Absolute Präzision
Ein Torquetum wurde zur Vermessung der Welt und des Himmels genutzt. Es zeigt modellhaft die Lage von Horizont und Äquator und dient zur Bestimmung des Sonnenstands - und damit der Zeit. Man verwendete Torqueten auch zur BMehr

Absolute Präzision
Ein Torquetum wurde zur Vermessung der Welt und des Himmels genutzt. Es zeigt modellhaft die Lage von Horizont und Äquator und dient zur Bestimmung des Sonnenstands - und damit der Zeit. Man verwendete Torqueten auch zur Berechnung von Längen, Höhen und Breiten. Dadurch ließen sich Sternpositionen genau bestimmen, man konnte aber auch die Höhe von Bergen oder Bauwerken ermitteln. Daneben wurde es, wie die meisten astronomischen Geräte, für astrologische Berechnungen eingesetzt.
Seinen Namen verdankt das Torquetum seinen drehbaren Scheiben, Zeigern und Bogenstücken – „torquere“ ist das lateinische Wort für „drehen“. Für das reibungslose Zusammenspiel der dreidimensional angeordneten Bestandteile ist äußerste Präzision gefragt. Dies gilt sowohl für die Bearbeitung des Metalls als auch für die eingravierten Maßsysteme zum Ablesen der Werte.

Bilderkosmos
Entworfen hat dieses Torquetum der damals europaweit bekannte Mathematiker und Astronom Johannes Praetorius. Was vor allem ins Auge fällt, ist die kunstvolle Ausgestaltung des von vier kleinen Löwen getragenen Instruments. Das Messing wurde mit unterschiedlichen handwerklichen Techniken bearbeitet und vergoldet. Neben den feinen, rein funktionalen Skalen sind alle Flächen vollständig mit bildlichen Darstellungen bedeckt. Dazu gehören unter anderem Themen der Bibel und ein Jahreszeiten-Zyklus, aber auch Männer bei Vermessungsarbeiten mit unterschiedlichen Instrumenten. Als Vorlagen nutzte der namentlich nicht bekannte Graveur W.W. wissenschaftliche Bücher und Serien von Stichen.


Bürgerliche Kunstkammer
In Auftrag gegeben wurde das Torquetum vom Nürnberger Arzt Melchior Ayrer. Es könnte ihm in seiner medizinischen Praxis zur Ermittlung günstiger Zeitpunkte für bestimmte Heilbehandlungen und Eingriffe gedient haben. Vor allem war es ein sehr repräsentatives Objekt. Ayrer hatte es bei Praetorius zusammen mit anderen, ebenso kunstvoll gestalteten wissenschaftliche Instrumenten in Auftrag gegeben. Selbstbewusst ließ er sein Familienwappen neben der Signatur von Praetorius anbringen.
Mit seiner kostbaren Instrumentensammlung konnte sich der Arzt selbst mit adligen Machthabern messen: Die bei Praetorius in Auftrag gegebenen Stücke haben die Qualität vergleichbarer Instrumente in der Kunstkammer des Kurfürsten August von Sachsen. Einige Geräte von Praetorius besaß der Kurfürst sogar in fast identischer Ausführung.
 

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Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. NaMehr

Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. Nachdem der sensationelle Rang des Fundes vom Germanischen Nationalmuseum erkannt worden war, konnten die Fragmente einer aufwändigen Restaurierung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz zusammengefügt werden. Ursprünglich hatte der Hut wohl auch eine breite Krempe, von der jedoch nur ein kleines Fragment gefunden wurde.


