Titel
Tannenberg-Büchse
Allgemeine Bezeichnung
Büchse, Handbüchse, Stangenbüchse
Inventarnummer
W2034
Sammlung
Wissenschftl. Instr.-Waffen-Pharmazie
Herstellungsdatum
vor 1399
Hersteller
unbekannt
Maße
L. 32 cm. Kaliber 15,16 mm, Gewicht: 1235 g
Material und Technik
Bronze - gegossen, gefeilt.
Vitrinentext
Die Tannenbergbüchse ist die älteste erhaltene und sicher datierbare Feuerwaffe der Welt. Sie wurde 1849 bei archäologischen Grabungen in der Zisterne von Burg Tannenberg in Südhessen gefunden. Nach ihrer Zerstörung im Jahr 1399 wurde die Burg nie wieder aufgebaut. Die Büchse muss also davor entstanden sein. In der Pulverkammer befanden sich ursprünglich noch Teile der Ladung. Eine in der Festung Otepää/Estland bei Ausgrabungen gefundene Handbüchse lief der Tannenbergbüchse eine Zeitlang den Rang als älteste Feuerwaffe ab. Otepää galt zunächst als 1396 zerstört, diese Datierung ist inzwischen nicht mehr haltbar. Die Tannenbergbüchse hat somit ihren angestammten Platz wieder inne.

The Tannenberg handgonne is the world’s oldest surviving firearm that can be dated with certainty. It was discovered in 1849 during archaeological digs in the cistern of Burg Tannenberg in southern Hesse. The castle was destroyed in 1399 and never rebuilt. Hence the gonne must predate 1399. On being discovered, the object’s flash pan still contained traces of gunpowder. A handgonne later found during digs at Otepää Castle in Estonia was for a while thought to be even older than the Tannenberg gonne. Back then, it was believed that Otepää Castle had been destroyed in 1396. However, this view has since been discredited and the Tannenburg handgonne has reclaimed its former title.

Beschreibung
Die gegossene rohrartige Büchse ist durchweg 8-kantig. Das Zündloch erweitert sich nach oben und endet in einer flach eingeschlagenen, muldenartigen Vertiefung. Die Bohrung der Schafttülle greift noch etwas in den verstärkten mittleren Teil ein und schließt halbrund ab. Die Büchse wurde 1849 bei Ausgrabungen der Zisterne der 1399 zertörten Burg Tannenberg (Odenwald) aufgefunden. Laut Fundbericht von 1850 befanden sich zum Ausgrabungszeitpunkt in der rückseitigen Tülle noch Reste eines Holzstockes als ursprünglichem Schaft sowie Reste von Geschoss und Pulverladung in der Kammer. Die Tannenberg-Büchse darf gegenwärtig als älteste erhaltene und noch in das 14. Jahrhundert datierbare Feurwaffe der Welt gelten.
Literatur
Die Burg Tannenberg und ihre Ausgrabungen. Bearb. v. Josef von Hefner und Johann Wilhelm Wolf. Frankfurt a.M. 1850, zur Büchse S. 88-89, Taf. VII.
Quellen zur Geschichte der Feuerwaffen. Hrsg. vom Germanischen Museum. Bearb. v. August von Essenwein. Leipzig 1877, S. 109, Taf. B1a und B1b.
Ernst Röder: Aus der Waffensammlung des Germanischen Nationalmuseums. I. Die Tannenberger Büchse. In: Zeitschrift für historische Waffenkunde 3, 1902-1905, H. 4, S. 97-102.
Astritt Schmitt: Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim, Lkr. Darmstadt-Dieburg. Eine spätmittelalterliche Ganerbenburg im Licht der archäologischen Funde. Bonn 2008, S. 160-161, Nr. II.8.3.
Wilfried E. Tittmann: Die Nürnberger Handfeuerwaffen vom Spätmittelalter bis zum Frühbarock. Der Beitrag Nürnbergs zur Militärischen Revolution der frühen Neuzeit. 2 Bde., Graz 2018, Bd., 2, S. 725.