Botschafter des Glaubens
Bartholomäus ist einer der zwölf Jünger, die Jesus zu Aposteln ernannte und sie mit der Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft beauftragte. Die Tonfigur gehört zu einer Serie von zwölf sitzenden Aposteln, vonMehr

Botschafter des Glaubens
Bartholomäus ist einer der zwölf Jünger, die Jesus zu Aposteln ernannte und sie mit der Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft beauftragte. Die Tonfigur gehört zu einer Serie von zwölf sitzenden Aposteln, von denen sich heute sechs in der Sammlung des GNM befinden. Ursprünglich hielt Bartholomäus ein Messer in seiner rechten Hand, ein Verweis auf sein Martyrium. Auch die anderen Apostel waren anhand solcher für sie jeweils typischen Attribute zu erkennen. Doch obwohl die meisten dieser Erkennungszeichen verloren gegangen sind, charakterisieren Körperhaltung und Gesichtszüge sie als unterschiedliche Persönlichkeiten.

Die Kunst der Modellierung
Bemerkenswert ist der üppige Faltenwurf seines Gewands. Der namentlich nicht bekannte Künstler wandte dabei eine besondere Technik an: Die gleichmäßige Wandstärke lässt erkennen, dass er mit ausgewalzten Tonplatten arbeitete, die er zu einer Hohlfigur zusammenfügte. Offenbar stabilisierte er sie mit einer Hand von innen, während er die äußere Form mit einem Modellierholz herausarbeitete.
Ursprünglich waren die Apostel farbig gestaltet. Drei weitere Figuren der Zwölfergruppe, die heute noch in der Nürnberger Jakobskirche erhalten sind, geben einen Eindruck von dieser Bemalung. Bei den Aposteln im GNM wurde die Farbfassung dagegen Ende des 19. Jahrhunderts abgelaugt. Dadurch lassen sich bestimmte Details des komplizierten Herstellungs­verfahrens besser erkennen. So deuten die kleinen Löcher an den Seiten der Köpfe auf eine Stütze hin, mit der diese beim Trocknen und Brennen stabilisiert wurden.

Von allen Seiten schön
Die zwölf Tonfiguren, die um 1420 in Nürnberg geschaffen wurden, sind sowohl technisch als auch künstlerisch von herausragender Qualität. Wahrscheinlich waren sie für einen Johannesaltar in der Lorenzkirche bestimmt, der an der Schwelle zum Chorraum stand. Die Apostelfiguren sind auf allen Seiten mit höchster Sorgfalt ausgearbeitet. Vermutlich ließ sich die Rückwand dieses Altaraufsatzes aufklappen, so dass zumindest zeitweise auch die Rückseiten der Tonapostel sichtbar waren.
 

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Es klingelt und funkelt
Jedesmal, wenn die Trägerin dieser Goldhaube den Kopf wandte, ertönte ein zartes Klingeln, und die Flindern glänzten und funkelten. Flindern sind kleine Metallplättchen, ähnlich den heutigen Pailletten. Die Basis dieses KopfschmucMehr

Es klingelt und funkelt
Jedesmal, wenn die Trägerin dieser Goldhaube den Kopf wandte, ertönte ein zartes Klingeln, und die Flindern glänzten und funkelten. Flindern sind kleine Metallplättchen, ähnlich den heutigen Pailletten. Die Basis dieses Kopfschmucks bildet eine geknüpfte Seidenhaube, die mit einem Leinenpolster in Form gebracht ist. Aus der Oberfläche ragen unzählige, mit Seidenfäden umwundene Drahtstifte heraus, in die die vergoldeten Kupferplättchen eingehängt sind. Sie waren dadurch beweglich und erzielten so die besonderen visuellen und akustischen Effekte. Die im Nacken gebundenen Bänder blieben beim Tragen unsichtbar. Sie gaben dem Kopfputz Halt.