Handwerk der Bronzezeit
Die technische Perfektion des Huts ist herausragend. Er wurde mit dem Hammer aus einem einzigen Goldstück herausgetrieben. Nur 310 Gramm wiegt der Kegel. Seine Wandung ist so dünn wie Papier. Er ist bis in die Spitze mit Zierbändern aus unterschiedlichen Ornamenten versehen, darunter Kreise, Räder, mandelförmige Buckel und kleine quergestreifte Kegel – sie stellen wohl den Hut selbst in Miniaturformat dar. Mehr als 20 verschiedene Stempel und sechs Rollstempel wurden für die Punzierung verwendet. Diesen Stil kennen wir von in Westeuropa verbreiteten goldenen Scheiben und Schalen aus der Bronzezeit, die als Vergleichstücke zur Datierung herangezogen werden. Es gibt heute nur drei vergleichbare Kegelhüte aus Gold, die in Museen in Speyer, Berlin und Saint-Germain-en-Laye nahe Paris zu sehen sind. Die Verbreitung der Fundorte dieser und anderer zeremonieller Fundstücke über ganz Europa belegt einen weiträumigen Austausch von technischem Know-how und Glaubensvorstellungen in der Bronzezeit.

Kult der Sonne?
Das Material und die vielen Scheibenmotive sind Hinweise auf einen bronzezeitlichen Sonnenkult. Höchstwahrscheinlich trug eine hochgestellte Persönlichkeit die prächtige Kopfbedeckung bei zeremoniellen kultischen Anlässen. Der Goldhut wurde wohl vergraben, als die damit verbundenen religiösen Vorstellungen erloschen. Für den Nürnberger Goldhut und ein weiteres Exemplar in Speyer gilt außerdem, dass sie scheinbar senkrecht im Boden vergraben wurden.
 

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Ein Zimmer zieht um
Als im Jahr 1901 die gesamte Inneneinrichtung eines barocken Wohnhauses in Aachen versteigert wurde, erwarb das Germanische Nationalmuseum den „kleinen Gobelinsaal“. Die geschnitzten WandvertäfeluMehr

Ein Zimmer zieht um
Als im Jahr 1901 die gesamte Inneneinrichtung eines barocken Wohnhauses in Aachen versteigert wurde, erwarb das Germanische Nationalmuseum den „kleinen Gobelinsaal“. Die geschnitzten Wandvertäfelungen aus Holz und die Bildteppiche wurden ins Museum transferiert, wo sie bis heute den ursprünglichen Raumeindruck wiedergeben. Nur die stuckierte Decke sowie die Möbel fehlen. Ein Kamin aus einem Schloss in Lüttich ergänzt das Ensemble, da das Original in Aachen verblieb. Die Holzsichtigkeit der Vertäfelungen ist besonders charakteristisch für den Aachener Kunsthandwerksstil des 18. Jahrhunderts. Statt sie farbig zu bemalen oder zu vergolden, erhielten sie nur einen Wachsüberzug. So kann die natürliche Maserung des Eichenholzes zur Geltung kommen. Die geschnitzten Ornamente beinhalten viele Masken und Muscheln, sind aber noch streng symmetrisch angeordnet. Daher kann man das Aachener Zimmer, welches um 1740 entstand, als Werk des frühen Rokokos bezeichnen.

Der Moses-Saal
Die Bildteppiche sind Wirkarbeiten und daher besonders detailliert und leuchtkräftig. Allerdings sind die Textilien sehr lichtanfällig, so dass die Farben heute verblasst sind. Die Signatur auf den Teppichen verrät, dass sie in der Werkstatt der Brüsseler Familie van der Borght entstanden. Brüssel war damals ein wichtiges Zentrum für die Herstellung repräsentativer Bildwirkereien. Die Teppiche aus dem Aachener Zimmer zeigen Szenen aus dem Leben Moses‘: Von seiner Auffindung als Kleinkind am Nil, über die Teilung des roten Meeres, bis hin zum Zerbrechen der Gesetzestafeln. Passend zum „kleinen Gobelinsaal“ im Erdgeschoss gab es noch einen „großen Gobelinsaal“ im ersten Stock des Aachener Hauses. Dessen Wandteppiche stellten die fünf Erdteile dar, jedoch sind sie heute nicht mehr vollständig erhalten.

