Titel
Rad
Allgemeine Bezeichnung
Seilerrad / Werkzeug
Inventarnummer
Z3314
Sammlung
Kunsthandwerk II (1500-1800)
Herstellungsort
Mittelfranken;
Herstellungsdatum
1718
Maße
L. 70,6 cm, B. 58 cm, H. 120 cm, Dm. Drehrad 55,5 cm
Klassifikation
Werkzeug
Werkzeug
Material und Technik
Holz, gesägt, geschnitzt, gebohrt, gezapft, genagelt, geklammert, gekerbt; Eisen
Beschreibung
Das Seilerrad besitzt zwei Rollen als Räder und ein unten am Rahmen angebrachtes Brett als Standfuß. Die Vierkantspeichen des Drehrades weisen am Übergang zum Radkranz und zur Nabe ein treppenartig geschwungenes Profil auf. Alle Einzelteile des Werkzeugs sind über Zapfenverbindungen gefügt und gegebenenfalls miteinander verleimt. In die vorderseitige Halbscheibe des für maximal drei Hakenwellen ausgelegten Lagers ist die zweizeilige Jahreszahl-Inschriften-Kombination "1718 HB" eingekerbt. Im Einsatz formen die Seiler ein Ende von Faserbündeln, Fäden, Litzen oder Schnüren zu Ösen und hängen diese in die Haken des Seilerrads. Bei der Herstellung von dünnen Strängen aus Fasern läuft der Seiler bei rotierenden Haken mit einem um seinen Körper geschlungenen Faserbündel rückwärts vom Seilerrad weg. Beim Verdrillen von Strängen zu Seilen werden diese an einem Ende in die Haken des Seilerrades gehängt und am anderen Ende in den Haken des so genannten Schlittens. Dieser besteht aus einem fahrbaren senkrechten Gestell aus Vierkanthölzern und einem eisernen Haken, an dem alle zu verdrillenden Stränge befestigt werden. Da sich die Ausgangsstränge im Arbeitsprozess durch das Verdrillen verkürzen, muss der Schlitten von Zeit zu Zeit in Richtung des Seilerrads bewegt werden. Um einem unkontrollierten Verdrehen der Stränge vorzubeugen, läuft der Seiler mit einem so genannten Leitholz, das die einzelnen Stränge kanalisiert, vom Seilerrad auf den Schlitten zu. Damit die Seile nicht durchhängen und auf dem Boden schleifen, sind auf der zur Seilherstellung notwendigen Laufstrecke, der so genannten Seilerbahn, in bestimmten Abständen aufgrund ihrer Kontur auch als Rechen angesprochene Stützen oder Böcke aufgestellt.
Literatur
Zech, Heike: Das Ding aus dem Depot. Lehre eines Seilers. In: KulturGut, Bd. Heft 63, IV. Quartal 2019, S. 11-16 (Abb.).
(https://www.gnm.de/gnm-digital/kulturgut/jahrgang-2019)
Thomas Schindler: Seilerrad. In: Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500-1800. Hrsg. von Thomas Schindler, Anke Keller, Ralf Schürer. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2013, S. 146f., Kat.Nr. 2.53.
Thomas Schindler: Werkzeuge der Frühneuzeit im Germanischen Nationalmuseum. Bestandskatalog. Nürnberg 2013, S. 245, Kat. 529 (Abbildung).
Holbach 2010, Sp. 1058-1060. - Stenkamp 2000, S. 100-102. - Militzer-Schwenger 1992. - Azzola 1989. - Siuts 1986, S. 298-306. - Eichhoff 1968, S. 68. - Feldhaus 1914, Sp. 1018-1023. - Oeconomisch-technologische Encyklopaedie 1830, S. 2-4. - Jacobson 1784, S. 133-134. - Halle 1765, S. 108-110 und Tab. III -Zum Seiler- - Weigel 1698, S. 101-105.