(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblaseWeiterlesen

(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblasene Glas besticht durch seine komplexe Farbgebung und seine verspielte Form. Von antiken römischen Gläsern bezog der Firmengründer Louis Comfort Tiffany die Idee für die irisierende Oberflächenbehandlung. Den perlmuttartigen Glanz erzielte er durch Beimischung von Metallsalzen in die Glasschmelze.

Handwerk und Einzelstück
Auch wenn sein Unternehmen später noch weitere Luxusgüter produzierte, wurde Tiffany zunächst für seine Glasarbeiten weltberühmt. Dazu zählte nicht nur Trinkgeschirr, sondern vor allem Bleiglasfenster und -lampenschirme. Tiffanys Firma expandierte zwar rasant, jedoch war es ihm wichtig, dass seine Glaserzeugnisse handgemacht waren und auch so aussahen. Im Zeitalter der fortschreitenden Massenproduktion hatte die manuelle Fertigung einen luxuriösen und nostalgischen Touch. Tiffany prägte daher den Begriff „Favrile-Glas“ als Kennzeichen seiner Marke. Das Wort stammt von lateinisch „fabrilis“ ab und bedeutet handgemacht.

Vom Malereistudenten zum Geschäftsmann
Da Tiffany in eine reiche Familie geboren wurde, konnte er sich eine lange und intensive künstlerische Ausbildung leisten. Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Europa und Nordafrika und studierte bei mehreren profilierten Landschaftsmalern. Erst nachdem er sein Glasunternehmen schon aufgebaut hatte, übernahm Tiffany auch noch den Juwelierbetrieb seines Vaters. Dadurch entstand ein Imperium, welches bis heute den Luxusgütermarkt prägt.

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Feuerbach monumental
… ein wildes Plänkeln, Streiten, Stürzen“ – so beschrieb Anselm Feuerbach 1860 seinen ersten Entwurf zum Thema der Amazonenschlacht. Ab 1870 arbeitete er drei Jahre lang an diesem monumentalen Gemälde. Riesige Bilder mit lebensgroßen Figuren waren damals beliebt: Man wollte sich beim Betrachten wie ein Augenzeuge vergangener Zeiten fühlen. Doch Feuerbach ging es um mehr als den Blick in die Vergangenheit. Er nutzte das mythologische Thema für die Darstellung zeitloser menschlicher Grunderfahrungen wie Kampf, Chaos und Weiterlesen

Feuerbach monumental
… ein wildes Plänkeln, Streiten, Stürzen“ – so beschrieb Anselm Feuerbach 1860 seinen ersten Entwurf zum Thema der Amazonenschlacht. Ab 1870 arbeitete er drei Jahre lang an diesem monumentalen Gemälde. Riesige Bilder mit lebensgroßen Figuren waren damals beliebt: Man wollte sich beim Betrachten wie ein Augenzeuge vergangener Zeiten fühlen. Doch Feuerbach ging es um mehr als den Blick in die Vergangenheit. Er nutzte das mythologische Thema für die Darstellung zeitloser menschlicher Grunderfahrungen wie Kampf, Chaos und Schmerz.


Zeitlose Zitate
Die sterbende Amazonen-Königin Penthesilea liegt mittig im hellen Vordergrund und ist nur durch ihren reichen Schmuck zu erkennen. Wie mit einem Scheinwerfer lenkt Feuerbach den Blick schlaglichtartig auf Verwundete und Gefallene – keine Helden, sondern die Opfer des Krieges. Für die meisten Figuren griff der Maler auf Werke prominenter Vorbilder zurück, darunter solche von Michelangelo oder Rubens. Der ursprüngliche Kontext spielte bei diesen künstlerischen Anleihen keine Rolle. Es ist die zeitlose Stärke ihrer jeweiligen Ausdruckskraft, die Feuerbach in seiner Komposition vereinte. Das Zitieren berühmter künstlerischer Vorbilder war keineswegs verpönt. Es handelt sich um bewusste Anspielungen, durch die Feuerbach seine kunsthistorische Kenntnis bewies und gleichzeitig die Leistungen der großen Meister vor ihm ehrte.

