gezackte Streifen aus Kettengeflecht. Vermutlich nahm man hierfür den unteren Rand eines Kettenhemds. Dass für den Totenschild eine damals bereits veraltete Helmform verwendet wurde, geschah wohl mit Absicht: Im 16. und 17. Jahrhundert waren viele Patrizier in den Adelsstand erhoben worden. Über die Helmform betonte man die Zugehörigkeit zum alten Ritteradel.
 

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Der lange Ton
Die Bassposaune von Isaac Ehe aus dem Jahr 1612 beeindruckt in vielerlei Hinsicht, zunächst durch ihre schiere Größe. Würde man das vollständig verbaute Rohr ausrollen, hätte es eine Länge von über 4,20 m. Um die Tonhöhe bei einer PosaMehr

Der lange Ton
Die Bassposaune von Isaac Ehe aus dem Jahr 1612 beeindruckt in vielerlei Hinsicht, zunächst durch ihre schiere Größe. Würde man das vollständig verbaute Rohr ausrollen, hätte es eine Länge von über 4,20 m. Um die Tonhöhe bei einer Posaune zu regulieren, verändert man die Rohrlänge beim Spielen, indem man zwei U-förmige Rohrteile am unteren Ende gegeneinander verschiebt. Spielt man die tiefsten Töne einer Bassposaune, muss der Zug so weit hinausgeschoben werden, dass der durchschnittliche Arm eines Menschen fast zu kurz ist. Dafür weist dieses Instrument eine Hilfe auf: Die sogenannte „Handhabe“ ist eine kleine Verlängerung, die mit einem Elfenbeingriff verziert ist.

Musikalisches Kunsthandwerk
Das mittelalterliche Nürnberg hat eine lange Tradition der Blechblasinstrumentenbauer. Zwischenzeitlich waren in der freien Reichsstadt solch hoch spezialisierte Kunsthandwerker tätig, dass sogar der Papst dort Instrumente für den Vatikan bestellte. Doch auch in Nürnberg selbst spielte Musik eine bedeutende Rolle; so unterhielt die Stadt schon seit Ende des 14. Jahrhunderts ein eigenes Stadtpfeifer-Ensemble. Neben Holzblasinstrumenten wie Pommer und Zink durfte dabei eine Posaune nicht fehlen. Einige Stadtpfeifer waren selbst bedeutende Instrumentenbauer – zu ihnen gehörte auch Isaac Ehe.

Musik für den Frieden
Stadtpfeifer spielten bei offiziellen Anlässen, öffentlichen Kundgebungen und in der Kirche. Durch die besondere politische Situation der freien Reichsstadt Nürnberg waren der Rat der Stadt und die Patrizier eng verbunden: In den Zwischenräumen der Inschrift auf dem Schallkranz „MACHT ICH ISAC EHE NVR MBE 1612“ [=Nuremberg] sind die Wappen von sieben Nürnberger Patriziergeschlechtern eingraviert: Volckamer, Harsdörfer, Tetzel, Haller von Hallerstein, Starck, Nützel und Prünsterer. Die reichen Verzierungen und die Wappen sprechen dafür, dass das Instrument für den Rat der freien Reichsstadt Nürnberg gefertigt wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit erklang die Posaune auch beim Nürnberger Friedensmahl 1649, als im Rathaus internationale Diplomaten das Ende des Dreißigjährigen Krieges und damit den Anfang des Europäischen Friedens feierten.
 

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Das „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste naturalistische Erd-Darstellung, die selbst Kugelform hat. Schon die antiken Griechen wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihMehr

Das „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste naturalistische Erd-Darstellung, die selbst Kugelform hat. Schon die antiken Griechen wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihnen die Zeit überdauerte. Martin Behaim verwendete für die Konzeption des Globus eine Vielzahl antiker und zeitgenössischer Quellen. Jedoch mangelte es noch an exakten Karten und empirischen Erfahrungen. Der Globus fasst das bekannte Wissen über die Welt zusammen und gleicht einer visuellen Enzyklopädie. Daher ist er über und über beschriftet. Darunter findet sich legendenhaftes Wissen über Seeungeheuer und Fabelwesen genauso wie damals aktuelle Erkenntnisse über Ressourcenvorkommen und Reiserouten. Das Objekt zeigt eindrücklich, dass Europa seine Hände nach der ganzen Welt ausstreckte. Als Behaim die Arbeit am Globus im Jahr 1492 aufnahm, landete Christoph Kolumbus gerade erst in Amerika. Daher ist dieser Teil der Welt noch nicht dargestellt, ebenso wie Australien. Die bekannten Kontinente hingegen sind zu groß geraten, weil der Erdumfang unter Berufung auf den antiken Gelehrten Claudius Ptolemäus zu klein gewählt wurde.


