Titel
Johannes der Evangelist
Allgemeine Bezeichnung
Figur aus Lindenholz (Pl.O.2205/2206; Hll. Johannes`)
Inventarnummer
Pl.O.2205
Sammlung
Skulptur bis 1800
Herstellungsort
Oberrhein; Oberrhein ID 7013245; wohl Freiburg
Herstellungsdatum
um 1520/25
Hersteller
Meister HL (um 1480-um 1533)
Meister HL; um 1480- um 1533 (Der bisher nicht mit Sicherheit zu identifizierende , mit H. L. signierende Meister, dem auch Kupferstiche zugeschrieben werden , war am Oberrhein tätig. Das Hauptwerk dieses wohl größten Virtousen der deutschen Schnitzkunst ist der 1526 vollendete Hochaltar des Münsters zu Breisach.)
Maße
H. 150 cm; B. 40 cm; T. 30 cm
Material und Technik
Lindenholz - ausgehöhlte Rückseite; monochrom getönt
Vitrinentext
Die Werke des Meisters, der am Hochaltar des Münsters zu Breisach sein Monogramm "HL" hinterließ, zählen zu den bizarrsten Schöpfungen deutscher Kunst. Vielleicht ist dieser Bildhauer mit einem in Freiburger Quellen genannten Hans Loy zu identifizieren. Hervorstechendes Merkmal seiner Figuren ist das plastisch-graphische Eigenleben der Gewandmassen. Dem vielfältig variierten und eigentümlich stilisierten Faltenwurf des Evangelisten wohnt heftige Bewegung inne. Sie verleiht ihm visionäre und ekstatische Züge.

John the Evangelist. Limewood, monochrome tint. The works of the master who inscribed his monogram "HL" on the high altar of the Minster at Breisach are some of the most bizarre creations in German art. Perhaps this sculptor could be identified with a certain Hans Loy, named in Freiburg sources. The striking feature of these figures is the graphic modeling of the robes, which seem to take on a life of their own. The variety and unconventional stylization of the folds convey a sense of agitation. The saint seems to be embued with an ecstatic, visionary aura.

Beschreibung
Standfigur in Halb- bzw. Dreiviertelplastik. Der Heilige steht, den rechten Fuß wenig vorgesetzt, in Vorderansicht. Das bärtige Antlitz ist mit suchendem Blick nach links in die Ferne gerichtet. Der rechte Arm ist im Winkel erhoben. Die Linke stützt das Buch, auf dem das Lamm ruht. Der Oberkörper und die Beine sind nackt. Den übrigen Teil des Körpers umhüllt ein kühn drapierter Mantel, er über der linken Schulter zu einem Knoten verschlungen ist und an der rechten Hüfte durch einen gurtartigen Wulst in Knotenform zusammengehalten wird. Darunter tritt das unmittelbar über den Körper liegende Lammfell sichtbar hervor. Zustand: An vielen Stellen defekt (rechte Seite des Kopfes, Hände, Riemen über dem entblößten Oberkörper, rechter Fuß etc.) .
Literatur
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