Erschaffen und Zerstören
Zu seiner Amazonenschlacht malte Feuerbach ein „Zwillingsbild“, wie er es nannte. Das „Gastmahl des Platon“ existiert in zwei Fassungen, die heute in Karlsruhe und Berlin hängen. Anders als die „Schlacht“, ist es ein Sinnbild für die Versöhnung von Leidenschaft und Verstand. Gemeinsam repräsentieren die beiden Gemälde die Pole menschlichen Seins: das Konstruktive und das Destruktive. Feuerbachs Wunsch entsprechend sollten die Bilder einander gegenüber hängen, um den Betrachtenden dazwischen einen Spiegel ihrer selbst vorzuhalten, ganz nach dem antiken Prinzip: Erkenne dich selbst!
Von der zeitgenössischen Kritik unverstanden und verspottet, fand sich für das monumentale Gemälde kein Käufer. Feuerbachs Stiefmutter war es, die die „Amazonenschlacht“ der Stadt Nürnberg schenkte, wo der Maler seine letzten Sommer verbrachte – und wo er auch begraben liegt.

 

 

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Funktion und Formvollendung
Sowohl die Höhe als auch der Neigungswinkel der Platte sind bei diesem Ständerschreibtisch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts verstellbar. Deswegen kann man ihn als Vorläufer unserer heutigen ergonomischen Stehpulte bezeichnen. Unter der Schreibfläche befindet sich ein Kasten mit zwei Schubladen, in dem man Zubehör ablegen kann. Der gedrechselte Standfuß ist schmal und lässt viel Beinfreiheit. Aber mindestens genauso wichtig wie die komfortable Nutzung war das Aussehen des Tischs. Er ist mit Blumen verziert, und auf der SWeiterlesen

Funktion und Formvollendung
Sowohl die Höhe als auch der Neigungswinkel der Platte sind bei diesem Ständerschreibtisch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts verstellbar. Deswegen kann man ihn als Vorläufer unserer heutigen ergonomischen Stehpulte bezeichnen. Unter der Schreibfläche befindet sich ein Kasten mit zwei Schubladen, in dem man Zubehör ablegen kann. Der gedrechselte Standfuß ist schmal und lässt viel Beinfreiheit. Aber mindestens genauso wichtig wie die komfortable Nutzung war das Aussehen des Tischs. Er ist mit Blumen verziert, und auf der Schreibfläche findet man zusätzlich zwei Vögel und eine Libelle. Auf der Platte rechts sitzt ein Kanarienvogel, der damals äußerst modisch war und teuer gehandelt wurde.


Furnier und Marketerie
Insgesamt kamen bei diesem handwerklichen Meisterwerk elf verschiedene Holzarten zum Einsatz. Gestaltet sind die Zierbilder in einer als Marketerie bezeichneten Furniertechnik. Dafür schnitt man die Zierelemente und Bildmotive aus millimeterdünnen Holzblättern passgenau zurecht und leimte diese ähnlich einem Puzzle auf das Konstruktionsholz. Naturwissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Schreibplatte ursprünglich bunt gebeizt war. Der Untergrund war hellgrau und ähnelte Marmor, während die Blumen und Tiere verschiedene Töne von Blau, Rosa, Grün und Gelb zeigten. Im Laufe der Zeit sind die Farben allerdings völlig verblasst.

Die Röntgen-Manufaktur
Der Ständerschreibtisch stammt aus der Möbelmanufaktur von Abraham und David Röntgen. Vater und Sohn hatten ihre Werkstatt seit 1750 in Neuwied am Rhein. Ihre Erzeugnisse waren in den 1760er bis 1780er Jahren an den Fürstenhöfen Europas hochbegehrt. Als das verspielte Rokoko durch den eher geradlinigen Klassizismus abgelöst wurde, passten die Kunstschreiner die Gestaltung ihrer Möbel dann rasch dem Zeitgeschmack an. Abgesehen von den raffinierten Verzierungen waren die Röntgen-Möbel für ihre mechanischen Fähigkeiten berühmt. Dazu zählen versteckte Fächer, die man mit geheimen Knöpfen öffnen konnte, schwungvoll aufklappende Schreibpulte, und viele andere Überraschungen. Die Mechaniken wurden mit ausgeklügelten Feder- und Zugmechanismen in Gang gesetzt und versetzten die Oberschicht Europas in helle Begeisterung.
 

