Titel
Operative Entfernung eines Küchelspießes durch Arzt und Bader, darüber Muttergottes von Sammerei
Allgemeine Bezeichnung
Votivbild
Inventarnummer
Slg.RichterVB36
Sammlung
Volkskunde-Spielzeug-Judaica
Herstellungsort
Wallfahrtskirche Sammerei, Gem. Iglbach, Kr. Vilshofen, Niederbayern (Herkunft Votivbild)
Herstellungsdatum
1823
Maße
H. 31,2 cm, Br. 31 cm.
Klassifikation
Votivtafel
Votivbild
Material und Technik
Tempera auf Lindenholz, Firnis. Aufgeleimte und mit Holzstiften befestigte Rahmenleiste, profiliert, Blau, Rot und Gold angestrichen.
Vermerk am Objekt
Inschrift: : „unsser liebe Frau von Samerey / und eine Tochter wie sie in Beth ist wie / sie ihm der /darübergeschrieben: linken/ Fuß ein spieß hineingerent / hat, und wie der Doktor ihr den Fuß / aufschneidt und sein Vater das schüsserl hält / und der Baden (!) neben ihm stundt und auch / die Mutter dabey.“ (Auf der Rückseite Bestellernotiz in Schwarz)

Beschreibung
Querrechteckige Tafel, rundbogig in der Mitte oben erweitert. Eine weißgraue Wolkengloriole von oben in die Bildmitte hängend, in der vor gelbem Grund die Halbfigur der sitzenden Maria mit dem auf ihrem Schoß rechts stehenden Kind, das mit seinen Ärmchen ihren Hals umfängt und dem sie sich zuneigt. Maria trägt ein rotes Kleid und ebensolchen Mantel, von Goldborten eingefasst, und auf der linken Schulter eine Agraffe in Form einer weißen Schleife mit goldenem Mittelpunkt. Über dem Mantel sind rechts und links ihre langen braunen Haare sichtbar, der Kopf selbst ist von einem weißen Tuch turbanartig bedeckt. Um das nackte Kind ist nur ein weißes Tuch lose geschlungen. Die Köpfe beider sind von einem blauen, gemusterten Heiligenschein umgeben, von dem Strahlen ausgehen. Rechts und links rote geraffte Vorhänge mit kordelartigem gelbem Besatz. Darunter ein Innenraum dargestellt mit blauer Rückwand und drei Fenstern und waagrecht laufenden Fußbodendielen. Links steht ein Bett mit weißem und rotem, gemusterten Bettzeug, in dem eine weibliche Person mit weißem längärmeligem Hemd, schwarzem Mieder mit roten Punkten und ebensolcher Haube liegt, die einen Rosenkranz hält, und an deren nacktem, blutenden rechten Fuß der hinter dem Bett stehende Arzt mit einem Messer beschäftigt ist. Rechts vor dem Bett, ebenfalls mit einem Instrument in der Hand, der Bader, mit schwarzem Rock, weißem Halstuch, braunen Kniehosen, rotbraunen Strümpfen und schwarzen Stiefeln sowie modischer Lockenfrisur mit Koteletten. Die gleiche Frisur trägt der Arzt, von dessen Kleidung schwarzer Rock, braune Weste und weißes Halstuch sichtbar sind, und dessen Zweispitz und Stöckchen links auf einen Schemel, bzw. an diesen angelehnt sichtbar sind. Vor dem Bett ebenfalls die Eltern, der Vater in langem blauen Rock und Stiefeln, der durch das Halten einer Schüssel bei der Operation behilflich ist, und dahinter die Mutter in schwarzem Kleid mit roten Punkten, mit weißem Brusttuch, schwarzer Schürze, blauen Strümpfen, einem Halsband und schwarzem Kopftuch mit gemustertem Rand. Sie hat die Hände betend zusammengelegt und hält ebenfalls einen Rosenkranz. Von der Marienfigur Strahlen ausgehend auf die Person im Bett, den Arzt und die Votivinschrift rechts. Diese in weißem Feld, das rot und schwarz umrandet ist: „Es hat sich diß Weibsbers- / anhero verlobt, wegen ein- / en grossen Unglück, weil sie / ihr unversechner weisse durch / einen stos den kirchlspies in / den lincken Fuß durchrante, / aber durch anruffung Ma- / ria u: Vorbitt hilfe erreicht / und den spieß herausgebrach t / haben, durch aufschneidung / des Herrn Doktor u: Arzt./ bin ich gesund hergestelt.“ Auf der Rückseite Bestellernotiz in Schwarz: „unsser liebe Frau von Samerey / und eine Tochter wie sie in Beth ist wie / sie ihm der /darübergeschrieben: linken/ Fuß ein spieß hineingerent / hat, und wie der Doktor ihr den Fuß / aufschneidt und sein Vater das schüsserl hält / und der Baden (!) neben ihm stundt und auch / die Mutter dabey.“ Das Marienbild ist eine Wiedergabe des Gnadenbildes von Sammerei, das eine 1705 angefertigte Kopie von der in Straubing, St. Jakob befindlichen gemalten Madonna des frühen 16. Jh. ist.
Literatur
Bernward Deneke: Zeugnisse religiösen Volksglaubens. Bilderhefte des GNM 2, Nürnberg 1965 Kat.Nr. 21, Abb. 17.
Erwin Richter: Medizinkundliches im Spiegel altbayerischer Votivgaben. In: Medizin. Monatsschrift 4. 1950. S. 936, Abb. 5.