Titel
Türkischer Bogen von Stephan III. Praun
Allgemeine Bezeichnung
Bogen
Inventarnummer
W1220
Proviso
Leihgabe der Friedrich von Praun'schen Familienstiftung
Sammlung
Wissenschftl. Instr.-Waffen-Pharmazie
Herstellungsort
Osmanisches Reich; nicht bekannt
Herstellungsdatum
2. Hälfte 16. Jh.
Hersteller
nicht bekannt
Maße
B. 25 cm, L. 67cm (entspannt)
Material und Technik
Holz, Büffelhorn, Sehne, Leim und Lack
Vitrinentext
Sammelkommentar: Stephan III. Praun, Bruder von Paulus II. Praun, kam wohl im Gefolge einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Istanbul. Dort gehörte Bogenschießen in der Elite des Osmanischen Reiches zum guten Ton. Möglich, dass Praun den Bogen dort geschenkt bekam oder erwarb. Türkische Bögen stellen den Gipfel der Bogenbaukunst dar. Der Bogen besteht aus ausgewählten Werkstoffen. Vor Feuchtigkeit schützt eine Lackierung, die Bemalung unterstreicht den Wert. Bogen und Pfeile wurden in zwei Köchern aus Leder an der Hüfte getragen.

Turkish Bow. Wood, buffalo horn, sinew, glue, lacquer. Summary: Stephan Praun III, brother of Paulus Praun II, probably traveled to Istanbul with an Imperial delegation. Archery was a prestigious skill among the elite of the Ottoman Empire. It is feasible that Praun was either given this bow or acquired it there. Turkish bows are the pinnacle of the bow maker's art. The bow is a composite of select materials. A lacquer coating protects it against damp, while the painted decoration underscores its value. The bow and arrows were carried in a leather bow case and quiver slung at the hip.

Beschreibung
Der Bogen steht in der reiternomadischen Bogenbautradition. Die Kompositbauweise setzt sich aus mehreren Materialien zusammen, deren Eigenschaften jeweils optimal eingesetzt werden. Holz, Horn und Sehne werden durch einen sehr elastischen und strapazierfähigen Leim (aus Fischblase) zusammengehalten, die Oberflächenlackierung dient nicht nur der Verschönerung sondern schützt auch vor Feuchtigkeit. Der Form nach handelt es sich um einen Reflexbogen, d.h. die beiden Wurfarme müssen gegen ihre jetzige Position mit hohem Kraftaufwand zurückgebogen werden, um die Sehne aufziehen zu können. Der Bogen besitzt dann bereits eine erhebliche Vorspannung. Beim Schuß würde diese noch durch den Auszug des Schützen vergrößert. Durch die geringe Größe ist der Bogen hervorragend vom Pferd aus zu benutzen. Die Eliten des Osmanischen reiches pflegten ihre reiternomadischen Traditionen, und so war das Bogenschießen trotz des Aufkommens von Feuerwaffen eine angesehene Fertigkeit. Das Objekt ist von hoher Qualität und war sicher zu seiner Entstehungszeit und beim Erwerb durch v. Praun von einigem Wert.
Literatur
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 265, 438, Abb. 230.