Titel
Hl. Thomas von Aquin aus der Dominikanerkirche St. Marien, Nürnberg
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Altarbild
Inventarnummer
Gm130
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Nürnberg
Herstellungsdatum
um 1460/1465
Hersteller
Hans Pleydenwurff und Werkstatt
Hans PleydenwurffPleuydenwurff, Hans AKL
Maße
166,8 x 52,8 x 0,4 cm
Klassifikation
Altarbild
altarpieces
altar-piece
Material und Technik
Malerei und Metallauflagen auf Tannenholz
Vermerk am Objekt
Inschrift: [SANCTU]S THOMAS DE AQUI[NO] (Im Nimbus)

Beschreibung
Teil des sich heute in der Nürnberger St. Lorenzkirche befindlichen Dreikönigsretabels, zusammengehörig Gm 129 (linker Flügel, Außenseite) und Gm 130 (rechter Flügel, Außenseite). Gm 129 zeigt den heiligen Dominikus im Ordenshabit, mit Lilienzweig in der einen und Brevier in der anderen Hand. Die Lilie ist Zeichen der von Jacobus de Voragine in der Legenda aurea gerühmten Reinheit und Keuschheit des Heiligen. Auf dem Pendant, Gm 130, ist der hl. Thomas von Aquin ebenfalls mit Buch in der Hand dargestellt. Auf seiner Kapuze sitzt die weiße Taube des hl. Geistes, die ihn als göttlich inspirierten Kirchenlehrer ausweist. Beide Heiligen erscheinen mit großem Nimbus, in den – heute nur noch relativ schwach erkennbar – ihre Namen musiert sind. Die Figuren stehen vor einem mit Pressbrokat verzierten Ehrentuch, das an einer Stange aufgehängt ist. Den oberen Abschluss bildet ein glatter Goldgrund. Die untere Zone nimmt ein Rasenstück mit detailliert wiedergegebenen Pflanzen ein. Die mit koloristischer Brillanz ausgeführte schwarz-blaue Schwertlilie auf der Tafel mit dem hl. Thomas steht als marianisches Symbol für die Erhabenheit Mariens ebenso wie für ihren Schmerz und die Trauer um ihren Sohn. Links neben der Lilie dürfte eine rote Taglichtnelke dargestellt sein. Bei der rechten Pflanze könnte es sich den Blättern nach zu urteilen um ein Fingerkraut handeln, die Blüten erinnern allerdings eher an ein Hahnenfußgewächs. Dem hl. Dominikus sind links eine Akelei, rechts ein Busch Veilchen, Maiglöckchen und wohl nickendes Leimkraut beigegeben, wobei die farnähnlichen Blätter der letztgenannten Pflanze – ähnlich wie die feine Zahnung der Veilchenblätter – eher der Phantasie des Künstlers als der Realität entstammen. Die Veilchen und Maiglöckchen stehen für die Demut und Bescheidenheit des Heiligen. Die Akelei ist zum einen ein vielschichtiges christologisches Symbol, das unter anderem auf die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die Anrufung Gottes im Gebet oder die Erlösung durch Christi Kreuzestod verweisen kann. Zum anderen galt sie als wirksames Heilkraut und könnte auf die von Dominikus durchgeführten Krankenheilungen anspielen. - Gm 130 mit Wappen: ursprünglich eventuell auf der Rahmung, brauner Hundekopf nach rechts auf rotem Grund, Wappeninhaber unbekannt, 1737 von Schwarz erwähnt, heute nicht mehr vorhanden.
Literatur
Siehe Gm 129
Daniel Hess, Dagmar Hirschfelder, Katja von Baum (Hrsg.): Die Gemälde des Spätmittelalters im Germanischen Nationalmuseum, Band I: Franken, 2 Teilbände. Regensburg 2019, Kat.-Nr. 28. Weitere Literatur.