Titel
Der Trinker (Selbstbildnis)
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Selbstporträt
Inventarnummer
Gm1667
Sammlung
Kunst u. Kunsthandwerk 19.-21.Jh.
Herstellungsort
Berlin
Herstellungsdatum
1914
Hersteller
Kirchner, Ernst Ludwig (1880-1938)
Kirchner, Ernst Ludwig; 06.05.1880 Aschaffenburg-15.06.1938 Frauenkirch (Davos) (Maler)
Maße
H. 119,5 cm; B. 90,5 cm; mit Rahmen: H. 140,5 cm; B. 108,5 cm; T. 5,5 cm
Material und Technik
Öl auf Leinwand
Vermerk am Objekt
Beschriftung: E. L. Kirchner Der Trinker (Rückseite, Pinsel, blau)

Vitrinentext
Das Selbstbildnis Kirchners als Trinker zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen eines Avantgarde-Künstlers aus den Jahren des Ersten Weltkriegs. In Anlehnung an sein männliches Modell, den afrikanischen Artisten Sam, und asiatische Mode betont Kirchner seine bisherige gesellschaftliche Randposition, deren Freiheit von der Wehrpflicht bedroht wird. Das giftgrüne Absinthglas, das vor seinen Augen schwebt, erinnert an den Kelch Christi. Es verkörpert die Hoffnung auf ein Abwenden des Schicksals. Miene und Körperhaltung Kirchners verraten jedoch Resignation, und selbst im vertrauten Atelierraum kippt die Perspektive nach allen Seiten.

This painting is ranked as one of the leading avant-garde works of the First World War. By referencing to his male modell, the African performer Sam, and Asian fashion, Kirchner emphasizes his position on society’s margin, his freedom now threatened by conscription. The knoxious green absinth glass before his eyes recalls Christ’s chalice, embodying the hope of evading fate. Yet Kirchner’s expression and posture betray his resignation, and even in the trusted space of his studio, the lines of perspective tilt.

Ernst Ludwig Kirchner, Gründungsmitglied der Dresdner Künstlergemeinschaft "Brücke", schrieb zu seinem bei Anbruch des Ersten Weltkrieges gemalten "Trinker": "Das Bild ist 1914 in Berlin entstanden, als Tag und Nacht die schreienden Militärzüge unter meinem Fenster vorbeifuhren". Während unter Kirchners Atelier die nationalistisch verblendete Zeit zum Kampf um Weltmacht und dabei zu ihrer eigenen Vernichtung aufbrach, stellte er sich selbst resignierend und mit dem giftgrünen Glas zugleich als Spiegelbild des tödlichen Wahns dar.

Beschreibung
Einblick in einen Atelierraum von leicht erhöhtem Standpunkt aus, links am Rande sitzend Kirchner an rundem Tisch.- Die hintere Atelierwand blau mit roten Figuren, davor von rechts hinten nach links vorn eine Eckbank, bedeckt mit blauem Tuch, auf der vorderen linken Ecke der Bank sitzt K. Der runde Tisch in verschobener Perspektive oval in die linke obere Ecke gedehnt, Farbe gedecktes rot, auf dem Tisch ein giftgrünes Glas mit gelbem Inhalt. Rechts vor dem Tisch und dessen kantigem Standsockel zwei gemusterte Teppiche, deren hellerer die Sitzecke des Raumes auslegt, deren dunklerer offenbar den gesamten Raum bedeckt. K. sitzt mit dem Körper im Profil, den Kopf ins verlorene Profil nach vorn gewandt, die linke Hand ruht auf dem Tisch, die rechte geht geöffnet nach vorn herab. Blaues Gewand mit rot-weiss-blau gestreiften Borten, dunkle Hose, schwarze, hochhackige Schuhe.Oberfläche einwandfrei, alte Hinterklebung und entsprechende englischrote Retusche von Kirchner selbst in der Ecke zwischen Tischoval und oberer Kante der Bank (re. o. im Bild).
Literatur
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