Made in Augsburg
Die Idee, Saiten durch einen Hammer anzuschlagen, statt diese wie beim Cembalo durch einen Federkiel anzuzupfen, wurde um 1700 in Italien entwickelt. Den entscheidenden Schritt zur Durchsetzung dieser neuen Technologie machte Johann AndrMehr

Made in Augsburg
Die Idee, Saiten durch einen Hammer anzuschlagen, statt diese wie beim Cembalo durch einen Federkiel anzuzupfen, wurde um 1700 in Italien entwickelt. Den entscheidenden Schritt zur Durchsetzung dieser neuen Technologie machte Johann Andreas Stein aus Augsburg, einer der wichtigsten Klavierbauer der Musikgeschichte. Er erfand eine Flügelmechanik, die mit sehr wenigen Bauteilen auskommt, leicht zu warten ist und äußerst sensibel auf den Anschlag des Spielers reagiert. Aufgrund ihrer verschiedenen Bauteile trägt sie heute den Namen „Prellzungenmechanik“. Mit seiner Erfindung begründete Stein die berühmte Wiener Klavierbautradition, da seine Mechanik dort aufgenommen und weiterentwickelt wurde.

Piano und Forte
Die Erfindung des Klaviers in Florenz um 1700 war eine kleine Revolution, nicht nur, weil dadurch der Hammer den Federkiel beim Saitenanschlag ersetzte. Die neuartige Mechanik ermöglichte es, erstmals die Lautstärke allein durch entsprechenden Druck auf die Taste zu regulieren. Register wie beim Cembalo waren nun nicht mehr nötig. Das neue stufenlose Spiel von leise und laut – italienisch „piano e forte“ – war Namensgeber für das Pianoforte, oder kurz: Piano. Wenngleich heute vor allem historische Flügel als Hammerflügel bezeichnet werden, hat das Alter des Instruments auf diese Bezeichnung keinen Einfluss. Auch der moderne Konzertflügel ist technisch betrachtet ein Hammerflügel.

Mozart klingt
Äußerlich unterscheiden sich die frühen Hammerflügel allerdings deutlich von modernen Instrumenten. Statt auf drei, stehen sie meist auf vier oder fünf Beinen. Die heute so typische Lyra mit den Fußpedalen gab es noch nicht. Die Funktion des heutigen rechten Pedals, die Aufhebung der Dämpfung, existierte aber durchaus. Sie wurde durch zwei mit den Knien zu bedienende Hebel unter der Klaviatur betätigt. Ebenfalls augenfällig ist die filigrane, dünnwandige Bauweise. Noch gab es keine Metallstreben oder schwere eiserne Gussplatten über dem Resonanzboden, wie sie der tonnenschwere Saitenzug moderner Flügel erforderlich macht. Dementsprechend waren die frühen Flügel viel leiser als heutige Instrumente. Von Wolfgang Amadeus Mozart wissen wir, dass er die Instrumente aus der Werkstatt Steins sehr schätzte. Zu seiner Zeit galten sie als das Beste, was an Flügeln zu bekommen war.
 

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Es klingelt und funkelt
Jedesmal, wenn die Trägerin dieser Goldhaube den Kopf wandte, ertönte ein zartes Klingeln, und die Flindern glänzten und funkelten. Flindern sind kleine Metallplättchen, ähnlich den heutigen Pailletten. Die Basis dieses KopfschmucMehr

Es klingelt und funkelt
Jedesmal, wenn die Trägerin dieser Goldhaube den Kopf wandte, ertönte ein zartes Klingeln, und die Flindern glänzten und funkelten. Flindern sind kleine Metallplättchen, ähnlich den heutigen Pailletten. Die Basis dieses Kopfschmucks bildet eine geknüpfte Seidenhaube, die mit einem Leinenpolster in Form gebracht ist. Aus der Oberfläche ragen unzählige, mit Seidenfäden umwundene Drahtstifte heraus, in die die vergoldeten Kupferplättchen eingehängt sind. Sie waren dadurch beweglich und erzielten so die besonderen visuellen und akustischen Effekte. Die im Nacken gebundenen Bänder blieben beim Tragen unsichtbar. Sie gaben dem Kopfputz Halt.

