Titel
Eine von zehn Tafeln des Mindelheimer Sippenaltars
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Altarbild
Inventarnummer
Gm258
Proviso
Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München - Alte Pinakothek
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Memmingen
Herstellungsdatum
um 1505/06
Hersteller
Strigel, Bernhard (1460-1528)
Maße
H. 72 cm; B. 52 cm
Material und Technik
Malerei auf Tannenholz (Abies sp.)
Vermerk am Objekt
Beschriftung: "R 140" (auf der Rückseite/dem Parkett? rechts unter dem WAF-Klebezettel)

Vitrinentext
Sammelkommentar: Die Tafeln stammen vom Retabel der Annenkapelle in der Pfarrkirche St. Stephan in Mindelheim. Die Kapelle war Grablege der Familien Rechberg und Frundsberg. Den Auftrag erhielt Bernhard Strigel, ein angesehener, mehrfach auch für Kaiser Maximilian I. tätiger Maler. Die Altartafeln zeigen die Hl. Sippe und damit die legendenhafte Verwandtschaft der Familie Christi. Die Generationen erscheinen nicht mehr im genealogischen Verband. Strigel lenkt den Fokus auf die Darstellung der einzelnen Familien. Die christliche Erziehung der Kinder sowie das Lesen und Schreiben stehen im Mittelpunkt. Die Familie wird zur zentralen Institution von Erziehung und Bildung. Die Altarbilder nehmen damit die neuen Vorstellungen des Humanismus und der Reformation vorweg.

Summary: Ten Panels of the Mindelheim Altarpiece of the Holy Kinship. Painting on fir. The panels are from the altarpiece of the St. Anne's Chapel in Mindelheim parish church. The chapel was the burial place of the Rechberg and Frundsberg families. Bernhard Strigel, who painted these panels, also frequently worked for Emperor Maximilian I. The altarpiece panels display the Kinship of Christ, the legendary members of the Family of Christ. The generations no longer appear as a genealogical grouping. Instead, Strigel focuses on individual families. Raising children as Christians as well as teaching them to read and write become the main objectives. The family becomes a central institution for education and upbringing. The altarpiece panels thus anticipate the new ideas of Humanism and the Reformation.

Beschreibung
Eine von 10 im GNM vorhandenen Tafeln des Mindelheimer Sippenaltars: Es handelt sich um einen gemalten Flügelaltar ohne geschnitzten Schrein. Geöffnet zeigt er die Hl. Anna und ihre nächsten Angehörigen, ihre Eltern, ihren Gatten Joachim und ihre beiden späteren legendären Ehemänner, ihre Kinder und Enkel, im geschlossenen Zustand die Familie und Nachkommen ihrer Schwester Esmeria. - Gm 258 ist von den vier Mitteltafeln die obere linke: Anna und Joachim mit Maria: Die Eltern lehren die jugendliche Maria die Bücher des Alten Testamentes lesen. Joachim sitzt auf einem Scherenstuhl. Am Boden ein aufgeschlagenes Buch. Goldgrund mit punziertem Rankenmuster. - Spruchband, Schrift im aufgeschlagenen Buch, am Gewand Joachims Buchstabenfolge.
Literatur
Otto, Gertrud: Bernhard Strigel. München 1964, S. 26--30.
Rettich, Edeltraud: Bernhard Strigel. Herkunft und Entfaltung seines Stils. Diss. Freiburg i. Br. 1965, S. 50--79.
Löcher, Kurt: Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Stuttgart 1997, S. 487--497 mit älterer Literatur.
Mit Milchbrei und Rute. Familie, Schule und Bildung in der Reformationszeit. Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Bearbeitet von Daniel Hess. Nürnberg 2005, S. 27--28 und S. 87--88, Nr. 2.
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 50--51, 417, Abb. 18.