Titel
Lohn für harte Prüfung
Allgemeine Bezeichnung
Spielstein
Inventarnummer
SZ883
Sammlung
Volkskunde-Spielzeug-Judaica
Herstellungsort
Augsburg
Herstellungsdatum
Ende 17. Jahrhundert
Hersteller
C.J. Leherr
Material und Technik
Ahorn, gedrechselt, geprägt
Beschreibung
Der gedrechselte Rahmen ist zweifach gestuft. Das Bildfeld ist durch einen dünnen umlaufenden Linienkreis von der lateinischen Umschrift abgesetzt. Den Beginn der mit Buchstabenpunzen in den Stempel geschlagenen Umschrift markiert jeweils eine Rosette. Die Umschriften von Vorder- und Rückseite bilden zusammen einen Hexameter. Vs. Ein geflügelter Genius in langem Gewand züchtigt mit einer Geißel einen auf einer steinernen Bank sitzenden gefesselten Mann mit bloßem Oberkörper. Umschrift: PERFER ET OBDURA (Halte durch und sei hart). Die Umschrift ist Ovid entnommen, der dieses Sprichwort in seiner „Liebeskunst“ wie auch in den „Tristia“ verwendet. In der Liebeskunst, 2. Buch, Vers 178 heißt es vollständig: Perfer et obdura: postmodo mitis erit (Halte durch und sei hart, danach wird es sanft sein) und in den Tristia Vers 14: Perfer et obdura; multo graviora tulisti (Halte durch und sei hart, du hast schon sehr viel Schwereres ertragen). Rs. Vor einer strahlenden Sonne steht derselbe Genius auf einem kleinen Erdhügel und hält in seinen Händen einen Korb mit Blumen sowie eine einzelne Blüte. Im Hintergrund erstreckt sich ein Französischer Garten, eingefasst von schlanken Bäumen. Umschrift: GRATA SVPER VENIET (Beglückend wird es dazukommen). Die Umschrift ist den Briefen des Horaz, 1. Buch, 4. Brief, Vers 14 entnommen, der vollständig heißt: Grata superveniet quae non sperabitur hora (Beglückend kommt die unverhoffte Stunde hinzu). Die Embleme auf Vorder- und Rückseite besagen, dass dem Menschen nach überstandener Prüfung Beglückendes widerfahren wird.
Vermerk am Objekt
Inschrift: GRATA. SVPER. VENIET. (Rs., Beglückend wird es dazukommen.)

Literatur
A. v. Forster: Die Erzeugnisse der Stempelschneidekunst in Augsburg und Ph. H. Müllers. Leipzig 1910, Nr. 621.
G. Himmelheber: Spiele. Gesellschaftsspiele aus einem Jahrtausend. München 1972, Nr. 180.
H. Maué: Spielsteine mit Bildern 1530-1900. Nürnberg 2020, Nr. 208.
Zum Emblem A. Henkel—A. Schöne: Emblemata. Stuttgart 1967, Sp. 1097.