Titel
Spanischer Mantel des Stephan III. Praun (1544-1591)
Allgemeine Bezeichnung
Überkleidung (Herren)
Inventarnummer
T550
Proviso
Leihgabe der Friedrich von Praun'schen Familienstiftung
Sammlung
Textilien-Schmuck
Herstellungsdatum
um 1571
Maße
L. 78 cm, Kapuze H. 48 cm
Klassifikation
Überkleidung
Material und Technik
Wollfilz, ungefärbt, Seidenfutter, Seidenborten, Posamentenknöpfe
Technologische Angaben:
Obermaterial
Filz, Wolle, ungefärbt

Futter
Beleg Schulter, vordere Mitte, Kragen, Kapuze
Seide, blaugrün, Samt

Verzierungen
Kanteneinfassung Mantel (1), Kanteneinfassung
Kapuze (2), aufgenähte Borten (3), Quaste Kapuze (4)
(1) Borte, Seide, blaugrün, Leinwandbindung, B. 1 cm
(2) Borte, Seide, blaugrün, Leinwandbindung, B. 1,5 cm
(3) Flechtborte, Seide, blaugrün
(4) Bündel aus 38 Flechtborten, wie (3)

Verschlüsse
Knöpfe/Schlingen (1), Schnürlöcher (2)
(1) 11 Posamentenknöpfe, 8 in vorderer Mitte (3 fehlen), 3 an der Kapuze, Holzkern umstochen mit Seide, blaugrün, Dm. 1 cm, Schlingen aus Flechtborten, Seide, blaugrün, B. 0,4 cm
(2) je 1 Schnürloch am Halsausschnitt in vorderer Mitte des Mantels, je 1 Schnürloch an der unteren
Kapuzenkante etwa an der Schulter

Altreparaturen/Ergänzungen
Aufhänger in rückwärtiger Mitte

Maße
Gesamtlänge vorne 72 cm, hinten 78 cm
Kragenhöhe 8 cm, Saumweite 447 cm
Kapuzenhöhe vorne 48 cm, hinten 43 cm
Vitrinentext
Der Mantel entspricht der in Trachtenbüchern des 16. Jahrhunderts überlieferten Kleidung spanischer Reiter. Er wurde mit und ohne Kapuze getragen. Es war üblich, sich auf Reisen nach Landesart zu kleiden. Einen ähnlichen Mantel zeigt auch das Pilgerporträt Prauns.

Spanish Cloak of Stephan III Praun (1544-1591). Wool felt, natural colors; silk embroidery; lining: silk velvet, bluish green. The cloak, worn with or without a hood, resembles the clothing of Spanish horsemen recorded in 16th century costume books. It was customary to dress in the clothing of the country one traveled through. A similar cloak is also seen in Praun's portrait as a pilgrim.

Kreisförmiger Schnitt und Kapuze kennzeichnen den spanischen Mantel. Typisches Ornament sind die radial applizierten Seidenborten. Der Nürnberger Kaufmannsohn Stephan Praun erwarb ihn anlässlich seiner Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela, denn es war üblich, die Kleidung der des Reiselandes anzupassen.

Spanish cloak with hood. Circular cut and hood characterize the Spanish cloak. The radially appliquéd silk braiding is a typical decoration. Stephan Praun, a Nuremberg merchant’s son, acquired it on the occasion of his pilgrimage to Santiago de Compostela, as it was customary to adapt one’s clothing to the country one traveled through.

Beschreibung
Etwa als Dreiviertelkreis geschnittener Umhang aus ungefärbtem hellem Wollfilz mit Stehkragen, Kapuze und rückwärtiger Mittelnaht, die sich unten in einem Schlitz öffnet. Dekor aus schmalen, radial applizierten, (ehemals) blaugrünen Seidenborten, die in halber Höhe durch Bögen und zwei parallel geführte Linien aus dem gleichen Material verbunden sind. In der vorderen Mitte Verschluss aus acht Querriegeln mit Knöpfen, Schlingen und Fransen. Der Kragen und der Bereich um die obere Mantelöffnung sind mit blaugrünem Seidensamt gefüttert; am unteren Kragenrand geschnittener Zierbesatz aus dem Oberstoff („piccadill“). Die separate Kapuze besteht aus einem ebenfalls mit drei Querriegeln zu schließenden Kragenstück und der eigentlichen, spitz zulaufenden Kapuze, die hinten zwei Schnürlöcher aufweist. Die Vorderseite ziert ein Band- und Flechtwerkornament aus blaugrünen Flechtborten, aus denen auch die Quaste an der Spitze gefertigt ist. Auch die Kapuze ist mit blaugrünem Seidensamt gefüttert. -- Ein 360°-Video des Objektes befindet sich auf YouTube: www.youtube.com/GNMvideo/Playlists/InMode.
Literatur
Anja Grebe: Jakobus in Franken im Spiegel der Bildkünste des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. In: Jakobus in Franken. Kult, Kunst und Pilgerverkehr, hg. von Robert Plötz, Peter Rückert. Tübingen 2018, S. 97-134.
In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock. Hrsg. von Jutta Zander-Seidel. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2015, S. 117-119, 281 (technologische Angaben), Kat.-Nr. 58.
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 175, 388, Abb. 139.
Anja Grebe: Pilgrims and Fashion: The Functions of Pilgrims' Garments. In: Sarah Blick, Rita Tekippe (Hg.): Art and Architecture of the Late Medieval Pilgrimage in Northern Europe and the British Isles. Brill 2005, S. 6, Abb. 1.
Faszination Meisterwerk. Dürer, Rembrandt, Riemenschneider. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2004, S. 86-88.
Birgit Haase: Kleider und Bilder von Kleidern. Erhaltene Objekte und ihre künstlerische Darstellung im historischen Überblick. In: Zeitschrift für Waffen- und Kostümkunde 2002, S. 1-19.
Annette Scherer: Mehr als nur Andenken. Spätmittelalterliche Pilgerzeichen und ihre private Verwendung. In: Spiegel der Seligkeit. Privates Bild und Frömmigkeit in Spätmittelalter, GNM, Nürnberg 2000, S. 131-136.
Germanisches Nationalmuseum (Hrsg.): Schätze und Meilensteine deutscher Geschichte aus dem Germanischen Nationalmuseum. Nürnberg 1997, S. 92.
Treasures of German art and history in the Germanisches Nationalmuseum, Nuremberg. Publ. by Germanisches Nationalmuseum, Nuremberg. Ed. by Hermann Maué and Christine Kupper, 2001.
Kunst des Sammelns. Das Praunsche Kabinett. Meisterwerke von Dürer bis Caracci. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 1994, Nr. 141, Abb. S. 97.
Katrin Achilles-Syndram (Bearb.): Die Kunstsammlung des Paulus Praun. Die Inventare von 1616 und 1719. Nürnberg 1994 (Quellen zur Kunst und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 25), S. 174, Nr. 17 (Kunstsammlung Praun, Inventar 1616, Anhang), Abb. 80.
Wallfahrt kennt keine Grenzen. Bayerisches Nationalmuseum 1984. München 1984, Nr. 177 f.
Eva Nienholdt: Kostümkunde. Braunschweig 1961, S. 42-44, Abb. 34.
Walter Fries: Die Kostümsammlung des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg. Besprochen aus Anlaß ihrer Neuaufstellung im Jahre 1924. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1924 und 1925. Nürnberg 1926, S. 10, 12, Abb. 4.