Mode für den ersten Stand
Die Menschen in Nürnberg waren im 17. Jahrhundert in fünf Stände eingeteilt, von denen die ersten vier allerdings nur ca. 1% der Bevölkerung ausmachten. Kleiderordnungen regelten genau, welcher Stand wann welche Kleidung und Schmuck tragen durfte. In einer Nürnberger Kleiderordnung von 1657 stand explizit, dass eine Flinderhaube mit „eingehängten Plättlein“ Frauen des ersten Stands vorbehalten war. Es gab auch Flinderhauben mit „aufgehefften“ – also festgenähten – „Plättlein“, bei denen das Spiel mit den Lichtreflexen aber längst nicht so wirkungsvoll war. Diese schlichtere Haube durften Frauen bis in den dritten Stand tragen.


Traditionsbewusst oder altmodisch?
Die Flinderhaube galt im 17. Jahrhundert als ehrbar und standesbewusst, aber auch als konservativ. Statt zum althergebrachten „teutschen Habit“ zu greifen, kleidete sich die modebewusste Nürnbergerin nun lieber nach französischer Art. Und während es früher vorgeschrieben war, dass verheiratete Frauen ihre Haare komplett mit einer Haube bedecken mussten, trugen sie nun haarsichtige Kopfbedeckungen wie Hut und Barett. Die Flinderhaube kam 1859, nur wenige Jahre nach der Gründung, in die Sammlung des Germanischen Nationalmuseums.

 

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Die Kunst der Minne
Eine Gartenlandschaft wird zur Spielwiese einer ausgelassenen, in Gruppen arrangierten Hofgesellschaft. Dass das bunte Treiben einen erotischen Hintergrund hat, lässt schon ihre Aufmachung erkennen: Die figurbetont-modische KleiMehr

Die Kunst der Minne
Eine Gartenlandschaft wird zur Spielwiese einer ausgelassenen, in Gruppen arrangierten Hofgesellschaft. Dass das bunte Treiben einen erotischen Hintergrund hat, lässt schon ihre Aufmachung erkennen: Die figurbetont-modische Kleidung der jungen Männer ist ebenso aufreizend wie die tiefen Kleiderdekolletés der Hofdamen. Ihre Spiele folgen den Gesetzen der Minne. Darunter versteht man das an den Höfen des Hochmittelalters zur Kunstform entwickelte Liebeswerben um eine begehrte Frau.


Spielarten der Liebe
Dargestellt sind einige heute noch bekannte Spiele, wie Fangen oder Blindekuh. Aber auch längst vergessene Spiele sind zu sehen: Die linke obere Gruppe vergnügt sich beim „Main Chaude“. Hierbei muss ein Mann mit geschlossenen Augen erraten, wer ihm die Hand auf das Gesäß legt. Direkt darunter treten ein Höfling und eine Edeldame zur sogenannten „Quintaine“ an. In dieser Abwandlung des ritterlichen Lanzenstechens versuchen sich die Gegner durch einen Stoß mit dem Fuß zu Fall zu bringen. Beobachtet wird das heiter-frivole Geschicklichkeitsspiel von der Minnekönigin höchstpersönlich. Ganz rechts macht der Minnestrick einen Höfling zum gefesselten Liebesopfer. Nur die verehrte Dame kann ihn befreien. Im Zentrum des Bildteppichs steht die Minneburg. Sie ist das Sinnbild für die begehrte Frau, die es – wie eine Festung – durch die Minne zu erobern gilt.


Ein höfisches Thema?
Ob der Teppich für den privaten oder öffentlichen Raum hergestellt wurde, ist nicht überliefert. Zwei Wappen am rechten Rand verweisen auf die angesehene Tuchhändlerfamilie Diel in Speyer, die diesen Teppich offenbar in Auftrag gegeben hatte. Als Ratgeber der Pfälzer Kurfürsten war ihr der repräsentative Gebrauch von Wandteppichen am Heidelberger Hof geläufig. Großformatige Wandteppiche im häuslichen Bereich waren bis ins 16. Jahrhundert überwiegend dem Adel und der städtischen Oberschicht vorbehalten. Dass ein bürgerlicher Auftraggeber sich ausgerechnet für ein höfisches Motiv wie die Minne entscheidet, ist bemerkenswert. Offenbar wollte die Familie Diel als reiche Tuchhändler durch die Wahl des Themas auch ihr Standesbewusstsein zum Ausdruck bringen.

