Allgemeine Bezeichnung
Reliquienschrein
Inventarnummer
KG694
Sammlung
Kunsthandwerk I (bis 1500)
Herstellungsdatum
Anfang 15. Jahrhundert
Maße
H. 29 cm, B. 30 cm. T. 15,5 cm
Klassifikation
Reliquiar
reliquaries
reliquary
shrine (reliquary)
shrines (reliquaries)
Material und Technik
Rotbuche. Tempera. Die Malsubstanz hingegen wurde 1976 durch Hrn. Dr. Hermann Kühn, München, untersucht. Aus dem Bericht vom 28. Juli, 1976, entnommen (Zitat): "Mit Hilfe von physikalischen, mikrochemischen und mikroskopischen Verfahren wurden folgende Pigmente nachgewiesen: 1) Gelb aus dem Gras im Vordergrund - Blei-Zinn-Gelb - gelbes Arsensulfid (Auripigment) - Bleiweiß, in geringer Menge - schwarzes Kohlenstoffpigment, in geringer Menge- grünes Kupferpigment, in geringer Menge - Pflanzenschwarz, in geringer Menge - 3) Blau aus dem Mantel der Madonna - Azurit, Körner fein, splittrig, teilweise blaß, Beimengungen farbloser Mineralien, insbesondere Kalkspat Bleiweiß. - Die nachgewiesenen Pigmente, insbesondere Blei-Zinn-Gelb und die gleichzeitige Abwesenheit von Pigmenten, die erst seit dem 8. und 19. Jahrundert bekannt sind, sprechen mit großer Wahrscheinlichkeit für eine mittelalterliche Malerei."
Beschreibung
Der hölzerne, vollständig gefasste Reliquienschrein in Gestalt eines querrechteckigen Hauses mit geöffneter Vorderseite liegt auf einem etwas breiteren, abgeschrägten Sockel, der an den Schmalseiten durch einen Kielbogen, an den Längsseiten durch einen flachen Bogen geöffnet ist. Das steile Walmdach, das mit roten Biberschwanzplatten und graugelbem First bemalt wurde, umläuft ein auskragender und abnehmbarer Zinnenkranz, der aus schmäleren Schießscharten und breiteren dreistufigen Zinnen besteht. Auch das Dach ist abnehmbar, in dem es nach hinten aufgeklappt wird. An der linken Schmalwand ist der hl. Bartholomäus mit Nimbus in Halbfigur vor Goldgrund dargestellt. Er trägt einen weißen, rot gefütterten Mantel über einem blau-grünen Untergewand und hält sowohl ein Buch als auch in sein Marterinstrument in den Händen. Auf der gegenüberliegenden Seite wurden unter einem krabbenbesetztem Kielbogen die gekrönten und nimbierten Halbfiguren der hl. Margarethe (in einem weißen Mantel über einem grünen Untergewand) und der hl. Ursula (in einem grün-weiß gefütterten Mantel über einem roten Untergewand) in einem Raum aus goldenen Wänden und einer roten Balkendecke ausgeführt. Die hintere Längsseite zeigt in der Mittelachse auf einer Rasenfläche vor rotem Hintergrund die Muttergottes zusammen mit dem Jesusknaben im goldenen Strahlenkranz. Sie werden rechts von einem Wappen und links von einem knienden Stifter, der über seinen gefalteten Händen einen Rosenkranz hält, flankiert. Über dem männlichen Stifter, der einen grauen Umhang und ein rotes Unter- und Beingewand trägt, schlängelt sich ein nur mehr schwer leserliches Schriftband: "O. Mater Dei, miserer mei." Der zugehörige Wappenschild mit einem Blume haltenden Arm und gekröntem Zierhelm benennt den Donator als "Stumpf von Dettingen". Das Innere des Schreins wurde rotbraun gefasst. An der Front befindet sich eine nicht genuine Glaswand zur Reliquienschau. Bei dem Reliquienschrein aus Friedberg bei Frankfurt handelt es sich vermutlich um eines von mehreren von der Familie Stumpf von Dettingen gestifteten: Aus dem gedruckten Verzeichnis: "Paramente, Meßgewänder, Reliquien und Monstranzen, Friedberg 1822" (eine Fotokopie in der Bibliothek vorhanden), Nr. 3: "ein gleiches (Nr. 2: ein kleineres Häuschen, in Form einer Kapelle, 1 Schuh lang, 2,5 Zoll breit. Die hintere Seite bemalt) ebenso groß. Derselbe Ritter kniend vor Maria mit dem Kindlein. "Mater Dei, miserer mei." Darin Reliqien: "Vom heil Creutz. - Von der Ruthe, da unser Herr Jesus mit gegeysellet war." - Von dem Steyne, da das heilige Creutz inn stundt. " - Des Steynes da Christus off schwitzte blutige Schweyß." - Von St. Jörgen dem Ritter." Auf Nr. 2 ist das Wappen der Familie Stumpf von Dettingen abgebildet. Unter Nr. 4 des oben genannten Verzeichnisses wird ein Kästchen erwähnt, dass im "Historischen Museum Frankfurt" unter der Inv. Nr. X 16084 aufbewahrt wird. Siehe ebenfalls bei Kohlhausen die Auflistung von drei Reliquienkästen, S. 92.
Literatur
August von Eye/ P. E. Börner: Die Kunstsammlung von Eugen Felix in Leipzig. Leipzig 1880, S. 85-86
Catalog der Kunst- und Antiquitäten-Sammlung des verstorbenen Herrn Carl Anton Milani : welche in Frankfurt a. M. ...den 4. Juni 1883 und folgende Tage..öffentlich versteigert wird = Catalogue de la collection d'objets d'art et d'antiquités de feu M. Charles Antoine Milani / Carl Anton Milani. Frankfurt am Main 1883
Catalog der reichhaltigen Kunst-Sammlung des Herrn Eugen Felix in Leipzig : Kunsttöpferei, Krüge, Majoliken, Glas, Arbeiten in Elfenbein und Email, Arbeiten in edlem Metall, Arbeiten in Bronce, Messing, Eisen und Zinn, Geräthe, Uhren ...; Versteigerung zu Köln, den 25. October 1886, durch J. M. Heberle (H. Lempertz' Söhne) / Eugen Felix. Köln 1886, Nr. 1059
Heinrich, Kohlhausen: Minnekästchen im Mittelalter. Berlin 1928, S. 92, Nr. 81 c (b, d)