Titel
Maria
Allgemeine Bezeichnung
Figuren aus Lindenholz (von drei; Kreuzigungsgruppe)
Inventarnummer
Pl.O.2255
Sammlung
Skulptur bis 1800
Herstellungsort
Ober-Bayern; Schongau ID: 7012703; Schongau
Herstellungsdatum
letztes Viertel 17. Jh.
Hersteller
Johann Pöllandt (zugeschrieben)
Johann Pöllandt (vor 1632-1721); geboren in Rottenbuch; Lehrmeister und Ausbildungsort Pöllandts unbekannt; 1667 Heirat in Wessobrunn mit Maria Feuchtmayer geb. Schmuzer (dadurch Stiefvater des Bildhauers Franz Joseph Feuchtmayer, des Vaters von Joseph Anton Feuchtmayer (vgl. Pl.O. 2736 und 2743a-e, Maué, 3. Teil, und ist mit der bedeutenden Stukkatorenfamilie verschwägert) fortan häufig Zusammenarbeit mit Familie Feuchtmayer; 1675 Umzug nach Schongau, dort 1721 gestorben (Bildhauer in Holz und Stein, Stukkator und Architekt; 1680 Stadtverordneter, 1691 Mitglied des Äußeren Rates, 1692 Stadtkämmerer und 1700-1716 einer der vier Bürgermeister von Schongau; erstes gesichertes und erhaltenes Werk ist monumentaler Apostelzyklus von 1671/72 (Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptista in Pfaffenhofen an der Ilm); künstlerisch wohl bedeutendstes Werk Pöllandts 1688 für das Benediktinerinnenkloster Amtenhausen geschaffener Hochaltar, jetzt Emmingen (Gemeinde Emmingen - Liptingen, Kreis Tuttlingen))
Maße
H. 191 cm; B. 83 cm; T. 34 cm
Material und Technik
Lindenholz (Tilia s f.); schlechte Qualität der Hölzer - hinten abgeflacht; Hauptwerkstück mit 18 Anstückungen (Extremitäten und ausladende Gewandpartien) durchgehenden oder verdeckt angedübelt; in Aushöhlung unterhalb der Schulter zwei Werkstücke eingesetzt (beugte Durchschnitzungen vor oder schloß diese nachträglich); unterhalb rechtem Handgelenk rückwärtig grober Leinwandflicken; Leim-Kreidegrundierung auf Vorderseite; farbig gefaßt, teilweise vergoldet
Vermerk am Objekt
Beschriftung: "......hierfur di(e) zwey bilder von dem bildhauer Fälig(?) bezahl...auch von malerei.. ......daran geben. Gott zur (ehr)." (rückwärtig auf die flache rechte Seite aufgeklebt)

Beschreibung
Hochrelief. Maria steht mit leicht angewinkeltem linkem Bein, neigt den Kopf zur rechten Schulter und stützt ihn mit der rechten Hand, die ein Tränentuch hält. Die linke Hand liegt auf die Brust. Maria trägt ein weites, in der Taille gegürtetes und an den engen Ärmeln geschupptes Untergewand, einen über die rechte Schulter gelegten, den linken Arm freilassenden, knielangen Mantel und ein Kopf und Hals bedeckendes Schleiertuch. Das großflächige Gesicht wird von den großen, ins Leere starrenden Augen, der kurzen, gekrümmten Nase und dem klagend geöffneten, scharf geschnittenen Mund mit nach unten gezogenen Mundwinkeln geprägt. Inkarnat rötlich, Mantel Blattgold auf rotem Poliment, Mantelfutter grobkörnige blaue Schicht, vermutlich Azurit, Ärmel- und Kleidborten und Kleid Zwischgold auf rotem Poliment, Kleid innen hellrot auf gelbtransparenter Schicht, Kopftuch außen und Borte Zwischgold auf gelbtransparentem Anlegemittel, innen Zwischgold auf rotem Poliment, Schuhe Zwischgold auf gelbem Poliment.
Literatur
Claudia Maué: Die Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum, Tl. 2, Bayern, Österreich, Italien, Spanien. Mainz am Rhein 2005, S. 92-97 m. Abb. Kat. Nr. 138
MAUÉ (2005): Anzeiger GNM (1921) S. 34 (erwähnt); 68. Jahresbericht des GNM (1921) S. 6 (erwähnt); Neuerwerbungen 1921-1924, Tafel 70; Führer (1922/23) S. 95; Führer (1924/25) S. 178; Festschrift GNM (1978) Abb. 98 auf S. 99; Vollmer (1983) S. 73, Tafelabb. o.Nr. mit falscher Bildunterschrift; Vollmer (1997) S. 90-91, 130, Abb. S. 64