Mode für den ersten Stand
Die Menschen in Nürnberg waren im 17. Jahrhundert in fünf Stände eingeteilt, von denen die ersten vier allerdings nur ca. 1% der Bevölkerung ausmachten. Kleiderordnungen regelten genau, welcher Stand wann welche Kleidung und Schmuck tragen durfte. In einer Nürnberger Kleiderordnung von 1657 stand explizit, dass eine Flinderhaube mit „eingehängten Plättlein“ Frauen des ersten Stands vorbehalten war. Es gab auch Flinderhauben mit „aufgehefften“ – also festgenähten – „Plättlein“, bei denen das Spiel mit den Lichtreflexen aber längst nicht so wirkungsvoll war. Diese schlichtere Haube durften Frauen bis in den dritten Stand tragen.


Traditionsbewusst oder altmodisch?
Die Flinderhaube galt im 17. Jahrhundert als ehrbar und standesbewusst, aber auch als konservativ. Statt zum althergebrachten „teutschen Habit“ zu greifen, kleidete sich die modebewusste Nürnbergerin nun lieber nach französischer Art. Und während es früher vorgeschrieben war, dass verheiratete Frauen ihre Haare komplett mit einer Haube bedecken mussten, trugen sie nun haarsichtige Kopfbedeckungen wie Hut und Barett. Die Flinderhaube kam 1859, nur wenige Jahre nach der Gründung, in die Sammlung des Germanischen Nationalmuseums.

 

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Beschützerin der Kunst
Die römische Göttin Minerva – bei den Griechen bereits als Athene verehrt – galt in der antiken Mythologie als Hüterin des Wissens und Göttin der Weisheit. Darüber hinaus sprach man ihr auch Einfluss auf die Geschicke Mehr

Beschützerin der Kunst
Die römische Göttin Minerva – bei den Griechen bereits als Athene verehrt – galt in der antiken Mythologie als Hüterin des Wissens und Göttin der Weisheit. Darüber hinaus sprach man ihr auch Einfluss auf die Geschicke des Staates und die taktische Kriegsführung zu. Entsprechend wehrhaft ist sie hier mit einem prächtigen Federhelm, einem Schuppenpanzer und wadenhohen Stiefeln ausgerüstet. Ihr Schild ist mit dem Haupt der Medusa geschmückt, dessen Anblick der Sage nach alle Gegner zu Stein erstarren ließ.
An der Hand führt sie einen Knaben, der vertrauensvoll zu ihr aufschaut. Mit dem Buch und einer Zeichenrolle unter dem Arm ist er als Verkörperung der Künste dargestellt. Weitgehend unbekleidet und wehrlos vertraut er sich der sicheren Führung der Schutzgöttin an.

Die Leichtigkeit des Rokoko
Die über drei Meter hohe Skulptur war eine von mindestens zwölf Darstellungen mythologischer Götter und Heroen im Park von Schloss Seehof bei Bamberg. Geschaffen hat sie der aus Böhmen stammende Bildhauer Ferdinand Tietz (1708-1777). Mit 28 Jahren war er nach Würzburg gekommen, wo er neben Arbeiten an der neuen Residenz auch kirchliche und bürgerliche Aufträge übernahm. Nach seiner Übersiedlung ins nahe gelegene Bamberg wurde er zum Hofbildhauer des dortigen Fürstbischofs. Tietz betrieb eine große Werkstatt mit fünf Gesellen und gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des süddeutschen Rokoko. Für den Zeitstil typisch sind die leichte, tänzerische Wendung des Körpers und die gebauschten, die Figur in weiten Bögen umspielenden Gewänder.

Garten der Götter
Schloss Seehof war die Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe und diente vor allem als Jagdschloss. Die weitläufigen Parkanlagen, für die auch die Skulpturen geschaffen wurden, bildeten mit ihren Orangerien, Fontänen Alleen, Hecken und Terrassen ein besonderes Gartenkunstwerk. Sie waren nicht so sehr an französische Vorbilder angelehnt, die auf die Repräsentation absolutistischer Macht abzielten, sondern an die sehr viel intimer gestalteten Gärten italienischer Villen oder holländischer Anlagen. Der Garten lud ein zum Lustwandeln, zu Rückzug und Muße. Er konnte aber auch ein Ort der Repräsentation sein und bot dann die reizvolle Kulisse für Feste und Veranstaltungen. Eine Skulptur wie die der Minerva war Teil dieser Inszenierung. Als Schutzpatronin der Künste war sie ein Sinnbild der Kunst- und Wissenschaftsförderung der Bamberger Fürstbischöfe.
 

