Titel
Sog. Henfenfelder Pokal der Familie Pfinzing
Allgemeine Bezeichnung
Glashumpen mit Fassung und Deckel aus vergoldetem Silber
Inventarnummer
HG6907
Sammlung
Kunsthandwerk II (1500-1800)
Herstellungsort
Nürnberg (Fassung)
Herstellungsdatum
um 1540 (Montierung Fuß), um 1560 (Deckel)
Hersteller
Jamnitzer, Wenzel ( Meister 1534, gest. 1585) (deutsch)
Maße
H. 44,8 cm; Dm. 12,8 cm (Lippe), Dm. 15,8 cm (Fuß), Dm. 15,0 cm (Deckel)
Klassifikation
Trinkgerät
Material und Technik
Glas; Silber, getrieben, gegossen, geprägt, geätzt, graviert, bemalt
Vermerk am Objekt
Marke: W über einem Löwenkopf im Schild (Meistermarke, Deckel)

Beschreibung
Großer zylindrischer Glaspokal mit silbervergoldeter Fassung. Der in zwei Teilen gegossene Fuß zeigt neben glatten Profilen und Kehlen einen geätzten Arabeskenfries und einen geprägten Streifen mit aneinandergereihten Edelsteinringen mit Rosetten, die durch Lilien getrennt werden.
Der Deckel, am Rande mit getriebenen Zungen geschmückt, ist in der Mitte hochgewölbt und weist Beschlagwerkornament mit Maureskenfüllungen auf; er wird von einem grün bemalten freiplastisch geformten Bäumchen bekrönt, dem „grünen Lindlein von Henfenfeld, wie die geätzte Inschrift auf dem Deckel besagt.: „Das Grün Lynndlein zu Henffenfeld. Sigmundt Pfintzing es also gefellt. Welches er also thut schenncken (Seyner in bestem zu gedenncken) Seynnem vettern Martin Pfintzing. Darumb auch mit frewden aussdrinckk.“ Der Anlass der Schenkung ist nicht bekannt.
Die Lebensdaten der beiden Vettern Sigmund Pfinzing (1513-1572) und Martin II. Pfinzing (1521-1572) geben keinen Anhalt zur Datierung, auch die Beschauzeichen an Deckel und Fuß lassen keine eindeutige Datierung zu. Das am Fuß ohne begleitende Meistermarke eingeschlage N deutet auf eine Herstellung in den 1540er Jahren, während das am Deckel zu findenden Beschauzeichen eher auf die späten 1550er oder die 1560er Jahre hinweist. Möglicherweise wurde ein ursprünglicher Deckel später in derselben Werkstatt durch einen anderen ersetzt.
Literatur
Historische Ausstellung der Stadt Nürnberg auf der Jubiläums-Landes-Ausstellung. Nürnberg. Nürnberg 1906, Kat. 645 u. Abb. S. 428
Klaus Pechstein: Von Trinkgeräten und Trinksitten. Von der Kindstaufe zu Kaufvertrag. Pokale als Protokolle des Ereignisses. In: Rudolf Pörtner (Hg.): Das Schatzhaus der deutschen Geschichte. Das Germanische Nationalmuseum. Unser Kulturerbe in Bildern und Beispielen. Düsseldorf/Wien 1982, S. 385-411, hier S. 400, Abb. 5.
Wenzel Jamnitzer und die Nürnberger Goldschmiedekunst 1500-1700. Katalog der Ausstellung in Nürnberg 1985, bearb. von Klaus Pechstein u.a. München 1985, Kat. 17
Schätze deutscher Goldschmiedekunst von 1500 bis 1920 aus dem Germanischen Nationalmuseum. Katalog der Ausstellung in Nürnberg, Ingolstadt, Hanau und Lüneburg 1992, Berlin 1992, Kat. 21 mit Abb. S. 27
Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868. Bd. 1 Meister - Werke- Marken, Nürnberg 2007, Nr. 403.04
Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868. Bd. 2 Goldglanz und Silberstrahl. Zugleich Katalog der Ausstellung in Nürnberg 2007. Nürnberg 2007, Kat. 118
Birgit Schübel und Annika Dix: Blumen, Eidechsen und ein Schiff. Farbfassungen auf Goldschmiedearbeiten im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, in: Theresa Witting und Ulrike Weinhold (Hrsg.): Farbfassungen auf Gold und Silber. Paints on Gold and Silver, Dresden 2020, S. 54-69. S. 59 (Abb. 3).