 

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(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steMehr

(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblasene Glas besticht durch seine komplexe Farbgebung und seine verspielte Form. Von antiken römischen Gläsern bezog der Firmengründer Louis Comfort Tiffany die Idee für die irisierende Oberflächenbehandlung. Den perlmuttartigen Glanz erzielte er durch Beimischung von Metallsalzen in die Glasschmelze.

Handwerk und Einzelstück
Auch wenn sein Unternehmen später noch weitere Luxusgüter produzierte, wurde Tiffany zunächst für seine Glasarbeiten weltberühmt. Dazu zählte nicht nur Trinkgeschirr, sondern vor allem Bleiglasfenster und -lampenschirme. Tiffanys Firma expandierte zwar rasant, jedoch war es ihm wichtig, dass seine Glaserzeugnisse handgemacht waren und auch so aussahen. Im Zeitalter der fortschreitenden Massenproduktion hatte die manuelle Fertigung einen luxuriösen und nostalgischen Touch. Tiffany prägte daher den Begriff „Favrile-Glas“ als Kennzeichen seiner Marke. Das Wort stammt von lateinisch „fabrilis“ ab und bedeutet handgemacht.

Vom Malereistudenten zum Geschäftsmann
Da Tiffany in eine reiche Familie geboren wurde, konnte er sich eine lange und intensive künstlerische Ausbildung leisten. Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Europa und Nordafrika und studierte bei mehreren profilierten Landschaftsmalern. Erst nachdem er sein Glasunternehmen schon aufgebaut hatte, übernahm Tiffany auch noch den Juwelierbetrieb seines Vaters. Dadurch entstand ein Imperium, welches bis heute den Luxusgütermarkt prägt.

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Schritt für Schritt
In der Barockzeit gehörte neben Fechten und Reiten auch der Tanz zur Bildung der gehobenen Schichten. Der Tanzlehrer bzw. Tanzmeister gab Takt und auch Ton auf der Geige an, um die korrekten Schrittfolgen und Bewegungen zu unterrichteMehr

Schritt für Schritt
In der Barockzeit gehörte neben Fechten und Reiten auch der Tanz zur Bildung der gehobenen Schichten. Der Tanzlehrer bzw. Tanzmeister gab Takt und auch Ton auf der Geige an, um die korrekten Schrittfolgen und Bewegungen zu unterrichten. Wollte er die Hände frei haben, um beispielsweise die typischen grazilen Armbewegungen vorzuführen, konnte er die kleine Geige einfach in seine Rocktasche stecken. In Frankreich wurden diese Instrumente deshalb „Pochette“ genannt: Täschchen.

Musikalisch überholt
Ihren Ursprung hat die Tanzmeistergeige in der Rebec, einer Vorgängerin der heute bekannten Violine. Das kleine, birnenförmige Streichinstrument mit bis zu fünf Saiten stammte aus dem Orient und verbreitete sich seit dem späten Mittelalter in ganz Europa und darüber hinaus. Im Bereich der europäischen Kunstmusik wurde die Pochette weitgehend durch die Violine abgelöst, außer von den Tanzmeistern. So berichtet auch Mozarts Vater Leopold in seiner Violinschule von 1756: „Eine schon fast veraltete Art der Geigen sind die kleinen Sack- oder Spitzgeiglein welche mit 4. oder auch nur mit 3. Seyten bezogen sind. Sie wurden, wegen der Bequemlichkeit sie in den Schubsack zu stecken, gemeiniglich von den Herren Tanzmeistern bey Unterweisung ihrer Lehrlinge gebraucht.“

Modisches Accessoire
Zum Benimm- und Tanzunterricht gehörte auch die bestimmten Regeln folgende Symbolsprache des Fächers, den Menschen von Welt immer mit sich führten. Mit einer Geige in der Hand wäre diese Sprache jedoch nicht zu vermitteln. Der Fächer hat deshalb eher symbolische Funktion und ist vor allem ein elegantes Accessoire. Der originale Fächer dieser Tanzmeistergeige aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist nicht mehr erhalten. Bevor das Instrument in den 1960er Jahren ins Museum kam, ließ der Vorbesitzer den Fächer nach einem vergleichbaren Instrument in einer Berliner Sammlung rekonstruieren.
 

