Titel
Kniender Putto
Allgemeine Bezeichnung
Putto aus Lindenholz
Inventarnummer
Pl.O.2742
Sammlung
Skulptur bis 1800
Herstellungsort
Ober-Bayern; München ID: 7004333; München
Herstellungsdatum
um 1765-1775
Hersteller
Werkstatt von Ignaz Günther
Ignaz Günther (1725-1775); geb. 1725 in Altmannstein (Oberpfalz); erste Ausbildung beim Vater, Johann Georg Günther, ab 1743 Schüler und Mitarbeiter des Johann Baptist Sträub (vgl. Maué Kat.Nr. 131) in München; ab 1750 Wanderjahre (Salzburg, Mannheim- Werkstatt Paul Egells-Mähren); 1753 Schüler der Wiener Akademie; Ende 1753 in München, wo ihm 1754 Hofschutz gewährt wird; gest. 1775 in München (Bildhauer in Holz; vor allem für kirchliche Auftraggeber in München und Oberbayern tätig; Hauptwerke u.a.: Altarausstattung der Klosterkirche Rott am Inn (ab 1760), Schutzengelgruppe im Münchner Bürgersaal (1763), Prozessionsgruppen in Weyarner Klosterkirche (1764); neben Sträub (den er an pointiertem Ausdruck und Eleganz übertrifft) bedeutendster Bildhauer des Münchner Rokoko)
Maße
H. 36, 5 cm; B. 55 cm; T. 18 cm
Material und Technik
Lindenholz (Tilia sp., ein Hauptwerkstück mit Faserverlauf entlang der Körperachse, 12 Anstückungen) - zunächst Flügel vorgesehen (sollten mittels Zapfen in Korpus eingelassen werden, beide ellipsenförmige Löcher in den Schulterblättern jedoch vor Fassen geschlossen); Rückseite des Kopfes summarisch; Tuch rückseitig abgeflacht; rechter Unterschenkel und Fuß zur Anpassung an Konsole abgeflacht; durchgängige Leim-Kreidegrundierung
Beschreibung
Vollrunde Figur, auf Schrägansicht von unten berechnet. Der Putto kniet, nach links gewandt, mit vorgeschobenem rechtem Knie auf einer - nicht mehr vorhandenen - schräg ansteigenden Konsole. Er dreht den Kopf über die linke Schulter dem Betrachter zu, der Blick geht jedoch nach oben. Mit dem vorgestreckten rechten Arm und der in Brusthöhe erhobenen linken Hand scheint das Kind dem Betrachter einen Gegenstand präsentieren zu wollen, der heute verloren ist. Der Putto ist nur mit einem schmalen Tuch bekleidet, das, vom Rücken her über die rechte Hüfte gelegt, die Scham bedeckt und zwischen den Beinen verläuft. Der Putto hat ein breites Gesicht, Hängebacken, Doppelkinn, eine kräftige Stupsnase und schmale, etwas schrägstehende Augen. Seine Haare sind kurz geschnitten und bilden eine geschlossene, nur am Hinterkopf und an den Seiten von einzelnen Locken durchbrochene Kalotte. Inkarnat hell blau, Lippen rot, Haar braun, Tuch blau, körniges, leuchtendes Pigment, schwach gebunden, vermutlich auf das Bindemittel aufgestreutes Azurit.
Literatur
Claudia Maué: Die Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum, Teil 2: Bayern, Österreich, Italien, Spanien. Mainz 2005, S. 71-73 m. Abb. Kat. Nr. 128