Ein Evangelist als Maler
Der heilige Lukas sitzt an einer Staffelei und malt die Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Sie sitzt an einem Kaminfeuer in einem Nebenraum, dessen Türöffnung die Szene wie ein Bild einrahmt. Die beiden Räume sind so angelegt, dass zwischen Maler und Modell kein Blickkontakt möglich ist. Dies ist als Hinweis zu vMehr

Ein Evangelist als Maler
Der heilige Lukas sitzt an einer Staffelei und malt die Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Sie sitzt an einem Kaminfeuer in einem Nebenraum, dessen Türöffnung die Szene wie ein Bild einrahmt. Die beiden Räume sind so angelegt, dass zwischen Maler und Modell kein Blickkontakt möglich ist. Dies ist als Hinweis zu verstehen, dass Lukas die Gottesmutter nicht leibhaftig vor sich hatte, sondern eine göttliche Erscheinung malte. Die Darstellung folgt damit mittelalterlichen Legenden, denen zufolge der heilige Lukas als Maler einer Reihe wundertätiger Marienbilder galt. So wurde der Evangelist zum Schutzpatron der Künstler. Deren Zünfte, die Lukasgilden, wurden nach ihm benannt.

Spiel mit den Realitätsebenen
Das Tafelgemälde, das Lukas auf seiner Staffelei mit Pinsel, Palette und Malstock vollendet, verweist mit seinem Goldgrund auf traditionelle Typen von Marienbildern. Damit ist auf die Lukasmadonnen angespielt, die man dem Heiligen zuschrieb und die man deshalb für authentische Bildnisse der Gottesmutter hielt. Anders als dieses kleine Bild im Bild folgt die Darstellung der gesamten Szene einer völlig anderen Art der Realitätswiedergabe. Der perspektivische Aufbau der Stuben erzeugt die Illusion von Raumtiefe. Das Fenster hinter Lukas gibt den Blick auf einen städtischen Platz frei. Durch die realitätsnahe Wiedergabe sollte das wundersame Geschehen in die damalige Gegenwart versetzt werden, um es so glaubwürdiger zu machen.

Wandelbares Bildprogramm
Das Bild gehörte zu den 20 Gemälden eines großen Flügelaltars in der Klosterkirche der Augustiner-Eremiten in Nürnberg. Dieser bestand aus einem nicht mehr erhaltenen, etwa 3 m hohen Skulpturenschrein mit zwei beweglichen Flügelpaaren und Standflügeln. Die beweglichen Flügel waren jeweils beidseitig bemalt und konnten gewandelt, d. h. auf- und zugeklappt, werden. So ergaben sich im Verlauf des kirchlichen Festkalenders immer neue Ansichten und Bildprogramme. Die Darstellung des heiligen Lukas als Maler war nur bei geöffneten Flügeln sichtbar. Zusammen mit den Skulpturen im Schrein und anderen Heiligenszenen wurde sie an besonderen Feiertagen gezeigt.
Das 1487 vollendete Augustinerretabel gehörte zu den größten und bedeutendsten Werken der Nürnberger Malerei vor Albrecht Dürer. Großprojekte wie dieses waren nur im Zusammenspiel zahlreicher Mitarbeiter zu bewältigen. Das Retabel entstand in der Werkstatt von Hans Traut, die in der Kunstproduktion der Reichsstadt im späten 15. Jahrhundert markbestimmend war.
 

Weniger
Titel
Hl. Lukas malt die Madonna, Marter des hl. Sebastian; Hll. Katharina und Barbara (Außenseite)
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Altarbild
Inventarnummer
Gm144
Proviso
Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Nürnberg
Herstellungsdatum
1487
Hersteller
Meister des Augustiner-Altars (Hans Traut) und Werkstatt mit Rueland Frueauf d.Ä.
Hans TrautTraut, Hans AKL
Klassifikation
Altarbild
altarpieces
altar-piece
Material und Technik
Malerei und Metallauflagen auf Tannenholz
Beschreibung
Die Tafel entstammt einem Veitsretabel aus der 1816 abgerissenen Klosterkirche der Augustinereremiten in Nürnberg. Zu dem zweifach wandelbaren Triptychon gehören: Zwei Standflügel (Gm 146/1279, Gm 147/1280), zwei wandelbare Flügelpaare des Schreins (Gm 142–145) und zwei Flügel der Predella (Gm 148/149).
Vermerk am Objekt
Inschrift: SANCTA BARBARA (Nimbus rechts)

Vitrinentext
Sog. Augustiner-Altar. An Festtagen war wohl ein Mittelschrein mit Schnitzfiguren zu sehen. Die Flügel zeigen die hll. Bernhard, Christophorus und Sebastian sowie den Evangelisten Lukas, der die Gottesmutter malt. Bei einfacher Schließung erschienen die im Spätmittelalter populären Heiligen in monumentalen Figuren. Der geschlossene Altar zeigt das Martyrium des hl. Veit, des Patrons der Kirche. Als Maler gilt der aus Speyer stammende Hans Traut. Zusammen mit seiner Werkstatt führte er 1487 den monumentalen Auftrag aus. Das Retabel zählt zu den bedeutendsten Leistungen der Nürnberger Malerei vor Albrecht Dürer.

So-called Augustiner-Altar. A central shrine with carved figures was probably visible on feast days. The wings show Saints Bernard, Christopher and Sebastian as well as Luke, the Evangelist, painting the Virgin. Folding shut one set of wings displays these saints, who enjoyed great popularity in the Late Middle Ages, in monumental size. The closed altarpiece shows the Martyrdom of St. Vitus, the patron saint of the church. The painter is thought to be Hans Traut, a native of Speyer. He executed this large-scale commission in 1487. The altarpiece is one of the significant works of Nuremberg painting prior to Albrecht Dürer.

Literatur
Siehe Gm 142
Daniel Hess, Dagmar Hirschfelder, Katja von Baum (Hrsg.): Die Gemälde des Spätmittelalters im Germanischen Nationalmuseum, Band I: Franken, 2 Teilbände. Regensburg 2019, Kat.-Nr. 43 (Katja von Baum, Lisa Eckstein, Beate Fücker, Judith Hentschel, Daniel Hess, Joshua P. Waterman). Weitere Literatur.