Titel
Idealprospekt der Wallfahrtskirche zur Schönen Maria in Regensburg
Allgemeine Bezeichnung
Druckgraphik
Inventarnummer
H1960
Sammlung
Druckgraphik-Zeichnungen
Herstellungsort
Regensburg
Herstellungsdatum
um 1525
Hersteller
Hieber, Hans (Modellbauer) GND
Ostendorfer, Michael (Zeichner) GND
Kohl, Paul (Drucker) GND
Maße
61,8 x 53,1 cm (Blatt)
Material und Technik
Holzschnitt
Beschreibung
Riesenholzschnitt nach Hans Hiebers hölzernem Präsentationsmodell von 1520/21 im Historischen Museum Regensburg, das als frühestes erhaltenes Gesamtmodell in Deutschland gilt und Ostendorfer bereits aufwendig bemalt hatte (vgl. Wynen, Nr. 157). Über der Wallfahrtskirche, wie sie nach Hiebers Plan hätte ausgeführt werden sollen, steht ganzfigurig Maria mit dem Kind im Typus der Schönen Maria Altdorfers. Im Hintergrund sind links und rechts Ruinen zu sehen [...] als Anspielung auf die Vorgeschichte der Wallfahrt: [...] Im frühen 16. Jahrhundert machte man in Regensburg die jüdische Bevölkerung, die unter kaiserlichem Schutz stand, für die schlechte wirtschaftliche Lage der Stadt verantwortlich. Nachdem im Januar 1519 Kaiser Maximilian I. gestorben und die Trauerfrist von einem Monat verstrichen war, [...] wurden unter breiter öffentlicher Beteiligung Synagoge, jüdisches Viertel und Friedhof zerstört. Beim Abriss der Synagoge verletzte sich der Steinmetzmeister Jakob Kern schwer. Dass er den Unfall überlebte, wurde dem wundertätigen Wirken der Gottesmutter zugeschrieben. Ihr zu Ehren errichtete man auf dem Gelände der Synagoge im März 1519 eine hölzerne Kapelle zur Schönen Maria [...] Diese Kapelle war wohl schon vor dem Abriss der Synagoge geplant worden und sollte sicher auch dazu dienen, die widerrechtliche Vertreibung der jüdischen Gemeinde unumkehrbar zu machen. [...] Die Errichtung einer dauerhaften und repräsentativen Wallfahrtskirche erschien unter diesen Umständen als zukunftsträchtige Investition. [...] Der Augsburger Baumeister lieferte Entwürfe und auch das berühmte Holzmodell. [...] In rudimentärer Form ausgeführt, diente der als Wallfahrtskirche begonnene Sakralbau ab 1542 einer lutherischen Gemeinde als Gotteshaus [als Neupfarrkirche bis heute evangelisch]. - Ausst.Kat. Regensburg 2017, S. 362f. und 404f.
Vermerk am Objekt
oben links: Anno incarnationis domini decimonono supersequimil / lesimo, nono kalendas Marcias, ge[n]tem recutitam usura / Ratispone pepulit. [...] diu noctuque letificare non cessat.
oben rechts: Als man nach der gepurdt christi gezelet hat / Tausent funff hundert neunzehen jar [...] Krum lam plind kranck sy sein all hertzlich erfreyent.
Gloriole rechts vom Kopf der Madonna: MO [Künstlermonogramm]

Literatur
Johann David Passavant: Le peintre-graveur Bd. III (1862), S. 304, Nr. 65 Link zur Bibliothek
Arnulf Wynen: Michael Ostendorfer (um 1492–1559). Ein Regensburger Maler der Reformationszeit. Diss. Freiburg 1961, S. 118-121, 292-295, 368-373
Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer, Graphik. Holzschnitte, Kupferstiche, Radierungen. München 1963, Nr. 246 Link zur Bibliothek
Max Geisberg: The German Single-Leaf Woodcut 1550–1550, Bd. III. New York 1974, S. 924, Nr. 968 Link zur Bibliothek
Martin Luther und die Reformation in Deutschland. Ausstellung zum 500. Geburtstag Martin Luthers. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, 25. Juni – 25. September 1983. Hrsg. von Gerhard Bott. Frankfurt a.M. 1983, S. 71, Nr. 79 Link zur Bibliothek
Hollstein German Bd. XXX (1991), S. 164, Nr. 7 Link zur Bibliothek
Michael Ostendorfer und die Reformation in Regensburg. Ausst.Kat. Historisches Museum Regensburg. Hrsg. von Christoph Wagner und Dominic E. Delarue. Regensburg 2017, S. 65-124, 361-395, 404-405, Nr. 62 Link zur Bibliothek