Titel
Patronatsfest des Heiligen Dominikus
Allgemeine Bezeichnung
Tableau mit Figuren
Inventarnummer
LGA1858
Sammlung
Gewerbemuseum
Herstellungsort
Guatemala (?)
Maße
Platte: B. 41,5 cm, T. 22,5 cm, Figuren: H. ca. 10 cm
Klassifikation
Weltausstellung
Material und Technik
Grundplatte: Pappe, grünes Papier, Figuren: Eisendraht, Haare Seidengewebe, Nasen und Münder Stickerei, Bastfaser, Augen und Bärte Malerei, Kleidung: Baumwolle, Wolle, Stickerei
Beschreibung
Figürliche Darstellung einer Festszene von Indianern (evtl. der Stadt Cobán/Alta Verapaz/Guatemala). Auf dem Brett sind 26 Figuren sitzend, stehend oder kniend befestigt. Das Patronatsfest des hl. Dominikus (Santo Domingo de Guzmán, 1170 – 1221) wird noch heute in Coban, der Hauptstadt des Departments Alta Verapaz, gefeiert. Das Tableau zeigt zeitlich verschiedene Handlungen nebeneinander – den religiösen Teil am Anfang des Festes und die bei vorgeschrittener Zeit immer fröhlicher werdende Festgemeinde. In der rechten hinteren Ecke steht auf einem Altar der Heilige in der Tracht der Dominikaner. Der Altar ist mit einem roten, sternenverzierten und einem grünen Stoff für die Standfläche bezogen. An der Vorderseite haben sich zwei der vier Tragestangen erhalten, mit denen der Altar in der Prozession getragen wird. Vor ihm knien drei Männer und zwei Frauen, die linke schwenkt ein traditionelles Weihrauchgefäß. Die übrige Darstellung schildert die weltliche Seite des Festes. Zwei Frauen haben eine Mahlzeit in einem großen Kessel zubereitet und füllen sie in hohe Schalen. Im Vordergrund sind auf einer gedeckten Tafel Speisen angerichtet: vier gebratene Hühner in einer Ohrenschüssel und ein großer Truthahn. In einer anderen Schüssel liegen Brotringe. Hinter dem Tisch sitzt ein Paar in trauter Umarmung. Etwa in der Mitte tanzen Paare. Begleitet wird die Szene von einer Musikkapelle. Wie auch heute noch üblich, betätigen zwei Spieler die Marimba, das Nationalinstrument von Guatemala. Die Frauenkleidung besteht aus der für Coban typischen, taillenlangen, frei hängenden Bluse („huipil“), hier aus lockerem, naturfarbenem Karostoff, der über dem angekrausten dunklen Rock („enagua“) mit eingewebten weißen und blauen Fäden getragen wird. Der mit roten Bändern umwickelte Zopf ist ein Symbol der Korallenschlange. Die Männertracht ist heute nicht mehr üblich: weite, weiße Hemden zu den gleichfarbigen, knöchellangen Hosen aus dem „manta“ genannten Baumwollstoff. Darüber wird eine bis zur Hüfte reichende, beige oder hell burgunderfarbene Jacke angezogen. (Gunhild Avitabile, Wege in die Moderne, s. Lit.)
Literatur
Geschenke an das Museum gelegentlich der Wiener Ausstellung. In: Mitteilungen des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg, 1874, Nr. 4, S. 14-15, hier S. 15.
Wege in die Moderne. Weltausstellungen, Medien und Musik im 19. Jahrhundert. Hrsg. von Jutta Zander-Seidel, Roland Prügel. Ausst.Kat. GNM 2014. Nürnberg 2014, Kat.Nr. 198 (Bearbeiterin Gunhild Avitabile).