Allgemeine Bezeichnung
Deckelschale
Inventarnummer
HG13486
Proviso
Geschenk Dr. Bernhard Heitmann, Hamburg, anlässlich der Verabschiedung von Dr. Ralf Schürer 2017
Sammlung
Kunsthandwerk II (1500-1800)
Herstellungsort
Herrnhut
Herstellungsdatum
1750/1760
Hersteller
"Goldschmiederey" Herrnhut
Strohle, Johann
Maße
H. mit Deckel 9.0 cm; Br. Henkel zu Henkel 18,2 cm; Dm. max. 12,7 cm
Klassifikation
Tafelgerät
Terrine
Schale
Écuelle
Material und Technik
Silber, getrieben, gegossen, ziseliert, graviert, teilvergoldet
Vermerk am Objekt
Marke: IS im liegenden, seitlich mit Apsiden versehenen Rechteck (Bodenunterseite)

Beschreibung
Kleine terrinenartige Deckelschale aus vergoldetem Silber. Die gewölbten Oberflächen von Körper und Deckel sind durch Faltenzüge gegliedert, die wie die Profile des niedrigen Fußes, der Öffnung und des Deckels noch die originale Vergoldung bewahrt haben, während diese vom Rest der Oberfläche inzwischen durch unsachgemäße Behandlung weggeputzt ist. Auch das Innere und die Innenseite des Deckels sind vergoldet. Seitlich sitzen zwei klappbare, in bastionsartigen Formen geschweifte Henkel; der Deckel wird oben durch einen Knauf in Form einer aus vier Blättern hervorbrechenden Knospe abgeschlossen. Auf der Wandung sowie auf dem Deckel ist je ein von einer Grafenkrone bekröntes Wappen eingraviert (geviert, mit einem ebenfalls geviertem Mittelschild belegt: 1. zwei Ochsen /Stiere /Büffel übereinander; 2. mehrfach gespalten; 3. Rosette; 4. drei Enten 2:1; Herzschild nach rechts steigender Löwe). Auf der Unterseite drei Goldschmiedezeichen: a) im Achteck ein Kreuz, Stadtzeichen der Herrnhuter Brüdergemeine / Qualitätszeichen der gemeinschaftlichen brüderischen Goldschmiedewerkstatt in Herrnhut b) im Vierpass die Zahl 12 als Angabe des Feingehalts, c) in einem liegenden, seitlich durch zwei „Apsiden“ erweiterten Viereck die Buchstaben IS, Zeichen des Werkstattleiters Johann (Heinrich) Strohle, als Leiter tätig 1749-1765. Charakteristisch für die Herrnhuter Produkte ist wie auch in diesem Fall das Fehlen eines Tremolierstichs. Die kleine Schale fand sicher als Speisegerät Verwendung, das kleine Format deutet eher in den persönlichen Bereich als in den der großen Tafelservice. Kleine Terrinen dieser Art, auch bekannt unter ihrer französischen Bezeichnung "écuelle", wurden zurm Service von Suppen- oder Breigerichten, z,B, im Rahmen einer aufwändigen Frühstückszeremonie, gebraucht.
Literatur
Schmidt, Werner: Herrnhut. Goldschmiedemarken; neue Forschungsergebnisse Teil 50. In: Weltkunst 2001, S. 2230-2234 (Zu den Personen und Marken und zur Herrnhuter Goldschmiedewerkstatt)