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Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird aMehr

Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird auf das 1. Drittel des 17. Jahrhunderts datiert und stammt aus dem süddeutschen Raum. Brettspiele waren damals in allen gesellschaftlichen Schichten beliebt. An den Fürstenhöfen bestanden die Bretter aus kostbaren Materialien wie Elfenbein, Ebenholz und Perlmutt. Sie zeigten den Wohlstand ihrer Besitzer. Manche dienten nur der Repräsentation und eigneten sich gar nicht zur Benutzung, weil die Spielsteine zu groß waren. Beliebte Spiele am Hof waren Schach und Tric Trac, das heutige Backgammon. Mühle und das Gänsespiel waren hingegen einfacher zu lernen und galten als Spiele für alle Gesellschaftsschichten.

Gänsemarsch
Laufspiele mit Spiralform existierten schon im alten Ägypten, jedoch taucht speziell das Gänsespiel erstmals im Europa des 15. oder 16. Jahrhunderts auf. Durch Würfeln rückt man vorwärts. Die Spielfelder und ihre Bedeutung variieren zwar, jedoch gibt es wiederkehrende Elemente. Die Gänsefelder ermöglichen, dass man noch einmal zieht. Die Herberge (19) und das Gefängnis (52) bedeuten ein- oder mehrmals aussetzen. Landet man auf dem Labyrinth (42), so muss man einige Felder zurückziehen. Der Tod (58) zwingt zum Neuanfang auf Feld 1. Insgesamt kann man das Spielfeld als Lebensweg deuten, wobei der Ausweg am Ende für das Paradies steht.

In der Zwickmühle
Im Gegensatz zum Gänsespiel basiert Mühle auf Taktik. Ziel ist es, alle Steine des Gegenübers wegzunehmen, indem man Dreierreihen, die sogenannten Mühlen, bildet. Man spielt mit zweimal neun Steinen unterschiedlicher Farbe. Das Spiel könnte aus antiker Zeit stammen, sicher nachweisbar ist es jedoch erst im byzantinischen Europa. Schon im Mittelalter existierten für Mühle – ebenso wie für Schach und Backgammon – Wettaufgaben, die man aus heutigen Zeitungen als Schachrätsel kennt.

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten koMehr

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. DaMehr

Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. Das Prunkstück ist extrem detailreich, verdeutlicht symbolisch den gesellschaftlichen Status seines Besitzers und erfüllt außerdem praktische Zwecke. Der Versuch, all diesen Ansprüchen gleichzeitig zu genügen, ist typisch für Meisterwerke der Goldschmiedekunst um 1500.


Ein Hochseeschiff fernab vom Meer
Das Schiff lässt sich als Karacke identifizieren. Die charakteristischen Bestandteile einer Karacke sind drei Masten, ein bauchiger Rumpf, ein hoher Aufbau am Bug sowie ein hoher Aufbau am Heck, der bereits am Großmast beginnt. Diese Schiffsform war seit dem 14. Jahrhundert unersetzlich für den europäischen Handel und später auch für die koloniale Eroberung. Da Nürnberg zwar eine reiche Handelsstadt war, jedoch weit vom Meer entfernt lag, ist die extrem genaue Wiedergabe des Schiffs durch einen unbekannten Nürnberger Goldschmied besonders bemerkenswert.

