Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konnte man ohne das von Sonnenuhren benötigte Tageslicht auch nachts die genaue Zeit ablesen. Auf ihrer zMehr

Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konnte man ohne das von Sonnenuhren benötigte Tageslicht auch nachts die genaue Zeit ablesen. Auf ihrer zweidimensionalen Scheibe bilden sie das Himmelsgewölbe über einem bestimmten Standpunkt auf der Erde ab. Mit verschiedenen gravierten Einlegescheiben kann man das Gerät auf den jeweiligen Breitengrad einstellen.
Die vielfachen Mess- und Orientierungsfunktionen machten Astrolabien zu einem wichtigen Instrument der Seefahrt. Zusammen mit gedruckten Tabellen erleichterten sie die Navigationsmöglichkeiten von Hochseeseglern.

Antikes Erbe – arabische Herkunft
Entwickelt wurden Astrolabien von griechischen Wissenschaftlern in der Antike. Sie wurden im islamisch-arabischen Kulturraum intensiv genutzt und gelangten im Mittelalter zurück nach Europa. Auch dieses Astrolabium stammt aus dem Nahen Osten. Die eingravierten Namen in arabischer Schrift bezeugen, dass es im 12. oder 13. Jahrhundert vom arabischen Meister Al-Sahl al-Nisaburi für den Herrscher der syrischen Stadt Hama hergestellt wurde. Die Datierung schwankt um hundert Jahre, da es in Hama drei Fürsten gleichen Namens gab. Eine Besonderheit dieses Astrolabiums sind die zwölf arabisch beschrifteten Tänzer und Fabelwesen, die auf der Rückseite als „Sternenzeiger“ dienen. Als Weltmodelle waren so aufwendig gestaltete Astrolabien beliebte Statussymbole von Herrschern.

Ein reines Schaustück?
Auf welchen Wegen dieses Astrolabium nach Nürnberg kam, ist nicht bekannt. Es soll sich im Spätmittelalter im Besitz des Johannes Regiomontanus befunden haben. Der Mathematiker und Astronom war 1471 nach Nürnberg gezogen, wo er systematische Beobachtungen des Himmels mit selbst konstruierten Geräten betrieb. Die Reichsstadt war für ihre Metallhandwerke berühmt und im 15./16. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren für den Bau wissenschaftlicher Instrumente.
Ob das Astrolabium des al-Sahl al-Nisaburi jemals praktisch zum Einsatz kam, ist höchst zweifelhaft. Denn die zugrunde liegenden Fixsternpositionen waren zu seinem Entstehungszeitpunkt bereits veraltet. Möglicherweise handelt es sich um ein reines Schaustück. In Nürnberg gelangte es in die Sammlung der Stadtbibliothek. 1877 kam es als Dauerleihgabe an das GNM, das mit 14 Astrolabien eine der bedeutendsten Sammlung dieser Instrumente weltweit beherbergt.
 

Weniger
Titel
Astrolabium des al-Sahl al-Nisaburi
Allgemeine Bezeichnung
Astrolabium
Inventarnummer
WI20
Sammlung
Wissenschftl. Instr.-Waffen-Pharmazie
Herstellungsort
Hama (Syrien)
Herstellungsdatum
1178 / 1191 oder 1284 / 1299
Hersteller
Al-Sahl al-Nisaburi (auch: Al-Sahl al-Asturlabi al-Nisaburi )
Maße
H. 25,3; Dm. 16,6; Stärke: 2,8 cm
Material und Technik
Messing, Silbereinlagen, Silberauflagen
Beschreibung
Am Thron und rückseitig mit Widmungsinschrift (Herrschername) und Herstellersignatur bezeichnet. Die um hundert Jahre schwankende Datierung ist der mehrfachen Amtszeit dreier gleichnamiger, in der Inschrift genannter Ayyubidenfürsten in Hama geschuldet. Die durchbrochene Silberarbeit der Rete stellt als "Sternenzeiger" figurengestaltig zwölf arabisch beschriftete Tänzer und Fabelwesen dar. Als Astrolabientyp der figürlichen Gestaltung der Rete wegen sehr ungewöhnlich. Die praktische Funktion des Astrolabs ist allerdigs stark in Zweifel zu ziehen, da die zugrunde liegenden Fixtsternpositionen zum Anfertigungszeitpunkt bereits stark veraltet waren. Im 15. Jahrhundert wohl im Besitz des Astronomen Johannes Regiomontanus. 1877 aus dem Besitz der Stadtbibliothek Nürnberg als Dauerleihgabe an das Germanische Nationalmuseum gelangt.
Literatur
Schätze der Astronomie. Arabische und deutsche Instrumente aus dem Germanischen Nationalmuseum, Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, hg. von Gerhard Bott, bearb. von Johannes Willers und Karin Holzamer, Nürnberg 1983, Kat. Nr. 2. Link zur Bibliothek
Focus Behaim-Globus. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, hg. von Gerhard Bott, bearb. von Johannes Willers u.a., Nürnberg 1992, Bd. 2, Kat. 1.71 [David A. King; mit älterer Literatur]. Link zur Bibliothek
Christine Sauer: Die Memorabilien in der Stadtbibliothek Nürnberg, in: Dies. (Hg.): Wunderkammer im Wissensraum. Die Memorabilien der Stadtbibliothek Nürnberg im Kontext städtischer Sammlungskulturen, Wiesbaden 2021, S. 55-64, Abb. 2.26. Link zur Bibliothek
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