Titel
Zimmernsche Anamorphose; Doppelbildnis des Wilhelm Werner von Zimmern und der Amalie von Leuchtenberg
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde; Anamorphose
Inventarnummer
WI717
Sammlung
Wissenschftl. Instr.-Waffen-Pharmazie
Herstellungsort
wohl Süddeutschland
Herstellungsdatum
um 1535 (Altersangabe das Dargestellten mit 50 Jahren)?
Hersteller
unbekannter Maler
Maße
H. 79,0 cm, B. 115,5 cm, T. 14 cm
Material und Technik
Tafelmalerei auf tlw. leinwandbeklebtem Holzträger; Rahmen: verschiedene Hölzer; Auflagen und Einlagen: Papier und Pappmaché
Beschreibung
In normaler Ansicht von vorne ist die Bildfläche der Riefel- oder Treppenanamorphose in sieben leicht konkave vertikale Zonen geteilt. Der Bildinhalt ist nicht erkennbar. Beim Positionswechsel zu zwei extrem seitlichen Betrachterstandpunkten entzerren sich die in sehr starker perspektivischer Verzerrung gemalten Segmente von links zu einem Männerbildnis, von rechts zu dem einer Frau. Die heraldischen Significa sowie die entzerrt großteils lesbare Inschrift entschlüsseln die Personalien der Portraitierten ("LHELM WERNH RAWE HER Y YMBERN [...] 50 In [...] 15[?]5 / AEMILIA FRAW MBERN LANDGREVI LEVCHTENB"). Dargestellt sind der Reichskammerrichter Wilhelm Werner von Zimmern (1485-1575), wohl der Auftraggeber, sowie gegenüber seine Gemahlin Amalie, geb. von Leuchtenberg (gest. 1538). Die Anamorphose war ursprünglich noch mit einer heute verlustig gegangenen Doppelfllügeltür verschlossen, Scharnierreste sind vorhanden. Sie markiert einen ersten Höhepunkt der Konstruktion perspektivisch verschlüsselter, auf den Entwurfsregeln zentralperspektivischer Konstruktion basierender Zerrbilder, mit deren Entwurf sich auch Leonardo da Vinci, Hans Holbein d. J. und Albrecht Dürer beschäftigt hatten. Die normalansichtigen Miniaturszenen im Zentrum der sieben vertikalen Zonen schildern eine Legende aus der Zimmernschen Familienchronik, überliefert in der sogenannten "Zimmernschen Chronik" der 1560er Jahre. Demnach habe sich Vorfahr Albrecht von Zimmern im 12. Jahrhundert auf der Jagd im Wald verirrt, sei zu einem Wunderschloss gelangt, woraus er sich nach überstandenen Abenteuern retten konnte, aber völlig gealtert zur Jagdgesellschaft zurück fand. Aus Dank stiftete er das Kloster Frauenzimmern. Die Porträtmedaillons im Rahmen portraitieren u. a. Matthias I. Corvinus und Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz.
Literatur
Thomas Eser: Schiefe Bilder. Die Zimmernsche Anamorphose und andere Augenspiele aus den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums. Ausst. Kat. Nürnberg 1998.