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Ein vollständiges Set
Die beiden Jakobsmuscheln verraten, wofür dieser Reitermantel benutzt wurde: Es handelt sich um den wasserabweisenden Überwurf eines Pilgers. Er bildet ein Set zusammen mit einem Wollfilzmantel (T550), einem Hut (T552), einem Pilgerstab (T554) und einem Rosenkranz (KG303). All diese Gegenstände gehörten Stephan IIWeiterlesen

Ein vollständiges Set
Die beiden Jakobsmuscheln verraten, wofür dieser Reitermantel benutzt wurde: Es handelt sich um den wasserabweisenden Überwurf eines Pilgers. Er bildet ein Set zusammen mit einem Wollfilzmantel (T550), einem Hut (T552), einem Pilgerstab (T554) und einem Rosenkranz (KG303). All diese Gegenstände gehörten Stephan III. Praun aus Nürnberg. Auf einem Bild, welches wohl erst nach seinem Tod entstand, sieht man ihn – mit leichten Abweichungen – in der ganzen Garnitur (Gm655). Der schwarze Ledermantel ist kreisrund geschnitten, hat einen Stehkragen und hinten einen „Reiterschlitz“, der die Bewegungsfreiheit des Trägers erhöhte. Er ist vergleichbar mit spanischen Reitermänteln dieser Zeit, wenn auch nicht sicher belegt ist, dass alle Teile der Garnitur in Spanien hergestellt wurden.

Gründe für die Pilgerreise
Der 26-jährige Protestant Stephan III. Praun hielt sich 1570 am spanischen Königshof in Madrid auf und begann von dort aus per Pferd seine Pilgerreise nach Santiago de Compostela. An diesem wichtigsten Pilgerort (West-) Europas befindet sich die Grabstätte des Apostels Jakobus des Älteren. Der lange, beschwerliche Weg war für die Gläubigen gleichermaßen eine Prüfung wie auch eine Chance, für ihr Seelenheil vorzusorgen. Eigentlich hatte Luther das Wallfahrtswesen kritisiert. Dennoch nahmen auch viele Angehörige des protestantischen Glaubens den Weg auf sich. Vermutlich spielte gesellschaftlicher Statuszuwachs bei dieser Entscheidung eine Rolle.

Die Jakobsmuschel
Pilgernde schmückten sich nach ihrer Rückkehr gerne mit den Abzeichen ihrer Reise. Das wichtigste Symbol ist bis heute die Jakobsmuschel. Ihre fächerförmigen Rippen wurden immer wieder verglichen mit einer vereinfachten Darstellung der Pilgerwege, die in Santiago de Compostela münden. Noch bis heute werden die Jakobswege mit einem gelben Strahlenkranz ausgeschildert, der an die Rippen auf der Jakobsmuschel erinnert. Außerdem sollen Pilgerreisende die Muscheln als Trinkschalen verwendet haben.

Seltene Relikte
Kleidung aus der Zeit vor dem 18. Jahrhundert hat sich selten erhalten. Oft wurde sie bis aufgetragen oder aber umgearbeitet. UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Schädlingsbefall verursachen Schäden an Textilien. Umso erstaunlicher ist es, dass diese Garnitur komplett erhalten blieb, und sogar die Biografie ihres Besitzers bekannt ist.
 

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Ein neuer Klang
Das Instrumentarium des klassischen Orchesters, wie wir es heute aus den Konzertsälen der westlichen Welt kennen, war zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch nicht abgeschlossen. Einige Instrumente waren noch gar nicht erfunden, darunter die Klarinette. Ihr Ursprung liegt in der Zeit um 1700 und wurde vom sogenannten Chalumeau angeregt. Das ist ein einfaches Holzrohr mit zylindrischer Innenbohrung, sechs Grifflöchern vorn und einem weiteren für den Daumen hinten. Frühe Typen sind ohne Klappen, seit dem 18. Jahrhundert finden sich häufigWeiterlesen

Ein neuer Klang
Das Instrumentarium des klassischen Orchesters, wie wir es heute aus den Konzertsälen der westlichen Welt kennen, war zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch nicht abgeschlossen. Einige Instrumente waren noch gar nicht erfunden, darunter die Klarinette. Ihr Ursprung liegt in der Zeit um 1700 und wurde vom sogenannten Chalumeau angeregt. Das ist ein einfaches Holzrohr mit zylindrischer Innenbohrung, sechs Grifflöchern vorn und einem weiteren für den Daumen hinten. Frühe Typen sind ohne Klappen, seit dem 18. Jahrhundert finden sich häufig zwei, später eine weitere zum Überblasen. Entscheidend ist das schnabelartige Mundstück. Dieses ähnelt zwar einer Blockflöte, doch wird beim Chalumeau ein einzelnes Rohrblatt mit einer Schnur darauf befestigt, was beim Anblasen für den charakteristischen Klang sorgt.

