Allgemeine Bezeichnung
Konisch verjüngender Pokal mit Gambrinus- und Merkurauflagen
Inventarnummer
VK377
Sammlung
Volkskunde-Spielzeug-Judaica
Herstellungsort
Westerwald; Höhr
Herstellungsdatum
1867
Hersteller
Hanke, Reinhold (Hersteller und Entwurf)
Hanke, Reinhold; geboren am 7. November 1839 in Freudenheim/Böhmen, gestorben am 22. Juni 1886 in Höhr. Er war seit Anfang 1864 in der Siderolithwarenfabrik Knödgen, Maxein & Comp. in Höhr beschäftigt gewesen und hatte sich im Oktober 1864 zusammen mit Ottmar Speyser selbständig gemacht. Die Firma existierte, nachdem sich Speyser unter Zurücklassen von Schulden abgesetzt hatte, nur bis zum Februar 1868, woraufhin Hanke eine neue Firma mit dem Namen "Fabrik altdeutscher Steingut-Krüge Reinhold Hanke" gründete. (Hersteller und Entwerfer: Hanke gilt als der Erneuerer der Westerwälder Steinzeugproduktion.)
Maße
H. 35,3 cm, BDm. 16,6 cm, MDm. 12,2 cm.
Klassifikation
Pokal
Pokal
Material und Technik
Steinzeug; frei gedreht; Ritzung Auflagen; bemalt; salzglasiert
Vermerk am Objekt
Beschriftung: "Hanke" (Entwurf und Herstellung von Reinhold Hanke, Am Hohlfuß)

Beschreibung
Konisch verjüngender Pokal auf Trompetenfuß. - Trompetenförmiger Hohlfuß mit Signatur "Hanke"; am Übergang zum Körper profilierter Wulst. Ausladende untere Zone des Körpers, die durch breites profiliertes Band mit Rädchendekor von der konisch sich verjüngenden Wandung abgesetzt; am Hals ebenfalls Rädchendekor; braune Zone mit geritzter Inschrift: "Zum Andenken am 25.April 1867". Auflagen in der Masse braun eingefärbt. Vier Lotusblätter-Auflagen am Fuß; diese wiederholen sich an der bauchigen Körperzone, im Wechsel mit versetzt angeordneten Wappenschilden. Von diesen zwei mit auf Zahnrad sitzender Eule (Zeichen der Ingenieurkunst) und zwei mit gekreuztem Hammer und Schlegel (Zeichen des Berbaues). Auf Wandung zwei größere Reliefauflagen mit Gambrinus und Gott Merkur. Das bei letzterem befindliche Faß trägt die Jahreszahl "1867", die Kiste die Initialen "CK". Die zwei kleineren Reliefauflagen dazwischen zeigen eine tanzende Frau und einen chinesischen Lastenträger. Die Auflagen werden von acht eingeritzten geblauten Namen flankiert: oben W. Spahn, A. Hertha, F. Wilke und E. Koch, unten M. Dümler, P. Hainewald, A. Liebchen und S. Dornert. (Namen von Mitgliedern einer Gesellschaft oder Vereins, der sich mit Handel, Bergbau, Technik und Brauwesen). Oberfläche grau.
Literatur
Als Gefäßform, Handelsartikel und Gebrauchsgerät wissenschaftlich erschlossen in Manuskript des DFG-Projekts "Westerwälder Gebrauchsgeschirr" der Abt. Volkskunde, GNM. Projektabschluss 2005. Unter der Projekt-Nr. N1-0363 wissenschaftlich dokumentiert in der Projektdatenbank (Arbeitsdatenbank auf Access-Basis) des DFG-Projekts "Westerwälder Gebrauchsgeschirr". Unter derselben Projektnummer fotografisch dokumentiert auf Datenblatt des Objektkatalogs. Die dazugehörigen Negative sind in Ordnern des Projektarchivs abgeheftet.
Kügler, Martin: Pokal. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 1999, S. 345-346.
Heribert Fries: Die Steinzeugfabrik Reinhold Hanke in Höhr-Grenzhausen. In: Ebd., S. 21-43.
Reinhold und August Hanke: Westerwälder Steinzeug. Historismus - Jugendstil. Montabaur 1986.
Beate Dry-von Zezschwitz: Westerwälder Steinzeug des 19. Jahrhunderts. In: Ebd., S. 285-304.
Preis-Verzeichniss der Steinzeug-Artikel aus der Steingut-Fabrik Villeroy & Boch in Mettlach (R.-B. Trier) 1. Juli 1885, S. 17, abgedruckt in Anton Post: Mettlacher Steinzeug 1885-1905. Saarwellingen 1976, S.33-105.
Rosa Micus: Ludwig Foltz (1809-1867). Architektonische und kunstgewerbliche Arbeiten. Ein Beitrag zur Geschichte des Maximilianstils. Phil. Diss. Regensburg 1986.
Historismus. Angewandte Kunst im 19. Jahrhundert. Bd. 2: Kunsthandwerk und Kunstgewerbe. Kassel 1988, S. 19, Nr. 212.
Irmgard und Werner Endres: Regensburger Steinzeug. Krüge und Kannen. Grafenau 1991, bes. S. 135, 160 und 195-196.