Titel
Fragment eines bedruckten Leinengewebes
Allgemeine Bezeichnung
Zeugdruck
Inventarnummer
Gew1088
Sammlung
Textilien-Schmuck
Herstellungsort
Ägypten
Herstellungsdatum
1. Hälfte 6. Jahrhundert
Maße
H. 6,5 cm, B. 7,5 cm
Material und Technik
Leinen, ungefärbt, Leinwandbindung, Färbung Reservetechnik, blau
Beschreibung
Eine der ältesten in Europa gefundenen Grabtextilien befindet sich im GNM. Das dünne hellblaue, durch Reservedruck-Verfahren mit hellen Punkten verzierte Leinenfragment, stammt aus dem Jahr 543 n. Chr. Es soll dem Grab des Bischofs Caesarius von Arles in Südfrankreich entstammen. Caesarius übte in seiner Zeit große Wirkmacht in der Kirche aus und wird von der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Im 19. Jahrhundert gelangte das Fragment in den Besitz des Textilsammlers und Experten Robert Forrer, der damit belegen wollte, dass es zu diesem Zeitpunkt in Europa schon bedruckte Stoffe gab. Allerdings ist bisher heute nicht geklärt, ob es sich um einen europäischen Stoff handelt. In einem Bischofsgrab könnten Beigaben beispielsweise als Geschenke ihren Ursprung auch im außereuropäischen Ausland haben. Eine genaue materialtechnische Analyse mit modernen Datierungsmethoden und die Erforschung des Textils stehen noch aus. Text von Julia Brockmann, vgl. https://www.gnm.de/blog/vw-kolleg-grabtextilien/
Literatur
Forrer, Robert: Die Zeugdrucke der byzantischen, romanischen, gotischen und späteren Kunstepochen. Straßburg 1894, S. 10, Taf. II, Fig. 1
Hampe, Theodor: Katalog der Gewebesammlung des Germanischen Nationalmuseums. 1. Teil: Gewebe und Wirkereien, Zeugdrucke. Nürnberg 1896, Nr. 1088.
Gustav Schaefer. "The Earliest Specimens of Cloth Printing” CIBA Review no. 26. ISSN: 0366-6530
A. Ozoline, Trésors de la Gaule chrétienne: histoire et restauration des reliques textiles de saint Césaire d'Arles (470-542). Paris 2008.