Das Wespienhaus
Johann von Wespien war der Auftraggeber des repräsentativen Aachener Wohnhauses. Er war ein äußerst wohlhabender Tuchfabrikant, der reich geheiratet hatte. 1756 bis 1759 war er Aachens Bürgermeister. Sein Haus in der Kleinmarschierstraße wurde 1734-1737 erbaut, jedoch sollte die Vervollständigung der Inneneinrichtung noch viel länger dauern. Als Architekt diente Johann Joseph Couven, der an mehreren Bauvorhaben Wespiens beteiligt war. Couven stimmte die Fassade und das innere Dekorationsschema harmonisch aufeinander ab, weswegen dieses Haus später als sein bestes Werk galt. Da Wespien keine Nachkommen hinterließ, kam das Haus in den Besitz einer anderen Familie, die 1901 aus Geldnot die Inneneinrichtung versteigern musste. 1943 wurde es bei einem Luftangriff fast vollständig zerstört und nicht wiederaufgebaut.

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Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konntMehr

Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konnte man ohne das von Sonnenuhren benötigte Tageslicht auch nachts die genaue Zeit ablesen. Auf ihrer zweidimensionalen Scheibe bilden sie das Himmelsgewölbe über einem bestimmten Standpunkt auf der Erde ab. Mit verschiedenen gravierten Einlegescheiben kann man das Gerät auf den jeweiligen Breitengrad einstellen.
Die vielfachen Mess- und Orientierungsfunktionen machten Astrolabien zu einem wichtigen Instrument der Seefahrt. Zusammen mit gedruckten Tabellen erleichterten sie die Navigationsmöglichkeiten von Hochseeseglern.

Antikes Erbe – arabische Herkunft
Entwickelt wurden Astrolabien von griechischen Wissenschaftlern in der Antike. Sie wurden im islamisch-arabischen Kulturraum intensiv genutzt und gelangten im Mittelalter zurück nach Europa. Auch dieses Astrolabium stammt aus dem Nahen Osten. Die eingravierten Namen in arabischer Schrift bezeugen, dass es im 12. oder 13. Jahrhundert vom arabischen Meister Al-Sahl al-Nisaburi für den Herrscher der syrischen Stadt Hama hergestellt wurde. Die Datierung schwankt um hundert Jahre, da es in Hama drei Fürsten gleichen Namens gab. Eine Besonderheit dieses Astrolabiums sind die zwölf arabisch beschrifteten Tänzer und Fabelwesen, die auf der Rückseite als „Sternenzeiger“ dienen. Als Weltmodelle waren so aufwendig gestaltete Astrolabien beliebte Statussymbole von Herrschern.

Ein reines Schaustück?
Auf welchen Wegen dieses Astrolabium nach Nürnberg kam, ist nicht bekannt. Es soll sich im Spätmittelalter im Besitz des Johannes Regiomontanus befunden haben. Der Mathematiker und Astronom war 1471 nach Nürnberg gezogen, wo er systematische Beobachtungen des Himmels mit selbst konstruierten Geräten betrieb. Die Reichsstadt war für ihre Metallhandwerke berühmt und im 15./16. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren für den Bau wissenschaftlicher Instrumente.
Ob das Astrolabium des al-Sahl al-Nisaburi jemals praktisch zum Einsatz kam, ist höchst zweifelhaft. Denn die zugrunde liegenden Fixsternpositionen waren zu seinem Entstehungszeitpunkt bereits veraltet. Möglicherweise handelt es sich um ein reines Schaustück. In Nürnberg gelangte es in die Sammlung der Stadtbibliothek. 1877 kam es als Dauerleihgabe an das GNM, das mit 14 Astrolabien eine der bedeutendsten Sammlung dieser Instrumente weltweit beherbergt.
 