Viel zu entdecken
Die zahlreichen Details machen den Tafelaufsatz zu einem unterhaltsamen Blickfang für die Festgäste. 74 Figuren bilden eine erstaunliche Bandbreite an Aktivitäten ab. Viele davon sind typisch für die Seefahrt, wie zum Beispiel das Beladen, die Arbeit an den Segeln oder die Feindesabwehr. Man findet jedoch auch unerwartete Figuren, wie eine Wäsche waschende Frau, einen Mönch mit Kutte, und einen Matrosen, der am Bordrand sein Hinterteil entblößt. Auf dem geblähten Segel – am vorderen, sogenannten Fockmast – findet sich das „N“ als Zeichen der Nürnberger Silberbeschau, das Qualitätssiegel der Nürnberger Silberproduktion. Der Drache am Bug des Schiffs sowie die Meerfrau im Sockel verleihen dem Tafelaufsatz eine fantastische Note.

Die Besitzer und Namensgeber
Das Schiff bezieht seinen Namen von der Nürnberger Familie Schlüsselfelder. Ihr Wappen mit drei Schlüsseln ist auf der Fahne am Fockmast, über dem geblähten Segel, zu sehen. Der Auftraggeber war wohl Wilhelm Schlüsselfelder der Ältere, der sein Vermögen im Silberbergbau und -handel verdient hatte, aber noch kein Angehöriger des Patriziats war. Silberne Schiffe auf einer Festtafel waren im Mittelalter ein Privileg des höchsten Adels. Dass ein Kaufmann ein solches Werk in Auftrag gab, zeigt das Selbstbewusstsein des städtischen Bürgertums am Anfang der Neuzeit. Auch das passgenaue Futteral (HG2148) ist erhalten.

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Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. NaMehr

Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. Nachdem der sensationelle Rang des Fundes vom Germanischen Nationalmuseum erkannt worden war, konnten die Fragmente einer aufwändigen Restaurierung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz zusammengefügt werden. Ursprünglich hatte der Hut wohl auch eine breite Krempe, von der jedoch nur ein kleines Fragment gefunden wurde.


Handwerk der Bronzezeit
Die technische Perfektion des Huts ist herausragend. Er wurde mit dem Hammer aus einem einzigen Goldstück herausgetrieben. Nur 310 Gramm wiegt der Kegel. Seine Wandung ist so dünn wie Papier. Er ist bis in die Spitze mit Zierbändern aus unterschiedlichen Ornamenten versehen, darunter Kreise, Räder, mandelförmige Buckel und kleine quergestreifte Kegel – sie stellen wohl den Hut selbst in Miniaturformat dar. Mehr als 20 verschiedene Stempel und sechs Rollstempel wurden für die Punzierung verwendet. Diesen Stil kennen wir von in Westeuropa verbreiteten goldenen Scheiben und Schalen aus der Bronzezeit, die als Vergleichstücke zur Datierung herangezogen werden. Es gibt heute nur drei vergleichbare Kegelhüte aus Gold, die in Museen in Speyer, Berlin und Saint-Germain-en-Laye nahe Paris zu sehen sind. Die Verbreitung der Fundorte dieser und anderer zeremonieller Fundstücke über ganz Europa belegt einen weiträumigen Austausch von technischem Know-how und Glaubensvorstellungen in der Bronzezeit.

Kult der Sonne?
Das Material und die vielen Scheibenmotive sind Hinweise auf einen bronzezeitlichen Sonnenkult. Höchstwahrscheinlich trug eine hochgestellte Persönlichkeit die prächtige Kopfbedeckung bei zeremoniellen kultischen Anlässen. Der Goldhut wurde wohl vergraben, als die damit verbundenen religiösen Vorstellungen erloschen. Für den Nürnberger Goldhut und ein weiteres Exemplar in Speyer gilt außerdem, dass sie scheinbar senkrecht im Boden vergraben wurden.
 

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Ein Vorläufer des Waschbeckens
Im Spätmittelalter führten die Bedürfnisse des aufstrebenden Bürgertums in den Städten zur Entwicklung neuer Möbelgattungen. Dazu gehört auch der Waschkasten. Er brachte „fließendes“ Wasser in die Stuben, langeMehr

Ein Vorläufer des Waschbeckens
Im Spätmittelalter führten die Bedürfnisse des aufstrebenden Bürgertums in den Städten zur Entwicklung neuer Möbelgattungen. Dazu gehört auch der Waschkasten. Er brachte „fließendes“ Wasser in die Stuben, lange bevor es Wasserleitungen in den Wohnhäusern gab. Denn damals musste jeder Liter, den man trank, zum Kochen, Putzen oder für die eigene Hygiene verwendete, von einem der vielen öffentlichen Brunnen geholt werden. Waschkästen machten die Nutzung des Wassers in den Wohnungen deutlich komfortabler, da sie ganz ähnlich funktionierten wie heutige Waschbecken.

