Titel
Kruzifixus
Allgemeine Bezeichnung
Figur aus Weidenholz
Inventarnummer
Pl.O.34
Sammlung
Skulptur bis 1800
Herstellungsort
Schwaben; Schwaben, ID: 7012729;
Herstellungsdatum
um 1090
Maße
H. 141 cm; B. 144 cm; T. 16,5 cm
Material und Technik
Weidenholz - rückseitig abgeflacht, kastenartig ausgehöhlt (62 : 12 : 5 cm); Arme angestückt; farbig gefasst
Vitrinentext
Das Bildwerk soll aus Urach in Württemberg stammen. Es verkörpert den sog. aufrechten Typus des Gekreuzigten sowie den Viernageltypus. Der Oberkörper ist brettartig vereinfacht, die Gliedmaßen sind auf röhrenartige Formen reduziert. Parallel zum flachen Brustschild geführte Rippen sind wie das dünn geschichtete und durch Knoten arrangierte Lendentuch Kennzeichen von Stilisierung wie subtiler Plastizität.

Beschreibung
Körper und Lendenschurz mit senkrecht fallenden Umrissen; Kopf und parallel geführte Beine leicht nach rechts abgewinkelt. Inkarnat blaßrosa; Lendenschurz Silberfolie auf rotem Bolus; Säume gold, Futter zinnoberrot. Gegenüber der deutschen Kunst um die Jahrtausendwende, die sich noch mit dem überlieferten Formengut der Spätantike auseinanderzusetzen hatte, bemühte sich die Zeit des Meisters von diesem aus Urach/ Württemberg stammenden Kruzifix um eine Formverfestigung, die, zunächst primitiv erscheinend, zu einer eigenständigen mittelalterlichen Kunstentwicklung führte. Der Oberkörper der Figur ist fast bretthaft reduziert und hat parallel geführte Umrisse. Die Modellierung zeigt überall das Bestreben, auf Grundformen zurückgehen: Die Arme sind röhrenförmig, die Knie kugelig gebildet, der Schienbeingrat ist als gerade, scharfe Kante gegeben. Das Wissen um die natürliche Beschaffenheit des Körpers bleibt trotzdem vorhanden und ist spürbar gemacht in der Angabe der Beweglichkeit der Gliedmaßen.
Literatur
Stafski, Heinz: Die Bildwerke in Stein, Holz, Ton und Elfenbein bis um 1450 ( Die mittelalterlichen Bildwerke Bd. 1). Nürnberg 1965, S. 15, Abb. S. 16f.
Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. München 1977, S. 26, Nr. 42.
Hürkey, Edgar,J.: Das Bild des Gekreuzigten im Mittelalter. Worms 1983, Abb. 205, S. 34, 44, 61--63, 66, 97, 109, 73, 535.
Kammel, Frank Matthias: Kreuz und Kruzifix. In: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 2), S. 124, 132, 402, Kat. 190, Abb. 119.
Zander-Seidel, Jutta und Kammel, Frank Matthias: Mittelalter. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2012, (S. 39-62), S. 50.
Pawlik, Anna und Elisabeth Taube: Ein Gekreuzigter aus Urach? Erkenntnisse und Überlegungen zum ältesten Holzbildwerk des Germanischen Nationalmuseums. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2012, S. 97-110.