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Das „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste naturalistische Erd-Darstellung, die selbst Kugelform hat. Schon die antiken Griechen wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihMehr

Das „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste naturalistische Erd-Darstellung, die selbst Kugelform hat. Schon die antiken Griechen wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihnen die Zeit überdauerte. Martin Behaim verwendete für die Konzeption des Globus eine Vielzahl antiker und zeitgenössischer Quellen. Jedoch mangelte es noch an exakten Karten und empirischen Erfahrungen. Der Globus fasst das bekannte Wissen über die Welt zusammen und gleicht einer visuellen Enzyklopädie. Daher ist er über und über beschriftet. Darunter findet sich legendenhaftes Wissen über Seeungeheuer und Fabelwesen genauso wie damals aktuelle Erkenntnisse über Ressourcenvorkommen und Reiserouten. Das Objekt zeigt eindrücklich, dass Europa seine Hände nach der ganzen Welt ausstreckte. Als Behaim die Arbeit am Globus im Jahr 1492 aufnahm, landete Christoph Kolumbus gerade erst in Amerika. Daher ist dieser Teil der Welt noch nicht dargestellt, ebenso wie Australien. Die bekannten Kontinente hingegen sind zu groß geraten, weil der Erdumfang unter Berufung auf den antiken Gelehrten Claudius Ptolemäus zu klein gewählt wurde.


Behaims Globus und seine Beweggründe
Martin Behaim war ein Nürnberger Patrizier, der nach Portugal ausgewandert war und dort für den König arbeitete. Er nahm wahrscheinlich an Entdeckungsfahrten Teil und hatte deswegen wohl Zugriff auf exklusives Kartenmaterial. Deshalb ist die Westküste Afrikas schon relativ präzise wiedergegeben. Vielleicht hatten die Portugiesen die Herstellung des Globus sogar unterstützt. Ein weiterer möglicher Beweggrund war die Suche nach Sponsoren für kostspielige Entdeckungs- und Handelsreisen. Behaim hat an vielen Orten vermerkt, dass man dort wertvolle Rohstoffe finden könne. Dazu zählten zum Beispiel Perlen, edle Hölzer und Gewürze. Ihre Kennzeichnung auf dem Globus sollte Investoren dazu bewegen, die Reisen finanziell zu unterstützen.

Spezialisten arbeiten zusammen
Mehrere Nürnberger Handwerker erschufen den Globus in einem arbeitsteiligen Prozess. Ein Glockengießer lieferte eine Lehmkugel, die mit Leinentüchern beklebt wurde. So entstanden durch Abformung zwei hohle Halbkugeln. Auf diese wurden Pergament und Papier aufgebracht. Ein Buchmaler und ein Schreiber gestalteten die Oberfläche. Das Gestell des Globus fertigten ein Schlosser und ein Schreiner. Für diesen aufwendigen Prozess gab es noch keine Vorbilder. Der Globus wurde anschließend im Nürnberger Rathaus aufgestellt und dort vermutlich wichtigen Gästen der Stadt gezeigt. Leider ist er heute nicht mehr gut lesbar. Schuld daran sind Alterung und mehrfache Restaurierungen.

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Silber trifft auf Elfenbein
Friedrich Adler entwarf 1910 die silberne Prunkbowle, deren Umsetzung die Nürnberger Goldschmiedewerkstatt J. C. Wich übernahm. Sie ist nicht als Gebrauchsgegenstand, sondern als Schaustück zu verstehen. Dem zylindrischen UnteMehr

Silber trifft auf Elfenbein
Friedrich Adler entwarf 1910 die silberne Prunkbowle, deren Umsetzung die Nürnberger Goldschmiedewerkstatt J. C. Wich übernahm. Sie ist nicht als Gebrauchsgegenstand, sondern als Schaustück zu verstehen. Dem zylindrischen Unterbau der Bowle sind gedrechselte Elfenbeinsäulchen vorgelagert. Die eigentliche Schale ist trompetenförmig und zeigt stilisiertes Rankenwerk vor patiniertem Grund. Auf dem Deckel verbinden sich sphärische Dreiecke zu flachen Zeltspitzen. Der Knauf ist eine Arbeit aus durchbrochenem Elfenbein, durch deren Löcher man die vergoldete Figur eines Trinkenden erkennt. Die Elfenbein-Arbeiten stammen von Adlers Schüler und Mitarbeiter Emil Kellermann.