Mit Hilfe der Schwerkraft
Der obere Teil des Waschkastens dient dabei als Wasserspeicher. Hinter der kleinen Tür ist ein Behälter eingebaut, der mit Brunnenwasser gefüllt wurde. Drehte man den Hahn darunter auf, lief frisches Wasser in ein Metallbecken und man konnte sich bequem die Hände waschen. Das Abwasser floss in einen Auffangbehälter im unteren Teil des Schranks. Von dort musste es dann wieder entsorgt werden.

Ein Luxus der Reichen

Waschkästen gab es zunächst nur in wohlhabenden Häusern. Meist standen sie in der Stube, in der auch gegessen wurde. Das Händewaschen war ein wichtiger Teil der Tischhygiene. Da Gabeln damals noch nicht zum Essbesteck gehörten, aß man mit Messer und Löffel – und mit den Händen. Zeitgenössische „Tischzuchten“, Anweisungen zum rechten Verhalten, forderten daher eine gründliche Reinigung der Hände vor und nach dem Essen.
 

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Ein schlichtes Kleid?
Fast ohne Zier kommt dieses lachsfarbene Kleid aus hochwertigem Seidentaft aus. Durch die Reduktion der Ornamente wird das Wesentliche zur Schau gestellt. Es war passgenau für seine Trägerin geschneidert und umspielte schmeichelnd ihMehr

Ein schlichtes Kleid?
Fast ohne Zier kommt dieses lachsfarbene Kleid aus hochwertigem Seidentaft aus. Durch die Reduktion der Ornamente wird das Wesentliche zur Schau gestellt. Es war passgenau für seine Trägerin geschneidert und umspielte schmeichelnd ihre Körperform. Nur die Brustpartie und die Ärmel liegen eng an, während der restliche Stoff frei fallen kann. Die Schleppe des Kleids macht deutlich, dass es sich um ein Festgewand handelt. Schließlich findet man am Rücken doch noch ein Zierelement: Die Reihe von seidenbezogenen Holzknöpfen hat keine Funktion und betont lediglich die lange Rückenpartie des Kleides.


„Die neue Griechin“
Im 18. Jahrhundert, dem sogenannten Spätbarock oder Rokoko, war die höfische Frauenmode extrem einengend gewesen. Der Oberkörper wurde von einem Korsett eingeschnürt und unter der Taille begann ein riesiger Reifrock, der selbst alltägliche Bewegungen zu einer Herausforderung machte. Doch mit der Aufklärung begann das Bürgertum die „unnatürlichen“ Ideale des höfischen Zeremoniells abzulehnen. Stattdessen orientierten es sich an der „natürlichen“ Kleidung der antiken Griechen, die vor allem in Skulpturen überliefert war. Man nennt diese Epoche auch Klassizismus. Texte aus dieser Zeit beschreiben, dass die Bewegungen der Frauen, die als „neue Griechinnen“ gekleidet waren, viel natürlicher seien und ihr Wesen besser zur Geltung komme.

Frankreich und die Welt
Im 19. Jahrhundert war die hohe Taille der Damenkleider eine Konstante, die man bis heute in der Mode wiederfindet. Sie wird meist als Empire-Taille bezeichnet. Der Begriff kommt aus Frankreich, wo die griechische Mode im ersten Kaiserreich, dem sogenannten Empire, besonders beliebt war. Die Französinnen der Oberschicht kleideten sich gerne in der „mode à la grecque“. Denn nach der Französischen Revolution waren die Ideale der antiken griechischen Republiken populär. Der modische Pomp der Feudalgesellschaft wurde vorübergehend durch schlichte Bescheidenheit ersetzt. Doch konnte eine wohlhabende Frau hochwertigere Stoffe und bessere Verarbeitung wählen, womit sie sich subtil von der Mehrheit abhob.
 

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