Behaims Globus und seine Beweggründe
Martin Behaim war ein Nürnberger Patrizier, der nach Portugal ausgewandert war und dort für den König arbeitete. Er nahm wahrscheinlich an Entdeckungsfahrten Teil und hatte deswegen wohl Zugriff auf exklusives Kartenmaterial. Deshalb ist die Westküste Afrikas schon relativ präzise wiedergegeben. Vielleicht hatten die Portugiesen die Herstellung des Globus sogar unterstützt. Ein weiterer möglicher Beweggrund war die Suche nach Sponsoren für kostspielige Entdeckungs- und Handelsreisen. Behaim hat an vielen Orten vermerkt, dass man dort wertvolle Rohstoffe finden könne. Dazu zählten zum Beispiel Perlen, edle Hölzer und Gewürze. Ihre Kennzeichnung auf dem Globus sollte Investoren dazu bewegen, die Reisen finanziell zu unterstützen.

Spezialisten arbeiten zusammen
Mehrere Nürnberger Handwerker erschufen den Globus in einem arbeitsteiligen Prozess. Ein Glockengießer lieferte eine Lehmkugel, die mit Leinentüchern beklebt wurde. So entstanden durch Abformung zwei hohle Halbkugeln. Auf diese wurden Pergament und Papier aufgebracht. Ein Buchmaler und ein Schreiber gestalteten die Oberfläche. Das Gestell des Globus fertigten ein Schlosser und ein Schreiner. Für diesen aufwendigen Prozess gab es noch keine Vorbilder. Der Globus wurde anschließend im Nürnberger Rathaus aufgestellt und dort vermutlich wichtigen Gästen der Stadt gezeigt. Leider ist er heute nicht mehr gut lesbar. Schuld daran sind Alterung und mehrfache Restaurierungen.

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Elegante Schlichtheit
Auf den ersten Blick besticht die Keramik-Vase durch ihre Schlichtheit, ihre leuchtend kobaltblaue Farbe und ihre elegante Knospenform. Sie entstand um 1870 in der Pariser Werkstatt von Théodore Deck. Über dem Standring geht die zylMehr

Elegante Schlichtheit
Auf den ersten Blick besticht die Keramik-Vase durch ihre Schlichtheit, ihre leuchtend kobaltblaue Farbe und ihre elegante Knospenform. Sie entstand um 1870 in der Pariser Werkstatt von Théodore Deck. Über dem Standring geht die zylindrische Vase in lange blattartige Gebilde über, zwischen denen ein niedriger Hals sitzt. Erst bei genauerer Betrachtung fallen zwei Ornamentbänder auf: Über dem Standring liegen Wellen und um den Hals ein Rautenmuster. In der blauglasierten Bodenfläche ist die Marke TH DECK eingepresst.

Erneuerer der Keramik
Joseph-Théodore Deck (1823–1891) war zunächst Lehrling in Straßburg. Auf seiner Wanderschaft kam er nach Österreich und nach Preußen. 1856 eröffnete er zusammen mit seinem Bruder in Paris eine Werkstatt für dekorative Keramik. Er gilt als Erneuerer der Fayence-Erzeugung, wobei er alte Techniken mit modernen Verfahren neu entwickelte. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er 1887 in dem Buch „La Faïence“, welches zu einem Standardwerk seines Genres wurde. Auch die vorliegende Vase ist eine Fayence. Man bezeichnet damit Keramik, deren gelblicher oder rötlicher Scherben mit einer zinnoxidhaltigen, deckenden Glasur überzogen ist. Oft war die Glasur weiß und man bemalte sie mit blauen Motiven – aber nicht immer, wie dieses Beispiel zeigt.

Weltweite Inspiration
1862 zeigte Deck erstmals islamischen Dekor auf seinen Erzeugnissen. Gleichzeitig erforschte und perfektionierte er die dazugehörigen Handwerkstechniken. Von der Japan-Begeisterung der 1870er Jahre ließ er sich ebenso wie die meisten europäischen Kunstschaffenden anstecken. Im darauffolgenden Jahrzehnt erkundete er dann die chinesische Keramiktradition. Bei der vorliegenden Vase ist nur ein vager außereuropäischer Einfluss zu erkennen. Im Vergleich dazu waren andere Stücke Decks wesentlich komplexer und virtuoser. Seine Werkstatt stellte auf mehreren Weltausstellungen aus und erzielte dort große Erfolge. Auf der Pariser Weltausstellung von 1878 erwarb das Bayerische Gewerbemuseum die dargestellte Vase für seine Lehrsammlung.

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