„Mutter und Kind“
Das Doppelvirginal zählt zu den sogenannten Kielklavieren. Wie bei Cembalo und Spinett werden die Saiten durch Federkiele gezupft. Die Besonderheit dieses Virginals besteht darin, dass es zwei eigenständige Instrumente in sich vereint. Die niederländische Bezeichnung „De Moeder met het Kind“ wurde im Deutschen als „Mutter und Kind“ übMehr

„Mutter und Kind“
Das Doppelvirginal zählt zu den sogenannten Kielklavieren. Wie bei Cembalo und Spinett werden die Saiten durch Federkiele gezupft. Die Besonderheit dieses Virginals besteht darin, dass es zwei eigenständige Instrumente in sich vereint. Die niederländische Bezeichnung „De Moeder met het Kind“ wurde im Deutschen als „Mutter und Kind“ übernommen. Das Hauptinstrument hat rechts unten eine Aussparung mit einer Klappe, in die das kleine Instrument passgenau hineingeschoben werden kann. Sinnbildlich ist es darin wie das Kind im Bauch einer Mutter geborgen.

Eine flämische Besonderheit
Flandern und insbesondere dessen größte Stadt Antwerpen war eines der Zentren der Cembalo-Baukunst im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts. Doppelvirginale waren eine flämische Spezialität, und bis heute sind nur etwa ein Dutzend dieser außergewöhnlichen Musikinstrumente bekannt. Dieses Instrument wurde 1580 von Marten van der Biest in Antwerpen gebaut.
Schiebt man das kleine Instrument in die dafür vorgesehene Öffnung können zwei Personen miteinander musizieren. Das kleinere „Kind“ kann aber auch direkt über die Klaviatur der „Mutter“ gesetzt werden. Auf diese Weise kann eine Person beide Instrumente gleichzeitig spielen, vergleichbar den Manualen einer Kirchenorgel. Weil das kleinere Instrument eine Oktav höher gestimmt ist, wird das Klangbild dadurch aufgehellt.

Die Frau im Bild
Eine weitere Besonderheit dieses Instruments ist die aufwendige Bemalung. Das Hauptbild auf dem aufgeklappten Deckel ist perspektivisch so angelegt, dass die davor sitzende und spielende Person zu einem Teil der abgebildeten Garten-Szene wird und damit Teil der musizierenden Festgesellschaft. In der flämischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts werden Damen der gehobenen Gesellschaft oft an einem Virginal abgebildet. Aus dieser Charakterisierung als Dameninstrument leitet sich auch der Versuch her, die Bezeichnung „Virginal“ durch das lateinische „Virgo“ für „Jungfrau“ zu erklären. Diese These ist jedoch bis heute umstritten.
 

Weniger
Allgemeine Bezeichnung
Doppelvirginal
Inventarnummer
MI85
Sammlung
Musikinstrumente
Herstellungsort
Antwerpen / Niederlande
Herstellungsdatum
1580
Hersteller
van der Biest, Martinus (Hersteller)
Maße
Mensur c2 (Hauptinstrument):357 mm
Mensur c2 (Oktavinstrumnet):187 mm
Korpusbreite:1805 mm
Korpustiefe:478 mm
Korpushöhe:264 mm
Stichmaß:498 mm
Klassifikation
Doppelvirginal
Virginal
314.122-6-8
(Eigentliche) Brettzithern Mit Resonanzkasten (Kastenzither)
(Eigentliche) Brettzithern Mit Resonator
(Eigentliche) Brettzithern
Brettzithern
Einfache Chordophone oder Zithern
Chordophone
Beschreibung
Das Instrument besteht aus einem normalen und einem Oktavvirginal. Weitere Beschreibung siehe Lit. Originaler Umfang C/E-c3, nach der Umfangserweiterung C-c3.
Vermerk am Objekt
[Ornament] MA,RTINUS [Ornament] VA,NDER .*. BIEST *M*F* I.5.8.0. [Ornament] (Herstellersignatur, Dockenleiste, aufgemalt)

Literatur
Rettberg, Ralf Leopold von: Die Sammlungen musikalischer Instrumente im Germanischen Nationalmuseum. In: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit, Neue Folge, VII, Heft 2 (1860), Sp. 44-45, Nr. 9.
Doppelvirginal
Double Virginal
Doppelvirginal, Klkangbeispiel
Sound Example