Innovation aus Nürnberg

Der Holzblasinstrumentenbau ist in Nürnberg seit dem frühen 16. Jahrhundert nachweisbar. Die berühmteste Familie des Nürnberger Holzblasinstrumentenbaus waren die Denner. Johann Christoph Denner entwickelte das Chalumeau in mehreren Lagen (Diskant, Alt, Tenor, Bass). Damit war der Schritt zur Erfindung der Klarinette in seiner Werkstatt nicht mehr weit. Wie an der Klarinette seines Sohnes Jakob aus der Zeit um 1720 zu sehen ist, entstand die Klarinette aus der Kombination einer Blockflöte mit sieben Grifflöchern und der Innenbohrung eines Chalumeaus. Die beiden Klappen ordnete Denner so an, dass nun ein „sauberes“ Überblasen möglich war. So stand ein zweites und höheres Tonregister zur Verfügung.

Clarinetto
Ihren Namen verdankt die Klarinette einer gewissen klanglichen Verwandtschaft zur Trompete. Diese hatte im 18. Jahrhundert noch keine Ventile, weshalb man in tieferen Lagen alleine mit der Lippenspannung nur wenige Töne darauf spielen konnte. Erst in der höheren, der sogenannten Clarin-Lage, war es einem geübten Bläser möglich, durchgehende Tonleitern zu spielen. Genau dieselbe Tonlage ist es, die durch einfaches Überblasen auf der Klarinette nun möglich war. Ihre Bezeichnung „Clarinetto“ für „kleine (hohe) Trompete“ verdankt sie wahrscheinlich dem trompetenähnlichen Klang in der Clarin-Lage. Der weiche und warme Klang der tiefen Töne, die noch immer als Chalumeauregister bezeichnet werden, verschaffte der Klarinette seit der Verwendung durch Wolfgang Amadeus Mozart einen festen Platz im Orchester. Die weitere Entwicklung von Instrument und dem klanglichen und spielerischen Anspruch durch zeitgenössische Komponisten bedingten sich gegenseitig. Im 19. Jahrhundert führte das schließlich zu der Klarinette, wie wir sie heute kennen.

 

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Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. Das Prunkstück ist extrem detailreich, verdeutlicht symbolisch den gesellschaftlichen Status seines Besitzers und erfüllt außerdem praktische Zwecke. Der Versuch, all diesen Ansprüchen gleichzeitig zu genügen, ist typisch für Meisterwerke der Goldschmiedekunst um 1500.


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Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. Das Prunkstück ist extrem detailreich, verdeutlicht symbolisch den gesellschaftlichen Status seines Besitzers und erfüllt außerdem praktische Zwecke. Der Versuch, all diesen Ansprüchen gleichzeitig zu genügen, ist typisch für Meisterwerke der Goldschmiedekunst um 1500.


Ein Hochseeschiff fernab vom Meer
Das Schiff lässt sich als Karacke identifizieren. Die charakteristischen Bestandteile einer Karacke sind drei Masten, ein bauchiger Rumpf, ein hoher Aufbau am Bug sowie ein hoher Aufbau am Heck, der bereits am Großmast beginnt. Diese Schiffsform war seit dem 14. Jahrhundert unersetzlich für den europäischen Handel und später auch für die koloniale Eroberung. Da Nürnberg zwar eine reiche Handelsstadt war, jedoch weit vom Meer entfernt lag, ist die extrem genaue Wiedergabe des Schiffs durch einen unbekannten Nürnberger Goldschmied besonders bemerkenswert.

Viel zu entdecken
Die zahlreichen Details machen den Tafelaufsatz zu einem unterhaltsamen Blickfang für die Festgäste. 74 Figuren bilden eine erstaunliche Bandbreite an Aktivitäten ab. Viele davon sind typisch für die Seefahrt, wie zum Beispiel das Beladen, die Arbeit an den Segeln oder die Feindesabwehr. Man findet jedoch auch unerwartete Figuren, wie eine Wäsche waschende Frau, einen Mönch mit Kutte, und einen Matrosen, der am Bordrand sein Hinterteil entblößt. Auf dem geblähten Segel – am vorderen, sogenannten Fockmast – findet sich das „N“ als Zeichen der Nürnberger Silberbeschau, das Qualitätssiegel der Nürnberger Silberproduktion. Der Drache am Bug des Schiffs sowie die Meerfrau im Sockel verleihen dem Tafelaufsatz eine fantastische Note.

