Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert und nur noch gegen Bezugsscheine abgegeben. Die Textilproduktion für militärische Zwecke hatte VorranMehr

Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert und nur noch gegen Bezugsscheine abgegeben. Die Textilproduktion für militärische Zwecke hatte Vorrang. Bei Bombenangriffen, auf der Flucht und durch Plünderungen waren große Kleidermengen verloren gegangen. Außerdem spendeten viele Menschen im Krieg Stoff zur Wiederverwendung. Das alles hatte zur Folge, dass die textilen Reserven der Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs erschöpft waren. Zusätzlich lag die produzierende Industrie am Boden. Doch die Menschen wussten sich zu helfen.

Quasi Couture
Alte, teilweise schon untragbare Kleidung wurde umgearbeitet, zweckfremde Textilien wurden zu Kleidung verarbeitet. Heute würde man von „Upcycling“ oder „Repurposing“ sprechen. Auch dieser Wintermantel hatte ursprünglich eine andere Funktion: Er war ein Schlafsack aus britischen Armeebeständen. Der schwere Wollstoff ähnelt zumindest von Weitem den voluminösen Stoffen, die in den 1940er beliebt waren. Der kantige Schnitt des Mantels orientiert sich an den damaligen Trends, dazu kommen breit abgesteppte Kanten, große Knöpfe, aufgesetzte Taschen und eine gegürtete Taille. Zusätzlichen Schutz bot eine lose Kapuze zum Umbinden.


Deckenmäntel
Der Mantel ist ein Produkt der Schneiderei Gebrüder Mitzlaff in Würzburg. Jedoch konnten auch noch viele Privatpersonen, vor allem Frauen, selbst schneidern. Sie verarbeiteten etwa alte Decken aus Luftschutzkellern und US-Hilfslieferungen, die im Sommer 1947 in CARE-Paketen verschickt wurden, zu sogenannten Deckenmänteln. Jedes dieser Pakete enthielt zwei ungefärbte Decken, Nähzeug, eine Schere und ein Paar Schuhsohlen. So halfen sich die Menschen über die Winterzeit, in der der Mangel am stärksten zu spüren war.
 

Weniger
Titel
Wintermantel
Allgemeine Bezeichnung
Überkleidung (Damen)
Inventarnummer
T6306
Sammlung
Textilien-Schmuck
Herstellungsort
Unterfranken; Würzburg
Herstellungsdatum
1946
Hersteller
Schneiderei Gebrüder Mitzlaff
Maße
VL 113,5 cm, RL 118 cm
Klassifikation
Überkleidung
Überkleidung Damen
Material und Technik
Obermaterial: Baumwolle/Wolle, gelbbraun; Köperbindung; Futter: Acetat, grau; Baumwolle, gelb, hellblau, weiß; Celluloseregenerat, lila; Knopf: Holz; Druckknöpfe: Metall
Vitrinentext
Damenwintermantel

Baumwolle, Wolle, Chemiefaser, Holzknöpfe

Der Mantel wurde aus einem englischen Schlafsack des Ersten Weltkrieges genäht. Stepplinien, Knöpfe, betonte Taschen und Kapuze folgten der neuesten Mode.

Woman's winter coat tailored from a British WW I sleeping bag

Cotton, wool, synthetic, wooden buttons

Literatur
Jutta Zander-Seidel: Kleiderwechsel. Frauen-, Männer- und Kinderkleidung des 18. bis 20. Jahrhunderts (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 1). Nürnberg 2002, S. 170, Abb. 174. Link zur Bibliothek
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