Titel
Heroldsrock oder "Fahne Karls des Großen"
Allgemeine Bezeichnung
Textilien
Inventarnummer
T548
Proviso
Leihgabe. Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg
Sammlung
Textilien-Schmuck
Herstellungsdatum
14. Jahrhundert und um 1880
Maße
H 124 cm, B 114 cm
Klassifikation
Textilien
Textilien
Material und Technik
Grund Seide, gelb, Leinwandbindung, Baumwolle, ungefärbt, Leinwandbindung, Stickerei Seide, weiß, rosa, hellblau, Metallfäden, gold- und silberfarben, Applikationen Seide, braun, rot, Leinwandbindung, Stickerei Metallfäden, goldfarben, Seide, weiß, hellblau, grau, Fransenborte Seide, rot, Futter Seide, braun, Leinwandbindung, Trägergewebe Leinen, ungefärbt, Leinwandbindung
Standort
Dauerausstellung Mittelalter
Vitrinentext
Die Stickerei ist ein Beispiel für den Weg eines mittelalterlichen Originals unbekannter Herkunft zum historisierenden Konstrukt. Bis ins 19. Jh. befand sie sich als angebliche Fahne Karls des Großen im Kloster Neustadt am Main. Schon damals besaßen die Stickereien nicht mehr ihre ursprüngliche Gestalt und waren als Längsstreifen zusammengefügt. Um 1880 wurden sie in der heutigen Form auf neues Leinen genäht und galten fortan als ältester erhaltener Heroldsrock. Stickereien aus Vierpässen und Fabeltieren begegnen im 13. und 14. Jh. auch auf Seidenstoffen und Stickereien. Adlermotive zierten nicht nur Wappenröcke, sondern auch Fahnen und andere Textilien. Bei der Montierung der Fragmente im 19. Jh. orientierte man sich an Bildzeugnissen mittelalterlicher Heroldsgewänder. Diese trugen auf Vorder- und Rückenteil das Wappen der Herren, denen die Herolde als Wappenkundige, bei Turnieren oder Kriegszügen dienten.

The embroidery is an example of a medieval original of unknown origin turned into a historicized construct. Regarded as Charlemagne's flag it was kept in the Neustadt am Main monastery until the 19th century. The embroideries no longer had their original form and were joined in a long strip. In ca. 1880 they were sewn together onto a new linen ground and were considered from then on as the oldest surviving herald's tabard. The basic quatrefoil and mythical beast pattern of the embroideries is also found in the 13th and 14th c. on silk and embroideries. Not only tabards but also flags and other textiles were decorated with eagles. To help assemble the fragments in the 19th c., me dieval pictures of herald's tabards were used. They were emblazoned on front and back with the coat of arms of their lords, whom they served as heraldic experts, in tournaments or campaigns.

Literatur
Johann Adolph Kraus: Die Benediktiner-Abtei Neustadt am Main. Historische Monographie. Würzburg 1856, S. 77.
Georg Link: Beschreibung der Benediktinerabtei Neustadt am Main. Festgabe zur feierlichen Einweihung der ehemaligen Abteikirche daselbst. Würzburg 1872, S. 117. Link zur Bibliothek
August Essenwein: Die Sammlungen des Germanischen Museums. Wegweiser für die Besuchenden. Nürnberg 1888, S. 86. Link zur Bibliothek
Adolf Feulner: Die Kunstdenkmäler von Unterfranken & Aschaffenburg. Heft IX, Bezirksamt Lohr. München 1914, S. 79. Link zur Bibliothek
Heinrich Kohlhaussen: Geschichte des deutschen Kunsthandwerks. München 1955, Abb. 175, S. 208 Link zur Bibliothek
Florens Deuchler: Die Burgunderbeute, Bern 1963, S. 203.
Weiterführend: Walter Boeckelmann: Die Stiftskirche zu Neustadt am Main. Berlin 1965
Ottfried Neubecker (Hrsg.): Heraldry. Sources, Symbols and Meaning. London 1977, S. 24.
Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852--1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München/Berlin 1978, Abb. 386. Link zur Bibliothek
Geschichtsbilder. Die Gründung des Germanischen Nationalmuseums und das Mittelalter. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums 4). Hrsg. von Jutta Zander-Seidel/Anja Kregeloh. Nürnberg 2014, Kat.-Nr. 86, S. 16, 31, 257-258, 323.

Sie finden das Objekt in der Dauerausstellung mit der Nummer 8: Dauerausstellung Mittelalter

Heroldsrock
Herald’s Tabard