Titel
Hl. Lambertus in Architekturtabernakel
Allgemeine Bezeichnung
Glasgemälde, spitzbogige Scheibe
Inventarnummer
MM8
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Mittelrhein
Herstellungsdatum
um 1280/1290
Maße
mit Rahmen: H. 75,2 cm, B. 30,2 cm, T. 1,8 cm; lichte Maße: 71,5 cm, B. 27,4 cm
Klassifikation
Glasmalerei
Glasgemälde
Material und Technik
farbiges Hüttenglas mit Schwarzlotmalerei
Beschreibung
Die spitzbogige Scheibe zeigt den vor weißem Karogrund stehenden Hl. Bischof Lambertus mit grünem Stab in der Rechten. Zusammen mit ihrem Pendant, dem Hl. Pankratius (Inv.-Nr.: MM 7), stammt die Scheibe aus einem mittelrheinischen Zyklus, wohl aus Kloster Eibingen im Rheingau, von dem weitere Einzelscheiben erhalten und überliefert sind.
Vermerk am Objekt
Beschriftung: in gotischen Majuskeln: S. LAMBERTUS (Um 1280/1290, in Spitzbogen über dem Haupt des Heiligen)

Vitrinentext
Beide Stücke (s.a. MM 7) gehören zu einem Zyklus von mindestes fünf Glasgemälden. Herkunft und Bildprogramm legen das Benediktinerinnen-Kloster Eibingen/Rheingau als Standort nahe. Die Scheiben übertragen einen seit 1260 geläufigen Fenstertypus in das Kleinformat: Sie zeigen ein gemaltes Maßwerkfenster mit Standfiguren vor Grisaillegrund. Die Scheiben illustrieren die Ausstrahlung eines neuen Figurenstils aus dem Kunstzentrum Straßburg in das regionale Milieu entlang des Rheines.

Saint Lambert in an Architectural Frame. Both pieces (s.a. MM 7) belong to a cycle of at least five stained glass windows. The provenance and iconographic program suggests the Benedictine convent of Eibingen/Rheingau as the original location. The glass panels scale down a type of window common since 1260 into a small format: They show a painted tracery window with figures standing against a grisaille ground. The glass panels illustrate the dissemination of a new style of figural depiction issuing from the art center of Strasbourg into the regions along the Rhine.

Literatur
Die freiherrlich von Zwierlein'schen Sammlungen zu Geisenheim. Versteigerungskatalog H. Lempertz und Söhne. Köln 1887, S. 13, Nr. 144.
August von Essenwein: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Glasgemälde aus älterer Zeit. 2. Auflage. Nürnberg 1898, S. 6.
Hermann Schmitz: Die Glasgemälde des königlichen Kunstgewerbe-Museums in Berlin. Berlin 1913, Bd. 1, S. 23 (zwei angeblich aus St. Kunibert stammende kölnische Scheiben mit Figuren in wenigen bunten Hüttengläsern vor Grisallegrund).
Heinrich Oidtmann: Die rheinischen Glasmalereien vom 12. bis 16. Jahrhundert. Düsseldorf 1912, Bd. 1, S. 160, Abb. 293/294 (bezeichnende Stücke Kölner Ursprungs aus der Zeit um 1300).
Hans Wentzel: Meisterwerke der Glasmalerei. Berlin 1954, S. 95, Abb. 128 (Zustand mit alten Flickstellen; angeblich aus St. Kunibert in Köln, um 1320). Link zur Bibliothek
Herbert Rode: Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes (CVMA Deutschland IV,1). Berlin 1974, S. 28, Anm. 119, S. 95, Anm. 322 (die zuletzt um 1320 datierten Scheiben könnten wegen ihres spätromanischen Fonds und ihrer frühgotischen Fialen vielleicht schon um 1280 enstanden sein; Kölner Scheiben).
Rainer Kahsnitz. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. München 1977, Nr. 79 (um 1280). Link zur Bibliothek
Daniel Hess. In: Europäische Glasmalerei im Jahrhundert des Kölner Dombaus (1248-1349). Ausst.Kat. Schnütgen-Museum Köln. Köln 1998, S. 210-211, Nr. 37 (laut Angabe auf der Inventarkarte soll sich eine dritte aus Geisenheim stammende, damals ebenfalls von Zschille erworbene Scheibe mit dem Hl. Augustinus in Zschilles Besitz in Großenhain verblieben sein; zum Foto dieser Scheibe vgl. Hess, ebenda, S. 210, Abb. 1). Link zur Bibliothek
Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2001, S. 50 (um 1280/1290, Kloster Eibingen?). Link zur Bibliothek
Daniel Hess. In: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 2). Nürnberg 2007, S. 17, 266, 268 [urn:nbn:de:bsz:16-artdok-47176], 420, Kat. 360, Abb. 236. Link zur Bibliothek