Titel
Fragment eines Grabgewandes
Allgemeine Bezeichnung
Oberkleidung
Inventarnummer
T1647
Sammlung
Textilien-Schmuck
Herstellungsdatum
um 1570/1640
Maße
H. 43 cm, B. 18 cm
Klassifikation
Oberkleidung
Material und Technik
Seidensamt, braun, Damast, Seidenfutter, Metallborten
Obermaterial
(1) Seidensamt, braun, Kettsamt, abgewandelte Köperbindung 3/1, Z-Grat, mit Muster aus geschnittenem (Grund) und ungeschnittenem Flor (Muster), im schrägen Fadenlauf in Streifen geschnitten verwendet; Kette: 3 Hauptketten : 1 Florkette
Hauptkette: Seide, braun, s-gedreht, 84 – 88 Fäden/cm; Florkette: Seide, braun, ohne erkennbare Drehung, 28 – 30 Fäden/cm, W-Noppen bildend; Schuss: Seide, braun, ohne erkennbare Drehung, 48 Fäden/cm
(2) Damast: Atlasbindung 1/4, Steigungszahl 3; Kette: Seide, braun, s-gedreht, ca. 150 Fäden/cm, Stufung: 7 (?) Kettfäden
Schuss: Seide, braun, ohne erkennbare Drehung, 35 – 37 Fäden/cm, Stufung: 2 (?) Schussfäden, Webkante vorhanden
Futter: (1) Seide, braun, Leinwandbindung; (2) Fragmentarisch erhaltenes, am Futter anhaftendes, leinwandbindiges Gewebe, Material nicht analysierbar, naturfarben, gazeartig
Verzierungen: Metallwebborte, senkrecht entlang der Kanten aufgenäht, Breite 1 cm: Kette (1): Metalllahn, Silber vergoldet, um Seidenseele, hellbraun, Faden doppelt genommen, abgebunden in Köperbindung 4/4 Z; Kette (2): wie (1) jedoch dünner, abgebunden in Leinwandbindung 2/2; Schuss: wie (1), an der Webkante Schlaufen bildend
Verschlüsse: Knöpfe/Schlingen; Metallflechtborte, waagerecht aufgenäht, B. 1,2 cm, L. 13 cm: Metalllahn, Silber vergoldet, s-gedreht um Seidenseele, hellbraun.
Die Enden der Metallfäden wurden als Fransen bzw. Knöpfe ausgearbeitet:
Fransen: 2 Metallfäden in S-Drehung verzwirnt, L. 3,5 cm
6 Knöpfe: Kern (Holz ?), umflochten, Dm. 1,6 cm
Vitrinentext
Fragmente eines Grabgewandes (T 1647, T 1648.1, T 1649). Die Teile stammen von einem Hausrock im „polnischen“ Stil. Typisch sind die Verschlüsse aus Knopf, Schlinge und Stegen. Erkennbar ist ein Ärmelabschluss. Als Grabkleidung verwiesen die informellen, gleichwohl repräsentativen Gewänder auf den Tod als Schlaf bis zur Auferstehung am Jüngsten Tag.

Fragments of burial garment (T 1647, T 1648.1, T 1649). The fragments come from a “Polish” nightgown. The fasteners with buttons, loops and braids are typical. One piece is recognizably the end of a sleeve. As burial clothes, the informal yet precious garments point to death as a long sleep until resurrection on the Day of Judgment.

Beschreibung
Welche Kleidung Verstorbene auf dem Totenbett trugen, hing von der Begräbniskultur des Ortes und der Epoche ab. Beispielsweise war es in der frühen Neuzeit üblich, Verstorbenen genau das anzuziehen, was sie zu Lebzeiten trugen. So gibt gut erhaltene Kleidung von Verstorbenen einen Einblick in die damalige Mode. Schriftliche Quellen aus dieser Zeit überliefern ebenfalls, dass Verstorbene in einen Schlafrock gekleidet bestattet wurden, um der Vorstellung vom Tod als ewiger Schlaf zu entsprechen. In der Gewebesammlung des GNM befinden sich seit dem 19. Jahrhundert drei textile Grabfunde aus der Zeit um 1570/1640, die dies bestätigen. Obwohl stark zerfallen und verbräunt, geht die Forschung davon aus, dass es sich bei diesem qualitativ hochwertigen, warmen Stoff mit seiner Verzierung um ein Fragment eines Schlafrocks oder Übergewands handelt. Text von Julia Brockmann, vgl. https://www.gnm.de/blog/vw-kolleg-grabtextilien/
Literatur
In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock. Hrsg. von Jutta Zander-Seidel. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2015, S. 39, 270 (technologische Angaben), Kat.-Nr. 10.