Titel
Knabe als Harlekin verkleidet (Allegorie des Gesichts und des Gefühls)
Allgemeine Bezeichnung
Figur aus Sandstein (von vier Kinderfigur; Garten von Schloß Thurn bei Forchheim)
Inventarnummer
Pl.O.2767
Sammlung
Skulptur bis 1800
Herstellungsort
Mittel-Franken; Nürnberg ID: 7004334; Nürnberg
Herstellungsdatum
um 1762
Hersteller
Bonaventura Joseph Mutschele
Bonaventura Joseph Mutschele (1728-1780/1782); geboren in Bamberg, gestorben in Moskau; Sohn und Schüler des Bildhauers Johann Georg Mutschele (vor 1690-1746), Bruder und Mitarbeiter des Franz Martin Mutschele [vgl. Maué (1997) Kat. Nr. 64 und 65] (Bildhauer in Stein und Holz, Modelleur für Porzellan; 1751 in Straßburg nachweisbar, 1753 wieder in Bamberg (dekorative Schnitzereien und Möbel); 1754 erste Zusammenarbeit mit Bruder in St. Michael, Bamberg (Grabmal des 1753 verstorbenen Johann Philipp Anton von Franckenstein); 1755-1756 Wappen und Altanen des Bamberger Rathauses; 1758 Übersiedlung nach Augsburg, dort 1759 Heirat mit der Witwe des 1749 verstorbenen Bildhauers Egid Verhelst; ab 1762 in Nürnberg, 1765-1768 Fürth, danach wieder Nürnberg, Aufträge der Nürnberger Patrizier und des fränkischen Adels (Pfinzing-Grabmäler in Henfenfeld [Kreis Hersbruck] und Großgründlach bei Nürnberg bzw. Apollo-Gruppe für die Bekrönung des Bayreuther Apollo-Tempels), außerdem Arbeiten für Bamberger Domkapitel; 1771 Übersiedlung nach Rußland, Ernennung zum Hofbildhauer in Moskau (und vielleicht zum Modelleur der Gardtnerschen Porzellanmanufaktur in Werbilky/Gouvernement Moskau))
Maße
H. 92 cm - Plinthe: B. 27,5 cm; T. 28,5 cm - Sockel: H. 78 cm; B. 40 cm; T. 42 cm
Material und Technik
gelblichgrauer Sandstein - aus einem Block gearbeitet; Rückseite sorgfältig modelliert
Beschreibung
Auf schlichtem Pfeilersockel mit Profilierung an Ober- und Unterkante und vertieften Panneaus. Rundplastische Statue auf angearbeiteter, nahezu quadratischer Plinthe mit wellenlinienartiger Riefelung, aus der an der Rückseite ein sich verzweigender, spärlich belaubter Baumstumpf aufwächst. Der barfüßige Knabe ist mit einer großen, Augen und Nase bedeckenden Halbmaske, einem aus dreieckigen und viereckigen, auf die Spitze gestellten Tuchflicken zusammengenähten Anzug, einem spitzen Hut und der an der linken Hüfte getragenen Pritsche als Harlekin kostümiert. Die Figur ist ähnlich wie Pl.O.2765 aufgebaut. Der Kopf mit den kurzen Haaren ist in den Nacken gelegt. Der Knabe hält mit beiden Händen seinen Hut fest, in dem ein großer Krebs sitzt, der im Begriff ist, den Jungen in den linken Zeigefinger zu kneifen.
Literatur
Claudia Maué: Die Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum, Tl.1, Franken. Nürnberg 1997, S. 104-112 m. Abbn., Kat. Nr. 35. - Claudia Maué: Ferdinand Tietz, seine Werkstatt und sein Umkreis. Fragen zu Stil und Qualität. In: Wolfgang Brassat (Hrsg.): Ferdinand Tietz 1708--1777. Petersberg 2010, S. 29.
86. Jahresbericht des GNM (1939) S. 44, Abb. 27 (Kat. Nr. 35), Abb. 28 (Kat. Nr. 36); Tomforde (1941) S. 30; Sitzmann (1957) S. 97 und 437; Breuer (1961) S. 206; von Egloffstein (1972) S. 187; Festschrift GNM (1978) S. 627-628 (erwähnt); Bott (1982) S. 587 und 590, Abb. 14-17; Trost (1987) S. 73-75, 79, 293-294, Kat. Nr. 45-48, Abb. 43-46; Lindemann (1989) S. 382-384, Kat. Nr. 22.6.1-4, Abb. 397-400
Frank Matthias Kammel: Waffen, Jagd, Gartenkultur. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlung. Nürnberg 2012, (S. 135-142), S. 142. Link zur Bibliothek