Die Besitzer und Namensgeber
Das Schiff bezieht seinen Namen von der Nürnberger Familie Schlüsselfelder. Ihr Wappen mit drei Schlüsseln ist auf der Fahne am Fockmast, über dem geblähten Segel, zu sehen. Der Auftraggeber war wohl Wilhelm Schlüsselfelder der Ältere, der sein Vermögen im Silberbergbau und -handel verdient hatte, aber noch kein Angehöriger des Patriziats war. Silberne Schiffe auf einer Festtafel waren im Mittelalter ein Privileg des höchsten Adels. Dass ein Kaufmann ein solches Werk in Auftrag gab, zeigt das Selbstbewusstsein des städtischen Bürgertums am Anfang der Neuzeit. Auch das passgenaue Futteral (HG2148) ist erhalten.

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Abhilfe für steife Beine
Was auf den ersten Blick wie eine Beinrüstung erscheint, ist tatsächlich ein medizinisches Hilfsmittel aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauweise und sein Aussehen leiten sich vom Harnisch, besser bekannt als Ritterrüstung, ab. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die offene Rückseite. Reste von Lederriemen lassen erkennen, dass man das Bein auf der Hinterseite festzurren konnte. Wahrscheinlich schützte ein ledernes Futter vor Reibung. Das Harnischinstrument erzielte seine therapeutische Wirkung durch die beiden seitlich Weiterlesen

Abhilfe für steife Beine
Was auf den ersten Blick wie eine Beinrüstung erscheint, ist tatsächlich ein medizinisches Hilfsmittel aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauweise und sein Aussehen leiten sich vom Harnisch, besser bekannt als Ritterrüstung, ab. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die offene Rückseite. Reste von Lederriemen lassen erkennen, dass man das Bein auf der Hinterseite festzurren konnte. Wahrscheinlich schützte ein ledernes Futter vor Reibung. Das Harnischinstrument erzielte seine therapeutische Wirkung durch die beiden seitlich befestigten Schrauben. Drehte man sie, so bewegten sich Ober- und Unterteil näher aufeinander zu – das Knie wurde gebeugt. Dadurch konnte man ein versteiftes Bein über viele Tage hinweg wieder beweglich machen. Zur Vorbereitung wurde eine Behandlung mit Wärme und Pflanzenextrakten empfohlen. Die zusätzlichen Schrauben auf der Kniekachel dienten dazu, die Kniescheibe zu stabilisieren. Das langsame Strecken versteifter Glieder findet bis heute medizinische Anwendung und ist als Quengeln bekannt, die Hilfsmittel dafür heißen Quengelschienen oder -orthesen.

Handwerkliche Arbeitsteilung
Das Harnischinstrument wurde mit Sicherheit als therapeutisches Gerät hergestellt und nicht aus dem Beinzeug einer Rüstung umgearbeitet. Dafür sprechen beispielsweise die spezifische Länge, sowie die symmetrische Bauart, die eine Verwendung an beiden Beinen erlaubte. Zwar ist nicht bekannt, wer das Harnischinstrument herstellte, jedoch kann man annehmen, dass es ein Plattner war, der auch Rüstungen anfertigte. Plattner beherrschten das spannungsfreie Treiben sowie gegebenenfalls Härten von Blechen. Die Orthese ist reich mit detaillierten Ätzungen verziert und stellenweise vergoldet. Ätzmalerei war damals ein eigener Berufszweig.

Sächsische Herkunft?
Am Oberschenkel fallen zwei vergoldete Wappen auf, die von Putti gehalten und von Medaillons umrahmt werden. Es sind die Wappen von Sachsen und Dänemark. Im Jahr 1548 heirateten August von Sachsen (1526-1586) und Anna (1532-1585), Tochter von Christian III., dem König von Dänemark und Norwegen. Später, im Jahr 1553, wurde August Kurfürst von Sachsen und übernahm das kursächsische Wappen. Daher kann man das Harnischinstrument auf den Zeitraum zwischen 1553 und 1585/86 datieren. Die Kunstkammer, die August seit Mitte der 1550er Jahre aufbaute, enthielt auch repräsentative wissenschaftliche Instrumente. Laut eines Inventars von 1587 waren darunter auch mehrere Harnischinstrumente, jedoch ist nicht gesichert, dass das vorliegende Exemplar dazuzählte.