Tradition und Innovation
Adler und Kellermann lernten sich bei den kunstgewerblichen Meisterkursen des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg kennen. Von 1910 bis 1913 leitete Adler vier der insgesamt elf Meisterkurse, die die Qualität und aktuelle Strömungen der bayerischen Kunstindustrie fördern sollten. Aus Adlers und Kellermanns Lehrer-Schüler-Beziehung entwickelte sich eine mehrjährige Zusammenarbeit. In der Prunkbowle setzten sie sowohl traditionelle als auch innovative Impulse um. Die Durchbrucharbeit am Knauf ist dafür beispielhaft: Einerseits kann man sie auf die stilisierten Naturdarstellungen in Erich Haeckels Bildband „Kunstformen der Natur“ (1904; besonders Tafel 22), zurückführen; andererseits bekrönten durchbrochene Sphären schon in der Elfenbeinschnitzerei des 17. Jahrhunderts zahlreiche Pokale.

Erster Weltkrieg und Holocaust
Das Bayerische Gewerbemuseum kaufte die Prunkbowle gleich nach ihrer Entstehung für die Lehrsammlung an. Als das Stück 1914 für eine Ausstellung nach Lyon verliehen wurde, brach der Erste Weltkrieg aus, woraufhin Frankreich die Rücksendung der Leihgaben verweigerte. Die Prunkbowle fand ihren Weg auf den Kunstmarkt, konnte 1976 aber für das Museum zurückgekauft werden. Adler selbst war noch bis 1933 extrem erfolgreich und gefragt. Dann verhängten die Nationalsozialisten ein Arbeitsverbot über den jüdischen Kunsthandwerker und Lehrer. Letztendlich konnte nur ein Teil seiner Familie fliehen. 1942 wurde Adler im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

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Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. DaMehr

Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. Das Prunkstück ist extrem detailreich, verdeutlicht symbolisch den gesellschaftlichen Status seines Besitzers und erfüllt außerdem praktische Zwecke. Der Versuch, all diesen Ansprüchen gleichzeitig zu genügen, ist typisch für Meisterwerke der Goldschmiedekunst um 1500.


Ein Hochseeschiff fernab vom Meer
Das Schiff lässt sich als Karacke identifizieren. Die charakteristischen Bestandteile einer Karacke sind drei Masten, ein bauchiger Rumpf, ein hoher Aufbau am Bug sowie ein hoher Aufbau am Heck, der bereits am Großmast beginnt. Diese Schiffsform war seit dem 14. Jahrhundert unersetzlich für den europäischen Handel und später auch für die koloniale Eroberung. Da Nürnberg zwar eine reiche Handelsstadt war, jedoch weit vom Meer entfernt lag, ist die extrem genaue Wiedergabe des Schiffs durch einen unbekannten Nürnberger Goldschmied besonders bemerkenswert.

Viel zu entdecken
Die zahlreichen Details machen den Tafelaufsatz zu einem unterhaltsamen Blickfang für die Festgäste. 74 Figuren bilden eine erstaunliche Bandbreite an Aktivitäten ab. Viele davon sind typisch für die Seefahrt, wie zum Beispiel das Beladen, die Arbeit an den Segeln oder die Feindesabwehr. Man findet jedoch auch unerwartete Figuren, wie eine Wäsche waschende Frau, einen Mönch mit Kutte, und einen Matrosen, der am Bordrand sein Hinterteil entblößt. Auf dem geblähten Segel – am vorderen, sogenannten Fockmast – findet sich das „N“ als Zeichen der Nürnberger Silberbeschau, das Qualitätssiegel der Nürnberger Silberproduktion. Der Drache am Bug des Schiffs sowie die Meerfrau im Sockel verleihen dem Tafelaufsatz eine fantastische Note.

