Titel
Brotteller
Allgemeine Bezeichnung
Kuchenteller / Kuchenkorb
Inventarnummer
VK4454
Sammlung
Volkskunde-Spielzeug-Judaica
Herstellungsort
Schlierbach im Brachttal
Herstellungsdatum
1868-1875
Hersteller
Firma Waechtersbacher Keramik
Maße
Dm. max. 25,7 cm; H. 3,5 cm; Dm. Boden 12,8 cm
Material und Technik
Steingut; in die Form gepresst; transparent glasiert, Aufglasurmalerei, Goldbbemalung, stark berieben
Vermerk am Objekt
geprägt "V" sowie "VB" unter der Marke; in Gold gemalt "II", blaue Farbmarke "WAECHTERSBACH" mit Punkten (Boden)

Beschreibung
Boden plan mit abgesetztem Standring. Konvexe schmale Wandung, die zu einer schräg ansteigenden breiten Fahne umbiegt. Auf Tellerinnenseite erscheinen Wandung und Fahne als formale Einheit: vom planen Spiegel abgesetzt breite, schräg ansteigend godronierte Zone/Fahne mit gegenüberliegenden Griffen. Zwischen den Handhaben jeweils drei Felder ausgebildet, die durch einen wulstigen Steg voneinander getrennt sind; jedes Feld mit einem Wort des Spruchs "Unser Täglich Brot gieb uns heute" bemalt; die Stegenden ragen am Rand etwas stärker hervor als die dazwischen befindlichen Doppelbögen. Randinnenseite ebenfalls leicht gewulstet. Die Griffe sind ebenfalls in ein von Stegen gerahmtes Fahnenkompartiment eingebettet und kartuschenartig ausgespart, seitlich, die Griffe umspannendes, sich auffächerndes Blätterrelief. Spiegel von Hand fast ganzflächig bemalt mit Kornblume und Weizenähren. Sehr, sehr feine, jetzt nicht kaum mehr erkennbare goldene Ästelungen innerhalb jeden Kompartiments. Auf der Fahne die Beschriftung „Unser täglich Brot gib uns heute“. Goldfiletierung am Blätterdekor der Griffe. Steingutscherben sehr weiß, leicht bläulich, sog. Porzellanscherben. Eingeprägter Buchstabe „V“ nicht dechiffrierbar, „II.“ in Gold vermutlich Zeichen den Vergolders. Datierung aufgrund der Zeitstellung der Marke, die zwischen 1868 und 1875 zum Einsatz kam. Kuchenteller erstmals archivalisch nachweisbar im Warenverzeichnis der Firma aus dem Jahr 1876, später auch im Verzeichnis von 1884/85 unter der Bezeichnung „Teller für Confect mit Ohren“. Im Preiskatalog von 1897 wird der Teller als „Kuchenteller, façonnirt“ geführt. Im Warenverzeichnis von 1927 nur noch als „Kuchenteller“ bezeichnet. Die Preisliste von 1876 führt zudem das Dekor „div. Bemalt mit Gold“ mit der Dekornummer 130 auf. Die in Gold geschriebene „II“ lässt sich gleichfalls über dieses, und nur über dieses, Warenverzeichnis auflösen: es handelt sich um Dec. II im Hinblick auf die Bemalung in Gold (zu Auswahl ist Dec. II–XII angeboten). Die späteren Warenverzeichnisse führen das Dekor nicht mehr auf.
Literatur
Heinz u. Lilo Frensch: Wächtersbacher Steingut, Königstein im Taunus 1978, S. 37, Abb. 59. – Ludwig Rinn: Markentafel Wächtersbacher Keramik. Petersberg 2002, S. 10, Nr. 12.