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Ähnlich, aber einzigartig
Wilhelm Lehmbruck schuf 1911 eine lebensgroße weibliche Aktplastik aus Gips, die er Die Kniende nannte. Begleitend fertigte er mehrere Büsten der Knienden, die sich durch Material und Oberflächendetails unterscMehr

Ähnlich, aber einzigartig
Wilhelm Lehmbruck schuf 1911 eine lebensgroße weibliche Aktplastik aus Gips, die er Die Kniende nannte. Begleitend fertigte er mehrere Büsten der Knienden, die sich durch Material und Oberflächendetails unterscheiden. Das Exemplar im GNM besteht aus gelblichem Ton. Obwohl die Bearbeitungsspuren der Figur Einzigartigkeit verleihen, stellte Lehmbruck keine konkrete Person dar. Vielmehr zeigt die Büste eine universelle menschliche Geste. Die Frau hat ihre Augen geschlossen und den Kopf zu ihrer linken Schulter geneigt. Sie exponiert ihren langen, schlanken Hals. Diese Haltung könnte Nachdenklichkeit oder Demut darstellen. Lehmbruck lässt die Büste auf Höhe der Brust enden und ruft dazu auf, den Körper weiter zu imaginieren. Er deutet das Ganze an, ohne es zu zeigen.

Eine universelle Frau
Die vollfigurige Version hat ein Knie am Boden abgelegt und ein Bein aufgestellt. Ihre dünnen Körperglieder wirken elegant und unnatürlich. Daher warfen Kritiker Lehmbruck vor, er habe keinen Menschen, sondern eine Gliederpuppe geschaffen. Außerdem wurde die Kniende immer wieder als „gotisch“ bezeichnet. Doch während die gotische Bildhauerei überwiegend christliche Bildwerke schuf, vermied Lehmbruck jegliche Identifizierung der Frau. Ihr Kniefall wirkt dadurch universell. Vielleicht wartet sie auf eine Ehrung, vielleicht erweist sie jemandem eine Ehre, oder vielleicht interagiert sie gar nicht mit der Umwelt und hat ihre Aufmerksamkeit stattdessen ganz nach innen gerichtet.

Ruhm und Verachtung
Im Jahr 1909 zog Lehmbruck mit seiner Familie von Berlin nach Paris um, weil sich dort die internationale Avantgarde versammelte. Der Künstler hoffte, hier seinen großen Durchbruch zu schaffen. Als er 1911 Die Kniende und die dazugehörigen Büsten schuf, überraschte und irritierte er die Kunstwelt. Lehmbruck durfte 1912 bei der Sonderbundausstellung in Köln und 1913 bei der International Exhibition of Modern Art in New York ausstellen. Schon 1916 bezeichnete der Dichter Theodor Däubler Die Kniende als „Vorwort zum Expressionismus in der Skulptur“. Im Nationalsozialismus jedoch wurden die jüngeren Werke Lehmbrucks als „entartet“ angesehen – ein Urteil, das nach 1945 schnell wieder in Anerkennung für seine Pionierleistungen umschlug.

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Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird aMehr

Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird auf das 1. Drittel des 17. Jahrhunderts datiert und stammt aus dem süddeutschen Raum. Brettspiele waren damals in allen gesellschaftlichen Schichten beliebt. An den Fürstenhöfen bestanden die Bretter aus kostbaren Materialien wie Elfenbein, Ebenholz und Perlmutt. Sie zeigten den Wohlstand ihrer Besitzer. Manche dienten nur der Repräsentation und eigneten sich gar nicht zur Benutzung, weil die Spielsteine zu groß waren. Beliebte Spiele am Hof waren Schach und Tric Trac, das heutige Backgammon. Mühle und das Gänsespiel waren hingegen einfacher zu lernen und galten als Spiele für alle Gesellschaftsschichten.

Gänsemarsch
Laufspiele mit Spiralform existierten schon im alten Ägypten, jedoch taucht speziell das Gänsespiel erstmals im Europa des 15. oder 16. Jahrhunderts auf. Durch Würfeln rückt man vorwärts. Die Spielfelder und ihre Bedeutung variieren zwar, jedoch gibt es wiederkehrende Elemente. Die Gänsefelder ermöglichen, dass man noch einmal zieht. Die Herberge (19) und das Gefängnis (52) bedeuten ein- oder mehrmals aussetzen. Landet man auf dem Labyrinth (42), so muss man einige Felder zurückziehen. Der Tod (58) zwingt zum Neuanfang auf Feld 1. Insgesamt kann man das Spielfeld als Lebensweg deuten, wobei der Ausweg am Ende für das Paradies steht.