Die Besitzer und Namensgeber
Das Schiff bezieht seinen Namen von der Nürnberger Familie Schlüsselfelder. Ihr Wappen mit drei Schlüsseln ist auf der Fahne am Fockmast, über dem geblähten Segel, zu sehen. Der Auftraggeber war wohl Wilhelm Schlüsselfelder der Ältere, der sein Vermögen im Silberbergbau und -handel verdient hatte, aber noch kein Angehöriger des Patriziats war. Silberne Schiffe auf einer Festtafel waren im Mittelalter ein Privileg des höchsten Adels. Dass ein Kaufmann ein solches Werk in Auftrag gab, zeigt das Selbstbewusstsein des städtischen Bürgertums am Anfang der Neuzeit. Auch das passgenaue Futteral (HG2148) ist erhalten.

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten koMehr

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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Ideale Reisebegleiter
Sonnenuhren verwendete man bereits in der Antike zur Zeitmessung. Für gewöhnlich sind sie fest an einem Ort installiert, da ihr Ziffernblatt jeweils nur für einen bestimmten Breitengrad ausgelegt ist. Im 15. JahrhundertMehr

Ideale Reisebegleiter
Sonnenuhren verwendete man bereits in der Antike zur Zeitmessung. Für gewöhnlich sind sie fest an einem Ort installiert, da ihr Ziffernblatt jeweils nur für einen bestimmten Breitengrad ausgelegt ist. Im 15. Jahrhundert wurde die mobile Klappsonnenuhr erfunden. Obwohl es zu der Zeit bereits mechanische Räderuhren gab, waren diese Taschen-Sonnenuhren ihnen in mancher Hinsicht überlegen: Sie waren klein, leicht und nicht so störanfällig wie die durch Räderwerke betriebenen Uhren. Daher waren Klappsonnenuhren besonders bei Reisenden beliebt und verbreiteten sich in ganz Europa.

Die Tücken der mobilen Zeitmessung
Anstelle eines starren Zeigers haben Klappsonnenuhren einen sogenannten Polfaden, der sich beim Öffnen aufspannt. Er dient als Schattenwerfer auf dem kreisförmigen Ziffernblatt. In die Bodenplatte dieser Uhr ist außerdem ein Kompass eingelassen. Er ist wichtig für die genaue Ausrichtung des Polfadens parallel zur Erdachse. Im Deckel befindet sich eine Tageslängenanzeige. Sie gibt die für die Sonnenuhr so wichtigen Lichtstunden pro Tag an, die Monate sind mit den entsprechenden Tierkreiszeichen versehen.
Die größte Schwierigkeit der mobilen Zeitmessung ergibt sich aus den unterschiedlichen Sonnenständen an verschiedenen Orten. Bei einer solchen Klappsonnenuhr gleicht man diese geografischen Unterschiede aus, indem man den Winkel des Polfadens verändert. Im Deckel der Uhr ist daher eine Liste der wichtigsten europäischen Handelsstädte mit ihrem jeweiligen Breitengrad eingraviert. Auf der Mittelachse konnte man den Polfaden im entsprechenden Bohrloch neben dem Breitengrad fixieren. Damit war die Uhr auf die richtige Ortszeit „eingestellt“.

Eine Dynastie von Uhrenmachern
Vor allem Nürnberg und Augsburg entwickelten sich im 16. Jahrhundert zu bekannten Produktionsstätten von Klappsonnenuhren. In Nürnberg war die Familie Reinmann mit Meistern in mehreren Generationen als Kompass- und Instrumentenbauer tätig. Paulus Reinmann war einer der wenigen, die Sonnenuhren aus verschiedenen Werkstoffen – Holz, Metall und Elfenbein – herstellte. Seine Klappsonnenuhren waren unter Liebhabern weit über die Landesgrenzen hinweg begehrt. Seine Signatur auf dem Gehäuse kann als Qualitätsgarantie verstanden werden.
 

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