Titel
Neolithische Geweihaxt mit rechteckigem Schaftloch
Allgemeine Bezeichnung
Axt aus Geweih
Inventarnummer
Vb8748
Sammlung
Archäologie
Herstellungsdatum
Spätneolithikum
Maße
Gesamtlänge diagonal gemessen: ca 17 cm, obere Länge: 16,5 cm, untere Länge: 15,0 cm, Schneidenlänge von Endspitze zu Endspitze: 10 cm, Nacken dm 4,0 - 4,5 cm, Schaftloch: 2,1 x 1,3 cm, Abstand der Schaftlochmitte zum Nacken: ca. 4,3 cm, Durchmesser des Schaftes beim Schaftloch 3, 6 cm
Material und Technik
Hirsch- oder Elchgeweih, geschnitzt, geschliffen, geglättet, durchbohrt.
Beschreibung
Die Axt wirkt im Umriss fast wie eine merowingerzeitliche Franziska, eine Form wie sie eigentlich nur aus Metall hergestellt werden kann. Hirschgeweihgabelungen im mittleren Geweihabschnitt unter Einbeziehung des Ansatzes zur Mittelsprosse liefern geeignete Formvorgaben. Falls es sich bei dem Rohstoff um Elchgeweih handeln sollte, könnte das verwendete Stück auch knapp oberhalb der Rosette entnommen sein. Dafür spräche eine gewisse Verdickung am Nackenende, die zwar gut abgearbeitet ist, in der aber ein Ansatz zur Rosette zu erahnen sein könnte. Beide Seiten der Axt sind zur Schneide hin abgeschrägt und wirken wie glattpoliert. Der Cortex ist weitgehend belassen, doch sind Ober- wie Unterseite vor und hinter dem Schaftloch geebnet, Die Rippung wurde aber, vielleicht auch durch den Gebrauch, gerundet. Am Nacken ist die der Axt leicht verdickt. Der Nacken ist annähernd rund und weist Schnittspuren auf, die bei der Glättung des Nackens entstanden. Ähnliche Spuren finden sich auch an den anderen bearbeiteten Stellen. Die leicht nach oben und stark nach unten auszipfelnde Schneide weist eine kleine alte Beschädigung auf, die eine Fortsetzung in einem 1, 5 cm langen Riss des Blattes findet. Eine größere jüngere Beschädigung ist nicht nachträglich geglättet, oberhalb der älteren Beschädigung und ca. 4 cm lang.
Literatur
Martina Barth, Die gravettienzeitlichen Knochen und Geweihartefakte aus dem Hohle Fels und benachbarten Fundstellen im Achtal, Schwäbische Alb, Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte13, 2004, S. 79 - 96
Nadja Pöllath Elchtest - Tierartliche Bestimmung der Geweihaxt aus der Gemeinde Moos, Lkr. Deggendorf, Zwischen Münchshöfen und Windberg. Gedenkschrift für Karl Böhm. Ludwig Husty, Michael M. Rind und Karl Schmotz (Hrsg.) Rahden/Westf., 2009, S. 258, Abb. 2
Kai Riedel, Materialorientierte und funktionelle Untersuchungen von Hirschgeweihgeräten aus dem Leinetal bei Koldingen / Gleidingen, Lkr. Hannover Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Veterinärmedizin (Dr. med. vet.) durch die Tierärztliche Hochschule Hannover, 2003, S. 95
Albert Hafner, Peter J. Suter, Das Neolithikum der Schweiz, www. jungsteinSITE.de, Artikel vom 27 Nov. 2003, S. 15, Abb. 7