In der Zwickmühle
Im Gegensatz zum Gänsespiel basiert Mühle auf Taktik. Ziel ist es, alle Steine des Gegenübers wegzunehmen, indem man Dreierreihen, die sogenannten Mühlen, bildet. Man spielt mit zweimal neun Steinen unterschiedlicher Farbe. Das Spiel könnte aus antiker Zeit stammen, sicher nachweisbar ist es jedoch erst im byzantinischen Europa. Schon im Mittelalter existierten für Mühle – ebenso wie für Schach und Backgammon – Wettaufgaben, die man aus heutigen Zeitungen als Schachrätsel kennt.

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Ans Tageslicht geholt
Die Tannenberg-Büchse ist die älteste sicher datierbare Handfeuerwaffe Europas. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort, der 1399 zerstörten Burg Tannenberg in Hessen. 1849 fand man sie dort während einer der ersten mittelMehr

Ans Tageslicht geholt
Die Tannenberg-Büchse ist die älteste sicher datierbare Handfeuerwaffe Europas. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort, der 1399 zerstörten Burg Tannenberg in Hessen. 1849 fand man sie dort während einer der ersten mittelalterarchäologischen Ausgrabungen in Deutschland. Sie lag in der Zisterne, die durch die Zerstörung der Burg verschüttet worden war. Dass die Anlage – ebenfalls durch Feuerwaffen – Ende des 14. Jahrhunderts vollständig in Schutt und Asche gelegt und nicht wiederaufgebaut wurde, erwies sich als Glücksfall für die Archäologen. Denn dadurch konnte die Büchse mit Sicherheit auf eine Zeit vor 1399 datiert werden.

Zerstörerische Kraft
Handbüchsen gehören zu den frühesten Feuerwaffen. Sie wurden parallel zu den schwereren Feuergeschützen der Artillerie seit den 1360er Jahren entwickelt. Anders als Kanonen waren sie viel mobiler und konnten von einem oder zwei Männern herumgetragen und abgefeuert werden. Sie bestanden aus einem Metallrohr, das zur besseren Handhabung auf einen langen Holzstock montiert war. Geschossen wurde mit Schwarzpulver und Munition aus Bleikugeln, die von vorne in das Rohr geladen wurden. Durch das seitliche Zündloch brachte eine glühende Lunte das Schwarzpulver zur Explosion, die Kugel wurde „abgefeuert“.
Diese frühen Feuerwaffen bargen für ihre Schützen auch Risiken. Es fehlten Erfahrungen im Umgang mit Pulver und Munition, aber auch Spezialisten zur Herstellung der Waffen. Der Beruf des Büchsenmachers entwickelte sich erst im Laufe des 14. Jahrhunderts. Untersuchungen der Tannenberg-Büchse zeigten, wie porös das Rohr aus gegossener Bronze ist. Möglicherweise wäre es beim Zünden explodiert, was offenbar mit einer ähnlichen Waffe passiert ist, deren Fragmente man in unmittelbarer Nähe gefunden hat. Die Tannenberg-Büchse wurde dagegen nicht abgefeuert. Als man sie fand, steckte in ihrem Lauf noch die Kugel.

Eine neue Art der Kriegführung
Feuerwaffen veränderten die Kriegführung gegen Ende des 14. Jahrhunderts grundlegend. Ermöglicht wurde die neue Waffentechnologie durch die Erfindung des Schwarzpulvers in China. Obwohl die ersten Handfeuerwaffen bereits eine beachtliche Reichweite hatten, schossen sie nur sehr ungenau. Auch in der Schussfrequenz waren sie den damals üblichen Handbögen und Armbrüsten unterlegen. Dennoch setzten sie sich immer mehr durch. Man konnte sie kostengünstig und in großen Mengen herstellen, und es brauchte im Unterschied zu anderen Fernwaffen keine lange Ausbildung, um sie zu bedienen.
 

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten koMehr

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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