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wWeiterlesen

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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Ein Zimmer zieht um
Als im Jahr 1901 die gesamte Inneneinrichtung eines barocken Wohnhauses in Aachen versteigert wurde, erwarb das Germanische Nationalmuseum den „kleinen Gobelinsaal“. Die geschnitzten Wandvertäfelungen aus Holz und die Bildteppiche wurden ins Museum transferiert, wo sie bis heute den ursprünglichen Raumeindruck wiedergeben. Nur die stuckierte Decke sowie die Möbel fehlen. Ein Kamin aus einem Schloss in Lüttich ergänzt das Ensemble, da das Original in Aachen verblieb. Die Holzsichtigkeit der VWeiterlesen

Ein Zimmer zieht um
Als im Jahr 1901 die gesamte Inneneinrichtung eines barocken Wohnhauses in Aachen versteigert wurde, erwarb das Germanische Nationalmuseum den „kleinen Gobelinsaal“. Die geschnitzten Wandvertäfelungen aus Holz und die Bildteppiche wurden ins Museum transferiert, wo sie bis heute den ursprünglichen Raumeindruck wiedergeben. Nur die stuckierte Decke sowie die Möbel fehlen. Ein Kamin aus einem Schloss in Lüttich ergänzt das Ensemble, da das Original in Aachen verblieb. Die Holzsichtigkeit der Vertäfelungen ist besonders charakteristisch für den Aachener Kunsthandwerksstil des 18. Jahrhunderts. Statt sie farbig zu bemalen oder zu vergolden, erhielten sie nur einen Wachsüberzug. So kann die natürliche Maserung des Eichenholzes zur Geltung kommen. Die geschnitzten Ornamente beinhalten viele Masken und Muscheln, sind aber noch streng symmetrisch angeordnet. Daher kann man das Aachener Zimmer, welches um 1740 entstand, als Werk des frühen Rokokos bezeichnen.

Der Moses-Saal
Die Bildteppiche sind Wirkarbeiten und daher besonders detailliert und leuchtkräftig. Allerdings sind die Textilien sehr lichtanfällig, so dass die Farben heute verblasst sind. Die Signatur auf den Teppichen verrät, dass sie in der Werkstatt der Brüsseler Familie van der Borght entstanden. Brüssel war damals ein wichtiges Zentrum für die Herstellung repräsentativer Bildwirkereien. Die Teppiche aus dem Aachener Zimmer zeigen Szenen aus dem Leben Moses‘: Von seiner Auffindung als Kleinkind am Nil, über die Teilung des roten Meeres, bis hin zum Zerbrechen der Gesetzestafeln. Passend zum „kleinen Gobelinsaal“ im Erdgeschoss gab es noch einen „großen Gobelinsaal“ im ersten Stock des Aachener Hauses. Dessen Wandteppiche stellten die fünf Erdteile dar, jedoch sind sie heute nicht mehr vollständig erhalten.

Das Wespienhaus
Johann von Wespien war der Auftraggeber des repräsentativen Aachener Wohnhauses. Er war ein äußerst wohlhabender Tuchfabrikant, der reich geheiratet hatte. 1756 bis 1759 war er Aachens Bürgermeister. Sein Haus in der Kleinmarschierstraße wurde 1734-1737 erbaut, jedoch sollte die Vervollständigung der Inneneinrichtung noch viel länger dauern. Als Architekt diente Johann Joseph Couven, der an mehreren Bauvorhaben Wespiens beteiligt war. Couven stimmte die Fassade und das innere Dekorationsschema harmonisch aufeinander ab, weswegen dieses Haus später als sein bestes Werk galt. Da Wespien keine Nachkommen hinterließ, kam das Haus in den Besitz einer anderen Familie, die 1901 aus Geldnot die Inneneinrichtung versteigern musste. 1943 wurde es bei einem Luftangriff fast vollständig zerstört und nicht wiederaufgebaut.

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